3-Minuten-Kirche am 13. April 2022
 
 
Dies ist die letzte 3-Minuten-Kirche. Nach mehr als zwei Jahren wird es keine weitere Mini-Andacht mehr geben. Wir haben uns für das Ende der 3-Minuten-Kirche einen symbolischen Termin ausgesucht; den letzten Mittwoch vor Ostern. Ostern ist das Fest der Auferstehung Jesu - ist der Tag, an dem die Jünger die Erfahrung gemacht haben, dass ihr Leben gut weiter gehen kann. Nachdem sie seit Karfreitag getrauert hatten, kam nun allmählich wieder die Lebensfreude zu ihnen zurück und sie konnten wieder in ihren Alltag zurückkehren.
 
Ähnliche Hoffnungen und Erwartungen haben auch wir: Dass nach dieser langen und zum Teil doch sehr bedrückenden Zeit der Alltag, den wir so sehr vermisst haben, wieder in Gänze zurückkehrt; dass wir wieder so unbeschwert und ohne Einschränkungen leben können wie vor Corona.
Wir sind jedenfalls auf dem Weg dahin - auch wenn wir noch nicht ganz da sind. Es geht jedoch in die richtige Richtung; Richtung Normalität.
 
So ist jedenfalls bereits in der Kirche ein gutes Stück Normalität zurück gekehrt nachdem zu Beginn der Pandemie eine Zeit lang gar keine Gottesdienste stattfanden, ist hier wieder fast alles beim Alten. So werden zum Teil sogar schon wieder Hochzeitsgottesdienste gefeiert.
 
Wir wollen optimistisch bleiben und hoffen, dass der unbeschwerte Alltag recht bald in Gänze wieder Einzug in unser Leben hält. Hoffentlich ist die Phase der Einschränkungen bald ein Kapitel, das wir abgeschlossen haben. Wir werden uns daran wohl unser Leben lang zurück erinnern - so wie sich die Jünger später sicherlich auch manches Mal die Kreuzigung Jesu ins Bewusstsein gerufen haben; als eine Phase, in der das Leben sinnlos und wie erstorben schien, und wo sich am Ende aber doch das Leben und die Freude daran von neuem ihren Weg gebahnt haben.
 
In der Hoffnung, dass auch wir uns eines Tages so an diese Jahre zurückerinnern, kommt die 3-Minuten-Kirche nun an ihr Ende.
 
Wir wünschen Ihnen einen positiven Blick in die Zukunft und die nötige Geduld, die wir trotz allem vermutlich noch ein wenig benötigen werden.
 
Ihr Pastor
                    
 

3-Minuten-Kirche am 6. April 2022
 
 
Sie sind golden, lila oder bunt. Dieser Tage ist die Auswahl an Schokoladenosterhasen schier unendlich. Aber beim Kauf kommt es den meisten dann weniger auf die Hülle an – vielmehr es geht um den Inhalt. Und da ist für jeden Geschmack etwas dabei: Zartbitter, Minze, Salted Caramel, …
 
Auf den Inhalt kommt es an. Ja! So ist das mit dem Osterfest auch. Ostern ist ein wahres Bilderfest – Osterhasen, Ostereier, Lämmer, Tulpen, Narzissen, …
 
Wir Menschen brauchen Bilder. Sie helfen uns, die Welt zu deuten und uns zu orientieren. Wie sehr Bilder uns aber manchmal auch manipulieren und verblenden können und von dem eigentlichen Inhalt ablenken, das erleben wir in diesen Tagen auf besonders bittere und zynische Weise.
 
Manchmal ist es ganz schön schwer, die eigentliche Botschaft durch die Bilder hindurchzuhören. Das ist Ostern nicht anders.
Das Johannesevangelium berichtet davon, dass Maria am leeren Grab auf Jesus trifft. Als sie den Jüngern davon berichtet, geht es aber nicht darum, was sie gesehen hat, sondern was sie gehört hat!
 
Maria aus Magdala ging zu den Jüngern. Sie verkündete ihnen: »Ich habe den Herrn gesehen!«
Und sie erzählte, was er zu ihr gesagt hatte.
Joh 20,12
 
Er ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Die Osterbotschaft – sie ist ein Bekenntnis und jeder, der sie hört, steht vor der Frage: Glaubst du das?
 
Mitten hinein in die Trauer, Ratlosigkeit und Hilflosigkeit der Jünger spricht Maria die entscheidenden Worte. Jesus lebt! Worte, die berühren, Worte, die Halt und Hoffnung geben. Es geht weiter. Jesus, Gott ist an unserer Seite und ist für uns da, auch wenn die Welt noch so trostlos und traurig ist!
 
Lassen auch wir uns diese Worte zusprechen! Und mögen Sie durch alle Bilderflut zu Ostern hindurch bis an unser Ohr und in unser Herz durchdringen! Denn auf den Inhalt kommt es an:
Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Für Dich und für mich!
 
Frohe und gesegnete Ostertage wünscht Ihnen
Ihre Corinna Engelmann
 

3-Minuten-Kirche am 30. März 2022
 
 
I have a dream. Ich habe einen Traum. Die Worte aus der berühmten Rede Martin Luther Kings, in der er vor knapp 60 Jahren seine Hoffnung auf eine gerechtere Zukunft ausdrückte, kennen wir alle. Genauso, wie wir alle eigene Träume haben, Hoffnungen für unsere Zukunft, Visionen für unser Leben. Die einen träumen von Karriere und Macht, andere von Haus und Familie, von Gesundheit und Glück, von Freiheit und Gerechtigkeit. Dieser Tage eint uns alle dieser eine Traum - vom Frieden. 
Berühmte Worte einer Friedensversion finden sich in der Bibel, beim Propheten Jesaja. Er beschreibt eine Zukunft, in der Gerechtigkeit herrscht, der Schuldige bestraft und Armen geholfen wird. Wolf und Lamm liegen friedlich nebeneinander, Böses und Unheil gibt es nicht mehr, denn Gottes Herrlichkeit regiert die Welt. 
 
Die Hauptkonfirmand*innen aus Wallensen haben daran angelehnt eine eigene Friedensvision geschrieben.
 
Es ist Frieden. Gleich als ich aufwache, bemerke ich es. Es ist ganz still. Niemand schreit oder brüllt rum. Keine Explosionen sind zu hören, kein Rauch zu riechen. Nur Vogelgezwitscher. 
Ich fühle mich entspannt. Draußen auf der Straße sehe ich Menschen. Sie lächeln und sind alle nett zueinander. Manche tanzen. Alle sind willkommen. Sie sehen glücklich und zufrieden aus.
Auf der Wiese nebenan liegen Tiere friedlich im Gras. Es riecht nach Blumen und leckerem Frühstück. Mir schmecken sogar vorher verabscheute Dinge. Frieden schmeckt süß.
Das Radio spielt fröhliche Musik. Auch das Fernsehprogramm hat sich verändert. Man muss bei den Nachrichten nicht mehr wegschauen und Angst haben. Es wird vom „Weltfrieden“ geredet. Ich bin froh, weil ich weiß, dass nun auch nirgendwo sonst jemand unter schlimmen Umständen leben muss. Lastwagen fahren vorüber. Sie entsorgen die Waffen, weil sie nicht weiter gebraucht werden. Es gibt keine Gewalt mehr. Das Leiden ist vorbei.
Die Kirche lädt zu einer Versammlung ein, in der die Menschen jede Woche miteinander reden und sich gegenseitig helfen können. Ich gehe raus zu den Menschen, tanze mit ihnen und wir alle fühlen uns frei und wie neu geboren.
 
Davon lohnt es sich, zu träumen. Und sich dafür einzusetzen!
 
Herzlich grüßt Ihre und eure Diakonin 
                                                                  
 

3-Minuten-Kirche am 23. März 2022

 

 

 

„Wir wünschen uns, dass in der Kirche alle Menschen einen Platz haben und willkommen sind.“ Deshalb haben sich die Konfirmandinnen und Konfirmanden für ihren Vorstellungsgottesdienst am Sonntag das Thema „Vielfalt“ ausgesucht. Grund dafür waren Erfahrungen in Schule und Gesellschaft und eben auch in der Kirchengemeinde, dass hier eben nicht immer alle Menschen willkommen sind. Wer nicht den Idealvorstellungen der Gesellschaft entspricht, z.B. eine andere Hautfarbe als weiß hat oder eine Behinderung wird oft ausgegrenzt, beleidigt oder abwertend behandelt. Diese Erfahrungen machen die Jugendlichen in ihrem Alltag immer wieder. Wir haben darüber diskutiert, was eigentlich „normal“ ist, uns auf die Suche danach gemacht, wo sich Dinge langsam ändern, aber auch benannt, wo noch etwas getan werden kann und muss. Am Montag war zum einen Welttag gegen Rassismus und zum anderen der Welt-Down-Syndrom-Tag. Beides ein internationaler Gedenktag, der zeigt, dass bei den Themen weltweit noch viel zu tun ist, damit jeder Mensch so akzeptiert wird, wie er ist. Jesus hat dazu eine einfache Regel aufgestellt: „Behandelt andere Menschen genauso, wie ihr selbst behandelt werden wollt.“ (Lukas 6, 31)
Hier die Wünsche und Überlegungen der Jugendlichen :
„Wir wünschen uns in der Kirche ein friedliches Zusammenleben aller Religionen. Das Stichwort „Vielfalt“ sollte mehr Aufmerksamkeit bekommen. Wir wünschen uns auch, dass alle Menschen gleich behandelt werden, unabhängig von ihrer Hautfarbe, ihrer sexuellen Orientierung oder dem Geschlecht. Wir wünschen uns auch gleiche Rechte für alle, in allen Kirchen. Wir wünschen uns, dass alle gleichen Zugang zu allen Ämtern haben. Wir wünschen uns mehr offenen Umgang miteinander.
Wir haben uns überlegt, was dazu beiträgt, dass Menschen nicht mehr ausgegrenzt werden und dass wir alle friedlicher miteinander leben können: Wir können andere Menschen vor Anfeindungen beschützen, indem wir uns einmischen, wenn wir das erleben. Wir können offen unsere Meinung sagen, auf die Ausgrenzung aufmerksam machen und z.B. Rassismus beim Namen nennen und öffentlich machen.
Wir können auf unsere Sprache achten, Worte, die andere Menschen beleidigen oder diskriminieren aus unserem Wortschatz streichen und versuchen, dafür sensibel zu werden und sich bewusst zu machen, wie und wodurch man andere verletzt.
Wichtig finden wir auch einen offenen Umgang mit allen Menschen, d.h. eine Begegnung auf Augenhöhe und mit gegenseitigem Respekt. Wenn wir alle daran arbeiten wird unser Traum von Vielfalt hoffentlich irgendwann auch Wirklichkeit.“
Dass dieser Traum irgendwann Realität wird wünscht Pastorin 
                                                                                                      
 
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3-Minuten-Kirche am 16. März 2022

„Ich bin so dünnhäutig, von allem, dass ich heute schon zwei Mal ein ‚schlimmes‘ Wort gesagt habe. Lasst uns einander achten, Auszeiten schenken und gnädig miteinander sein“

 

Worte, die mir auf Twitter begegnen und die mein Herz berühren.
 
Dünnhäutig, von allem. Ja, so geht es im Moment ganz vielen Menschen. Corona steckt uns allen in den Knochen und will einfach nicht aufhören, der Krieg mit all den damit verbundenen Gräueltaten, Bildern und Sorgen, horrende Spritpreise und Energiekosten, dazu all die privaten Probleme, die überall dort auftauchen können, wo Menschen ihr Leben miteinander teilen.
 
Dünnhäutig und erschöpft, weil wir aus dem „Sondermodus“ gar nicht mehr rauskommen scheinen, weil gefühlt immer noch eine Sorge drauf kommt, weil die Akkus einfach leer sind, weil man noch nicht mal ein einziges dieser Themen für beendet erklären kann und zur Seite legen kann.

 

„Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch abmüht und belastet seid!

Ich will euch Ruhe schenken.“ (Mt 11,28)

 

Mit diesen Worten lädt uns Jesus ein. So versteht er sich selbst. Er möchte für uns da sein! Ganz besonders, wenn wir es im Leben schwer haben. Er möchte uns Gutes tun. Damit sind unsere Schwierigkeiten und Sorgen nicht, weggezaubert, so schön das auch wäre. Aber geteiltes Leid ist ja bekanntlich zumindest etwas leichter.
Zeit für einen Kaffee oder eine Tasse Tee, Zeit für Lieblingsmusik, Zeit für Frühlingssonne und einen Moment Vogelgezwitscher. Zeit für einen Kuss oder Zeit für zum Lesen oder Spielen mit den Kindern.
 
 
Lasst uns in diesen Tagen ganz besonders und bewusst einander achten, Auszeiten schenken und gnädig miteinander sein!!!
 
Bleiben Sie behütet und gesund,
Ihre Corinna Engelmann
 

3-Minuten-Kirche am 9.3.2022

 

 

 

„Bin ich meines Bruders Hüter?“ Diese Gegenfrage erwidert Kain auf die Frage Gottes, wo sein Bruder Abel sei. Kain weiß es eigentlich besser: Abel liegt tot auf dem Acker. Kain hatte ihn kurz zuvor erschlagen.

Die Geschichte von Kain und Abel ist kein Familiendrama aus vergangenen Zeiten sondern ein uralter Mythos, in dem es um eine bleibende Einsicht in das Leben geht: dass Menschen, die sich nahe stehen sollten, immer wieder übereinander herfallen und sich töten.

Dieses Drama wiederholt sich gerade in der Ukraine. Das große Russland fällt über seinen kleinen Bruder Ukraine her. Wie Kain versucht auch Putin mit einer schwachen Ausflucht die Schuld von sich zu weisen. Es sei kein Krieg, sondern ein „militärischer Sondereinsatz“.

Kains Versuch, sich durch sein rhetorisches Ablenkungsmanöver von seiner Tat zu distanzieren, bleibt erfolglos. Am Ende heißt es, Kain habe sein Leben fortan in Nod gefristet. Der Name dieses Landes bedeutet in etwa „Ruhelosigkeit“. Kain ist also kein Leben in Zufriedenheit und Seelenfrieden beschieden.

Mit diesem bewusst gewählten Ende der Geschichte deutet die Bibel an, dass die Stimme des Gewissens nicht auf Dauer mundtot zu kriegen ist. Ein Mord ruft den Widerspruch des Guten hervor; sei es im Gewissen des Einzelnen oder in der Gesellschaft als ganzer. Dass am Ende die Stimme des Guten, der Liebe und des Friedens lauter ist als die Stimme des Bösen, des Egoismus` und des Krieges ist meine Hoffnung in der gegenwärtigen Lage.

Möge möglichst bald in der russischen Gesellschaft, Politik und dem Militär der Widerspruch des Guten gegen das himmelschreiende Unrecht so laut werden, dass die Lügen und falschen Vorwände, die diesen Krieg am Laufen halten, verstummen - und mit ihnen die Waffen. Bis dahin ist unsere Politik und Gesellschaft gefordert das zu tun und in die Wege zu leiten, was nötig ist, um das Leid der Menschen in der Ukraine und auf der Flucht zu lindern.

Damit wir uns - im Gegensatz zu Kain - als Hüter unseres Bruders erweisen.

Ihr/Euer Pastor

                              

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3-Minuten-Kirche am 02. März 2022
 
 
Es ist unmöglich, so zu tun, als ginge das Leben weiter, weil es das ganz von alleine tut.
 
Die größte Herausforderung für mich ist derzeit wohl, die Gleichzeitigkeit der Dinge zu ertragen.
Ein friedlich sonniges Wochenende zu verbringen, während Menschen aus ihrer Heimat fliehen müssen. Geburtstag zu feiern, während nebenan jemand stirbt. Sich das lang ersehnte Paar Schuhe zu kaufen, während andere hungern. Die eigene Liebe zu genießen, während das Herz der besten Freundin bricht. Nach einem passenden Sarg zu schauen, während jemand anderes Babyfotos teilt. Sich selbst nach der Trennung wieder aufzusammeln, während andere Häuser bauen. Faschingskostüme zu kaufen, während 1.600 km entfernt Bomben fallen.
 
Die Gleichzeitigkeit der Dinge ist kaum zu ertragen. Für uns, die wir sicher in unseren Häusern und Wohnungen sitzen, ist der Gegensatz grotesk. Öffne ich das Internet, ist da draußen Krieg. Schließe ich das Internet, ist da draußen gerade Frühling. Wie soll ich auf etwas reagieren, dass ich ja doch nicht ändern kann. Wie kann ich mein Leben einfach so weiterleben, während in Europa Krieg herrscht? Im Vergleich zur Katastrophe erscheint mein Alltag banal. Die Gleichzeitigkeit der Dinge ist kaum zu ertragen.
 
Das Leben geht weiter. Ich muss mich verhalten. Und ich kann eben doch etwas tun!
Ich kann mich Initiativen und Demonstrationen anschließen, um mich für Frieden stark zu machen. Ich kann an Hilfsorganisationen spenden (die Diakoniekatastrophenhilfe zum Beispiel), um die vom Krieg direkt Betroffenen zu unterstützen. Ich kann mich gezielt informieren, um Fake News etwas entgegenzusetzen. Ich kann mich der Flut von Nachrichten, Bildern und Informationen immer wieder entziehen, um meinem Alltag Raum zu lassen.
Und ich kann gemeinsam mit anderen beten, um nicht in meiner Sprachlosigkeit zu versinken.
 
Gott – Gnade uns.
Inmitten all der Ohnmacht.
Inmitten der Angst.
Inmitten der Erschöpfung und Verzweiflung.
Erbarme dich Gott.
Amen
 
Seid dabei – gemeinsam ist man weniger allein. Herzliche Einladung zum Friedensgebet am Freitag, den 04. März um 18 Uhr in der St. Margarethen Kirche Salzhemmendorf.
 
 
Ihre und eure Diakonin
                                        
 

3-Minuten-Kirche am 23. Februar 2022

 

 

Unsere Tochter liebt im Moment Anker. Besonders dieser Anker in der Ferienwohnung an der Ostsee hatte es ihr angetan. Ein Anker ist in der Schifffahrt wichtig. Er sorgt dafür, dass das Schiff im Hafen am Platz bleibt und ruhig und sicher liegt. Nun kenne ich mich in der Seefahrt nicht gut genug aus, um sagen zu können, wozu er noch dient. Für mich ist der Anker aber ein wichtiges Symbol. Er steht für Halt und Sicherheit. Da wo die Stürme des Lebens mich durchschaukeln brauche ich einen Anker, der mich hält und nicht untergehen lässt. Das kann der Partner oder die Partnerin sein, Freund oder Freundin oder die Eltern. Manchmal ist das aber auch eine ganz fremde Person, eine Begegnung, ein Gespräch, das mir wieder Halt und Zuversicht gibt. Genauso ist mir mein Glaube ein Anker in schweren und unsicheren Zeiten, so wie jetzt. Draußen folgt ein Sturm auf den nächsten, die Pandemie wird unser Leben noch etwas länger begleiten und die Situation in der Ukraine stimmt auch nicht hoffnungsvoll. Frieden scheint in weiter Ferne zu sein. Dazu kommen viele kleine und große Tragödien im Leben vieler Menschen um mich herum. Sturm innen und außen. Wo ist da der Anker, der Halt, der Sicherheit gibt?

In einem neueren Kirchenlied wird das so beschrieben: „Es gibt bedingungslose Liebe, die alles trägt und nie vergeht, und unerschütterliche Hoffnung, die jeden Test der Zeit besteht. Es gibt ein Licht, das uns den Weg weist, auch wenn wir jetzt nicht alles sehn. Es gibt Gewissheit unsres Glaubens, auch wenn wir manches nicht verstehn. Es gibt Versöhnung selbst für Feinde und echten Frieden nach dem Streit, Vergebung für die schlimmsten Sünden, ein neuer Anfang jederzeit. Es gibt ein ewges Reich des Friedens. In unsrer Mitte lebt es schon: ein Stück vom Himmel hier auf Erden in Jesus Christus, Gottes Sohn. Er ist das Zentrum der Geschichte, er ist der Anker in der Zeit. Er ist der Ursprung allen Lebens und unser Ziel in Ewigkeit.“  

Das Vertrauen in diesen Anker wünscht Pastorin 

                                                                                  

 

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3-Minuten-Kirche am 16. Februar 2022
 
 
Ein Spielautomat. Hier lässt sich viel Geld gewinnen und noch mehr verlieren. Geld, mit dem man sich Wünsche erfüllt, manchmal Lebenswünsche.
 
Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, was würden Sie sich wünschen?
  • Gesundheit?
  • Einen Sechser im Lotto?
  • Das Ende der Pandemie?
Eine griechische Sage erzählt vom König Midas, der sich vom Gott Dionysos etwas wünschen durfte.
Spontan wünschte er sich: alles, was ich berühre, soll zu Gold werden.
Sein Wunsch ging in Erfüllung. Was er anfasste, wurde zu Gold.
Als er aber Hunger bekam, sich zu Tisch setzte und essen wollte, nahm er den Becher mit Wein, aber er konnte nicht trinken. Das Brot konnte er nicht essen. Er versuchte, den Braten zu kosten, es ging nicht. Alles, was er anfasste, wurde zu Gold. Das hatte er sich ja auch gewünscht. Schließlich musste der König den Gott Dionysos geradezu anflehen, ihn von den Folgen seines eigenen Wunsches wieder zu befreien.
 
Was wünsche ich mir für mein Leben?
Das wär’s doch: dass sich Wunder ereignen. Dass ich das große Los ziehen darf. Den Jackpot fürs Leben knacke. Sechs Richtige mit Superzahl. Wenn ich mit Jugendlichen über dieses Thema ins Gespräch komme, wird eigentlich immer schnell klar, dass zum guten Leben mehr gehört als das, was ich für Geld kaufen kann. Gesund sein. Freunde und Familie haben. Etwas lernen dürfen. Erfahren, dass ich gemocht werde. Und auch – hören, dass ich bei Gott ein wertvoller Mensch bin.
Seit nunmehr zwei Jahren ist unser Leben ein anderes. Manchmal merke ich erst dann, wenn ich es nicht mehr habe, was mein Leben eigentlich wertvoll macht.
 
In der Bibel wird vom König Salomon erzählt. Er bittet um ein hörendes Herz, um Verstand und Einsicht, nicht um Glück, Reichtum und Macht. (1. Könige 3,9) Er setzt damit ein Zeichen. Wahrhaft reich ist nicht der, dem alles zu Gold wird, was er anfasst. Sondern wirklich reich sein hat mit einem Herz für andere und für mich zu tun, mit sensibel sein und einem Gespür für das, was mir und anderen guttut.
 
Corinna Engelmann
 

 

3-Minuten-Kirche am 09. Februar 2022
 
 
Tatsächlich... Liebe ist ein Film aus dem Jahr 2003, der es bei mir zum Weihnachtsklassiker geschafft hat.
 
In miteinander verwobenen Episoden werden Liebesgeschichten der Protagonisten in den letzten Wochen vor und bis hin zum Weihnachtsfest dargestellt.
Erzählt wird von der scheinbar aussichtslosen Liebe eines Jungen zu einem der begehrtesten Mädchen in der Schule, von der großen Liebe zur gerade verstorbenen Ehefrau, von der aufopfernden Liebe zum kranken Bruder, von der wahren Liebe zum besten Freund, von der unerfüllten Liebe zur Ehefrau des besten Freundes oder auch von einer neu entfachten Liebe eines betrogenen und verletzten Mannes. Jede Geschichte für sich ist sehens- und liebenswert.
 
Das Besondere an diesem Film ist für mich aber der Rahmen, in dem diese Episoden gezeigt werden. Vor- und Abspann des Filmes zeigen Szenen aus der Ankunftshalle im Londoner Flughafen Heathrow. In Zeitlupe werden liebevolle Begrüßungen gezeigt, während ein Sprecher darauf aufmerksam macht, dass Liebe tatsächlich überall ist.
 
Als am 11. September 2001 die Flugzeuge ins World Trade Center flogen, gab es unter den Anrufen der Menschen an Bord keine Hass- oder Rachebotschaften. Es waren alles Botschaften der Liebe: „Sage den Kindern, dass ich sie liebe“ oder „Vergib mir, wenn ich dich verletzt habe“. So und ähnlich lauteten alle Nachrichten. Was wirklich zählt im Leben und uns ausmacht, das sind nicht Zorn oder Wut, sondern es ist die Liebe.
 
Als ich den Monatsspruch für den Februar las, musste ich unwillkürlich an diesen Film denken. „Zürnt ihr, so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen“, schreibt Paulus in seinem Brief an die Epheser. (Eph. 4, 26)
 
Wir alle wissen: Konflikte, Ärger, Wut und Zorn gehören zum Leben, zu einer jeden lebendigen Beziehung dazu. Aber Zorn und Ärger müssen in positive Energie umgesetzt werden, ehe sie zerstörerisch werden.
 
Wenn also der Tag endet, sollte der Zorn verraucht sein oder zu einer Lösung geführt haben, damit der nächste Morgen einen neuen Anfang bringt. Mit den Menschen und mit Gott. Und mit Liebe, die tatsächlich überall ist.
 
 
Ihre und eure Diakonin
                                         
 

Monatsspruch Juni 2022

Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm. Denn Liebe ist stark wie der Tod.
(Hohelied 8,6)
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