3-Minuten-Kirche am 19. Januar 2022
 
 
„Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“ Karl Lagerfeld hielt gar nichts von Jogginghosen. Zumindest nicht als Bekleidung abseits von Sporthalle, Laufstrecke oder Fitnesscenter.
Doch seien wir ehrlich. Die meisten von uns tragen ihre Jogginghose statt beim Sport eher gemütlich auf dem Sofa. Seit Ausbruch der Pandemie und in Zeiten der immer wiederkehrenden Videokonferenzen sitzen vermutlich auch viele in Jogginghose bei der Arbeit vorm Computer. Und mittlerweile ist sie auch von Modeschöpfern entdeckt und salonfähig gemacht worden. 
 
Neu für mich war allerdings, dass es gar einen „Internationalen Jogginghosentag“ gibt. Ja, wirklich. Begründer der Tradition sind vier ehemalige österreichische Gymnasiasten, die sich ausgedacht hatten, gemeinsam mit ihrer gesamten Klasse am 21. Januar 2009 (an Fasching) in Jogginghosen zur Schule zu kommen. Was als Spaß begann entwickelte sich binnen weniger Jahre zu einem Social-Media-Phänomen. Mittlerweile gehen Menschen in über 50 Ländern am 21. Januar in Jogginghose zur Schule, zur Arbeit oder zum Einkaufen. 
 
„Naja, wenn es modern ist“, würde meine Oma sagen und die Nase rümpfen. Sie ist in einer Zeit aufgewachsen, in der „Kleider machen Leute“ nicht nur ein Novellen- bzw. Filmtitel war, sondern gelebte Realität. Und auch ich ertappe mich manchmal dabei, die Kleidung, das Verhalten oder die Äußerungen anderer stirnrunzelnd zu beäugen. 
 
Wie gut, dass Gedenktage wie der „Internationalen Jogginghosentag“ mich animieren, mich und mein Urteil kritisch zu hinterfragen.
Wie gut, dass Behauptungen wie jene von Karl Lagerfeld nicht automatisch wahr sind, nur weil sie im Brustton der Überzeugung vorgetragen und von vielen anderen geteilt werden.
Wie gut, dass Zeiten, Moden und Wertungen sich ändern und wir in der Lage sind, Perspektiven und Meinungen zu überprüfen.
Und wie gut, dass wir bei all dem – Fragen, Zweifeln, (Vor)Urteilen und Unterstellungen – darauf vertrauen können, dass Einer uns mit Liebe und Verständnis begegnet.
„Ich sage dir: Sei stark und mutig! Hab keine Angst und verzweifle nicht. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst.“ (Josua 1,9)
 
Ihre und eure Diakonin
                                        
 

3-Minuten-Kirche am 12. Januar 2022

 

 

 

Gestern war Danke schön-Tag. Anlass, sich einmal darüber Gedanken zu machen, wem oder für was ich dankbar sein kann, getreu dem Psalmwort: „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat“ (Psalm 103, 2). Und mir sind ganz viele Dinge eingefallen für die ich sehr dankbar bin.

Zunächst einmal dafür, dass die Stelle in Salzhemmendorf und Wallensen so schnell wieder besetzt werden konnte und Frau Engelmann nun bald ihren Dienst hier in unserem Gemeindeverband beginnt. Ich bin allen Menschen dankbar, die in den letzten Wochen und Monaten dazu beigetragen haben, dass alles seinen Gang geht. Und sie tun dies ja noch weiterhin. Das ist wirklich ein Geschenk und ein Segen!

Ich habe den Eindruck, dass das letzte Jahr durch die vielen Regelungen und die damit verbundenen Überlegungen, rückblickend erst einmal schwer und belastend erscheint. Auf den zweiten Blick ist aber doch vieles gelungen.

Nach den ersten Monaten ohne Gottesdienste und andere Veranstaltungen, haben wir wieder Ostergottesdienste und dann im Frühjahr und Sommer auch viele schöne Konfirmationen feiern können. Es wurden viele Kinder getauft und auch die ein oder andere Gemeindeveranstaltung war wieder möglich.

Kleine Dinge, gefühlt nur winzige Veränderungen, die aber schön und wichtig waren, so wie persönliche Begegnungen und Gespräche, die lange nicht möglich waren und dann doppelt gut taten. Es wird wahrscheinlich nicht wieder so wie vor Corona und auch ich bin der vielen Regelungen und immer neuen Diskussionen müde. Trotzdem möchte ich gern nach vorne schauen und nicht über das klagen, was nicht mehr geht, sondern auf das achten, was alles möglich ist und was vielleicht auch gerade im Kleinen wächst. Denn das ist nicht wenig und ebenso wichtig.

Viele dankbare Entdeckungen auch im Kleinen und einen zuversichtlichen Blick auf die Zukunft wünscht Pastorin

                                                                                                                                                                                          

 

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3-Minuten-Kirche am 29. Dezember 2021
 
 
Das Weihnachtsfest ist vorüber, der Jahreswechsel gerät in den Blick. „Zwischen den Jahren“ nennen wir diese Zeit. Überall begegnen uns nun Rückblicke: auf die schlimmsten Katastrophen (Jahrhunderthochwasser), die wichtigsten Ereignisse (Bundestagswahl), die größten Herausforderungen (noch immer Corona), die dicksten Skandale (Maskenaffäre) und hoffentlich auch die schönsten Momente der letzten zwölf Monate.
 
Die sind natürlich sehr subjektiv und oft habe ich erlebt, dass sie - in Anbetracht all der Sorgen, mit denen wir uns herumplagen – leicht in Vergessenheit geraten. Schon manches Jahr habe ich mit Freuden zu Ende gehen sehen, weil ich es für kein gutes hielt. Doch ein Blick auf die vergangenen Kalendereinträge lehrte mich eines besseren. Viele schöne Verabredungen, Ausflüge und Veranstaltungen hatte ich bereits vergessen und mir die Stimmung von ein paar schlechten Erfahrungen vermiesen lassen. Schade!
 
Darum steht seit einigen Jahren ein Glas mit bunten Zetteln auf unserem Esstisch. Wann immer ich etwas Schönes erlebe, schreibe ich es auf einen dieser Zettel. Das kann eine freundliche Begegnung sein, der Duft der Lilien, der mir einen trüben Tag versüßt, der genossene Winterspaziergang oder auch ein unverhoffter Glücksmoment. Alles wird notiert und der Zettel wieder in das Glas gesteckt.
 
Irgendwann zwischen den Jahren ist es dann so weit: Wir setzen uns vor das knisternde Feuer im Ofen, ziehen abwechselnd einen Zettel aus dem Glas, lesen vor, was darauf steht, und schwelgen in schönen Erinnerungen.
 
Ob das zurückliegende Jahr ein gutes oder ein schlechtes Jahr gewesen ist, halte ich für eine Frage der Perspektive. Darum richte ich mein Augenmerk mehr auf das Schöne und den Reichtum meines Lebens und stimme in das Lied des Psalmbeters ein: „Wir danken dir, Gott, wir danken dir, dass du uns nahe bist in deinem Namen. Deine Wunder erzählen davon.“ (Psalm 75, 2).
 
Eine gute Zeit zwischen den Jahren, einen überraschend schönen Rückblick auf das alte und einen frohgemuten Ausblick auf das neue Jahr wünscht
 
 
Ihre und eure Diakonin
                                        
 

3-Minuten-Kirche am 05. Januar 2022
 
 
„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“ (Joh. 6, 37)
 
So lautet die Jahreslosung für das Jahr 2022. Ein schöner Spruch, wie ich finde.
Wobei man ihn nicht so missverstehen darf, als gäbe es einen Ort, an den wir gehen könnten, um Gott zu begegnen. Gott sitzt nicht hinter einer Tür, an die wir klopfen müssten und die er uns dann aufmacht, um uns einzulassen. Gott ist vielmehr immer schon da - nämlich in uns; als heiliger Geist. Insofern können wir nicht wirklich zu ihm kommen. Der Weg zu Gott ist ein Weg in unseres Inneres. 
Aber ich mag den Spruch aus dem Johannes-Evangelium dennoch. Denn in ihm macht Jesus deutlich, was die Liebe Gottes ausmacht: Dass sie uns Menschen annimmt – komme, wer da wolle. Wer sich an Gott wendet, kann sicher sein, dass er ihn nicht abweisen, sondern annehmen wird. Gott sagt Ja zu uns. 
 
Und dieses Ja Gottes, seine Liebe, kann auch zu unserer Liebe werden. Denn wie gesagt: Gott ist mit seiner Liebe bereits in uns. Paulus formuliert es so: „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.“ (Röm 5, 5)
 
Wobei wir ja durchaus nicht immer Ja sagen zu den Menschen, die uns begegnen und den Ereignissen, die uns widerfahren. Allzu oft tun wir uns schwer damit. Manches würden wir lieber vor unserer „Lebenstür“ stehen lassen, und nicht hereinbitten. Vieles, mit dem das Leben uns konfrontiert, würden wir gerne von uns weisen. Oft sagen wir „Nein“ statt „Ja“ zum Leben.
 
Nun steht das neue Jahr vor der Tür. Was wird es bringen; persönlich, gesellschaftlich und global? Die letzten Monate lassen uns erahnen, dass es nicht nur erfreulich werden wird. Dennoch sollten wir versuchen, allem, was uns bevorsteht, mit Offenheit und Annahme zu begegnen; eben so, wie Gott uns begegnet.
 
Diese Offenheit für die Dinge, die auf uns zukommen werden – diese Liebe zum Leben wünsche ich uns allen für das kommende Jahr!
 
Ihr Pastor
                  
 

3-Minuten-Kirche am 22.12.2021

 

 

„Wer freut sich schon alles auf Weihnachten?“ Diese Frage stellt uns unsere Tochter fast täglich. Ich mag ihr die kindliche Freude und Aufregung nicht verderben und hebe oftmals müde die Hand. Freue ich mich auf Weihnachten? Diese Adventszeit war gefühlt noch anstrengender und hektischer als in den Jahren zuvor. So vieles zu planen und zu bedenken. Können die Gottesdienste überhaupt so stattfinden? Gibt es Alternativen?

Dazu die üblichen Fragen: Habe ich alle Geschenke? Ist alle Weihnachtspost geschrieben und verteilt? Was muss noch alles erledigt werden?

Ich bin nur selten wirklich zur Ruhe gekommen. Die Adventszeit ist Zeit der Vorbereitung auf Weihnachten. Nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich. Habe ich Raum in mir für das, was da kommt? Gott kommt in die Welt als kleines, verletzliches Kind, in einem Stall, nicht in einem Königspalast. Und die Nachricht von seiner Geburt kommt zuerst zu den Menschen am Rand der Gesellschaft, den Hirten, draußen auf dem Feld. Ganz anders als man es erwarten würde. Das ist in jedem Fall ein Grund zur Freude!

Freue ich mich auf Weihnachten? Ja, ich freue mich, doch ich merke, dass ich die Zeit bis dahin auch wirklich brauche, um mich dann auch freuen zu können. Mit allen Vorbereitungen und gewohnten Ritualen. Dazu gehört für mich der Gottesdienst mit der Lesung der Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium und das „O, du fröhliche“ am Ende des Gottesdienstes. Wenn dann zu Hause die Wohnzimmertür aufgeht und der Weihnachtsbaum das erste Mal erstrahlt und die Kinderaugen leuchten, kehrt in mir die nötige Ruhe ein. Dann ist der Raum da für die Weihnachtsfreude und die hoffnungsvolle Botschaft, die auch in diesem Jahr wieder so wichtig ist: „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr in der Stadt Davids. Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens!“

Gesegnete und freudige Weihnachten wünscht Pastorin

                                                                                            

 

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3-Minuten-Kirche am 15. Dezember 2021
 
 
Dass Olaf Scholz bei seiner Vereidigung zum Bundeskanzler auf den Zusatz „So wahr mir Gott helfe“ verzichtet hat, ging zwar durch die Presse, hat aber keine große Aufregung verursacht. Dabei ist Olaf Scholz nicht nur überhaupt erst der zweite Bundeskanzler, der auf diese fünf Worte verzichtet - Er ist sogar der erste Bundeskanzler, der kein Kirchenmitglied ist.
 
Mancher wird es bedauern, dass das politische „Oberhaupt“ so kirchenfern ist - andererseits ist das wohl die neue Normalität. Denn das Christentum in der klassischen Form sowie die Kirche verlieren in Deutschland zusehends an Relevanz und Anhängern.
 
Das Positive ist: Der Glaube, die Suche und Frage nach Gott selbst nimmt nicht im gleichen Maße ab. Studien belegen sogar, dass sogar unter Jugendlichen der Glaube durchaus noch weit verbreitet ist. So kommt eine Umfrage der Universität Tübingen zu dem Ergebnis, dass 52 % der Jugendlichen an Gott glauben. Nur mit der Kirche können sie, und meistens auch die Eltern, nicht mehr viel anfangen. Kirche wird sich also verändern - zwangsläufig. Denn entweder schafft sie es, sich dem Zeitgeist anzupassen und gewinnt wieder an Relevanz. Oder sie  schafft es nicht, und verliert so weiter an Relevanz.
 
Die Kirche wird sich ändern. Und auch wenn dieser Wandel uns als Kirche aufgezwungen wird und Nachteile mit sich bringt, will ich dennoch optimistisch bleiben. Denn grundsätzlich halte ich Veränderungen und Wandel für etwas Gutes. Denn sie sind ein Zeichen von Lebendigkeit und Fortschritt. Eine lebendige Kirche, die sich verändert und entwickelt, scheint mir jedenfalls besser zu sein als eine Kirche, die erstarrt ist und beim ewig Gleichen bleiben will.
 
Auch wenn die Zukunft ungewiss ist, gehe ich ihr doch voll Vertrauen entgegen, und halte mich an die erste Strophe meines Lieblingschorals: „Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr uns weist, weil Leben heißt: sich regen, weil Leben wandern heißt.“
 
Ihr/ euer Pastor: Tetje Limmer
 

Monatsspruch September 2022

Gott lieben, das ist die allerschönste Weisheit.
(Sir 1,10)
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