3-Minuten-Kirche am 11. Oktober 2020
 
 
In einem Monat, am 11.11. um 11.11 Uhr beginnt - wie alle Jahre wieder - die närrische Zeit. Bei uns im Norden zumeist eher gebremst, dafür im Westen unseres Landes umso ausgelassener. Das Leben mal richtig genießen, ausleben, was sonst oft nicht geht, feiern, tanzen, Humor, Nähe, Döniken – Unbeschwertheit halt. All das noch einmal so richtig ausleben, bevor es dann carne vale – leb wohl Fleisch – heißt mit Beginn der Fastenzeit. Protestantisch geprägte Norddeutsche tun sich oft etwas schwer mit der rheinischen Fröhlichkeit in dieser Zeit, was aber auch daran liegt, dass sie die Fastenzeit in ihrer Tradition über Jahrhunderte nicht wirklich als solche begangen haben – hatte ja keine religiöse Bedeutung mehr.
 
Im Moment müssen sich alle ziemlich einschränken wegen der wieder zunehmenden Corona-pandemie. Nicht wenigen fällt das schwer. Einschränken, nicht ausleben können, was man gern möchte, macht eigentlich nie wirklich Spaß. Fasten also auch nicht. Es sei denn um eines größeren Ziels willen, dass die Einschränkung wert ist.
 
Im Religiösen gilt das Fasten als Weg das Leben zu gewinnen, indem man vieles von dem zurückstellt, was den Alltag sonst erfüllt. Heißt aus Routinen und Gewohnheiten auszubrechen und sich bewusst Zeit für die Beziehung zu Gott zu nehmen und dafür, neu zu entdecken, was wirklich wichtig ist und das Leben neu darauf hin zu justieren.
Später wurde das Fasten im Blick auf das Heilfasten neu entdeckt. Auch da gilt es Gewohnheiten, Routinen zu durchbrechen, die Lebensart zu überdenken und neu zu justieren um der Gesundheit willen. Wer das Fasten kennt und lebt, weiß auch das Leben da-nach umso mehr und bewusster zu genießen, weil er/sie wieder neu entdeckt hat, was das Leben wirklich erfüllt und freudig macht; weiß aber auch, wie sehr man sich umso mehr auf das freut, was neu wichtig geworden ist, wenn die Zeit der Selbstbeschränkung zu Ende geht.
 
Das Dumme im kommenden Karneval ist nun, dass wir gerade in dieser Fest- und Freudenzeit fasten müssen um der Gesundheit, um des Lebens willen. Die Coronazahlen steigen wieder massiv und auch die Zahl der im Krankenhaus liegenden und daran Verstorbenen nimmt wieder zu. Das zeigt erneut, wie wichtig das Fasten, die Selbstbeschränkung ist in diesen Zeiten, um gerade dadurch das Leben zu gewinnen. Karneval – Fleisch leb wohl – bekommt so einen ganz neuen Klang, weil es sich nicht nur auf das Essen bezieht, sondern auch auf die ersehnte körperliche Nähe zu Freunden und Verwandten. Zuneigung und Wertschätzung wird sich in den kommenden Wochen und Monaten wohl wieder mehr im Abstand und der Distanz als in der Nähe und Umarmung, also einem fürsorglichen Umgang miteinander ausdrücken müssen.
Aber es ist wie beim Fasten schon immer: Wir werden – gerade weil es derzeit nicht geht wie sonst – umso mehr entdecken, was und wer uns wirklich wichtig ist.
Und das dann, gebe es Gott, nach dem vorübergehenden Fasten um des Lebens willen, umso mehr feiern können, wenn die Pandemie vorbei ist.  Diesen Zeitpunkt wollen wir möglichst alle Miteinander erreichen.
Deshalb heißt es schon jetzt fasten,  Karneval – Fleisch leb wohl!   
 
Seien Sie behütet! Herzlich grüßt Ihr Pastor 
 
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Monatsspruch Oktober 2020

Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum HERRN; denn wenn's ihr wohlgeht, so geht's euch auch wohl.
(Jer 29,7 )
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