3-Minuten-Kirche am 11. Juli 2021
 

Eine Legende besagt: Als man das Münster zu Freiburg baute, wurden drei beteiligte Steinmetze nach ihrer Arbeit gefragt. Auf die Frage „Was machst du da?“ antwortete der Erste, der Quader für die Mauern der Wand zurecht haute „Ich haue Steine.“ Ein Anderer mühte sich damit ab, Blöcke für eine kleine Säule an der Tür rund zu schlagen. Auch ihn fragte man „Was machst du da?“ Seine Antwort „Ich verdiene Geld für meine Familie.“ Ein Dritter schließlich bückte sich über das Ornament einer Kreuzblume für den Fensterbogen. Auch ihm wurde die Frage gestellt „Was machst du da?“, woraufhin er antwortete „Ich baue am Dom.“
 
Eine Geschichte – egal ob wahr oder erfunden – die verdeutlicht, wie sehr die innere Einstellung bzw. Haltung unsere Perspektive auf unser Leben beeinflusst. Der eine Steinmetz kann seiner Arbeit gar keinen Sinn abgewinnen – er beschreibt nur, was er tut; so erledigt er seine Arbeit stumpf und ohne innere Beteiligung.
Der Zweite sieht in der Arbeit immerhin einen Vorteil für sich; dass so nämlich seine Familie satt wird.
Aber der dritte Steinmetz hat das Große-Ganze im Blick; er sieht ein Ziel. Für ihn trägt seine Arbeit ihren Sinn in sich selbst.
 
Für mich ist dieser dritte Steinmetz ein Symbol dafür, was es bedeutet, zu glauben. Glauben heißt; die Welt mit Gottes Augen zu sehen – und das eigene Leben als Teil des und Beitrag zum Großen Ganzen der Schöpfung Gottes zu begreifen.
Es ist wie bei den drei Steinmetzen: Je nachdem wie ich mein Leben, mein Tun und Handeln in der Welt, verorte, nehme ich es wahr. Bin ich innerlich unbeteiligt, tu ich es allein wegen des Lohns, oder weil ich mich als Teil des Ganzen begreife und meinen Beitrag dazu beisteuern will?
 
Es dürfte klar sein, mit welcher Einstellung es sich besser durch das Leben gehen lässt. Und zu dieser Perspektive ruft Gott uns, ja befreit er uns. 
Gott will uns zum dritten Steinmetz machen, der jeden noch so kleinen seiner Steine als Teil des Ganzen sieht.
 
Ihr/ euer Pastor
                            
 

3-Minuten-Kirche am 07. Juli 2021
 
 
In der Trauer und im Glück, in der Schöpfung, in einer Andacht, im Alltag und in der Begegnung mit Menschen – überall dort kommt Gott mir nahe.
 
Das sind Aussagen von Jugendlichen, die sich letztes Wochenende zur Vollversammlung der Evangelischen Jugend in der Landeskirche Hannovers getroffen haben. In einer hybriden Veranstaltung kamen 170 Personen auf dem Gelände des Sachsenhains in Verden zusammen, dazu unzählige an den Bildschirmen zuhause.
 
Neben den Delegierten der Landesjugendkammer – dem Pendant zur Landessynode unserer Landeskirche, nur eben auf Jugendebene – durften weitere drei Vertreter*innen aus allen Kirchenkreisen anreisen. Vor Ort getestet und mit ausgefeiltem Hygienekonzept ging es in verschiedene Workshops und fand reger Austausch statt zu aktuellen Themen und Fragen der Gesellschaft insgesamt, aber auch der Kirche im Besonderen.
 
Wie Kirche jugendgerecht und zukunftsfähig sein und werden kann, war den Jugendlichen ein wichtiges Anliegen. Öffentlichkeitsarbeit und Nachhaltigkeit standen ebenso auf der Agenda, wie erste Ideen für das Landesjugendcamp zu entwickeln, das für 2022 wieder auf dem Plan steht. Während der Pandemie mussten Jugendliche oft zurückstecken. Dennoch sind viele aktiv geblieben und geworden. Eine Fülle von Aktionen hat das Augenmerk auf die Kinder und Jugendlichen gelenkt, die vielleicht derzeit nicht systemrelevant, ganz sicher aber #zukunftsrelevant sind!
Ich finde es ermutigend, dass junge Menschen sich auf den Weg machen ihre Pläne umzusetzen, ihre Zukunft zu entwickeln und ihre Kirche mitzugestalten.
 
„Ihr seid das Salz der Erde.“ Dieses Jesuswort aus dem Matthäusevangelium ist das Motto der EvangelischenJugend in unserer Landeskirche.
 
Ich hoffe, die Jugendlichen streuen kräftig Salz in die Wunden und zeigen auf, was für sie falsch läuft. Und ich hoffe, wir – die Erwachsenen - lassen ihnen den Raum, mit ihren Impulsen neue Würze in unsere Gemeinden zu tragen.
 
Auch wenn wir sie auf unterschiedlichen Wegen suchen, uns alle eint die Sehnsucht nach der spürbaren Nähe Gottes.
 
 
Bleiben Sie, bleibt Ihr behütet.
Ihre und eure Diakonin
                                        
 
 
 

 
 
3-Minuten-Kirche am 04. Juli 2021
 
 
Sommerzeit ist Reisezeit. Wer dieser Tage Meldungen und Bilder verfolgt, sieht, wie groß das Bedürfnis der Menschen ist, dem Alltag auf Zeit zu entkommen; in Coronazeiten vielleicht nur umso mehr. Aber ich will jetzt nicht über Corona reden, auch wenn die Bilder von überfüllten Stränden und viel zu vollen Stadien dazu animieren könnten. Nein, es soll um Sommer, um Reisezeit, um Urlaubszeit, einfach um „gut tuende“ Zeit gehen.
 
Mal raus aus dem üblichen Getriebe, mal was ganz anderes sehen und denken, mal wirklich frei sein oder auch, sich sportlich betätigen, je nach Vorliebe, alternativ eine Bildungsreise machen, sich mal ganz und gar einlassen auf eine andere Kultur und Lebensweise. Und dann nach all den Erfahrungen und Entdeckungen zurückkommen mit neuer Kraft, neuen Ideen, einem veränderten Blick auf die eigene Lebenswirklichkeit. Junge Menschen nutzten vor Corona die Zeit zwischen Schule und Beruf bzw. Ausbildung für solche Reisen und Erfahrungen. Das macht sich nicht nur gut im Lebenslauf, das ist bereichernd für die persönliche Entwicklung, die eigene Person. Schade, dass das alles so schwierig geworden ist in diesen Zeiten.
 
Wobei, ein Reiseanbieter, der Begegnungen mit einer fremden Wirklichkeit anbietet, ist von alledem überhaupt nicht betroffen. Christen buchen bei ihrer Taufe eine Lebensreise in eine andere, mehr noch mitten hinein in eine andere Wirklichkeit. Sie haben von Gott her eine lebenslange Freifahrkarte in seine, mit seiner Wirklichkeit, seinem Reich. Stichworte gefällig? Liebe, Frieden, Gerechtigkeit, Geborgenheit und vieles mehr. Schon was anderes als sonst im Alltag. Ein solches Angebot habe ich auch noch in keinem Katalog für Wellnessreisen gefunden. Dazu, diese Reise können wir antreten in jedem Moment unseres Alltags, nicht nur im Sommer und in Ferienzeiten.
Wie sagt Jesus: Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen. Es ist egal, ob wir bei der Arbeit, im Urlaub, im Kindergarten, im Wartezimmer beim Arzt, im Krankenhaus, im Seniorenheim, bei der fröhlichen Geburtstagsfeier oder gar einer Beerdigung, ob wir auf einer herrlichen Hotelterrasse oder in einer Zweizimmerwohnung sitzen. Überall ist seine Wirklichkeit nur ein Gebet, eine Begegnung mit Gottes Wort, ein innerliches Einlassen auf seine Nähe, seine Wirklichkeit oder ein Handeln in seiner Liebe entfernt. Und solche Begegnung mit ihm ändert das Leben, schenkt einen neuen Blick darauf, weckt Hoffnung, neue Gedanken und Lebenskraft, lässt die Seele gesunden und dadurch dann manchmal auch den Leib.
 
Mönche und Nonnen haben sich ganz dieser Lebensreise mit Gott verschrieben und sich deshalb aus der Alltagswelt zurückgezogen. Und das nicht, um sich zu kasteien, sondern um bei und mit ihm das Leben zu finden. Zurückziehen, das muss man aber gar nicht. Die Lebensreise mit Gott geht genau so gut mitten im Alltag, überall da, wo wir uns mitten im „normalen Leben“ mit dem nahen Reich Gottes, mit Gott auf die Reise begeben, uns von seiner Wirklichkeit berühren und bewegen lassen.
 
In diesem Sinne eine erholsame und Neues sprießen lassende Zeit, egal ob im Urlaub oder zu Hause, aber immer auf der Lebensreise mit Liebe, Gerechtigkeit, Frieden, Barmherzigkeit, Geborgenheit, Leben, also genauer gesagt mit Gott.
 
Herzlich grüßt, und wünscht Gottes Geleit, Ihr Pastor 
                                                                                       
 

3-Minuten-Kirche am 30.06.2021

 

 

Am 20. Juni haben wir in Lauenstein einen Gottesdienst auf dem Ackerkreuz gefeiert. Auf den ersten Blick ein ungewöhnlicher Ort für einen Gottesdienst. Doch es war eine Gelegenheit sich bewusst zu machen, wie sehr wir die Natur brauchen und wie notwendig es ist, sie zu schützen und zu bewahren. Das Thema Klimawandel ist schon lange auf dem Plan, die „Fridays für Future“- Bewegung ruft uns die Dringlichkeit in Erinnerung, etwas dafür zu tun, die Erderwärmung und die damit verbundenen Folgen zu stoppen. Es wird immer deutlicher, dass wir alle ein Stück dazu beitragen müssen und damit auch in unserem Leben und unseren Gewohnheiten etwas ändern sollten, damit sich nicht in absehbarer Zeit das Leben aller radikal verändern wird. Vielleicht fragen Sie sich, was Sie denn schon ausrichten können, wenn so vieles notwendig ist. Ich denke, es ist wichtig, dass alle etwas tun, damit sich etwas verändert. Ein afrikanisches Sprichwort sagt: „Viele kleine Leute, die an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern.“

Einmal mehr zu Fuß gehen oder das Fahrrad nehmen statt sich ins Auto zu setzen, bewusster einkaufen… das sind kleine Dinge, die in der Summe schon viel bewirken können.

Um etwas für die Erhaltung der Artenvielfalt zu tun, haben wir im Kirchenvorstand Lauenstein beschlossen, unseren Friedhof naturnah umzugestalten. Das wird einige Jahre in Anspruch nehmen, weil es nur stückweise geht. Auch da sind wir auf die Mithilfe aller angewiesen. Denn auch bei der Gestaltung der Gräber gibt es viele Möglichkeiten einer pflegeleichten Bepflanzung als Alternative zu einer „Steinwüste“.

Vielleicht fallen Ihnen noch ganz andere Dinge ein, die man tun kann, um mit wenig Aufwand ein Stück zur Bewahrung unserer Schöpfung beizutragen. Wichtig ist, dass wir jetzt damit anfangen und nicht warten bis es zu spät ist.

 

Es grüßt Sie herzlich Pastorin 

                                                  

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3-Minuten-Kirche am 23. Juni 2021
 
 
Puh, war das warm! Wo man hin hörte – alles sehnte sich in den vergangenen Sonnentagen nach Erfrischung und Abkühlung. Viele sind darum ans Wasser gefahren, in die Freibäder geströmt oder planschten im eigenen Gartenpool.
Schmunzelnd denke ich zurück an die Freibadbesuche meiner Kindheit. Um ins sechs Kilometer entfernte Freibad zu kommen, musste ich mich aufs Fahrrad schwingen. Der Hinweg ging gut – ich war frisch und die Strecke führte bergab. Der Rückweg aber ... Meine ganze Energie hatte ich im Freibad ausgetobt und die sechs Kilometer nach Hause zogen sich zäh die Berge hinauf. Völlig erschöpft und durchgeschwitzt kam ich meistens daheim an und lechzte nach Erfrischung und Abkühlung.
Erfreulicherweise gab es ein Ritual, das mich dann erlöst hat. Derart abgekämpft zuhause angekommen nahm ich mir ein großes Glas, ließ drei Eiswürfel hineinklimpern und goss Cola darüber. Knackend und schäumend verhieß dieses eine ausnahmsweise erlaubte Glas Cola Entschädigung für alle Mühe und wohltuende Belebung.
 
„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ So sagt es Jesus im Matthäusevangelium.
Natürlich meint er damit nicht: „Komm vorbei, ich lade dich auf einen kühlen Drink ein, der dir guttut, wenn du ins Schwitzen gekommen bist.“
Aber er meint, dass ich ihm alles Mühselige und Belastende meines Alltags bringen kann – weit über die Anstrengung einer Fahrradtour hinaus: meine Ängste, meine Unruhe, meine Schuld, meine Hilflosigkeit. Bei ihm kann ich das loswerden, bei Jesus kann ich es abladen. Er meint es gut mit mir, ohne Bedingung, verurteilt nicht. Entlastet und beschenkt bleibe ich zurück. Frei und unbeschwert – was für ein wunderbares Lebensgefühl.
 
Das ist vielleicht doch vergleichbar mit einem prickelnden Glas Brause. Oder mit der aufkeimenden Leichtigkeit eines Sommers mit lang ersehnten Lockerungen. Beides bereichert mein Leben – ebenso wie die Einladung Jesu: „Kommt her zu mir ...“
Ich nehme sie gerne an! Und Sie?
 
Frische Grüße sendet Ihre und eure Diakonin
                                                                            
 

3-Minuten-Kirche am 27. Juni 2021
 
 
In jedem Fußballspiel gibt es sie; die Halbzeit. Eine Unterbrechung des Spielgeschehens nach 45 Minuten.
 
Vom Kirchenjahr her betrachtet befinden wir uns auch gerade in der Halbzeit. Denn diese Woche war Johannistag. Er liegt genau in der Mitte zwischen zwei Heiligabenden, also am 24. Juni. Und ich muss sagen: Ich mag diesen Tag. Ich mag es, mir in der Sommerzeit zumindest für einen kurzen Moment den Winter und auch Heiligabend ins Bewusstsein zu rufen. Es fühlt sich ein bisschen an wie eine Zeitreise.
So denke ich zurück an das letzte Weihnachtsfest, rufe mir in Erinnerung, wie es war - so hatten wir ja letztes Jahr unsere Freiluft-Weihnachtsaktion mit dem Weihnachtsweg. Und ich blicke auch schon voraus - und rufe mir ins Bewusstsein, dass das kommende Weihnachtsfest näher ist, als das vergangene zurückliegt.
 
Halbzeitpausen sind beim Fußball genau wie im Leben etwas Gutes. Es ist sinnvoll, sich solche Auszeiten zu nehmen und zurückzublicken, sich zu fragen „Wie ist es gelaufen? Was heißt das für die Zukunft?“. Solche Pausen können dazu dienen, Kraft zu tanken und sich neu auszurichten. Gerade, wenn man sich von einer Tätigkeit zur nächsten hetzt oder wenn man sich umgekehrt von einer Zerstreuung zur nächsten hangelt, tut es gut, sich so eine bewusste Auszeit selbst zu verordnen.
Das ist den Menschen auch schon zu Zeiten aufgefallen, als das Leben noch nicht so hektisch bzw. überladen war wie heute. Seit vielen Jahrhunderten gibt es die Tradition, dass die Kirchenglocken zu bestimmten Zeiten am Tag läuten, um die Menschen zum Gebet und zur Besinnung aufzurufen. Das Geläut ist so etwas wie der Pfiff des Schiris beim Fußball, mit dem deutlich wird: So, jetzt erstmal runter vom Platz, kurz verschnaufen, innehalten und dann mit neuer Kraft weitermachen.
 
Vielleicht denken Sie ja beim nächsten Mal an diese alte Tradition, wenn Sie Ihre Kirchenglocken läuten hören!?
 
Ihr Pastor 
                 
 

Monatsspruch September 2022

Gott lieben, das ist die allerschönste Weisheit.
(Sir 1,10)
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