3-Minuten-Kirche am 18. März 2020

 

 

Bleiben Sie gesund!

Diesen Wunsch höre ich häufig in den letzten Tagen – und auch ich gebe ihn vielen mit auf den Weg, persönlich oder elektronisch.

Es ist etwas, das uns alle verbindet, in dieser Zeit, die alles bisher Gewohnte aus den Fugen geraten lässt. Das Leben vieler Menschen ist gefährdet und wir alle können und müssen unseren Teil dazu beitragen, die Ausbreitung der Pandemie zu verlangsamen. Es fordert viel Geduld und Besonnenheit, um angesichts der Meldungen und der Hamsterkäufe nicht in Panik zu geraten. Es kostet Kraft, sich auf die neue Situation einzustellen.

Da braucht es Kraftquellen, um neue Kraft zu schöpfen. Der Gottesdienst ist für viele Menschen eine solche Kraftquelle. Auch wenn zur Zeit keine Gottesdienste stattfinden können, gibt es verschiedene Möglichkeiten, Gottes Wort als Kraftquelle zu nutzen. Nicht nur Fernsehgottesdienste und Radioandachten oder hier unsere „3-Minuten-Kirche“. 

Viele Menschen verabreden sich zu bestimmten Zeiten zum gemeinsamen Gebet oder zur Andacht. Auch wenn wir allein zu Hause sind, können wir uns im Gebet mit vielen anderen verbunden wissen.

Eine Kraftquelle kann auch ein Bibelwort sein, das durch das Leben begleitet. Das kann der Tauf-, Konfirmations- oder Trauspruch sein, aber auch ein ganz anderer. Ich wurde vor einiger Zeit einmal nach meinem Lieblingsspruch aus der Bibel gefragt. Spontan fiel mir als erstes ein Vers aus Psalm 139 ein: „Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.“ Ein Vers, der für mich viel über die Nähe Gottes auch in schwierigen Zeiten sagt.

Egal was kommt, kann ich mich bei Gott sicher geborgen wissen. Er hält mich in seiner Hand, im Leben und im Sterben. Ein Vers, der mir auch in dieser Zeit immer wieder Kraft gibt.

Wir brauchen in schwierigen Zeiten Worte und Taten, die uns Mut machen. Und der Wunsch „Bleiben Sie gesund!“ gehört für mich dazu. Dieser Wunsch ist wie ein Segenswunsch, der sagt: „Bleiben Sie von Gott behütet!“

Ich bin mir sicher, dass Gott uns durch diese Zeit trägt und uns nicht verlässt, egal, was kommt.

In diesem Sinne: Bleiben Sie gesund und von Gott behütet!

Ihre Pastorin 

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3-Minuten-Kirche am 25. März 2020

 

 

Ich mag Comic-Verfilmungen. Ich bewundere die Helden. Eben waren sie noch ganz alltägliche Typen. Dann wächst eine neue – oft außerirdische – Kraft in ihnen. Und die Geschichten folgen immer dem gleichen Schema: Gut kämpft gegen Böse. Und Gut gewinnt. Happy End garantiert.

Dieser Tage fühle ich mich auch manchmal wie in einem Marvel-Film. Der Alltag ist gehörig auf den Kopf gestellt und die ganze Welt kämpft gegen eine neue, fremdartige Bedrohung. Die Verbreitung des Corona-Virus und die Bilder gesellschaftlichen Folgen werden sicher irgendwann als Hollywood-Blockbuster über die dann wieder geöffneten Kinoleinwände flimmern. Und wahrscheinlich wird es auch in den Verfilmungen eine Reihe von Helden geben und natürlich ein Happy End.

Doch derzeit scheint das Happy End noch weit entfernt. Und wo sind eigentlich die gerade jetzt so dringen nötigen Helden für unsere Geschichte?

Ich sehe sie – in den Nachrichten, die von Testzentren, aus Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen berichten. Da arbeiten sie Tag für Tag für die Erkrankten und gegen die Hilflosigkeit.

Ich treffe sie – beim Einkaufen.  Da haben sie neben ihrem eigenen auch den Einkaufszettel der gefährdeten Nachbarn im Blick und sorgen für andere.

Ich lese von ihnen – in der Zeitung und im Internet. Da wird berichtet von den vielen Menschen, die weiterarbeiten, nach Lösungen suchen und sich einsetzen – egal, ob in der Medizin, der Wirtschaft, den sozialen Berufen, ...

Ich spreche mit ihnen – den Eltern, die versuchen, ihren Kindern die Angst zu nehmen. Den Alleinlebenden, die Sorge vor der Einsamkeit umtreibt. Die Kleingewerbetreibenden, die um ihre geschäftliche Existenz bangen.

Die Liste der Ängste und Sorgen ist lang, ein Happy End nicht in Sicht. Und doch sind sie alle meine Helden. Denn allen gemein ist der Wille, die Krise zu bewältigen. Und die meisten von ihnen denken dabei nicht nur an sich, sondern versuchen darüber hinaus, Solidarität zu üben und auch für andere da zu sein. Ich bewundere sie für die Kraft, mit der sie jeden neuen Tag und jede neue Herausforderung angehen. Auch in mir spüre ich manchmal diese ungeahnte Kraft, die mich nicht verzweifeln lässt. Ich danke Gott dafür!

Ihre Diakonin 

 

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3-Minuten-Kirche am 29. März 2020
 
 
 
Am 9. April jährt sich zum 75. Mal der Todestag von Dietrich Bonhoeffer. Am berühmtesten dürfte wohl sein Gedicht „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ sein. Dietrich Bonhoeffer hat den Text in Gefangenschaft geschrieben. Seine Worte bringen ein tief empfundenes Vertrauen zum Ausdruck. Ein Vertrauen, das auch durch die äußeren Umstände nicht zunichte gemacht werden kann. Ein Vertrauen, das Kraft und Zuversicht gibt. Ein Vertrauen, das wir alle in diesen Tagen gut gebrauchen können.
 
Angesichts der Corona-Krise muss ich aber auch besonders an einen anderen Text von Bonhoeffer denken. Nämlich sein Glaubensbekenntnis. Das beginnt so: „Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will.“
 
Dieser Satz drückt ein unglaublich großes Vertrauen zu Gott und zum Leben aus; ein Vertrauen, das sich eben gerade nicht auf die äußeren Umstände stützt. Ich höre aus diesen Worten ein Vertrauen darauf, dass sich am Ende das Gute, die Liebe und das Leben durchsetzen werden; auch wenn es in der jeweiligen Situation alles andere als „gut aussieht“.
 
Momentan sieht es weltweit ja auch eher besorgniserregend als hoffnungsvoll aus. Und es ist auch überhaupt nichts Gutes am Corona-Virus zu finden. Es bringt unzählig viel Leid und Tod über die gesamte Welt. Ohne Frage wird das Virus die Welt verändern. Und auch wenn es für sehr viele Menschen negative Folgen haben wird, bin ich zuversichtlich, dass dennoch auch etwas Gutes daraus entstehen kann.
 
Vielleicht bleiben ja das Gefühl der Solidarität und die Nachbarschaftshilfe, die momentan in unserem Land in ungeahntem Ausmaß zu beobachten sind. Vielleicht bleiben ein verändertes Bewusstsein und eine Dankbarkeit dafür, wie gut es uns in Deutschland geht. Vielleicht nehmen wir nach den Entbehrungen, der Ungewissheit und den Sorgen zukünftig unseren Alltag und unsere wiedergewonnenen Freiheiten mit einer größeren Wertschätzung wahr.
Vor allem aber hoffe ich, dass dieses Ereignis uns zu einem neuen Bewusstsein darüber führt, dass wir Menschen eine Einheit sind. Wir Menschen sind wie ein Körper, der aus vielen Organen besteht.
Diese Bild hat auch schon Paulus genutzt, um die Zusammengehörigkeit unter den Menschen zu verdeutlichen.
Und die Corona-Krise führt uns das auf dramatische Weise vor Augen: Wenn ein Teil der Welt krank ist und leidet, hat das am Ende Auswirkungen, die alle betreffen.
 
Dass wir Menschen aus dieser Situation für die Zukunft die passenden Maßnahmen ergreifen, ist meine Hoffnung. Trotz allem hoffe ich - ja glaube ich, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will.
Und ich glaube Corona ist da keine Ausnahme.
 
Ihr Pastor   
 
 
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3-Minuten-Kirche am 01. April 2020

 

 
Die Sonne scheint. Die Forsythien blühen. Ich schneide die Rosen im Vorgarten. Mein Gärtner-Wissen ist eher rudimentär. Vieles mache ich aus dem Bauch heraus, anderes lese nach. Immerhin weiß ich, dass man Rosen schneidet, wenn die Forsythien blühen.
Die Bodendeckerrosen habe ich lange wachsen lassen. Sie sind groß geworden und derart wild verzweigt, dass ich ihnen nur mit dicken Lederhandschuhen zu Leibe rücke. Ich arbeite mich von unten nach oben und schneide alle Triebe rigoros zurück.
Währenddessen gehen meine Gedanken auf Wanderschaft.
 
Pflanzen müssen regelmäßig geschnitten werden. Es gibt den Erziehungsschnitt, den Verjüngungsschnitt oder auch den Wachstumsschnitt. So hält man die Pflanze gesund, in Form und blühfreudig.
 
Auch wir werden gerade beschnitten. Unser Leben, unser Alltag, unser Miteinander ist massiv verknappt. Dient das unserer Erziehung, Verjüngung oder dem Wachstum? Kann es sein, dass wir am Ende der Krise aufgeräumt, blühend und gesund dastehen?
 
Ein Geruch steigt mir in die Nase. Es dauert, bis ich erkenne, was es ist. Im letzten Jahr waren unsere Rosen stark befallen. Nachdem alle ökologisch wertvollen Mittel nicht geholfen haben, wurden sie mit einem Fungizid besprüht. Das ist der Geruch. Monate später steigt er mir nun in die Nase. Wie gut, dass ich einen Großteil der Triebe wegschneide und die Reste des Giftes damit entsorge. Die Rosen können jetzt neu und giftfrei ausschlagen.
 
Welches Gift wird uns gerade ausgetrieben? Wie lange wird es dauern, bis unser Leben wieder ausschlägt, neue Triebe ermöglicht und befreit von Altlasten zu neuer Schönheit aufblüht? Und wird es uns gelingen, das Gift in Zukunft wegzulassen?
 
Während ich weiter die dornigen Triebe schneide, ertappe ich mich bei dem Gedanken, ob ich den Rosen mit dem Radikalschnitt vielleicht doch schade?
 
Könnte die momentane Situation unserem Leben irreparable Schäden zufügen?
 
Ich glaube, wir werden - den Rosen gleich - zu neuem Leben gedeihen.
Gott will das Leben. Ich vertraue darauf.
 
Ihre Diakonin    
 
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3-Minuten Kirche am 05. April 2020
 
 
 
Das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht ergriffen!
Johannesevangelium Kapitel 1, Vers 5
 
Christen begehen in diesen Tagen vor Ostern die sogenannte Karwoche, deren Höhepunkt Karfreitag ist. Bevor dann die neue Woche mit dem Auferstehungs-Sonntag, mit Ostern, beginnt. (Der Sonntag ist ja nach christlich-jüdischer Tradition der erste Tag der Woche nach dem Sonnabend dem Sabbat als 7. Tag. Und er wird jede Woche begangen und ist freier Tag, weil Christus am ersten Tag der Woche auferstanden ist).
 
In der Karwoche denken wir daran, dass Jesus Christus ins Leiden, in die Verfolgung durch die Menschen geht und am Karfreitag qualvoll hingerichtet wird, als sei er ein Schwerverbrecher.
 
Ich gebe zu, dass ist an sich keine sehr anziehende, sondern vielleicht eher eine abschreckende Geschichte. Und der Bedarf, sie wahrzunehmen, hat in unserer Zeit, da alles Leid eher als ein Betriebsunfall erscheint, den man hätte verhindern müssen, sehr nachgelassen. Das zeigt nicht zuletzt die Beteiligung an den Passionsandachten.
Das Leben soll doch schön sein. Wer mag da an sowas denken? Gerade in einer Zeit und einem Umfeld, wo doch hier bei uns das allermeiste scheinbar recht schön ist. Und den Rest, der uns in Krankenhäusern, Pflege- und Behindertenheimen, auf den Friedhöfen begegnet, oder auch in den Nachrichten aus aller Welt, blenden wir dann gerne aus.
 
Aber Nein! Es ist nicht alles gut in der Welt, nicht nur in Afghanistan nicht, sondern auch sonst, auch bei uns. Es gibt nicht nur die helle, sondern auch die dunkle Seite des Lebens. Ist das Dunkel kein Leben? Wenn ich bei Sterbefällen Familien begleite, die die Trauer, die ja aus der dankbarer und gerade deshalb schmerzlicher Erinnerung erwächst, den Verlust wirklich miteinander tragen, habe ich oft den Eindruck, hier ist viel mehr an erfülltem Leben, an Nähe und Gemeinschaft, tiefgehenden Leben als auf der tollsten Party oder Urlaubsreise.
 
Dunkel, Leid sucht sich keiner freiwillig aus. Aber es ist ganz und gar nicht der Gegenpol zum Leben. Es gehört dazu. Ist ein Teil davon. Die Frage ist, wie wir damit umgehen, wie wir uns dazu stellen. Weglaufen davor können wir sowieso nicht, so gern wir es vielleicht auch manchmal möchten.
 
Christen vertrauen darauf, wir brauchen das Dunkel des Lebens schon deshalb nicht auszuklammern verdrängen, weil Gott in seiner Liebe selbst, in Jesus Christus in das tiefste Dunkel gegangen und dort für uns da ist.
Das Leid, das Dunkel, ist ein Ort wo Gott nahe ist. Das ist die Botschaft von Karfreitag! Er ist da, was immer auch geschieht. Nirgends und nie mehr sind wir allein!
 
Das ist meine Hoffnung in dunklen Tagen, die es immer wieder neu zu finden und zu bestärken gilt: Das Licht scheint in der Finsternis und die Finsternis, so dunkel sie ist, hat keine Chance, hat das Licht Gottes nicht ergriffen. Das Leben, das er schenkt wird siegen.
 
Eine gesegnete, eine von Gottes Nähe gezeichnete und darum getroste Zeit.
Ihr Pastor  
 
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3-Minuten-Kirche am 08. April 2020

 

 

Dieser Stein steht normalerweise in meinem Arbeitszimmer im Regal. Eine Erinnerung an unsere Fahrt mit den Hauptkonfirmandinnen und Hauptkonfirmanden im Februar dieses Jahres auf dem Wohldenberg. Wir haben uns in diesen Tagen intensiv mit dem Thema Abendmahl beschäftigt und zum Abschluss gemeinsam einen von allen in unterschiedlichen Gruppen vorbereiteten Abendmahlsgottesdienst gefeiert. Im Gottesdienst gab es von einer der Vorbereitungsgruppen für jeden und jede einen Stein mit Bildern und Symbolen zum Thema.
 
Morgen ist Gründonnerstag. Normalerweise feiern wir an diesem Tag einen Abendmahlsgottesdienst und erinnern uns an das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern. In diesem Jahr feiern wir keine Abendmahlsgottesdienste am Gründonnerstag oder Karfreitag. Das wird nicht nur mir fehlen.
 
Dieser von Konfirmandinnen und Konfirmanden gestaltete Stein erinnert mich umso mehr an die Botschaft dieser Tage: Christus, der sagt: „Dies ist mein Leib, der für Euch gegeben wird. Dies ist mein Blut, das für Euch vergossen wird.“ Daran sollen wir uns immer wieder erinnern. Jesu Worte werden am Karfreitag Wirklichkeit. Dafür steht das Kreuz. Er gibt sein Leben, um uns unsere Schuld abzunehmen. All das, was zwischen uns und anderen Menschen, aber auch zwischen uns und Gott steht.
 
Das Kreuz erinnert mich auch daran, dass es jemanden gibt, bei dem ich meine Sorgen und Ängste lassen kann. Jemand, der Leid, Krankheit, Trauer und Tod genauso kennt wie Freudenfeste. Gerade in dieser Zeit tut es mir gut, mich daran zu erinnern, dass ich mit meinen Sorgen und Ängsten nicht allein bin.
 
Abendmahl und alles Leben in einer christlichen Gemeinde lebt von der Gemeinschaft mit anderen, Gemeinschaft, die im Moment nur aus der Ferne möglich ist. Doch auch aus dieser Ferne dürfen wir uns am Karfreitag, wenn um 15.00 Uhr die Totenglocke läutet, an das Sterben Jesu und seine damit verbundene Zusage erinnern lassen.
 
Mögen Sie hoffnungsvoll durch diese Zeit gehen.
 
Ihre   
 
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3-Minuten-Kirche am 12. April 2020
 
 
Was ist Ostern?
Ein Kind würde wohl sagen:  „Ostern ist ein Tag, an dem wir im Garten nach Schoko-Eiern suchen.“
Ein Historiker würde wohl sagen: „Ostern ist ein Ereignis, das vor gut 2000 Jahren in Jerusalem stattgefunden haben soll.“
Ein Theologe würde wohl sagen: „Ostern ist der höchste Feiertag im Kirchenjahr.“
 
Recht haben sie ja alle. Aber für mich ist Ostern auch etwas Anderes. Für mich ist Ostern eine Haltung, eine Einstellung zum Leben - und zum Tod. Die Freunde von Jesus waren die Ersten, die mit dieser neuen Einstellung gelebt haben. Nachdem sie drei Tage lang traurig und verzweifelt waren, haben sie gespürt: das Leben geht weiter. Und es geht nicht nur irgendwie weiter, sondern weiter mit Gott. Es war so, als wäre Jesus gar nicht gestorben! 
 
Das ist die Ostererfahrung: Das Leben geht weiter, und zwar mit Gott.  Ostern bedeutet: Selbst der Tod kann das Leben nicht besiegen. Das Leben ist stärker als der Tod. 
Denn es ist die Liebe Gottes, die das Leben hervorgebracht hat. Und es ist die Liebe Gottes, die das Leben erhält. Jeden Tag, jede Stunde, jeden Augenblick. Die Liebe Gottes ist die Kraft des Lebens, die Kraft, die das gesamte Leben durchströmt. Und das gilt auch in den schweren Zeiten und dunklen Stunden.
 
Das ist Ostern: Die Gewissheit, dass Gottes Liebe das Leben auch durch das finstere Tal führen wird, wie es im Psalm 23 heißt. Ostern ist die Zuversicht, dass am Ende die grüne Aue und das frische Wasser stehen werden.
 
Paulus formuliert die Osterhoffnung so: „Ich bin ganz sicher, dass uns nichts von der Liebe Gottes trennen kann: weder Tod noch Leben, weder Engel noch Dämonen noch andere gottfeindliche Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Himmel noch Hölle. Nichts in der ganzen Welt kann uns jemals trennen von der Liebe Gottes, die uns verbürgt ist in Jesus Christus, unserem Herrn.“
 
Ostern ist die Zuversicht, dass das gesamte Leben unter dem Segen und der Liebe Gottes steht. Ostern ist das Vertrauen darauf, dass die Liebe Gottes das Leben trägt.
Ostern ist die Gewissheit, dass die Liebe Gottes die größte Kraft ist, die es gibt. 
 
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen auch unter diesen alles andere als fröhlichen Zeiten, frohe und gesegnete Ostern! 
 
Ihr 
 
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3-Minuten-Kirche am 15. April 2020
 
 
Meine Tochter Lea hat in der letzten Woche Schatzsuche gespielt. Erst draußen und dann drinnen mussten viele Aufgaben gelöst und Gefahren überstanden werden, die sie sich selbst ausgedacht hatte, um den Schatz zu finden. Was da so alles getan werden musste erzählte sie mir sehr ausführlich. Ich war dann sehr neugierig und gespannt zu erfahren, wie der Schatz aussieht, den sie sucht. Es war keine Schatzkiste, sondern eine kleine Tasche. Es war auch kein Geld darin oder Edelsteine, sondern Dinge, die ihr wichtig sind, unter anderem dieser Engel:
 
 
Ein Schatz muss eben nicht aus Geld und Gold bestehen. Oft sind es kleine Dinge, die wertvoll sind, uns im täglichen Leben begleiten und so für uns zu einem wertvollen Schatz werden.
 
Ich denke, es gibt in dieser Zeit ganz viele Engel. Es sind Menschen, die für andere einkaufen gehen, nach dem Rechten sehen oder mit einem kleinen Gruß an andere denken und ihnen eine Freude machen.
Für mich ist das gerade ein ganz großer Schatz.
 
In der Ostergeschichte, die Matthäus uns erzählt, spielt auch ein Engel eine wichtige Rolle. Er ist es, der den Frauen vor dem leeren Grab am Ostermorgen sagt: „Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat.“
 
Dieses Jahr war Ostern anders als sonst. Keine gemeinsamen Gottesdienste. Dafür wurde die Botschaft von der Auferstehung Jesu anders und ganz vielfältig weitergesagt. Mit Osterlichtern, Ostergrüßen, Liedern, Gebeten und auch mit zum stillen Gebet offenen Kirchen. Ein Funken Hoffnung in dieser dunklen Zeit, in der wir alle geduldig abwarten müssen, wie es weitergeht.
 
Ich wünsche Ihnen allen einen Engel an der Seite, der dann, wenn es nötig ist, sagt: „Fürchte dich nicht! Du bist nicht allein. Es gibt Hoffnung trotz allem. Weil es Ostern gibt.“
 
Ihre 
 
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3-Minuten-Kirche am 19. April 2020
 
 
Na, die kennen wir doch alle – oder? Pippi Langstrumpf, die freche Göre, erdacht von Astrid Lindgren. Eine ihrer eindrücklichsten Aussagen ist: „Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt!“
Pippi schenkt das eine große Freiheit, ihr Leben freier von Regeln und Konventionen zu gestalten. Und das macht für Kinder und Erwachsene einen großen Teil des Reizes ihrer Geschichten aus.  
 
„Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt!“ Im echten Leben ist das manchmal aber gar nicht lustig und noch weniger hilfreich, sondern gefährlich. Beobachten konnten wir das zuletzt z.B. bei politischen Führern zweier englischsprachiger Länder. Die Welt funktioniert nun mal nicht so, wie ich es gern hätte. Wie verheerend es ist, dennoch nach diesem Motto zu leben und zu handeln, zeigen nicht nur Brexit und amerikanische Außen- und Wirtschaftspolitik. Das zeigt sich gerade jetzt in Corona-Zeiten. Es ist unverantwortlich, so zu agieren.
 
Ich bin froh und dankbar, wie realtätsnah, wissenschaftlich gut beraten, vorsichtig abwägend die Verantwortlichen in großer Mehrheit in Deutschland agieren. Natürlich können sie nicht alle bedrängenden Probleme lösen. Wie denn auch, wenn z.B. verständliche wirtschaftliche Interessen gegen die Bewahrung von Leben stehen. Da gilt es, verantwortlich abzuwägen. Aber sie versuchen das Bestmögliche. Beten wir für sie und uns, dass Ihnen der Geist und die Kraft gegeben sind, damit ihnen das gelingt. Beten wir für die Länder und Menschen, in denen es deutlich schlechter läuft.
 
  „Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt!“ Das war aber nicht nur das Motto von Politik in manchen Bereichen, sondern ist mehr und mehr zur Grundmelodie des Lebens geworden. Ich suche mir aus dem großen Supermarkt der Lebens-Möglichkeiten aus, was mir gefällt. Und dann gehe ich meinen Weg, egal, was das für andere bedeutet. Diese Tendenz ist immer stärker geworden. Selbst jetzt noch, in Zeiten der Bedrohung durch Corona für Gesundheit und wirtschaftliches Überleben Vieler, versuchen Menschen für sich Gewinn zu herauszuschlagen. Wehe Ihnen!
 
Gott sei Dank ganz es auch viel anderes. Das sehe ich schon schon beim Einkaufen: Menschen achten aufeinander, halten fürsorglich die Abstände ein. Sie drängeln sich nicht vor am Tresen, an der Kasse. Und wir merken: Diese Achtsamkeit, das einander wahrnehmen, aufeinander achten, tut uns allen gut. Dazu: Viele menschenfreundliche Projekte entstehen in diesen so anderen Tagen. Aktionen, die danach fragen, was anderen helfen würde und es dann konkret umsetzen. Ich finde bei allem Bedrückenden beglückend, was da geschieht.
Und ich erlebe an mir selbst, dass ich in diesen Tagen, wo das Hamsterrad notgedrungen gebremst ist, die Natur intensiver wahrnehme, die Vögel am Futterhaus, die Pflanzen.
Wenn wir lernten, nicht nur miteinander, sondern zugleich auch mit der Natur, den Mitgeschöpfen achtsamer umzugehen, uns wieder stärker als Teil von ihr zu empfinden ...
 
Herzlich grüßt und seien Sie behütet - Ihr Pastor  
 
 
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3-Minuten-Kirche am 22. April 2020
 
 
Zurzeit gehe ich fast täglich spazieren. Auf meiner Runde durch den Wald komme ich an meinem Lieblingsbaum vorbei. Es ist eine große imposante Buche, die auf schöne Weise verdreht gewachsen ist. Ich bleibe bei ihr stehen, schaue hinauf in den Himmel und lasse meine Gedanken schweifen, horche in mich hinein, spüre meiner Sehnsucht nach.
Sehnsucht. Sehnen und suchen. Doch wonach?
 
So wie unser Alltag, so hat sich auch unsere Perspektive verändert. Unsere Wünsche und Sehnsüchte sind kleiner geworden – und zugleich größer. Ein Widerspruch in sich? Ich denke nicht.
 
Vor der Corona-Krise war unser Sehnen ausgerichtet auf den nächsten Urlaub, das nächste Fußballspiel oder Konzert, die nächste Shopping-Tour, das nächste Treffen mit den Freunden, ... Wir hatten viel vor, viel zu tun und manchmal zu viel zu erledigen.
Heute ist unser Sehnen ausgerichtet auf die nächste Umarmung, die nächste echte Begegnung mit Menschen, die wir vermissen, den nächsten Gottesdienst, vielleicht sogar den nächsten Schultag.
 
Das alles scheinen viel kleinere Dinge zu sein, aber wir ersehnen sie umso schmerzlicher. Denn sie machen unser Leben aus. Wir sehnen uns nach dem ehemals so langweiligen Alltag, den wir vor der Krise mit großem Aufwand aufzupeppen versuchten.
Vorher sehnten wir uns nach dem Extra – heute nach dem Standard. Und das Wegfallen des Standards spüren wir deutlich schmerzlicher, als den Verzicht auf die Extras.
Unsere Perspektive hat sich verändert. Unsere Sehnsucht auch? Wonach sehnen wir uns? Was suchen wir?
 
In der jetzigen Situation suche ich nach einer Konstanten, nach Sicherheit und Gewissheit, nach etwas, das trägt. Glücklich können sich alle schätzen, die das in ihrem Alltag, ihren Beziehungen, ihrem zuhause finden. Doch nicht nur dort.
 
„Ich will euer Glück und nicht euer Unglück. Ich habe im Sinn, euch eine Zukunft zu schenken, wie ihr sie erhofft. Ihr werdet mich suchen und werdet mich finden. Denn wenn ihr mich von ganzem Herzen sucht, werde ich mich von euch finden lassen. Das sage ich, der Herr. Ich werde alles wieder zum Guten wenden.“
So verheißt es der Prophet Jeremia einem verzweifelten und hoffnungslosen Volk Israel, während es in Babylonien gefangen ist.
 
Und stillt damit auch meine Sehnsucht nach Zuspruch und Vergewisserung.
 
Ich glaube, Sehnsucht weist über unsere irdischen Wünsche hinaus. Lasst uns Gott suchen. Ich glaube, er kann unser Sehnen erfüllen – mehr als jeder Standard und jedes Extra es vermag.
 
Ihre Diakonin 
 
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3-Minuten Kirche am 26. April 2020
 
 
 
Der Herr ist mein Hirte ...
In den letzten Wochen war in den Nachrichten häufiger die Rede von der „Herdenimmunität“. Ich finde diesen Begriff interessant, weil damit in gewisser Weise ein altes biblisches Bild aufgenommen wird. Wenn Wissenschaftler die Menschen einer Gesellschaft als Herde bezeichnen, sind sie damit in einer gewissen Nähe zu biblischen Texten wie Psalm 23 „Der Herr ist mein Hirte“ … und wir Menschen sind seine Herde.
 
Im Zusammenhang mit Infektionskrankheiten bringt der Begriff „Herdenimmunität“ eine uralte Einsicht zum Ausdruck, nämlich dass wir Menschen eine Einheit sind. Ist ein Teil krank, ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch andere Teile betroffen sind. Diesen Umstand haben wir ja in der letzten Zeit auf dramatische Weise vor Augen geführt bekommen. Umgekehrt zeigt das Prinzip der „Herdenimmunität“: Wenn genügend Mitglieder immun sind, sind auch die Anderen vor der Krankheit geschützt und werden nicht krank.
 
„Herdenimmunität“ als wissenschaftliches Phänomen beschreibt, was grundsätzlich für uns Menschen gilt: Wir sind eine Einheit. Eine Einheit, die aus vielen Teilen besteht. So wie auch eine Schafherde aus vielen einzelnen Schafen besteht. Und so wie eine Schafherde immer gemeinsam denselben Weg geht, so ziehen auch wir Menschen gerade gemeinsam durch dasselbe finstere Tal.
 
So macht diese Pandemie deutlich, dass uns letztlich nichts unterscheidet von all den Menschen, die über die Erde verteilt leben. Sie sind genauso betroffen von der Krankheit wie wir, wenn nicht sogar noch mehr. Sie haben die gleichen Ängste und Nöte wie wir. Ihr Leben ist durch das Corona-Virus genauso betroffen wie unseres.
 
So schrecklich das Ereignis und die Folgen auch sind, so wird doch auf besondere Weise deutlich, dass wir Menschen unauflöslich miteinander verbunden sind. Wir erkennen ganz unmittelbar: Wir sind eine Einheit. All die Grenzen, die wir ziehen, haben letztlich keine Bedeutung. Denn es gibt etwas, das uns auf einer viel tieferen Ebene miteinander verbindet: Wir Menschen sind von Gott her eine Einheit; wir sind seine Kinder.
 
Ich habe die Hoffnung, dass das Corona-Virus neben den verheerenden Folgen auch etwas Gutes mit sich bringt; nämlich ein neu erwachtes Gefühl der Einheit und Verbundenheit.
 
Ich vertraue jedenfalls ganz fest darauf, dass Gott seine Menschenherde auch durch dieses dunkle Tal führen wird.
 
Ihr 
 
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3-Minuten-Kirche am 29. April 2020
 
 
Eine Schnecke braucht viel Geduld und Ausdauer, um von einem Ort zum anderen zu kommen, weil sie ja bekanntlich nur langsam voran kommt.
 
Mit der Geduld ist das für uns Menschen nicht immer so einfach. Das merke ich gerade an mir selbst. Ich würde gerne wieder gesund werden, weiß aber, dass das noch etwas dauern wird und noch Geduld und Abwarten erfordert. Das fällt mir manchmal schwer.
 
Gerade jetzt wird unsere Geduld sehr auf die Probe gestellt. Viele Menschen sehnen sich nach Lockerungen der nötigen Vorschriften und Maßnahmen. Das wird an den täglichen Diskussionen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft spürbar. Den einen kann es nicht schnell genug gehen, die anderen mahnen weiter zur Vorsicht, zur Geduld und zum Durchhalten. Denn eins ist klar: Der Corona-Virus wird uns noch lange Zeit begleiten und unser bisher gewohntes Leben verändern und uns an einigen Stellen einschränken.
 
Das braucht die Geduld und die Ausdauer einer Schnecke, gerade dann wenn es nur langsam voran geht.
 
Der Apostel Paulus kannte ähnliche Situationen und hat der Gemeinde in Rom dazu den Rat gegeben: „Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet.“
 
Fröhliche Hoffnung und beharrliches Gebet helfen mir, wenn es mir wieder einmal schwer fällt, geduldig zu bleiben. Vielleicht hilft es Ihnen auch.
In diesem Sinne: bleiben Sie fröhlich und vor allem geduldig!
 
Ihre 
 
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Monatsspruch August 2021

Neige, HERR, dein Ohr und höre! Öffne, HERR, deine Augen und sieh her!
(2 Könige 19,16)
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