3-Minuten-Kirche am 01. August 2021
 
 
„Wo kämen wir hin, wenn jeder sagte, wo kämen wir hin, und keiner ginge mal nachsehen, wo man hinkäme, wenn man hinginge.“ 
 
Mit diesem Aphorismus wollte der schweizer Theologe und Schriftsteller Kurt Marti wohl darauf hinweisen, dass wir Menschen allzu oft nach dem Motto leben „Das macht man halt so.“ 
Kleine Kinder führen uns sehr schön vor Augen, wie wir Menschen von klein auf darauf aus sind, Verhaltensweisen zu kopieren und zu übernehmen ohne sie zu hinterfragen. So halten sie sich liebend gerne Dinge ans Ohr, die aussehen wie Telefone und brabbeln vor sich hin, weil sie das Telefonieren der Erwachsenen kopieren. Ganz nach dem Motto: „Das macht Mama doch auch so.“
 
So entwickeln sich Traditionen und eingefahrene Verhaltensweisen. Solche Konventionen können uns das Gefühl von Sicherheit und Gewissheit geben, weil sie den Rahmen abstecken, innerhalb dessen man sich bewegen und ausdrücken kann. Doch solche scheinbar unverrückbaren Grenzen engen auch ein - begrenzen den Horizont.
 
In der Bibel finden sich einige Geschichten wo gerade mit den scheinbar unhinterfragbaren Traditionen gebrochen wird und Erwartungen enttäuscht werden: So wird mit David ausgerechnet der jüngste und vermeintlich ungeeignetste Sohn zum König erhoben - das von Gott erwählte Volk Israel ist gerade ein kleines und unbedeutendes - Jesus hat immer wieder mit den Menschen Umgang, die damals wie selbstverständlich gemieden wurden. Und schließlich hat Martin Luther mit einigen kirchlichen Traditionen gebrochen und neue Wege eingeschlagen. Ja, wir stehen in einer Tradition von Traditionsbrechern, könnte man sagen. 
 
Das heißt nicht, dass man aus Prinzip alles ablehnen muss, was althergebracht ist. Ich empfinde es viel mehr als einen Ruf, dass wir immer wieder auf uns und unser Leben schauen und uns fragen sollten, ob das, was wir tun, denken und fühlen eigentlich wirklich angebracht ist - oder ob da nicht doch ein „Das macht man halt so.“ im Hintergrund steht.
 
Ihr / euer Pastor
                           
 

3-Minuten-Kirche am 28. Juli 2021

 

 

 

In diesem Sommer blühen in unserem Garten viele verschiedene Sonnenblumen. Ausgesät vom Vogelfutter, das in die Erde gefallen ist. Ich liebe Sonnenblumen. Eine Sonnenblume richtet sich immer nach der Sonne und strahlt selbst in dieser herrlichen gelben Farbe. Manchmal möchte ich auch so sein wie eine Sonnenblume und mich nicht nur der Sonne, sondern vor allem Gott zuwenden, der mein Leben hell macht und mich strahlen lässt.  

Dann kann ich die Schatten des Lebens hinter mir lassen, Schuld und Unzulänglichkeiten loslassen. Das ist nicht immer so einfach. Manchmal sind die Schatten stärker und das Leben läuft nicht immer geradeaus, da gibt es auch den ein oder anderen Knick. Aber auch dabei hilft mir der Blick auf die Sonnenblume. Ich weiß nicht, ob Sie schon einmal gesehen haben, was passiert, wenn die Sonnenblume einen Knick bekommt. Natürlich hängt sie zunächst mit dem Kopf nach unten, aber trotzdem lässt sie nicht die Blüte hängen oder verdorrt. Wie durch ein Wunder wächst sie dann trotzdem wieder nach oben und die Blüte richtet sich wieder nach der Sonne. Die Kraft der Sonne richtet die Blume wieder auf. So kann es auch in meinem Leben sein. Da geht es nicht ohne den ein oder anderen Knick: eine große Enttäuschung, Krankheit oder der Verlust eines geliebten Menschen. Oder vielleicht auch, weil ich einen Fehler gemacht habe, der sich nicht so einfach wieder gutmachen lässt. Aber ich kann mich wieder aufrichten lassen, von Gott, von Gottes Liebe. Ich muss nicht den Kopf hängen lassen und verzagen. Wenn ich mich nach Gott ausrichte, dann kann er mich auch wieder zum Blühen bringen, wenn ich geknickt bin. Deshalb erinnern mich die Sonnenblumen im Garten oder auf den Feldern immer wieder daran: Gott macht mein Leben hell und richtet mich immer wieder auf.

Ich wünsche Ihnen in diesem Sommer viele helle Momente, in denen Sie sich wieder aufrichten lassen, wenn etwas nicht so gut gelaufen ist und sich in Gottes Liebe getragen wissen können.

Ihre Pastorin 

                             

 

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3-Minuten-Kirche am 25. Juli 2021
 
 
Die dramatischen Bilder aus den Hochwassergebieten haben sicherlich bei einigen die Sintflutgeschichte in Erinnerung gerufen. Ganz ähnliche Erzählungen über eine weltumspannende Flut finden sich auch in anderen Religionen und Kulturen. Solche Geschichten sind vielleicht als Ausdruck einer Urangst zu erklären: Dass unaufhaltsam eine Katastrophe über einen hereinbricht und man machtlos unheilvollen Kräften und Ereignissen ausgesetzt ist.
 
So sehe ich in der biblischen Sintfluterzählung auch eine mythologische Geschichte über das Leben. Bildgewaltig erzählt sie, dass von jetzt auf gleich das Leben ganz anders sein und einem der Boden unter den Füßen weggerissen werden kann. Dennoch ist es keine pessimistische Geschichte. Denn sie gipfelt nicht in der Katastrophe. Vielmehr nimmt es dann doch ein gutes Ende: Das Leben geht weiter. Als Zeichen für den Bund zwischen Gott und Mensch steht am Ende der Regenbogen.
 
Während die Flut für die Gefahren des Lebens steht, steht der Regenbogen für das, was uns hilft mit diesen Gefahren und den Schwierigkeiten des Lebens zurechtzukommen; den Beistand und die Hilfe Gottes. Einen Regenbogen kann man nur sehen, wenn man die Sonne im Rücken und den Regen vor sich hat. Gott im Rücken zu haben, kann uns immer wieder helfen, auch durch dunkle Zeiten zu gehen und einen Hoffnungsschimmer zu sehen. So können wir durch das Leben gehen: Mit den Problemen vor uns - und mit Gott, der immer hinter uns steht.
 
Die Sintflutgeschichte erzählt davon, dass es einen neuen Anfang nach der Katastrophe gibt - dass es weitergehen kann. Den Mut und die Kraft zu diesem Neuanfang kann und will Gott uns geben. Dieser Mut und diese Kraft sind all denen zu wünschen, die von den ganz realen Fluten der letzten Tage betroffen sind - aber auch uns, die wir vielleicht im kleinen Maßstab das Gefühl haben, vom Regen in die Traufe zu kommen.
 
Ihr/ euer Pastor
                            
 

3-Minuten-Kirche am 21. Juli 2021
 
 
Endlich Sommer, endlich Ferien! Diesen sonst üblichen Stoßseufzer habe ich bisher nur selten gehört. Mag sein, es liegt am Wetter, das mit seinen Kapriolen kein Sommer-Sonne-Feeling aufkommen lässt. Vielleicht liegt es auch daran, dass nach Monaten des Homeschoolings die wenigen Wochen des Präsenzunterrichts gar nicht als Belastung empfunden wurden. Es könnte auch damit zusammenhängen, dass die Freude auf die Ferien wegen der unsicheren Reisebedingungen getrübt ist. Noch immer beschränkt die Pandemie unser Leben und unsere Freiheit. Dabei haben wir alle gerade deswegen Entspannung, Gelassenheit und eine Pause dringend nötig!
 
In dem Buch „Jesus nimmt frei“ von Nicholas Allan wird – unterlegt mit witzigen Zeichnungen – sehr charmant beschrieben, dass auch Jesus eines Tages erschöpft war. Seine Wunder klappten nicht und auch die Geschichten verloren an Faszination. Sein Arzt verordnete ihm einen freien Tag, den Jesus weidlich genoss: Er übte Rad schlagen durch die Wüste, jonglierte mit seinem Heiligenschein, picknickte unter einer Palme und nahm ein erfrischendes Bad. Doch am Ende des Tages wurde er traurig, als ihm auffiel, dass er den ganzen Tag niemandem geholfen hatte. Er ging auf einen Berg, um seinem Vater alles zu erzählen. Gott hörte zu und zeigte Jesus schließlich, welch himmlische Auswirkungen sein freier Tag hatte: Überall, wo er Rad geschlagen hatte, waren in der Wüste Wasserquellen entsprungen. Während er geschwommen war, hatten die Fischer einen großen Fang gemacht und wo er jongliert hatte, wuchsen nun herrliche Früchte. „Du siehst: Nur, wenn du selbst froh bist, kannst du auch andere froh machen!“
Jesus erkannte, wie Recht Gott hatte, und ging erleichtert und erholt zu Bett, wohl wissend, dass am nächsten Tag wieder eine Menge Arbeit auf ihn warten würde.
 
Gott weiß um unsere Erschöpfung und unsere endlichen Kraftreserven. Darum hat er schon zum Anbeginn der Zeit für Ruhezeiten gesorgt.
 
Auch wenn dieser Sommer nicht unbeschwert sein mag, so wünsche ich uns allen doch blühende Pausen, sprudelnde Oasen der Erholung und kindliche Freude an dem, was Gott uns schenkt.
 
Eine gesegnete Sommer- und Urlaubszeit wünscht Ihnen und Euch
 
Diakonin
                
 

 

3-Minuten-Kirche am 18. Juli 2021

Erschreckende Bilder mitten aus Deutschland, Fluten, Zerstörungen, viele Menschen, die Ihr Leben verloren haben. Dazu die verstörenden Bilder der Feuersbrunst in Kanada, auch da viele Opfer an Leib und Leben, Hab und Gut. Demgegenüber die für unsere Breiten extrem trockenen Sommer in den letzten Jahren.
 
Das hat doch keiner ahnen können, dass die Klimaveränderung solche Folgen hat. Doch, wir hätten es sogar wissen können. Denn genau so, haben es uns große Teile der Wissenschaft vorausgesagt. Die Leugnung des Klimawandels ist genauso unvernünftig, wie die von Corona und seinen Folgen. Und doch, solange sie nicht selbst betroffen sind, verdrängen Menschen unangenehme und unbequeme Dinge gerne. Deshalb fand ich die Idee der leitenden Ärztin einer Hildesheimer Coronastation sehr gut, die in einem Interview sagte: Jede/n, der/die meint, Corona sei eine Erfindung, lade ich ein, mal einige Tage in der Pflege Coronakranker auf der Station mit zu arbeiten. - Da kommt es nahe, ist unabweislich und nicht mehr zu leugnen. Hagen, Echweiler, Ahrweiler, Wuppertal sind auch nicht weit ...
 
Und nun? Allzu lange haben wir wohl mehrheitlich die Wirklichkeit verdrängt, tun es zum Teil bis heute. Denn ernst nehmen, hätte unangenehme Folgen, die unbequem, einschränkend, teuer sind. Andere wiederum möchten das Wasser (sorry!) auf ihre Mühlen leiten und stellen aus durchaus angenehmer persönlicher Position aufgeregt Maximalforderungen. Das macht es auch nicht einfacher, umzudenken. Aber weder Verdrängen noch aufgeregtes Flügelschlagen bringen uns weiter, helfen uns.
 
Mir fällt dabei das Wort aus dem Hebräerbrief ein: Geduld habt ihr nötig, auf dass ihr den Willen Gottes tut und das Verheißene empfangt.
 
Das heißt für mich: Die Ungeduld, alles Leben jetzt gleich und hier haben zu müssen, wie sie sich in den scheinbar ungebremsten Forderungen nach Aufgabe der Coronaschutzmaßnahmen aber ebenso auch in einem ungebremsten Konsumverhalten zeigt, wird sich gegen uns kehren. Heißt dazu Geduld haben, im Vertrauen darauf, dass letztlich ein anderer im Regimente sitzt. Einer, der Leben in Fülle verheißt und will. Und dann darauf sehen, was heute - um Gottes Willen- für mich, meine Lieben, unsere Gesellschaft, unser Miteinander und unsere Schöpfung und damit unser Leben hilfreich und zu tun ist. Ganz egal, ob angenehm oder billig zu haben. Das würde weiterbringen. Das heißt jetzt erstmal alle mögliche Hilfe für die akut Betroffenen auf die Beine zu stellen, egal ob durch Corona oder Unwetterkatastrophe und unabhängig davon, ob die öffentliche Hand weiter gut bedachte Schulden macht und wir alle natürlich dafür zahlen müssen. Und dann ein zügiges aber zugleich geduldiges miteinander Ringen darum, wie es besser werden kann, was wir zusammen Hilfreiches tun können in Sachen Weltklima, Corona und den anderen akuten Herausforderungen.
 
Geduld können wir haben, weil wir nicht alles richten können und darum wissen, in wessen Hand wir in allen Gefährdungen sind und bleiben. Und dann gälte es zu fragen nach seinem Willen, der doch das Leben will, also dem, was dauerhaft dem Leben dient. Das wäre gut, würde uns helfen, der Gemeinschaft der Menschen, der Natur, und damit uns selbst und unseren Nächsten.   
 
Herzlich grüßt Ihr Pastor 
                                         
 

3-Minuten-Kirche am 14. Juli 2021

 

Foto: falco/Pixabay

 

„Liberté, Égalité, Fraternité! - Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit!“ Diese drei Worte sind der Wahlspruch der französischen Republik und finden sich auf Münzen, Briefmarken und öffentlichen Gebäuden wieder. Ihren Ursprung haben sie in der französischen Revolution, die am 14. Juli 1789 mit dem Sturm des einfachen Volkes auf die Bastille in Paris begann. Zugegeben, es ist viel Blut geflossen um die Menschenrechte und diese drei Worte, die sie zusammenfassen, in Politik und Gesellschaft ankommen zu lassen. Und es war ein langer Weg dahin, dass sie auch akzeptiert und weitergetragen wurden.

Freiheit, auch Meinungs – und Religionsfreiheit, Menschenwürde und Nächstenliebe sind Werte, die nicht nur in Frankreich, sondern auch bei uns und in vielen anderen Ländern, einen hohen Stellenwert haben.

Leider ist das nicht überall so, auch nicht in Europa. Das wurde gerade bei der Fußball-EM sehr deutlich sichtbar. Ich finde es bedenklich, dass Geld und Profit einen höheren Stellenwert hatten als Menschenrechte, allen schönen Worten zum Trotz.

Es ist noch nicht so lange her, dass auch in unserem Land die Menschenrechte mit Füßen getreten wurden und von Meinungsfreiheit keine Rede sein konnte. Esther Bejarano, die am Wochenende gestorben ist, hat sich als Holocaust-Überlebende bis zuletzt dafür eingesetzt, dass diese Zeiten nicht wiederkommen. Es ist an uns ihr Anliegen ernst zu nehmen und weiter zu tragen.

In den letzten Monaten sind mir zwei biblische Worte besonders wichtig geworden:

„Alles nun, was ihr wollt, dass es euch die Menschen tun, das sollt auch ihr ihnen tun.“ Das ist die sogenannte „Goldene Regel“ aus dem Matthäusevangelium. Das andere ist das Doppelgebot der Liebe aus dem Markusevangelium: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Und: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“

Nächstenliebe bedeutet für mich auch, sich einzusetzen für andere und dafür, dass wir alle weiterhin in Freiheit leben können und alle die gleichen Rechte und Chancen haben. Das ist nicht selbstverständlich und daran sollten wir uns immer mal wieder erinnern.

Es grüßt herzlich Pastorin 

                                            

 

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3-Minuten-Kirche am 11. Juli 2021
 

Eine Legende besagt: Als man das Münster zu Freiburg baute, wurden drei beteiligte Steinmetze nach ihrer Arbeit gefragt. Auf die Frage „Was machst du da?“ antwortete der Erste, der Quader für die Mauern der Wand zurecht haute „Ich haue Steine.“ Ein Anderer mühte sich damit ab, Blöcke für eine kleine Säule an der Tür rund zu schlagen. Auch ihn fragte man „Was machst du da?“ Seine Antwort „Ich verdiene Geld für meine Familie.“ Ein Dritter schließlich bückte sich über das Ornament einer Kreuzblume für den Fensterbogen. Auch ihm wurde die Frage gestellt „Was machst du da?“, woraufhin er antwortete „Ich baue am Dom.“
 
Eine Geschichte – egal ob wahr oder erfunden – die verdeutlicht, wie sehr die innere Einstellung bzw. Haltung unsere Perspektive auf unser Leben beeinflusst. Der eine Steinmetz kann seiner Arbeit gar keinen Sinn abgewinnen – er beschreibt nur, was er tut; so erledigt er seine Arbeit stumpf und ohne innere Beteiligung.
Der Zweite sieht in der Arbeit immerhin einen Vorteil für sich; dass so nämlich seine Familie satt wird.
Aber der dritte Steinmetz hat das Große-Ganze im Blick; er sieht ein Ziel. Für ihn trägt seine Arbeit ihren Sinn in sich selbst.
 
Für mich ist dieser dritte Steinmetz ein Symbol dafür, was es bedeutet, zu glauben. Glauben heißt; die Welt mit Gottes Augen zu sehen – und das eigene Leben als Teil des und Beitrag zum Großen Ganzen der Schöpfung Gottes zu begreifen.
Es ist wie bei den drei Steinmetzen: Je nachdem wie ich mein Leben, mein Tun und Handeln in der Welt, verorte, nehme ich es wahr. Bin ich innerlich unbeteiligt, tu ich es allein wegen des Lohns, oder weil ich mich als Teil des Ganzen begreife und meinen Beitrag dazu beisteuern will?
 
Es dürfte klar sein, mit welcher Einstellung es sich besser durch das Leben gehen lässt. Und zu dieser Perspektive ruft Gott uns, ja befreit er uns. 
Gott will uns zum dritten Steinmetz machen, der jeden noch so kleinen seiner Steine als Teil des Ganzen sieht.
 
Ihr/ euer Pastor
                            
 

3-Minuten-Kirche am 07. Juli 2021
 
 
In der Trauer und im Glück, in der Schöpfung, in einer Andacht, im Alltag und in der Begegnung mit Menschen – überall dort kommt Gott mir nahe.
 
Das sind Aussagen von Jugendlichen, die sich letztes Wochenende zur Vollversammlung der Evangelischen Jugend in der Landeskirche Hannovers getroffen haben. In einer hybriden Veranstaltung kamen 170 Personen auf dem Gelände des Sachsenhains in Verden zusammen, dazu unzählige an den Bildschirmen zuhause.
 
Neben den Delegierten der Landesjugendkammer – dem Pendant zur Landessynode unserer Landeskirche, nur eben auf Jugendebene – durften weitere drei Vertreter*innen aus allen Kirchenkreisen anreisen. Vor Ort getestet und mit ausgefeiltem Hygienekonzept ging es in verschiedene Workshops und fand reger Austausch statt zu aktuellen Themen und Fragen der Gesellschaft insgesamt, aber auch der Kirche im Besonderen.
 
Wie Kirche jugendgerecht und zukunftsfähig sein und werden kann, war den Jugendlichen ein wichtiges Anliegen. Öffentlichkeitsarbeit und Nachhaltigkeit standen ebenso auf der Agenda, wie erste Ideen für das Landesjugendcamp zu entwickeln, das für 2022 wieder auf dem Plan steht. Während der Pandemie mussten Jugendliche oft zurückstecken. Dennoch sind viele aktiv geblieben und geworden. Eine Fülle von Aktionen hat das Augenmerk auf die Kinder und Jugendlichen gelenkt, die vielleicht derzeit nicht systemrelevant, ganz sicher aber #zukunftsrelevant sind!
Ich finde es ermutigend, dass junge Menschen sich auf den Weg machen ihre Pläne umzusetzen, ihre Zukunft zu entwickeln und ihre Kirche mitzugestalten.
 
„Ihr seid das Salz der Erde.“ Dieses Jesuswort aus dem Matthäusevangelium ist das Motto der EvangelischenJugend in unserer Landeskirche.
 
Ich hoffe, die Jugendlichen streuen kräftig Salz in die Wunden und zeigen auf, was für sie falsch läuft. Und ich hoffe, wir – die Erwachsenen - lassen ihnen den Raum, mit ihren Impulsen neue Würze in unsere Gemeinden zu tragen.
 
Auch wenn wir sie auf unterschiedlichen Wegen suchen, uns alle eint die Sehnsucht nach der spürbaren Nähe Gottes.
 
 
Bleiben Sie, bleibt Ihr behütet.
Ihre und eure Diakonin
                                        
 
 
 

 
 
3-Minuten-Kirche am 04. Juli 2021
 
 
Sommerzeit ist Reisezeit. Wer dieser Tage Meldungen und Bilder verfolgt, sieht, wie groß das Bedürfnis der Menschen ist, dem Alltag auf Zeit zu entkommen; in Coronazeiten vielleicht nur umso mehr. Aber ich will jetzt nicht über Corona reden, auch wenn die Bilder von überfüllten Stränden und viel zu vollen Stadien dazu animieren könnten. Nein, es soll um Sommer, um Reisezeit, um Urlaubszeit, einfach um „gut tuende“ Zeit gehen.
 
Mal raus aus dem üblichen Getriebe, mal was ganz anderes sehen und denken, mal wirklich frei sein oder auch, sich sportlich betätigen, je nach Vorliebe, alternativ eine Bildungsreise machen, sich mal ganz und gar einlassen auf eine andere Kultur und Lebensweise. Und dann nach all den Erfahrungen und Entdeckungen zurückkommen mit neuer Kraft, neuen Ideen, einem veränderten Blick auf die eigene Lebenswirklichkeit. Junge Menschen nutzten vor Corona die Zeit zwischen Schule und Beruf bzw. Ausbildung für solche Reisen und Erfahrungen. Das macht sich nicht nur gut im Lebenslauf, das ist bereichernd für die persönliche Entwicklung, die eigene Person. Schade, dass das alles so schwierig geworden ist in diesen Zeiten.
 
Wobei, ein Reiseanbieter, der Begegnungen mit einer fremden Wirklichkeit anbietet, ist von alledem überhaupt nicht betroffen. Christen buchen bei ihrer Taufe eine Lebensreise in eine andere, mehr noch mitten hinein in eine andere Wirklichkeit. Sie haben von Gott her eine lebenslange Freifahrkarte in seine, mit seiner Wirklichkeit, seinem Reich. Stichworte gefällig? Liebe, Frieden, Gerechtigkeit, Geborgenheit und vieles mehr. Schon was anderes als sonst im Alltag. Ein solches Angebot habe ich auch noch in keinem Katalog für Wellnessreisen gefunden. Dazu, diese Reise können wir antreten in jedem Moment unseres Alltags, nicht nur im Sommer und in Ferienzeiten.
Wie sagt Jesus: Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen. Es ist egal, ob wir bei der Arbeit, im Urlaub, im Kindergarten, im Wartezimmer beim Arzt, im Krankenhaus, im Seniorenheim, bei der fröhlichen Geburtstagsfeier oder gar einer Beerdigung, ob wir auf einer herrlichen Hotelterrasse oder in einer Zweizimmerwohnung sitzen. Überall ist seine Wirklichkeit nur ein Gebet, eine Begegnung mit Gottes Wort, ein innerliches Einlassen auf seine Nähe, seine Wirklichkeit oder ein Handeln in seiner Liebe entfernt. Und solche Begegnung mit ihm ändert das Leben, schenkt einen neuen Blick darauf, weckt Hoffnung, neue Gedanken und Lebenskraft, lässt die Seele gesunden und dadurch dann manchmal auch den Leib.
 
Mönche und Nonnen haben sich ganz dieser Lebensreise mit Gott verschrieben und sich deshalb aus der Alltagswelt zurückgezogen. Und das nicht, um sich zu kasteien, sondern um bei und mit ihm das Leben zu finden. Zurückziehen, das muss man aber gar nicht. Die Lebensreise mit Gott geht genau so gut mitten im Alltag, überall da, wo wir uns mitten im „normalen Leben“ mit dem nahen Reich Gottes, mit Gott auf die Reise begeben, uns von seiner Wirklichkeit berühren und bewegen lassen.
 
In diesem Sinne eine erholsame und Neues sprießen lassende Zeit, egal ob im Urlaub oder zu Hause, aber immer auf der Lebensreise mit Liebe, Gerechtigkeit, Frieden, Barmherzigkeit, Geborgenheit, Leben, also genauer gesagt mit Gott.
 
Herzlich grüßt, und wünscht Gottes Geleit, Ihr Pastor 
                                                                                       
 

3-Minuten-Kirche am 30.06.2021

 

 

Am 20. Juni haben wir in Lauenstein einen Gottesdienst auf dem Ackerkreuz gefeiert. Auf den ersten Blick ein ungewöhnlicher Ort für einen Gottesdienst. Doch es war eine Gelegenheit sich bewusst zu machen, wie sehr wir die Natur brauchen und wie notwendig es ist, sie zu schützen und zu bewahren. Das Thema Klimawandel ist schon lange auf dem Plan, die „Fridays für Future“- Bewegung ruft uns die Dringlichkeit in Erinnerung, etwas dafür zu tun, die Erderwärmung und die damit verbundenen Folgen zu stoppen. Es wird immer deutlicher, dass wir alle ein Stück dazu beitragen müssen und damit auch in unserem Leben und unseren Gewohnheiten etwas ändern sollten, damit sich nicht in absehbarer Zeit das Leben aller radikal verändern wird. Vielleicht fragen Sie sich, was Sie denn schon ausrichten können, wenn so vieles notwendig ist. Ich denke, es ist wichtig, dass alle etwas tun, damit sich etwas verändert. Ein afrikanisches Sprichwort sagt: „Viele kleine Leute, die an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern.“

Einmal mehr zu Fuß gehen oder das Fahrrad nehmen statt sich ins Auto zu setzen, bewusster einkaufen… das sind kleine Dinge, die in der Summe schon viel bewirken können.

Um etwas für die Erhaltung der Artenvielfalt zu tun, haben wir im Kirchenvorstand Lauenstein beschlossen, unseren Friedhof naturnah umzugestalten. Das wird einige Jahre in Anspruch nehmen, weil es nur stückweise geht. Auch da sind wir auf die Mithilfe aller angewiesen. Denn auch bei der Gestaltung der Gräber gibt es viele Möglichkeiten einer pflegeleichten Bepflanzung als Alternative zu einer „Steinwüste“.

Vielleicht fallen Ihnen noch ganz andere Dinge ein, die man tun kann, um mit wenig Aufwand ein Stück zur Bewahrung unserer Schöpfung beizutragen. Wichtig ist, dass wir jetzt damit anfangen und nicht warten bis es zu spät ist.

 

Es grüßt Sie herzlich Pastorin 

                                                  

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Monatsspruch August 2021

Neige, HERR, dein Ohr und höre! Öffne, HERR, deine Augen und sieh her!
(2 Könige 19,16)
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