3-Minuten-Kirche am 20. Juni 2021
 
 
Wir feiern gerade viele Konfirmationen und Taufen. Zumeist suchen sich KonfirmandInnen und Taufeltern selbst ein biblisches Wort für´s Leben aus. Eins davon war dieser Tage aus der Apostelgeschichte und lautet: Fürchte dich nicht, sondern rede und schweige nicht! Denn ich bin mit dir!
 
Man könnte meinen, in Zeiten von Meinungsfreiheit, Facebook und Twitter, WhatsApp uvm., in der Menschen wirklich so ziemlich alles „raushauen“, was sie denken, auch Hass und Feindschaft, Menschenverachtung und Fake News, Verschwörungstheorien und was sonst noch alles, brauche es keine solche Ermutigung, zu reden. Sagt doch jeder sowieso, was er will. Nach dem Motto: muss doch mal gesagt werden....
 
Aber diese biblische Ermutigung zur Rede gilt gar nicht für das alles, was Menschen sich so denken und welche Ideologien oder Gespinste sie gerade rausblasen wollen. Vielmehr gilt sie allein für ein Sprechen und Wirken im Geiste Gottes. Dem Geist des Lebens und der Versöhnung, der Wahrheit und der Gerechtigkeit, der Liebe und der Barmherzigkeit. Die von Gottes Geist geprägte Rede und Handlung war schon vor Jesus, bei ihm selbst, wie nach ihm ein Fremdkörper in dieser Welt. Und ist es auch und gerade heute. Diese Welt nämlich ist im Netz wie im echten Leben oft von Hass, Missgunst und Feindschaft bestimmt. Wie z.B. bei den jüngst gemeldeten Hassattacken auf Politiker. Und jede/r, der/die sich um Gottes und der Menschen willen und in seinem Geiste, dagegen einsetzt, wird dabei einerseits Geschwister gleichen Geistes, Gottes Kinder, finden, aber eben auch Anfeindung und Hass.
 
So ergeht es Paulus. Er hat im Namen Gottes gepredigt und gewirkt, aber sie wollen das nicht, zeigen ihm die kalte Schulter, werfen ihn raus. In dieser niederschmetternden Situation wird ihm von Gott her dieses Wort zuteil, das ihn ermutigt, ihn weitermachen lässt. Er weiß jetzt, es ist nicht seine, des Paulus Sache, sondern - wie bei Jesus selbst auch - Gottes Sache, wenn er in Gottes Namen, in seinem Geist wirkt.
 
Darum fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir. Rede in meinem Namen und schweige nicht. Mit uns sein wird Gott wohl kaum, wenn wir Hasstiraden loslassen, Unfrieden säen, Menschen bedrängen, belügen, verleugnen, Ideologien verbreiten, zu Lasten des Lebens von Mensch und Tier agieren, egoistisch unsere Ziele, unseren Vorteil durchsetzen.
Mit uns ist er, wenn wir aus und in seiner Kraft, seinem Geist leben und handeln, wenn wir für Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Frieden, Versöhnung eintreten und dazu das klare Wort gegen Hass und Feindschaft, üble Nachrede, Zerstörung finden und sprechen.
 
Damit macht man sich nicht unbedingt Freunde. Jesus nicht, Paulus nicht und viele Nachfolgende in der Weltgeschichte. Aber einen Freund haben wir dann sicher an unserer Seite: Gott. Und der ermutigt: Fürchte dich nicht, sondern rede - in meinem Geist - und schweige nicht! Denn ich bin mit dir!
 
Herzlich grüßt, und wünscht Gottes Geleit
Ihr Pastor 
                 
 

3-Minuten-Kirche am 13. Juni 2021

 

 

 

Seit Freitag läuft die Fußballeuropameisterschaft der Männer. In der kommenden Zeit schauen wieder Millionen Menschen dabei zu, wie 22 Männer versuchen, einen Ball hinter die gegnerische Torlinie zu befördern. Dass das Ganze so ein Massenphänomen ist, ist nüchtern betrachtet schon etwas absurd.

Aber noch absurder ist, dass nicht nur die beteiligten Mannschaften, sondern auch die Fans hochemotional dabei sind. Eine Niederlage führt nicht selten dazu, dass erwachsenen Männern die Tränen kommen.

Profi-Fußball ist für viele eine bierernste Sache. Dabei wohnt doch jedem Spiel definitionsgemäß eine Leichtigkeit inne. Denn ein Spiel ist Selbstzweck. Zumindest, wenn man der Definition von Johan Huizinga folgt. Der hat als Kulturhistoriker das Phänomen „Spiel“ untersucht. Ihm zufolge ist das Spielen etwas zutiefst Menschliches. Seiner Theorie nach haben sich alle unseren kulturellen Systeme wie z. B. Politik, Wissenschaft, Kunst, Religion, Recht und auch der Sport aus einem spielerischen Verhalten heraus gebildet.

Diese kulturellen Systeme haben sich im Laufe der Zeit durch Ritualisierung institutionell verfestigt – und aus der spielerischen Leichtigkeit wurde „heiliger Ernst“.

Es ist schön und spannend, mit der eigenen Mannschaft mitzufiebern - nur zu ernst sollte man das Ganze nicht nehmen, weder als Spieler noch als Zuschauer; denn im Kern ist es immer noch ein Spiel. Und ein Spiel im ursprünglichen Sinn zeichnet sich dadurch aus, dass es aus Spaß an der Freude gespielt wird.

Und so wie beim Fußball ein etwas distanzierter und nüchterner Blick hilft, dass man es nicht zu ernst nimmt, so kann es vielleicht auch helfen, das ganze Leben als Spiel zu begreifen. Denn Spielen bedeutet, etwas um seiner selbst willen zu tun, sich mit seinen Fähigkeiten einzubringen - und es zu genießen.

Der Philosoph Rudolf Kamp hat es mal so zusammengefasst „Wer das Spiel zu ernst nimmt, setzt den Spaß aufs Spiel.“

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen und euch viel Spaß beim „Spiel des Lebens“.

Ihr und euer Pastor 

                                  

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3-Minuten-Kirche am 16. Juni 2021
 
 
„Aimez-vous les uns les autres!“ – „Liebt einander!“ Dieser Auftrag, den Jesus seinen Jüngern kurz vor seinem Tod gibt, findet sich über der Eingangstür der evangelischen Kirche in Le Chambon-sur-Lignon in der Haute-Loire in Frankreich. In diesem Ort ist dieser Auftrag Jesu während des Zweiten Weltkriegs besonders gelebt worden. Die Menschen in dem Ort haben unter Einsatz ihres eigenen Lebens ihre jüdischen Mitbürger*innen versteckt und sie vor der Deportation gerettet. Die Initiative dazu kam vom evangelischen Pastor André Trocmé und seiner Frau. Er hat auf die Warnung, wie gefährlich „die Juden“ seien, geantwortet: „Wir wissen nicht, was ein Jude ist, wir kennen nur Menschen.“
Ich kann mir gut vorstellen, dass der biblische Spruch über der Kirchentür auch zu dem Handeln der Gemeinde beigetragen hat, sich gegen den Hass zu stellen und sich für die Menschen einzusetzen, die verfolgt wurden.
 
„Liebt einander!“ Damit meinte Jesus, dass wir uns nicht nur um die Menschen kümmern sollen, mit denen wir uns gut verstehen und die wir mögen, sondern um alle Menschen, die unsere Hilfe brauchen. Dabei ist es dann ganz egal, welcher Religion sie angehören, welche Hautfarbe oder welche Nationalität sie haben. Für Jesus war die Nächstenliebe genauso wichtig wie die Liebe zu Gott.
In Zeiten, in denen der Ton zwischen den Menschen wieder rauer wird, andere Meinungen kaum noch gehört werden und fremdenfeindliche Gewalt und Extremismus in unserem Land wieder zunehmen, finde ich es wichtig, sich wieder an diese Botschaft erinnern zu lassen: „Liebt einander!“ Überwindet den Hass, setzt Euch für andere Menschen ein, wenn sie bedroht oder verfolgt werden. Schaut nicht weg, sondern helft da, wo ihr könnt und es möglich ist. Hört den anderen zu, begegnet ihnen mit Respekt und verurteilt sie nicht.
 
Das ist manchmal gar nicht so einfach. Doch ich möchte mich immer wieder neu daran erinnern lassen, Menschen freundlich begegnen und ihnen die Worte Jesu weitersagen: „Liebt einander!“
 
Ihre Pastorin
                      
 

3-Minuten-Kirche am 9. Juni 2021

 

 

 

„Sei zufrieden, meine Seele! Denn der Herr tut dir Gutes!“ Diesen Vers aus Psalm 116 habe ich im Altarraum einer Wiesbadener Kirche quasi wiederentdeckt. Er hat mich in einer schwierigen Zeit während meines Studiums begleitet. Da fiel es mir schwer die guten Dinge in meinem Leben zu sehen, weil es vieles gab, das eben nicht rund lief. In einem Gottesdienst begegnete mir dieser Vers und ließ mich noch einmal neu auf mein Leben schauen.

Wir Menschen neigen ja oft dazu, vor allem das Negative zu sehen und laut darüber zu klagen: zu viel zu tun, immer im Stress, die vielen Verordnungen durch die niemand so richtig durchsteigt. So viele kranke und tote Menschen zu beklagen in den letzten 15 Monaten…

Bei mir war in den letzten Wochen auch eine Menge zu tun, ich hatte kaum Zeit zum Luft holen, für die Familie oder um einfach mal die Sonne zu genießen. Es wird gerade wieder etwas ruhiger und ich merke, was alles liegen geblieben ist und nun auch dringend getan werden muss. Bei all dem möchte ich nicht den Blick für die guten Dinge in meinem Leben verlieren. Ich habe eine ganze Menge geschafft und bin ganz zuversichtlich, dass der Rest jetzt diese Woche auch noch klappt. Dazu habe ich viele liebe Menschen um mich herum, die mich unterstützen und mir Kraft geben. Dietrich Bonhoeffer hat einmal gesagt, dass Gott uns immer gerade so viel Widerstandskraft gibt, wie wir brauchen. Auch darauf vertraue ich immer wieder und habe es schon oft selbst erfahren.  

„Sei zufrieden, meine Seele! Denn der Herr tut dir Gutes!“ Mit diesem Vers möchte ich mich immer wieder daran erinnern lassen, was in meinem Leben Gutes passiert und wofür ich dankbar sein kann. Und da gibt es Vieles.  

Vielleicht geht es Ihnen ja ähnlich.

 

Es grüßt Sie herzlich Pastorin 

                                                    

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3-Minuten-Kirche am 06.06.2021

 

Foto: Pixabay

 

Die Sonne scheint, Inzidenzzahlen sinken, auch die der Patienten auf den Intensivstationen und der an Corona Verstorbenen. 10 Personen können sich wieder privat treffen, die Schulen, Städte, Geschäfte öffnen unter Auflagen, das Leben kehrt ein ganzes Stück weit zurück.                                 

Zeit zum Aufatmen! Zeit nicht mehr wie gebannt auf die Pandemie zu blicken und ihre Dunkelheiten, sondern das Leben und das Schöne des Lebens wieder in den Blick zu nehmen. Das gibt dem Atem, der Seele Luft. Es tut gut, das Gute wieder zu entdecken. Da keimen Hoffnung und Freude.

Unsere Blickrichtung macht sehr viel aus. Ich kann am frühen Morgen in die Dunkelheit der weichenden Nacht sehen oder mich umdrehen und dem anbrechenden Morgen entgegen-blicken. Die gleiche Situation, die gleiche Vorfindlichkeit und doch ganz unterschiedliche Wahrnehmungen und Empfindungen. Bedrückende Dunkelheit hier, aufkeimendes Licht da.

Menschen, die Gott vertrauen, Christenmenschen, sind Menschen des Morgens. Sie blicken selbst mit der Dunkelheit im Rücken, dem Licht entgegen. Denn: Das Licht (Gottes) scheint in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht ergriffen. (Johannesevang. 1,5) Kann sie nämlich gar nicht, weil es Gottes Licht ist, dass alle Finsternis überwindet.

Im Schein dieses Lichtes, mit dem Blick in den anbrechenden Morgen, muss das Dunkel zurückweichen. Und da werden dann auch all die vielen anderen Dinge des Lebens wieder sichtbar, die Grund zur Freude sind und die zuvor vom Dunkel fast verschluckt waren. Wir können aufatmen und neu Freude finden. Zugleich wissen wir um das Dunkel im Hinter-grund, das bedrohlich bleibt. Müssen uns aber nicht wirklich sorgen. Es kann wenig anhaben, solange wir dem Licht zugewandt bleiben. Aber das Wissen um die Bedrohung lässt uns umso achtsamer mit den Dingen umgehen, an denen wir uns freuen können.

Im Vertrauen auf Gott, dem Licht in der Finsternis, wie in der Erleichterung über die bessere Situation können wir aufatmen, Luft holen. Zugleich sollten wir aber nicht vergessen, dass es wichtig bleibt, achtsam zu sein, damit die Dunkelheit nicht wieder stärker Raum greift. Was nützt es uns, aus der Sorge, das Leben zu verpassen, jetzt ohne große Vorsicht alles nachholen zu wollen. Und dann in 4-6 Wochen wieder alles dicht machen zu müssen. Das Leben schöpfen wir nicht aus dem Vielen, was wir haben und erleben, sondern letztlich aus dem Licht Gottes und dem, was wir in ihm entdecken. In seinem Licht können wir wertschät-zend, bewahrend, uns daran freuend mit der Schöpfung, dem Leben, mit den Schönheiten des Lebens umgehen. Nicht länger ist da die Masse an Leben wichtig. Vielmehr sind es die Intensität, Schönheit und bleibende Qualität, die zählen. Das hilft uns in der Pandemie, wie im Blick auf die Bedrohung der Schöpfung, die Klimaveränderung, aber auch im Blick auf uns selbst, unsere Lebensfreude, unseren Lebensmut. Also: Lasst uns ins Licht blicken und aufatmen!                                         

Herzlich grüßt, Ihr Pastor

                                                

 

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3-Minuten-Kirche am 2.6.2021

 

 

 

Am Pfingstsonntag ist Eric Carle, der Autor des bekannten Kinderbuches „Die kleine Raupe Nimmersatt“ gestorben. Dieses Buch hat nicht nur unsere Tochter, sondern viele Millionen Kinder auf der Welt durch ihre Kindheit begleitet. Die Geschichte von der kleinen Raupe, die sich jeden Tag mehr durch Obst und andere Leckereien futtert, bis sie einen Kokon spinnt und nach einer Weile zu einem wunderschönen Schmetterling wird, illustriert für mich nicht einfach nur einen natürlichen Vorgang. Denn es ist ja tatsächlich so, dass aus Raupen Schmetterlinge werden, wenn sie sich auch von anderen Dingen ernähren.

Ich finde, die Geschichte von der Raupe zeigt sehr schön, dass aus etwas Kleinem und Unscheinbaren etwas Wunderschönes entstehen kann. Es lohnt sich im Leben also, manchmal genauer hinzusehen, abzuwarten und nicht gleich aufzugeben. Das genauer hinsehen lohnt sich auch im zwischenmenschlichen Bereich. Andere Menschen nicht gleich auf den ersten Blick bewerten, in eine Schublade stecken und dort lassen, sondern genauer hinsehen, wo die schönen Seiten verborgen sind. Respektieren, dass jemand anders andere Ansichten hat, anders aussieht oder eine andere Sprache spricht. Ich habe gerade den Eindruck, dass dies in unserer Gesellschaft etwas verloren geht. Der Umgangston wird rauer und ich frage mich, wie es gelingen kann, da wieder einen anderen Weg einzuschlagen. Jesus hat gesagt: „So wie ihr von den Menschen behandelt werden möchtet, so behandelt sie auch.“ (Mt 7, 12) Diese sogenannte „Goldene Regel“ findet sich in allen Religionen. Ich denke es lohnt sich, sich diese einfache Regel ab und zu wieder in Erinnerung zu rufen.

Sie kann genauso wie das schöne Buch von Eric Carle helfen, die Schönheit auch im unscheinbaren wahrzunehmen, bei den Menschen wie in der Natur. Vor allem erinnert die Goldene Regel zusammen mit dem Gebot der Nächstenliebe daran, dass wir alle mit unseren Stärken und Schwächen Gottes geliebte Kinder sind und uns gegenseitig als solche respektieren sollten. Vielleicht entdecken wir dadurch bei anderen Menschen bisher unbekannte Seiten, die uns sonst verborgen geblieben wären.

Viele solcher neuen Entdeckungen wünscht Ihnen Pastorin 

                                                                                                

 

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Monatsspruch September 2022

Gott lieben, das ist die allerschönste Weisheit.
(Sir 1,10)
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