3-Minuten-Kirche am 15. September 2021

 

 

 

 

Jedes Jahr am 15. September ist der internationale Tag des Punktes.

Was soll das sein, fragen Sie sich? Der Tag wurde ins Leben gerufen in Anlehnung an das Kinderbuch „Der Punkt: Kunst kann jeder“ von Peter H. Reynolds, in dem es um ein Mädchen Namens Ina geht.

Ina ist frustriert, weil sie im Kunstunterricht mal wieder nichts Gescheites zu Papier bringt. Aus Frust malt sie schließlich einen einfachen Punkt und gibt ihr „‚Kunstwerk“ ab. Wider Erwarten rahmt der Lehrer es ein und hängt es auf. Ina fühlt sich angestachelt, einen besseren Punkt zu malen - nach und nach entdeckt sie so ihr kreatives Talent. Am Ende werden ihre Bilder ausgestellt und sie leitet andere Kinder an zu malen.

„Der internationale Tag des Punktes“ klingt zunächst merkwürdig. Vor dem Hintergrund der Geschichte des Buches finde ich diesen „Feiertag“ jedoch bedenkenswürdig. Denn die Aussage der Geschichte ist ja eine durchweg positive, und eine, die es zu beherzigen geht.

Es ist ein Buch, das Mut macht, darauf zu vertrauen, dass gewisse Dinge sich in einem lebendigen Prozess entwickeln.  Der Punkt ist ein Symbol: Er steht für all die Dinge, die man aus Angst zu versagen garnicht erst anfängt. Der Punkt steht für den kleinen Anfang, an dessen Ende etwas Großes stehen kann. Der erste Schritt ist immer der wichtigste - meist wohl auch der schwerste. Aber ohne ihn geht es nicht.

Daran, dass etwas Kleines und Unscheinbare zu etwas Großem und Wertvollem werden kann, erinnert auch Jesus mit dem Gleichnis vom Senfkorn - einem ausgesprochen kleinen Samen, der aber doch eine große Pflanze hervorbringt.

Und vielleicht halten wir uns ja auch manches mal für zu klein oder unbegabt, um etwas Großes bewegen oder erreichen zu können - aber auch Menschen können über sich selbst hinauswachsen. Der internationale Tag des Punktes macht Mut, die eigenen Potenziale nicht klein zu reden - und ruft uns zu, auch mal einen Punkt zu machen.

Ihr/ euer Pastor:

                                 

 

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3-Minuten-Kirche am 8.9.2021

 

 

Im Urlaub in Dänemark haben wir auf einer Wanderung einige „Denk-Bänke“ entdeckt. Bänke, entlang des Weges, an dem viele Menschen auf Wanderung oder Spaziergang vorbeikommen. Auf jeder dieser Bänke war eine Plakette mit einem Spruch angebracht. Ein Spruch zum Nachdenken, bei der Pause, teilweise mit Blick auf die Ostsee. Eine Bank zum Auftanken, körperlich und geistig. Das fand ich eine schöne Idee, zum Übersetzen war allerdings das Handy nötig. Zumal ich neugierig war, welcher Ausspruch von Franz von Assisi sich hier verbirgt. „Beginne damit, das Notwendige zu tun, dann das, was möglich ist, und plötzlich tust du, was unmöglich ist.“ Das spricht mich gerade jetzt nach dem Urlaub noch einmal ganz anders an. Nicht nur der Urlaub ist zu Ende, auch die Ferien, alles geht wieder seinen gewohnten Gang und der Terminkalender für diesen Monat war schon vor dem Urlaub gut gefüllt. Da sind dann noch einige Dinge dazu gekommen und schnell ist der Aufgabenberg wieder groß und scheint unüberwindbar. Was tue ich zuerst, was zuletzt? Am besten alles auf einmal. Nein: „Beginne damit, das Notwendige zu tun, dann das, was möglich ist, und plötzlich tust du, was unmöglich ist.“

Ich denke, solche Punkte zum Auftanken, sind wichtig im Leben. Nicht nur im Urlaub, sondern auch im Alltag. Wo sind die Punkte, an denen ich auftanken kann?

Gemeinsame Unternehmungen mit der Familie, eine halbe Stunde am Puzzlebrett sitzen oder lesen, Musik hören und singen, spazieren gehen. Auch Worte lassen mich auftanken, so wie die Worte auf der Bank. Worte aus Gesprächen, die mir gut tun oder auch Worte aus der Bibel, die mich immer wieder begleiten. So wie es im Psalm 119 ausgedrückt ist: „Herr, dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg.“ Viele Menschen begleitet der Konfirmations- oder Trauspruch, so höre ich es oft in Gesprächen. Welches Wort begleitet Sie und lässt Sie auftanken? 

Viele Wort-Tank-Stellen wünscht Pastorin 

                                                                     

 

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3-Minuten-Kirche am 01. September 2021
 
 
Die Bilder aus Afghanistan sind erschreckend. Das Projekt des Westens zur „Befriedung“, der Vermittlung westlich-freiheitlicher Werte und Demokratie ist trotz 20 Jahren Dauer offensichtlich gescheitert. Am Ende nur Bilder von Leid, Flucht, Chaos.
 
Das macht wenig Hoffnung für die anderen großen Projekte dieser Zeit, etwa die weltweite Bekämpfung von Corona oder - für die Zukunft des Ganzen vermutlich noch wichtiger, noch umfangreicher - der gemeinsame Einsatz zur Rettung des Weltklimas.
Können wir das Klima, die Natur, die Welt retten?
 
In Garten des Hauses standen zwei Bambussträucher. Durch den starken Frost im letzten Winter war der eine völlig runtergefroren. Auch der andere sah nicht wirklich gut aus. Ob der Erfrorene vielleicht doch noch einmal neu treibt? Wir haben ihn zurückgeschnitten. 14 Tage später waren da nicht nur die beiden Sträucher, die wieder sprießten, sondern dazwischen eine mehrere Meter lange Bambushecke. Dazu fragten die Nachbarn freundlich, was wir so mit dem Bambus vorhätten, weil, bei Ihnen sei er auch schon. Und auch in unserem Garten kamen überall die Triebe aus dem Boden. Also, was blieb? Wir mussten ihn zurückdrängen, was nur in einem mehrtägigen Einsatz mit Spitzhacke, scharfen Spaten, dicker Brechstange – die ist jetzt verbogen- so leidlich gelang. Überall waren seine Wurzeln – kräftig bis zum Umfang eines Handgelenks - im Garten unterwegs. Starke, dick mit Kies abgedeckte Dreifachplanen, durch die wir mit der Spitzhacke nicht durchkamen, hatten die Bambustriebe fröhlich durchbrochen. Ja, selbst zwischen den Planen hatte er seine Wurzeln fröhlich vorangetrieben. Beschwerlich für uns als Gärtner. Aber sagenhaft diese Lebenskraft!
 
Nein, ich denke, es geht nicht darum, dass wir die Natur zu retten. Die übersteht die menschengemachten Veränderungen und Belastungen bestimmt. Es geht darum, ob wir für die Bewahrung einer Natur und Umwelt wirken, die für uns lebenswert ist, in der der Mensch und mit ihm viele andere ihm vertraute Lebewesen dauerhaft überleben können.
 
Das finde ich zum einen entlastend gegenüber Selbstüberschätzung und Fanatismus in Umweltfragen. Nein wir müssen und können die Welt/Natur nicht retten. Wär´ auch schlimm, wenn es allein an uns hinge, da reicht ein Blick nach Afghanistan. Da übernehmen wir uns!
 
Gott sei Dank ist die Schöpfungsmacht, die hinter und in der Natur wirkt, allemal stärker als unsere Einflussmöglichkeiten, siehe beispielhaft unser Bambus – ich denke nicht, dass wir ihn dauerhaft besiegt haben... Die Natur/Schöpfung wird uns notfalls überleben. Aber wir alle können, jeder an seinem Platz im Kleinen wie im Großen unseren Teil dazu beitragen, dass Umwelt und Natur für uns, unsere Kinder und die jetzt mit uns lebenden Geschöpfe ein möglichst guter und lebenswerter Lebensraum bleiben. Da zählt jeder Beitrag, auch der kleinste, der in diese Richtung wirkt.
 
Mit solchem bewussten Beitrag zum Leben bleiben wir im Segen dessen, der mit seiner Lebensmacht und seiner Liebe hinter dem allen steht, mehr noch, in allem gegenwärtig ist. Denn, wie war das noch: (1.Mose 1,28, Übersetzung Gute Nachricht): „Und Gott segnete den Menschen und sprach zu ihm: ...alles, was auf Erden lebt, vertraue ich eurer Fürsorge an.“
 
Das konkret zu leben, das können wir doch alle ein gutes Stück weit hinbekommen – oder?
 
Herzlich grüßt Ihr Pastor
                                         
 

3-Minuten-Kirche am 25. August 2021
 
Bild: pixabay
 
„Nichts ist gut in Afghanistan.“
Für diesen Satz erntete Margot Käßmann vor rund zehn Jahren herbe Kritik. Heute brennen sich Bilder aus Afghanistan in unsere Augen und Herzen ein, die ihre Aussage bitter bestätigen.
Alle Bemühungen, den Menschen am Hindukusch zu helfen und dort für Frieden zu sorgen, sind mit dem rasanten Vormarsch der Taliban nach Abzug der internationalen Truppen verpufft. Nun herrscht dort in erster Linie Angst vor den Racheaktionen der islamistischen Miliz.
 
Diese Angst treibt die Menschen in Horden zum Flughafen nach Kabul. Diese Furcht lässt sie mehr Hoffnung in dem Versuch finden, sich an ein startendes Flugzeug zu klammern, statt auf die Zukunft zu hoffen. Diese Panik führt zu Toten und Verletzten in den drängenden Massen vor den Toren des Flugplatzes. Vor dem Stacheldraht warten noch immer Journalist*innen, Dolmetscher*innen, Frauenrechtler*innen und Ortskräfte darauf, evakuiert zu werden.
 
Bislang wurden etwa 30.000 Menschen ausgeflogen. Zu wenige? Zu viele? Zu langsam?
Die politischen Diskussionen werden erhitzt geführt. Der Ruf nach Konsequenzen und die Frage nach den Verantwortlichen heizt hierzulande den Wahlkampf weiter an.
 
Ich bin zuerst einmal entsetzt über die Verzweiflung, die Angst, die Hilflosigkeit, die aus den Bildern auf mich über strömen. Mit meinem Mitleid, meiner Not und meiner Sorge um die Betroffenen wende ich mich an Gott.
 
Ich tue das mit den Worten von Sabine Dreßler, Oberkirchenrätin der EKD und Referentin für Menschenrechte:
 
Gott, bist Du jetzt in Afghanistan?
Wir sind es nicht mehr, und die anderen auch nicht, 
die gekommen waren und geblieben sind für lange Zeit.
So viele Kämpfe, so viele Verletzte, so viele Tote. 
So viel Hoffnung, so viel Scheitern. 
Wer zahlt den Preis? Hat ihn schon längst bezahlt – 
und mit ihnen alle, die um sie weinen, hier und dort.
Gott, bist Du jetzt in Afghanistan?
Bei denen, die zurückbleiben, in größter Gefahr,
nur, weil sie Mädchen und Frauen sind, 
weil sie eine bessere Zukunft für sich und ihre Familien wollten, 
weil sie Schulen gebaut haben,
oder berichtet, über das, was auf den Straßen passierte, 
weil sie gedolmetscht oder gekocht haben, 
für die, die jetzt nicht mehr da sind. 
Gott, bleib‘ Du dort, wo wir nicht mehr sind – 
aber bleib‘ auch bei uns, 
und erinnere uns daran, was zu tun ist, 
damit die, die jetzt um ihr Leben rennen, nicht zurückbleiben müssen.
Amen
 
 
Herzlich grüßt Ihre und eure Diakonin  
                                                              
 
 
 
Übrigens: 
die 3-Minuten-Kirche erscheint ab sofort einmal wöchentlich (mittwochs)
– die nächste also am 01. September!
 

3-Minuten-Kirche am 08. August 2021
 
 
Die 3-Minuten-Kirche macht Sommerpause.
 
Damit befindet sie sich in bester Gesellschaft, denn eine Auszeit in den Sommermonaten ist in vielen Bereichen üblich: sei es Sport, Politik, Schule, Vereine oder die Kunst- und Kulturlandschaft: Nahezu überall gibt es diese Auszeit in der warmen Jahreszeit.
 
Manche Unterbrechungen haben berechtigte Gründe wie Personalmangel - aber auch ohne äußere Notwendigkeiten sind Unterbrechungen des Alltagsgeschäfts eine gute Sache! Pausen, Zeiten, in denen es nicht „wie immer“ ist, weil gewisse Tätigkeiten oder Angebote ausgesetzt werden, tun uns Menschen gut.
 
Zum einen kommen die, die ihre Tätigkeiten ruhen gelassen haben, mit neuen Kräften, neuer Motivation und frischen Gedanken an die Arbeit zurück.
Zum Anderen können solche Pausen auch ein neues Bewusstsein hervorrufen in dem Sinn, dass es eine neue Wertschätzung gibt für das, was sonst vielleicht als selbstverständlich betrachtet wird.
 
Dass Auszeiten etwas Gutes (ja, etwas Gottgewolltes!) sind, das macht die Bibel ziemlich schnell deutlich. So erzählt der Schöpfungsmythos im Buch Genesis, Gott habe, nachdem er alles ins Dasein gerufen hat, selbst einen Tag Pause genommen.
Das ist natürlich eine stark menschlich gedachte Vorstellung. Aber es ist doch zu bedenken, dass die biblischen Autoren damit die Auszeit als etwas geradezu Göttliches betrachten; etwas, das sich selbst Gott nicht verwehrt - ja, das vielleicht  Gott sogar braucht!?
 
Es braucht Pausen um dann sogleich immer wieder auch einen neuen Anfang zu starten. Pausen sind das Salz in der Suppe des Lebens. Es gäbe keine Musik, gäbe es die Pausen zwischen den Noten nicht! So sagte Wolfgang Amadeus Mozart: „Die Stille zwischen den Noten ist genauso wichtig wie die Noten selbst.“ Und das gilt sicherlich nicht nur für die Musik!
 
In diesem Sinn: Genießt - und gönnt euch - die Pausen, die das Leben euch anbietet. Und das nicht nur im Sommer!
 
Euer Pastor
                      
 
Übrigens: Die nächste 3-Minuten-Kirche erscheint am 25. August.

3-Minuten-Kirche am 04. August 2021
 
 
Laut fiepsend fordern die jungen Spatzen im Vogelhäuschen draußen vor dem Schlafzimmerfenster Futter. Das Sirren des Weckers schraubt sich in meine Ohren und holt mich endgültig aus dem Schlaf. Im Bad rauscht das Wasser aus dem Hahn. In der Küche dudelt Musik aus dem Radio. Auf der Straße rauscht der Verkehr vorbei. Ein Hubschrauber überfliegt unser Haus. Auf dem Feld nebenan dröhnt der Mähdrescher. Zwischendurch klingeln das Telefon und der Postbote, macht das Smartphone hupend auf eingegangene Nachrichten aufmerksam, erreichen Gesprächsfetzen eines Telefonats nebenan mein Ohr, ... Wenn ich jetzt eine 3-Minuten-Kirche schreiben will, dann muss ich erst einmal all die Geräusche aussperren, um mich konzentrieren zu können. Um meine eigenen Gedanken hören zu können. Von den Kindern kann ich es lernen. Wenn die in etwas versunken sind, sich nur auf dieses Eine konzentrieren, dann nehmen sie die Welt um sich herum nicht mehr wahr. Das versuche ich.
 
„Neige, Herr, dein Ohr und höre! Öffne, Herr, deine Augen und sieh her!“ (2. Könige, 19, 16) In diesem Satz steckt die Sehnsucht, einmal der konzentrierte Mittelpunkt von Gottes Aufmerksamkeit zu sein. Wir wünschen uns, dass Gott uns sieht, uns hört, uns beisteht. Wir haben klare Vorstellungen, wie etwas sein soll, was wir erreichen wollen. Und Gott soll uns helfen, unsere Wünsche zu realisieren.
Und wenn es nicht klappt, wie wir uns das vorgestellt haben? Heißt das dann, dass Gott durch störende Nebengeräusche abgelenkt war? Oder interessiert er sich nur einfach nicht für mich? Oder ist das letztlich der Beweis, dass es Gott gar nicht gibt?
 
Neige dein Ohr und höre! Ein Gebet ist kein Wunscherfüllungsautomat. So funktionieren der Glaube und das Leben nicht. Und doch: Beten wirkt! Davon bin ich überzeugt. Wenn ich still werde und mich mit meiner Sehnsucht auf Gott einlasse, verändert sich etwas. Vielleicht stärkt es meine Hoffnung. Vielleicht entsteht etwas ganz anderes, ganz Neues. In jedem Fall verleiht die Konzentration mir neue Kraft! Und die Gewissheit, dass Gott mich hört und sieht, erfüllt mich mit Zuversicht.
 
Öffnen auch wir unsere Ohren und Augen für Gottes wunderbares Wirken. Es lohnt sich!
 
Ihre und eure Diakonin
                                      
 

Monatsspruch September 2021

Ihr sät viel und bringt wenig ein; ihr esst und werdet doch nicht satt; ihr trinkt und bleibt doch durstig; ihr kleidet euch, und keinem wird warm; und wer Geld verdient, der legt's in einen löchrigen Beutel.
(Hag 1,6)
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