3-Minuten-Kirche am 11. November 2020
 

Heute, am Mittwoch, den 11.11. um 11.11 Uhr beginnt die närrische Zeit. Leider wird das mit dem ausgelassenen Feiern doch eher schwierig in diesem „Coronajahr“ und unbeschwerte „Döniken“ sind  auch nicht jedermanns Ding in solcher Zeit.
 
Anderswo in der Welt, jenseits des Atlantiks, zeichnet sich das Ende einer im schlechten Sinne närrischen Zeit ab. Geprägt war sie von Unwahrhaftigkeit, Sexismus, Sprunghaftig- und Beliebigkeit, manchmal fast Bosheit, von Narzissmus im Großen wie im Kleinen. Die ganze Welt, bis auf die Schar der Verehrer und der Mächte, denen die dadurch verursachte Schwäche Amerikas hilfreich war, ist erleichtert, hofft auf Besserung, atmet befreit auf.
 
Hier in Deutschland gibt es leider auch solch im schlechten Sinne närrisches Treiben. Wie sagt der Bayer, wenn er etwas völlig verrückt findet: „Sei Ihr denn narrisch worden?“
Die Bilder aus Leipzig lassen jeden vernünftig Denkenden und Handelnden in diese Frage einstimmen. Was tut ihr da? Seid Ihr völlig verrückt geworden, könnte man auf hochdeutsch übersetzen. Mehr noch: der Missbrauch von Ängsten vor Einschränkung der Freiheit und wirtschaftlichem Niedergang durch rechte Gruppierungen ist mindestens ebenso menschenverachtend,  boshaft und niederträchtig, wie das, was in den letzten Jahren leider so manches Mal aus Washington zu hören war.
Und auch bei uns gibt es Menschen, die trotzdem begeistert mitlaufen. Die vor lauter Drehen um sich selbst und ihre persönlichen Interessen – welche Parallele zu: I… und America first - die Gefahr nicht sehen, die sie damit für sich und andere heraufbeschwören, ja zwangsläufig herbeiführen. „Seid Ihr narrisch worden?“
 
In Washington hat der (üble) Spuk wohl bald ein Ende. Geb´s Gott unter uns auch….
Man kann und soll über den richtig Weg diskutieren, aber bitte vernünftig und sachlich, und einander achtend, schützend und wertschätzend. Aber das tut weder der besagte Herr in Washington noch tun es „die in Leipzig“. Hoffen wir, dass auch dieser Spuk bald zu Ende geht.
 
Übrigens: Wirkliche Narren waren immer Menschen, die den herrschenden Machthabern oder Strukturen, konsequent, humorvoll und irritierend einen Spiegel vorhielten, die die Wahrheit offen legten, damit sich Zustände und Herrscher bessern konnten. Ihr Mut, ihr Humor machte es  möglich, dass sie es wagen konnten, öffentlich für die Wahrheit einzutreten, wo sie unerwünscht war, Lügengespinste zu zerreißen und auf geistvolle Weise zum Besseren zu rufen.
 
Solche Narren im guten Sinne brauchen wir an vielen Stellen, nicht nur in der närrischen Zeit. Wollen wir die reinlasse?
Bitte ja!  Solche Menschen, die der Stadt Bestes suchen (Jer. 29,7) brauchen wir um unseret-, ja um der ganzen Welt willen.  
 
Ihr Pastor      
 
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Monatsspruch Dezember 2020

Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!
(Jes 58,7)
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