3-Minuten-Kirche am 2.6.2021

 

 

 

Am Pfingstsonntag ist Eric Carle, der Autor des bekannten Kinderbuches „Die kleine Raupe Nimmersatt“ gestorben. Dieses Buch hat nicht nur unsere Tochter, sondern viele Millionen Kinder auf der Welt durch ihre Kindheit begleitet. Die Geschichte von der kleinen Raupe, die sich jeden Tag mehr durch Obst und andere Leckereien futtert, bis sie einen Kokon spinnt und nach einer Weile zu einem wunderschönen Schmetterling wird, illustriert für mich nicht einfach nur einen natürlichen Vorgang. Denn es ist ja tatsächlich so, dass aus Raupen Schmetterlinge werden, wenn sie sich auch von anderen Dingen ernähren.

Ich finde, die Geschichte von der Raupe zeigt sehr schön, dass aus etwas Kleinem und Unscheinbaren etwas Wunderschönes entstehen kann. Es lohnt sich im Leben also, manchmal genauer hinzusehen, abzuwarten und nicht gleich aufzugeben. Das genauer hinsehen lohnt sich auch im zwischenmenschlichen Bereich. Andere Menschen nicht gleich auf den ersten Blick bewerten, in eine Schublade stecken und dort lassen, sondern genauer hinsehen, wo die schönen Seiten verborgen sind. Respektieren, dass jemand anders andere Ansichten hat, anders aussieht oder eine andere Sprache spricht. Ich habe gerade den Eindruck, dass dies in unserer Gesellschaft etwas verloren geht. Der Umgangston wird rauer und ich frage mich, wie es gelingen kann, da wieder einen anderen Weg einzuschlagen. Jesus hat gesagt: „So wie ihr von den Menschen behandelt werden möchtet, so behandelt sie auch.“ (Mt 7, 12) Diese sogenannte „Goldene Regel“ findet sich in allen Religionen. Ich denke es lohnt sich, sich diese einfache Regel ab und zu wieder in Erinnerung zu rufen.

Sie kann genauso wie das schöne Buch von Eric Carle helfen, die Schönheit auch im unscheinbaren wahrzunehmen, bei den Menschen wie in der Natur. Vor allem erinnert die Goldene Regel zusammen mit dem Gebot der Nächstenliebe daran, dass wir alle mit unseren Stärken und Schwächen Gottes geliebte Kinder sind und uns gegenseitig als solche respektieren sollten. Vielleicht entdecken wir dadurch bei anderen Menschen bisher unbekannte Seiten, die uns sonst verborgen geblieben wären.

Viele solcher neuen Entdeckungen wünscht Ihnen Pastorin 

                                                                                                

 

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