3-Minuten-Kirche am 19. April 2020
 
 
Na, die kennen wir doch alle – oder? Pippi Langstrumpf, die freche Göre, erdacht von Astrid Lindgren. Eine ihrer eindrücklichsten Aussagen ist: „Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt!“
Pippi schenkt das eine große Freiheit, ihr Leben freier von Regeln und Konventionen zu gestalten. Und das macht für Kinder und Erwachsene einen großen Teil des Reizes ihrer Geschichten aus.  
 
„Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt!“ Im echten Leben ist das manchmal aber gar nicht lustig und noch weniger hilfreich, sondern gefährlich. Beobachten konnten wir das zuletzt z.B. bei politischen Führern zweier englischsprachiger Länder. Die Welt funktioniert nun mal nicht so, wie ich es gern hätte. Wie verheerend es ist, dennoch nach diesem Motto zu leben und zu handeln, zeigen nicht nur Brexit und amerikanische Außen- und Wirtschaftspolitik. Das zeigt sich gerade jetzt in Corona-Zeiten. Es ist unverantwortlich, so zu agieren.
 
Ich bin froh und dankbar, wie realtätsnah, wissenschaftlich gut beraten, vorsichtig abwägend die Verantwortlichen in großer Mehrheit in Deutschland agieren. Natürlich können sie nicht alle bedrängenden Probleme lösen. Wie denn auch, wenn z.B. verständliche wirtschaftliche Interessen gegen die Bewahrung von Leben stehen. Da gilt es, verantwortlich abzuwägen. Aber sie versuchen das Bestmögliche. Beten wir für sie und uns, dass Ihnen der Geist und die Kraft gegeben sind, damit ihnen das gelingt. Beten wir für die Länder und Menschen, in denen es deutlich schlechter läuft.
 
  „Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt!“ Das war aber nicht nur das Motto von Politik in manchen Bereichen, sondern ist mehr und mehr zur Grundmelodie des Lebens geworden. Ich suche mir aus dem großen Supermarkt der Lebens-Möglichkeiten aus, was mir gefällt. Und dann gehe ich meinen Weg, egal, was das für andere bedeutet. Diese Tendenz ist immer stärker geworden. Selbst jetzt noch, in Zeiten der Bedrohung durch Corona für Gesundheit und wirtschaftliches Überleben Vieler, versuchen Menschen für sich Gewinn zu herauszuschlagen. Wehe Ihnen!
 
Gott sei Dank ganz es auch viel anderes. Das sehe ich schon schon beim Einkaufen: Menschen achten aufeinander, halten fürsorglich die Abstände ein. Sie drängeln sich nicht vor am Tresen, an der Kasse. Und wir merken: Diese Achtsamkeit, das einander wahrnehmen, aufeinander achten, tut uns allen gut. Dazu: Viele menschenfreundliche Projekte entstehen in diesen so anderen Tagen. Aktionen, die danach fragen, was anderen helfen würde und es dann konkret umsetzen. Ich finde bei allem Bedrückenden beglückend, was da geschieht.
Und ich erlebe an mir selbst, dass ich in diesen Tagen, wo das Hamsterrad notgedrungen gebremst ist, die Natur intensiver wahrnehme, die Vögel am Futterhaus, die Pflanzen.
Wenn wir lernten, nicht nur miteinander, sondern zugleich auch mit der Natur, den Mitgeschöpfen achtsamer umzugehen, uns wieder stärker als Teil von ihr zu empfinden ...
 
Herzlich grüßt und seien Sie behütet - Ihr Pastor  
 
 
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Monatsspruch Mai 2020

Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat!
(1. Petr 4, 10)
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