3-Minuten-Kirche am 07.06.2020

 

 

 

Es ist Pfingstsonntag - Ich sitze auf einer Bank an einem Feldrand auf Fehmarn. Hier verbringe ich gerade meinen Urlaub und sitze an der 3-Minuten-Kirche für den 7. Juni.
Wer nach Fehmarn will, muss die berühmte Fehmarn-Sund-Brücke überqueren. Die Brücke verbindet die Insel mit dem Festland. So jedenfalls sieht es auf den ersten Blick - oberflächlich betrachtet - aus.
Doch genau genommen ist die Brücke nicht die einzige Verbindung zwischen der Insel und dem Festland. Denn unterhalb der Wasseroberfläche sind beide natürlich immer noch verbunden. Ein Taucher könnte auf dem Grund der Ostsee theoretisch zu Fuß vom Festland nach Fehmarn „gehen“.
Ich finde, dieses Bild von einer kleinen, scheinbar abgetrennten Insel und dem großen weiten Festland ist ein passendes Bild für unsere Beziehung zu Gott: Was auf den ersten Blick getrennt und ohne direkte Beziehung zu sein scheint, ist in der Tiefe untrennbar miteinander verbunden.
Das ist für mich jedenfalls die Erfahrung, um die es an Pfingsten geht: Die Erfahrung, dass wir Menschen mit Gott durch seinen heiligen Geist verbunden sind. Und auch schon die Schöpfungsgeschichte spricht ja davon, dass dem Menschen der Geist Gottes gegeben ist. Ob nun also im Alten oder im Neuen Testament, spricht die Bibel davon, dass wir Menschen etwas in uns tragen, das uns mit Gott verbindet.
Diese Verbindung mag so verborgen scheinen wie der Meeresgrund unter der Wasseroberfläche - aber sie ist doch immer da; fest, unverbrüchlich und viel tragfähiger als jede von Menschen gebaute Brücke.
Deshalb ist der Geist Gottes das beste Fundament, auf das wir unser Leben gründen können. Schließlich kommt mit dem Geist Gottes auch sein Friede in unser Leben, sodass die Stürme und die hoch schlagenden Wellen an der Oberfläche ihre zerstörerische Kraft verlieren - In der Tiefe ist von diesem Treiben an der Oberfläche nichts zu spüren.
Festen Stand im Leben finden wir nicht an der Oberflächlichkeit des Lebens - sondern in der Tiefe, in unserem Herzen, wo Gott als heiliger Geist gegenwärtig ist. Denn „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist.“ (Röm. 5,5b)
Ihr Pastor
                 
 
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3-Minuten-Kirche am 3. Juni 2020

 

 

„Du hast Quellen und Bäche hervorbrechen lassen.“ Dieser Vers aus Psalm 74 findet sich auf dem Gelände des „Musée du Désert“ in Mialet in Südfrankreich. Das „Museum der Wüste“ erinnert an die Geschichte der französischen Protestanten, den sogenannten Hugenotten. Die Zeit der Wüste war für die Hugenotten die Zeit, in der sie verfolgt wurden, weil sie einen anderen Glauben hatten, als den vom französischen König vorgeschriebenen. Gemeinsam Gottesdienst feiern in der Öffentlichkeit war nicht möglich, die Gemeinden trafen sich an versteckten Plätzen im Freien, um unentdeckt zu bleiben oder um schnell flüchten zu können. Auch das gemeinsame Bibelstudium zu Hause in den Familien war offiziell verboten. Diese Situation damals hat die Menschen erfinderisch gemacht und sie neue Wege gehen lassen. Es gab in den Häusern gute Verstecke für die Bibeln und die Kanzeln bei den Gottesdiensten draußen glichen Fässern, im Notfall konnte sich der Prediger darin verstecken. Es war Gottes Wort, das den Menschen immer neu Kraft gegeben hat, um diese Zeit zu überstehen. Gerade die Psalmen waren wichtig und wurden viel gesungen. Sie waren und sind bis heute für Menschen eine wichtige Glaubensquelle.
Wir sind heute nicht in der Situation wegen unseres Glaubens verfolgt zu werden. Aber wir befinden uns durch das neuartige Coronavirus noch immer in einer Ausnahmesituation und wissen nicht, wie lange das noch so sein wird. Die mit dieser Situation verbundenen Einschränkungen haben auch bei uns in der Kirche viele Menschen erfinderisch gemacht. Neues wurde ausprobiert, wo Gewohntes nicht mehr möglich war. Ich bin froh und dankbar, dass das so ist. Genauso dankbar bin ich, dass ich zu Pfingsten zum ersten Mal seit langer Zeit wieder mit meiner Gemeinde Gottesdienst feiern konnte, auch wenn die neuen Bedingungen noch ungewohnt sind. Ich hoffe, dass wir weiter aus der reichen Quelle unseres Glaubens schöpfen können, auf ganz unterschiedlichen Wegen miteinander ins Gespräch kommen und unseren Glauben miteinander teilen können. Ich vertraue darauf, dass Gott immer wieder neue Quellen hervorbrechen lässt und uns durch seinen Geist miteinander verbindet, auch in schwierigen Zeiten.
 
Eine sprudelnde Quelle in dieser Zeit wünscht Ihnen Ihre Pastorin
                                                                                                                    
 
 
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3-Minuten-Kirche am 31.05.2020

 

 
 
Liebe Mitchristen!
Pfingsten müsste man eigentlich zu einem Fest der Natur ummünzen. Seit Jahren fahren viele über das Pfingstwochenende weg, wandern, radeln, genießen die Natur, die jetzt im Frühsommer ja auch wirklich am Schönsten ist. Gut wäre diese Veränderung zu einem Fest der Natur auch, weil wir im Zeichen der schon spürbaren Klimakrise gut daran täten, unser Verhältnis zur Natur, unser Verhalten ihr gegenüber bewusster wahrzunehmen und zu gestalten.
Wir haben hier im Alten Pfarrgarten in Salzhemmendorf richtig Natur um uns. Vögel in Scharen in den Bäumen, auf der Wiese, am Teich in den zahlreichen Bäumen und Sträuchern. Da geht uns regelmäßig das Herz auf. Aber als ich gestern zum Gießen um das Haus ging, lag dort ein fast ausgewachsener Jungvogel tot auf dem Weg – wohl aus dem Nest gefallen oder gedrängt. Und gestern Abend ertönte lautes „Gehäcker“ und waren aggressive Flugattaken eines Starenpaares zu beobachten, das versuchte, sein Nest gegen ein Elsternpaar zu verteidigen. Nein, Natur ist nicht nur romantisch und schön. Sie ist auch hart und traurig. Sie ist nicht das Paradies. Wer die Natur schön färbt, kann das nur, weil er sich in seinen beheizten Häusern und durch die Künste der Medizin soweit als möglich von ihr abgeschottet hat. Auch Corona gehört zur Natur und wir merken gerade, wie es ist, wenn die Abschottungstrategie nicht funktioniert.
Manche sagen, ich finde meinen Gott in der Natur. Das kann ich nicht, da ist mir neben so viel Schönem viel zu viel Leid und Tod. Da halte ich es mehr mit Paulus, der im Römerbrief schreibt: Denn alles Geschaffene wartet sehnsüchtig (mit uns)…Denn es ist der Sinnlosigkeit ausgeliefert, versklavt an die Vergänglichkeit. Gott gab aber seinen Geschöpfen die Hoffnung, dass auch sie eines Tages von der Versklavung an die Vergänglichkeit befreit werden und teilhaben an der unvergänglichen Herrlichkeit, die Gott seinen Kindern schenkt.
Von Herzen freue ich mich an der Schöpfung an den Mitgeschöpfen, den Pflanzen und Vögeln und weiß mich als Teil von ihr. Man muss die Natur nicht vergöttern um sie zu schützen. Retten können und brauchen wir sie nicht. Aber wertschätzend, pfleglich, schonend und fürsorglich mit unseren Mitgeschöpfen umgehen, das können und sollten wir, letztlich um unserer selbst willen. So ist es gut die Natur, die Schöpfung zu genießen in diesen Tagen. Sie hat teil an dem Leben und der Fülle, die Gott schenkt. Und zugleich doch auch zu wissen, sie ist nicht die heile Welt. Sondern sie leidet mit uns und oft viel mehr noch als wir an der Vergänglichkeit, am Vergehen. Und sie wartet mit uns - als Geschöpfe - geschwisterlich verbunden auf das Leben, die Herrlichkeit, die Gott schenken wird. Und der Geist Gottes, den wir zu Pfingsten feiern, ist jetzt schon machtvolles Unterpfand der Herrlichkeit Gottes, der neuen Welt auf die wir alle gemeinsam hin leben.
 
Frohe Pfingsten, Ihr Pastor
                                             
 
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3-Minuten-Kirche am 27. Mai 2020

 

 
 
„Le Penseur“ – „Der Denker“ ist eine der bekanntesten Skulpturen Rodins. Dieses Foto ist eine Erinnerung an einen Besuch im Rodin-Museum in Paris vor vielen Jahren. Mir gefällt dieser ruhige Denker, der erst einmal in Ruhe überlegt, abwartet, nicht vorschnell handelt. Solch eine Haltung wünsche ich mir gerade manchmal auch für mich selbst. Nach vielen Wochen der Krankheit bin ich wieder im Dienst und muss für mich vieles neu sortieren und strukturieren. Das muss an vielen Stellen gut überlegt sein, damit auch alles funktioniert.
Diese nachdenkliche Haltung wünsche ich mir im Moment aber nicht nur für mich selbst, sondern auch für das tägliche Zusammenleben. Etwas weniger Wettstreit unter den politisch Verantwortlichen, wer denn als erstes die meisten Maßnahmen lockert. Weniger Verschwörungstheorien, die laut in die Welt hinausposaunt werden.
Das Virus ist nicht verschwunden, das haben die Nachrichten in den letzten Tagen wieder deutlich gemacht. Wir werden noch lange damit leben müssen und somit auch mit Einschränkungen im täglichen Leben. Auch an Gottesdienste mit Mundschutz und ohne Gesang werden wir uns erst gewöhnen müssen. Ich denke, all das ist möglich, wenn wir weiterhin aufeinander Rücksicht nehmen und weiter vorsichtig im Umgang miteinander sind. Dabei vertraue ich auf das Wirken Gottes unter uns. Denn: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ (2. Tim. 1,7)
 
Ihre Pastorin
                      
 
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3-Minuten-Kirche vom 24. Mai 2020

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Ich sitze am Schreibtisch und schaue aus dem Fenster. Auf einmal färbt sich die Luft gelb, fast wie bei einem Sandsturm.
Ein heftiger Windstoß hat unsere Kiefer in Bewegung versetzt - die Pollen haben sich gelöst und auf die Reise gemacht.
Pollen sind Wunderwerke der Natur. So besitzen z.B. manche Pollenkörner winzig kleine Luftkammern, die wie ein Fallschirm dafür sorgen, dass sie langsamer zu Boden fallen und dementsprechend weiter getragen werden. So können Pollen Strecken von bis zu 100 Kilometer überwinden. Mit etwas Glück entsteht dann an diesem Ort ein neuer Baum.
Beim Ausstoß der Pollen muss ich an das Corona-Virus denken, das sich ja ebenfalls über die Luft verbreitet. Die Ausbreitung des Virus` hat für uns Menschen zwar schlimme Folgen, aber nichtsdestotrotz ist auch ein Virus eine faszinierende und geniale Erfindung der Natur. Aus der Sicht des Corona-Virus` ist seine Verbreitung rund um den Globus eine riesige Erfolgsgeschichte und ein Beweis für seine Optimierung.
Ich finde es faszinierend, dass im Laufe der Jahrmillionen so unterschiedliche Organismen entstanden sind wie Bäume, Viren oder wir Menschen. Und bei all der Verschiedenheit, gibt es doch auch die eine große Gemeinsamkeit: Jeder belebte Organismus ist geradezu darauf optimiert, am Leben teilzunehmen und es voranzutreiben.
In meinen Augen ist alles was lebt ein Beweis für die schöpferische Kraft des Lebens. Gott will das Leben - und er er will es ganz offensichtlich in dieser Vielfalt und Dynamik, die das Leben nun einmal ausmacht.
Zu dieser Dynamik gehört leider auch, dass sich manches mal ein Lebewesen auf Kosten eines anderen ausbreitet. Das gilt für das Corona-Virus. Für die Menschen ist das Virus eine Gefahr. Doch auch dieses Virus ist Teil des großen Ganzen, das wir Leben nennen.
Die Schöpfung Gottes umfasst soviel mehr als nur uns Menschen - Es dreht sich im Leben nicht nur um uns. Diese Einsicht kann entweder dazu führen, dass wir uns klein fühlen oder aber sie kann uns das Gefühl dafür geben, dass wir Teil eines großen Ganzen sind. Mich jedenfalls erfüllt es mit Ehrfurcht, mir bewusst zu machen, dass ich Teil der Geschichte Gottes mit der Welt bin, die vor Milliarden von Jahren begann.
Und wenn ich mir die Wunder anschaue, die die Natur dabei hervorgebracht habe, kann ich nur zustimmen zu dem, was der Beter im 139. Psalm sagt - und das nicht nur in Bezug auf den Menschen, sondern auf das Leben im Ganzen:
„Ich danke dir dafür, dass ich so wunderbar erschaffen bin, es erfüllt mich mit Ehrfurcht. Ja, das habe ich erkannt: Deine Werke sind wunderbar!“ (Psalm 139,14)
 
Ihr  
     
 
 
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3-Minuten-Kirche am 20. Mai 2020
 
 
Am Kühlschrank hängen Konzertkarten. Die meisten der Konzerte wurden mittlerweile entweder verschoben oder abgesagt. Schade, ich hatte mich auf die Veranstaltungen gefreut. Manche Karte habe ich geschenkt bekommen, andere waren hart erkämpft. Jetzt ziehen die Termine vorüber und ich bleibe zuhause. Schade.
Aber gleichzeitig erinnere ich mich daran, wie sehr ich immer damit gehadert habe, dass mein Kalender schon bis weit in das Jahr 2021 Termine enthält.
Wie vermessen! Als könnte ich vorhersagen, was dann sein würde, wie es mir ginge und wo ich wäre. Mir wird gerade jetzt noch einmal sehr deutlich, wie wenig ich beeinflussen kann, wie sehr mein Leben von Faktoren abhängt, die mir nicht bewusst sind.
Von einem Virus, zum Beispiel.
 
Aber auch von Bienen. Wussten Sie, dass 75% unserer Nahrungsmittelpflanzen von der Bestäubung durch Bienen abhängig sind? Selbst für medizinische Zwecke werden über 50.000 bienenbestäubte Pflanzenarten genutzt. Aber auch in Sachen Technik und Informatik ist unser Leben von den Bienen beeinflusst. Die Wabenbauweise ist aus Flug- und Fahrzeugbau nicht wegzudenken. Die effiziente Sammelweise der Arbeiterinnen eines Bienenvolks ist Vorbild für Logistikprozesse, Computerprogramme und soziale Netzwerke.
 
Heute ist Weltbienentag. Die Vereinten Nationen haben diesen Tag ins Leben gerufen, um an die Bedeutung der Biene für das Leben der Menschen zu erinnern. Derzeit stehen ca. 300 von 560 Wildbienenarten auf der roten Liste.
Das können wir beeinflussen! Verschaffen wir den Bienen wieder mehr Lebensraum und Nahrung. Wildblumenwiesen, Balkonkästen mit Kräutern oder auch kleine Trockenmauern sind nicht nur nützlich, sie sehen auch schön aus. Verzichten wir außerdem auf den Einsatz von Pflanzen- oder Insektengiften.
Sorgen wir dafür, dass die Biene weiterhin unser Leben zum Besseren gestaltet. „Denn die Biene ist klein unter allem, was Flügel hat, und bringt doch die allersüßeste Frucht.“ (Jesus Sirach 11, 3)
 
Ausgebremst von einem unsichtbaren Virus sitze ich nun zuhause – statt bei Konzerten – beobachte das Leben im Garten und lerne Demut.
Bleiben Sie behütet! Ihre Diakonin 
 
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3-Minuten-Kirche am 17. Mai 2020
 
Was gilt denn nun eigentlich? Das fragen sich derzeit viele Menschen.
Erst der kräftige „lockdown“. Obwohl der im Vergleich zu Frankreich, England und Italien bei uns - bei aller Beschwernis - doch noch sehr gemäßigt war.
Dann die Rufe nach Lockerungen aus allen Ecken. Verständlich einerseits. Andererseits ist für manche scheinbar alles kein Problem mehr. Obwohl die Ausgangslage (kein Medikament, keine Impfung gegen die Krankheit) immer noch die gleiche ist. Dann der Lockerungswettlauf der Bundesländer. Kaum einer weiß noch: Was gilt denn bei uns nun genau? Und schließlich die unsäglichen Verschwörungstheorien und „Fake-News. Dazu nur ein Beispiel: Wenn es darum ginge, uns die Freiheit zu rauben oder per Impfung einen Chip zu implantieren (wie mancher behauptet) könnte man das sofort tun und müsste nicht erst auf die Entwicklung eines Impfstoffes warten. Da möchte man sagen: Zu Ende denken, das Gehirn auf „on“ würde manchmal sicher helfen.
 
Was gilt? Es gilt, dass die Gefahr, ernsthaft zu erkranken mit der Folge bleibender Schäden für die ganze Bevölkerung fortbesteht; die Gefahr, daran zu versterben, insbesondere für Risikogruppen von jung bis alt.
 
Dass es dazu nicht bereits wie andernorts gekommen ist, haben wir alle gemeinsam unter der bedachten Führung der politisch Verantwortlichen im „lockdown“ hinbekommen.
Es gilt aber auch, dass ein „lockdown“ schädliche wirtschaftliche und soziale Folgen hat, gerade auch für den Einzelnen, und dass deshalb zurecht vorsichtige und umsichtige Lockerungen versucht werden müssen.
Dann gilt aber auch, dass wir alle dadurch umso mehr Verantwortung füreinander haben. In größerer äußerer Freiheit können und müssen wir umso mehr in der Verantwortung vor unserem Gewissen, für den Nächsten und in der Verantwortung vor Gott abwägen, was dem Leben dient und hilfreich ist.
 
Was vor allem aber, in dem allen und über dem allen gilt, ist für uns als Christen die Zusage des uns zugewandten Gottes (aus dem Propheten Jesaja): Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer.
 
 
Herzlich grüßt Sie 
 
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3-Minuten-Kirche am 13. Mai 2020
 
 
Wie sieht Ihre Maske aus? Haben Sie schon eine bunte Mischung zuhause, die es Ihnen erlaubt, die Maske farblich passend zum Outfit zu wählen? Masken werden unseren Alltag sicher noch eine ganze Weile begleiten. Und obwohl auch ich mich nur zögernd an das Maske-Tragen gewöhne, wundere ich mich doch, wie schwer es uns allen fällt. Dabei sind wir das Tragen von Masken durchaus gewöhnt.
 
Wir alle tragen jeden Tag Masken unsichtbar vor uns her. Wir geben uns glücklich, während in uns drinnen ein tiefer Schmerz brennt. Wir tun alles, um kompetent, sicher und souverän zu wirken und fühlen uns doch oft überfordert. Nach außen wirkt alles in bester Ordnung, nur das Gewissen erinnert uns ständig an unsere Fehler und Versäumnisse. Wir sind so geübt darin, uns hinter Masken zu verstecken, dass es uns manchmal schwerfällt, uns selbst auf die Spur zu kommen.
Wer bin ich? Was macht mich und mein Leben aus? Wie sehen mich die anderen? Was denken die von mir? Wer weiß überhaupt etwas von mir und wie es wirklich in mir aussieht?
 
Dietrich Bonhoeffer, Theologe und Teil des Widerstands gegen das Nationalsozialistische Regime, ist dieser Frage in einem Gedicht nachgegangen, das er in Gefangenschaft geschrieben hat. „Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen? Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß? (...) Wer bin ich? Der oder jener? Bin ich denn heute dieser und morgen ein andrer? Bin ich beides zugleich?“
Bonhoeffer findet keine Antwort – zumindest keine irdische. „Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!“ Mit diesem Satz endet sein Gedicht. Gewissheit, Identität und Ruhe findet Bonhoeffer bei Gott.
 
Gott sieht uns so wie wir wirklich sind, mit all unseren Widersprüchen, mit unserem guten Willen und unserem Scheitern, mit unserer Sehnsucht, mit unseren Hoffnungen und Ängsten, mit allem, was uns bewegt und belastet.
 
Das hat rund 3000 Jahre vorher schon König David erkannt. Er schrieb in einem Liedtext darüber, den wir heute im 139. Psalm nachlesen können. „Herr, du erforschst mich und kennst mich. Du verstehst meine Gedanken von ferne und siehst alle meine Wege. Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.“
Gott sieht durch all unsere Masken hindurch. Er kennt und versteht uns, auch wenn wir uns selbst ein Rätsel bleiben. Gott sieht unsere Stärken und freut sich. Gott sieht unsere Schwächen und leidet mit uns. Er sieht unsere Fehler, vergibt und verändert uns. Gott schaut uns voller Liebe an. Das tut unendlich gut! Vergessen wir nicht, zurückzulächeln – trotz Maske!
 
Bleiben Sie behütet! 
 
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3-Minuten-Kirche am 10. Mai 2020
 
 
 
Ab diesem Sonntag dürfen wieder Gottesdienste stattfinden. Natürlich unter sehr speziellen Bedingungen. Eine Vorgabe besagt, dass in den Gottesdiensten nicht gesungen werden soll. Angesichts dieser Bestimmung entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass im Gottesdienst am zehnten Mai gerade das Singen im Mittelpunkt stehen sollte. Der vierte Sonntag nach Ostern trägt den Namen „Kantate“, was auf deutsch „singt!“ bedeutet. Die Texte des Gottesdienstes und auch die Predigt drehen sich an diesem Sonntag klassischerweise um das Singen.

Dass einmal im Jahr das Singen im Mittelpunkt eines Gottesdienstes steht, liegt daran, dass Menschen in Liedern all ihre Gefühle ausdrücken können. All das, was Menschen bewegt und antreibt, kann in der Musik einen Ausdruck finden. Insofern kann Musik ein Spiegelbild des menschlichen Lebens sein.

Aber noch in einer anderen Hinsicht haben ein Lied und das menschliche Leben etwas gemeinsam: Sie sind zusammengesetzt aus einzelnen Elementen. Bei einem Lied sind das die Strophen und im Leben sind es die Lebensabschnitte oder -phasen.

Das Lebenslied von wohl allen Menschen ist momentan vom Corona-Virus geprägt. Kaum ein Tag vergeht, an dem wir nicht daran erinnert werden, dass wir in einer Ausnahme-Situation leben. Auch wenn mittlerweile die teilweise Lockerung ein Stück weit Normalität zurückgebracht hat, schlägt das Leben gerade dennoch in einem anderen Takt als noch vor ein paar Wochen. Corona macht unser Lebenslied schwerer. Es lebt sich gerade nicht so unbeschwert wie sonst.

Doch jede Strophe hat irgendwann ein Ende. Und dann werden ganz gewiss auch wieder Strophen folgen, die wir mit mehr Freude und Begeisterung singen können. Und dann können wir endlich wieder zusammen im Gottesdienst Lieder singen. Wie zum Beispiel dieses hier:

„Ich sing dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben.
Die Töne den Klang hast du mir gegeben
von Zeichen der Hoffnung auf steinigen Wegen
du Zukunft des Lebens. Dir sing ich mein Lied.“
(Lied: Ich sing dir mein Lied - Text: Fritz Baltruweit und Barbara Hustedt)
 
Bis es soweit ist, müssen wir mit den Einschränkungen leben - und Gottesdienste feiern. Ich freue mich dennoch darüber, dass jetzt auch in der Kirche wieder ein Stück weit der Alltag zurückkehrt.

Ihr 
 
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3-Minuten-Kirche am 06. Mai 2020
 
 
Unsere Gartenhütte hat einen offenen, nur überdachten Teil. Dort steht die alte Werkbank meines Vaters gefüllt mit Blumentöpfen, Rosenscheren, Bindedraht und Tonscherben. Davor stehen Säcke mit Gartenerde und Gießkannen. An der Wand daneben, zum geschlossenen Teil der Hütte, hängen auf großen Winkeln unsere klappbaren Gartenstühle und
-tische. In den letzten Jahren hat darauf regelmäßig ein Amselpärchen gebrütet. Wir haben uns jedes Mal gefreut und sie bei der Aufzucht ihrer Jungen beobachtet. Im Laufe der Jahre hat sich sogar unsere Katze mit ihnen auf eine friedliche Koexistenz im Garten geeinigt. Auch unsere Sorge, sie zu verschrecken, wenn wir Dinge aus der Werkbank suchen, hat sich nie bestätigt.
Aber einen Haken hatte die Sache: Wir kamen nicht vor Ende Mai an unsere Gartenmöbel.
 
Letztes Jahr haben wir darum ein schmales Brett über den tragenden Winkeln angebracht. Der Plan ging auf. Die Amseln bauten ihr Nest auf das Brett, brüteten trotz unserer Gartenumtriebigkeit und wir kamen jederzeit an Tische und Stühle. Perfekt! Weil uns das abgenutzte Nest nicht mehr im Weg war, ist es dort auch über die Brutzeit hinaus bis in dieses Frühjahr geblieben. Sehr zum Missfallen der Amseln. Die flogen oft unter die Hütte und unverrichteter Dinge wieder hinaus. Viel zu spät kamen wir auf die Idee, das alte Nest zu entfernen und Platz für ein neues zu bieten. Wie schön, dass die Amseln prompt zurückkamen. Merkwürdigerweise blieb das Brett über den Möbeln trotzdem leer. Endlich bemerkten wir, dass die Amseln ihr Nest nun in einem leeren Blumentopf auf dem obersten Regalbrett über der Werkbank gebaut hatten. Damit sind sie unserem Werkeln noch näher gekommen, doch das scheint sie nicht zu stören. Und die Katze, die das Nest nun problemlos erreichen könnte, hält sich auch an den Friedensvertrag der letzten Jahre.
 
Neben meiner Freude über die neue Brut, die in unserem Garten herangezogen wird, bin ich auch hoch beeindruckt von dem Pragmatismus und der Gelassenheit der Amseln. Wie viele Gedanken, Sorgen, Pläne und Vorrichtungen auch immer wir in die Vögel investiert haben - letztlich ist das egal. Die Amseln brüten. Wenn nicht hier, dann dort. Wenn nicht gleich zu Beginn des Frühjahres, dann eben später. Sie finden einen Platz für ihr Nest, legen Eier, brüten, füttern und fliegen wieder los in eine ungewisse Zukunft.
 
Ein Satz aus der Bergpredigt kommt mir in den Sinn. „Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie?“ (Mt. 6, 26)
 
Ich wünsche mir und Ihnen die Gelassenheit und die Zuversicht der Vögel, in die kommende Zeit zu gehen.
Wir sind von Gott behütet!
 
Ihre Diakonin  
 
     
 
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Monatsspruch April 2021

Christus ist Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung.
(Kolosser 1, 15)
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