3-Minuten-Kirche am 05. Juli 2020
 
 
Ist der „liebe Gott“ eigentlich immer lieb?
 
Die Rede vom lieben Gott ist schön und angenehm. Das ist doch der, der uns immer beschützt, der alles zum Guten wendet, der bewahrt vor Unfall und Gefahr, der Wohl-stand und Glück, Gesundheit und langes Leben schenkt - und doch gefälligst auch zu schenken hat, wenn er lieb ist.
 
Wo finden wir diesen lieben Gott oder Hinweise darauf, dass er wirklich so ist?
In unserem Leben? Na ja, manchmal vielleicht, wenn es gerade gut läuft. So manche belastende, bedrohliche, schmerzliche Erfahrung will dazu aber gar nicht passen.
Oder in der schönen Natur? Wer so denkt, hat noch nie genauer hingeschaut, was da wirklich passiert. Da ist viel Schönheit und Leben, aber auch jede Menge Vergehen, Leiden, Sterben, Tod.
Aber dann vielleicht doch wenigstens in der Bibel? Nee, nicht wirklich. Den „lieben Gott“ kennt die Bibel nicht, sondern den aus brennender Liebe handelnden, der Leben will und schenkt und gerade deshalb auch Zorn empfindet und richtet (zu Recht bringt), was Leben verhindert, vernichtet.
Aber dann vielleicht doch wenigstens bei Jesus und im neuen Testament? Da ist er doch der „liebe Gott“ – oder? Naja lesen Sie mal Matthäus 25, das Gleichnis vom großen Gastmahl, die Bergpredigt, den Schalksknecht und vieles mehr. Auch hier begegnet uns der aus brennender Liebe handelnde Gott, aber nicht der „liebe Gott“ und erst recht nicht ein Prinzip Liebe, das alles bejaht.
 
Wie sollte wirkliche Liebe denn auch „Ja“ zu allem sagen, etwa zu Ungerechtigkeit, Gewalt, Verlogenheit, Betrug, Missbrauch? Doch wohl undenkbar!
Der „liebe Gott“ ist also verlässlich allenfalls in unserer Wunschvorstellung von ihm zu finden und die hat - wie wir wissen – auch sonst oft wenig Anhalt an der Realität, geschweige denn an der Wirklichkeit Gottes.
Der nämlich ist kein zeitloses Prinzip Liebe, kein Erfüller unserer Wünsche, wie die Fee im Märchen, sondern ein sich lebendig in der Beziehung zu seinen Geschöpfen wandelnder, der dabei aber immer bewegt ist von der Zuwendung und der Liebe zum Leben.
 
Was das gerade jetzt für mich heißt. Der „liebe Gott“ muss nicht reparieren, was zerbricht. Er muss nicht vor allem schützen, was bedroht.  Aber es ist sehr gut zu wissen, dass alles, was uns zusammen, was mir persönlich oder meinen Lieben auch passieren kann, im Letzten umfangen ist und bleibt von seiner Liebe.
 
Also: Ist der liebe Gott eigentlich immer lieb? Nein, das ist er nicht. Aber er liebt immer, auch da, wo er mich an Grenzen stoßen lässt; da, wo unsere Wünsche sich nicht erfüllen; wo unser Leben bedroht ist; ja selbst, wo es schwindet und vergeht.
 
Die Geborgenheit in dieser Liebe Gottes, den wir Vater nennen dürfen, das wünscht Ihnen
Ihr Pastor 
 
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Monatsspruch August 2020

Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.
(Ps 139,14 )
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