3-Minuten-Kirche am 02. März 2022
 
 
Es ist unmöglich, so zu tun, als ginge das Leben weiter, weil es das ganz von alleine tut.
 
Die größte Herausforderung für mich ist derzeit wohl, die Gleichzeitigkeit der Dinge zu ertragen.
Ein friedlich sonniges Wochenende zu verbringen, während Menschen aus ihrer Heimat fliehen müssen. Geburtstag zu feiern, während nebenan jemand stirbt. Sich das lang ersehnte Paar Schuhe zu kaufen, während andere hungern. Die eigene Liebe zu genießen, während das Herz der besten Freundin bricht. Nach einem passenden Sarg zu schauen, während jemand anderes Babyfotos teilt. Sich selbst nach der Trennung wieder aufzusammeln, während andere Häuser bauen. Faschingskostüme zu kaufen, während 1.600 km entfernt Bomben fallen.
 
Die Gleichzeitigkeit der Dinge ist kaum zu ertragen. Für uns, die wir sicher in unseren Häusern und Wohnungen sitzen, ist der Gegensatz grotesk. Öffne ich das Internet, ist da draußen Krieg. Schließe ich das Internet, ist da draußen gerade Frühling. Wie soll ich auf etwas reagieren, dass ich ja doch nicht ändern kann. Wie kann ich mein Leben einfach so weiterleben, während in Europa Krieg herrscht? Im Vergleich zur Katastrophe erscheint mein Alltag banal. Die Gleichzeitigkeit der Dinge ist kaum zu ertragen.
 
Das Leben geht weiter. Ich muss mich verhalten. Und ich kann eben doch etwas tun!
Ich kann mich Initiativen und Demonstrationen anschließen, um mich für Frieden stark zu machen. Ich kann an Hilfsorganisationen spenden (die Diakoniekatastrophenhilfe zum Beispiel), um die vom Krieg direkt Betroffenen zu unterstützen. Ich kann mich gezielt informieren, um Fake News etwas entgegenzusetzen. Ich kann mich der Flut von Nachrichten, Bildern und Informationen immer wieder entziehen, um meinem Alltag Raum zu lassen.
Und ich kann gemeinsam mit anderen beten, um nicht in meiner Sprachlosigkeit zu versinken.
 
Gott – Gnade uns.
Inmitten all der Ohnmacht.
Inmitten der Angst.
Inmitten der Erschöpfung und Verzweiflung.
Erbarme dich Gott.
Amen
 
Seid dabei – gemeinsam ist man weniger allein. Herzliche Einladung zum Friedensgebet am Freitag, den 04. März um 18 Uhr in der St. Margarethen Kirche Salzhemmendorf.
 
 
Ihre und eure Diakonin
                                        
 

3-Minuten-Kirche am 23. Februar 2022

 

 

Unsere Tochter liebt im Moment Anker. Besonders dieser Anker in der Ferienwohnung an der Ostsee hatte es ihr angetan. Ein Anker ist in der Schifffahrt wichtig. Er sorgt dafür, dass das Schiff im Hafen am Platz bleibt und ruhig und sicher liegt. Nun kenne ich mich in der Seefahrt nicht gut genug aus, um sagen zu können, wozu er noch dient. Für mich ist der Anker aber ein wichtiges Symbol. Er steht für Halt und Sicherheit. Da wo die Stürme des Lebens mich durchschaukeln brauche ich einen Anker, der mich hält und nicht untergehen lässt. Das kann der Partner oder die Partnerin sein, Freund oder Freundin oder die Eltern. Manchmal ist das aber auch eine ganz fremde Person, eine Begegnung, ein Gespräch, das mir wieder Halt und Zuversicht gibt. Genauso ist mir mein Glaube ein Anker in schweren und unsicheren Zeiten, so wie jetzt. Draußen folgt ein Sturm auf den nächsten, die Pandemie wird unser Leben noch etwas länger begleiten und die Situation in der Ukraine stimmt auch nicht hoffnungsvoll. Frieden scheint in weiter Ferne zu sein. Dazu kommen viele kleine und große Tragödien im Leben vieler Menschen um mich herum. Sturm innen und außen. Wo ist da der Anker, der Halt, der Sicherheit gibt?

In einem neueren Kirchenlied wird das so beschrieben: „Es gibt bedingungslose Liebe, die alles trägt und nie vergeht, und unerschütterliche Hoffnung, die jeden Test der Zeit besteht. Es gibt ein Licht, das uns den Weg weist, auch wenn wir jetzt nicht alles sehn. Es gibt Gewissheit unsres Glaubens, auch wenn wir manches nicht verstehn. Es gibt Versöhnung selbst für Feinde und echten Frieden nach dem Streit, Vergebung für die schlimmsten Sünden, ein neuer Anfang jederzeit. Es gibt ein ewges Reich des Friedens. In unsrer Mitte lebt es schon: ein Stück vom Himmel hier auf Erden in Jesus Christus, Gottes Sohn. Er ist das Zentrum der Geschichte, er ist der Anker in der Zeit. Er ist der Ursprung allen Lebens und unser Ziel in Ewigkeit.“  

Das Vertrauen in diesen Anker wünscht Pastorin 

                                                                                  

 

       _________________________________________________________________________________________________________

3-Minuten-Kirche am 16. Februar 2022
 
 
Ein Spielautomat. Hier lässt sich viel Geld gewinnen und noch mehr verlieren. Geld, mit dem man sich Wünsche erfüllt, manchmal Lebenswünsche.
 
Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, was würden Sie sich wünschen?
  • Gesundheit?
  • Einen Sechser im Lotto?
  • Das Ende der Pandemie?
Eine griechische Sage erzählt vom König Midas, der sich vom Gott Dionysos etwas wünschen durfte.
Spontan wünschte er sich: alles, was ich berühre, soll zu Gold werden.
Sein Wunsch ging in Erfüllung. Was er anfasste, wurde zu Gold.
Als er aber Hunger bekam, sich zu Tisch setzte und essen wollte, nahm er den Becher mit Wein, aber er konnte nicht trinken. Das Brot konnte er nicht essen. Er versuchte, den Braten zu kosten, es ging nicht. Alles, was er anfasste, wurde zu Gold. Das hatte er sich ja auch gewünscht. Schließlich musste der König den Gott Dionysos geradezu anflehen, ihn von den Folgen seines eigenen Wunsches wieder zu befreien.
 
Was wünsche ich mir für mein Leben?
Das wär’s doch: dass sich Wunder ereignen. Dass ich das große Los ziehen darf. Den Jackpot fürs Leben knacke. Sechs Richtige mit Superzahl. Wenn ich mit Jugendlichen über dieses Thema ins Gespräch komme, wird eigentlich immer schnell klar, dass zum guten Leben mehr gehört als das, was ich für Geld kaufen kann. Gesund sein. Freunde und Familie haben. Etwas lernen dürfen. Erfahren, dass ich gemocht werde. Und auch – hören, dass ich bei Gott ein wertvoller Mensch bin.
Seit nunmehr zwei Jahren ist unser Leben ein anderes. Manchmal merke ich erst dann, wenn ich es nicht mehr habe, was mein Leben eigentlich wertvoll macht.
 
In der Bibel wird vom König Salomon erzählt. Er bittet um ein hörendes Herz, um Verstand und Einsicht, nicht um Glück, Reichtum und Macht. (1. Könige 3,9) Er setzt damit ein Zeichen. Wahrhaft reich ist nicht der, dem alles zu Gold wird, was er anfasst. Sondern wirklich reich sein hat mit einem Herz für andere und für mich zu tun, mit sensibel sein und einem Gespür für das, was mir und anderen guttut.
 
Corinna Engelmann
 

 

3-Minuten-Kirche am 09. Februar 2022
 
 
Tatsächlich... Liebe ist ein Film aus dem Jahr 2003, der es bei mir zum Weihnachtsklassiker geschafft hat.
 
In miteinander verwobenen Episoden werden Liebesgeschichten der Protagonisten in den letzten Wochen vor und bis hin zum Weihnachtsfest dargestellt.
Erzählt wird von der scheinbar aussichtslosen Liebe eines Jungen zu einem der begehrtesten Mädchen in der Schule, von der großen Liebe zur gerade verstorbenen Ehefrau, von der aufopfernden Liebe zum kranken Bruder, von der wahren Liebe zum besten Freund, von der unerfüllten Liebe zur Ehefrau des besten Freundes oder auch von einer neu entfachten Liebe eines betrogenen und verletzten Mannes. Jede Geschichte für sich ist sehens- und liebenswert.
 
Das Besondere an diesem Film ist für mich aber der Rahmen, in dem diese Episoden gezeigt werden. Vor- und Abspann des Filmes zeigen Szenen aus der Ankunftshalle im Londoner Flughafen Heathrow. In Zeitlupe werden liebevolle Begrüßungen gezeigt, während ein Sprecher darauf aufmerksam macht, dass Liebe tatsächlich überall ist.
 
Als am 11. September 2001 die Flugzeuge ins World Trade Center flogen, gab es unter den Anrufen der Menschen an Bord keine Hass- oder Rachebotschaften. Es waren alles Botschaften der Liebe: „Sage den Kindern, dass ich sie liebe“ oder „Vergib mir, wenn ich dich verletzt habe“. So und ähnlich lauteten alle Nachrichten. Was wirklich zählt im Leben und uns ausmacht, das sind nicht Zorn oder Wut, sondern es ist die Liebe.
 
Als ich den Monatsspruch für den Februar las, musste ich unwillkürlich an diesen Film denken. „Zürnt ihr, so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen“, schreibt Paulus in seinem Brief an die Epheser. (Eph. 4, 26)
 
Wir alle wissen: Konflikte, Ärger, Wut und Zorn gehören zum Leben, zu einer jeden lebendigen Beziehung dazu. Aber Zorn und Ärger müssen in positive Energie umgesetzt werden, ehe sie zerstörerisch werden.
 
Wenn also der Tag endet, sollte der Zorn verraucht sein oder zu einer Lösung geführt haben, damit der nächste Morgen einen neuen Anfang bringt. Mit den Menschen und mit Gott. Und mit Liebe, die tatsächlich überall ist.
 
 
Ihre und eure Diakonin
                                         
 

3-Minuten-Kirche am 2. Februar 2022

 

 

Noch leuchtet der Herrnhuter Stern in unserer Kirche. Heute ist der letzte Tag, dann wird der Stern wieder abgehängt. Denn mit dem heutigen Tag endet die Weihnachtszeit endgültig. In der Regel sagt man, dass mit dem Sonntag nach dem 6. Januar die Weihnachtszeit endet. Dann kommen die Weihnachtsbäume aus den Häusern und auch den Kirchen. In diesem Jahr hatten wir auch den Baum in der Kirche länger stehen. Vor 40 Tagen haben wir Weihnachten gefeiert. In der Bibel wird berichtet, dass Maria und Josef 40 Tage nach der Geburt Jesu, so wie es vorgeschrieben ist, mit dem neugeborenen Kind nach Jerusalem gereist sind. Dort sind sie mit Jesus in den Tempel gegangen. Da Jesus der erste Sohn war, galt er als Eigentum Gottes und musste von den Eltern zuerst ausgelöst werden: er wurde zum Priester gebracht und vor Gott dargestellt. Deshalb heißt der Tag heute als Feiertag auch „Darstellung des Herrn.“ Als Maria und Josef in den Tempel kamen, begegneten sie dem betagten Simeon und der Prophetin Hanna, die erkannten, dass Jesus kein gewöhnliches Kind ist und ihn als den Erlöser Israels priesen (Lukas 2, 21 - 40).

Vor allem Simeon sagt deutlich, dass nicht allen gefallen wird, was dieses Kind einmal zu sagen haben wird. In Simeons Worten klingt schon die Leidensgeschichte Jesu an. In wenigen Wochen beginnt wieder ein Zeitraum von 40 Tagen, die Passionszeit, in der wir besonders an das Leiden und Sterben Jesu denken, die dann in das Osterfest mündet. Simeon sagt von Jesus, dass er den Menschen Licht bringen wird. Dieses Licht ist an Weihnachten in unsere Welt gekommen, um sie ein Stück heller, freundlicher und friedlicher zu machen. Daran möchte ich mich heute vom Licht des Sterns erinnern lassen.

Einen lichterfüllten 2. Februar wünscht Pastorin 

                                                                               

                         _______________________________________________________________________________________

3-Minuten-Kirche am 26. Januar 2022
 
 
Ich sitze unbequem auf einem Papphocker. Die Luft ist stickig. Der kleine Raum ist mit Menschen überfüllt. Es ist leise, nur hin und wieder seufzt jemand oder räuspert sich. Versucht, den Kloß im Hals loszuwerden. Vorne an einem Rednerpult steht ein kleiner Mann, siebzig Jahre alt, graues Haar, faltiges Gesicht. Er spricht leise aber seine Worte boxen wie Fausthiebe in meinen Magen. Manchmal bricht seine Stimme. Gleichzeitig zerbricht auch etwas in mir. Sein beklommenes Schweigen macht mich fassungslos. Seine Tränen brennen in meinem Innern.
 
Es ist das Jahr 1993. Beim 25. Deutschen Evangelischen Kirchentag in München besuche ich ein Zeitzeugengespräch im Konzentrationslager Dachau. Simeon Piwowarow berichtet von seinen Entbehrungen, seiner Angst, der Schikane und dem eigenen Überlebenswillen. Und auch knapp 50 Jahre nach seiner Befreiung wird er durch seine eigene Berichterstattung von Erinnerungen und Gefühlen überwältigt. Mich lässt diese Begegnung schweigend, betroffen und beschämt zurück. Dennoch bin ich dankbar, diesem Mann begegnet sein zu dürfen und ihm zugehört zu haben.
 
Viele Zeitzeugen sind mittlerweile verstorben. Kommende Generationen werden nicht wie ich unmittelbar von den Emotionen und Berichten der Opfer des Nationalsozialismus angerührt. Dabei halte ich es für unverzichtbar, sich mit den Fehlern der Vergangenheit auseinanderzusetzen, um daraus für die Zukunft zu lernen.
 
Der 27. Januar - der Tag an dem 1945 das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz befreit wurde – ist in Deutschland der „Holocaust-Gedenktag“. Er mahnt uns, die Opfer des Nationalsozialismus nicht zu vergessen. Ich entnehme diesem Tag die Aufgabe, die Rechte eines jeden Menschen schützen, für Toleranz zu werben und die Mitmenschlichkeit unter uns zu bewahren. Mahnend an die Vergangenheit zu erinnern, soll sensibel machen für jede Form von Ausgrenzung heute und die Erinnerung wachhalten, die durch das Sterben der letzten Zeitzeugen bald nur noch auf Erzählungen aus zweiter Hand beruhen kann.
 
Es ist an uns, dafür zu sorgen, dass nie wieder jemand wegen welcher Andersartigkeit auch immer diskriminiert, bedroht, verfolgt oder getötet wird.
 
 
Ihre und eure Diakonin
                                        
 

 

Monatsspruch September 2022

Gott lieben, das ist die allerschönste Weisheit.
(Sir 1,10)
© 2008 Kirche im Saaletal | Joomla 1.5 Templates by vonfio.de