3-Minuten-Kirche am 16. August 2020
 
 
Es war einmal ein Ehepaar, das einen 12jährigen Sohn und einen Esel hatte. Sie beschlossen, die Welt kennen zu lernen. Im ersten Dorf hörten sie, wie die Leute redeten: „Seht Euch den verzogenen Bengel an! Er sitzt auf dem Esel und seine armen Eltern müssen laufen.“ Also sagte die Frau zu ihrem Mann: „Die Leute sollen nicht schlecht über unseren Sohn reden." Also holte der Mann den Jungen vom Esel und setzte sich selbst darauf.
Im zweiten Dorf hörten sie die Leute sagen: „Seht Euch diesen Pascha an! Frau und Kind müssen laufen, während er sich vom Esel tragen lässt."
Also stieg die Mutter auf den Esel und Vater und Sohn gingen nebenher. Im dritten Dorf hörten sie die Leute sagen: „Armer Mann! Obwohl er den ganzen Tag hart gearbeitet hat, lässt er seine Frau auf dem Esel reiten.“
Also setzten sie ihre Reise zu dritt auf dem Esel fort. Im nächsten Dorf sagten die Leute: „Schaut euch an, wie die den armen Esel quälen. Am Ende brechen sie ihm noch den Rücken!"
Also beschlossen sie, alle drei neben dem Esel herzugehen. Im nächsten Dorf hörten sie dann, wie die Leute hinter ihrem Rücken redeten: „Schaut euch die drei Idioten an. Obwohl sie einen Esel haben, der sie tragen könnte, gehen sie zu Fuß!“
 
Als ich die Geschichte las, musste ich zuerst schmunzeln - doch so richtig zum Lachen ist sie ja auch nicht, denn sie macht deutlich, dass Menschen immer wieder dazu neigen, über Andere zu urteilen.
 
Die Geschichte will darauf hinweisen, dass Menschen oft ihrem ersten Eindruck vertrauen. Die eigentlichen Hintergründe und die Erfahrungen, die der Andere gemacht hat und die ihn zu diesem Handeln bringt, werden überhaupt nicht in den Blick genommen.
Dabei lassen unsere eigenen Vorurteile uns voreingenommen sein und färben so immer das Urteil, das wir über Andere fällen. Und die Geschichte zeigt, wie leicht wir damit falsch liegen.
 
Deswegen ruft wohl auch Jesus die Leute auf, nicht über Andere zu urteilen und zu richten:„Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet. (…) Was siehst du den Splitter im Auge deines Bruders und nimmst nicht den Balken in deinem Auge wahr?“ (Mth 7,1f.)
 
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und euch einen unvoreingenommenen Blick!
 
Ihr und euer Pastor  
 
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3-Minuten Kirche am 12. August
 
 
Was für ein Sommer. Wie gefällt er Ihnen und euch? Was ist aus Ihren und euren Plänen geworden? Wurden sie über den Haufen geworfen? Oder neu geschmiedet und in die Tat umgesetzt?
Ich wäre jetzt gerade eigentlich auf Kinderfreizeit. Unter dem Motto „Welt der Wunder“ wollte ich eine Woche mit Kindern und ehrenamtlichen Jugendlichen im Heideheim sein, nach Wundern Ausschau halten und wundervolle Tage erleben.
 
Das war leider in diesem Jahr nicht möglich. Stattdessen entdecke ich nun daheim und im Alltag Wunder. Neulich habe ich zum Beispiel ein Indianerdorf entdeckt, gar nicht weit von meinem Zuhause. Bei einem Spaziergang kam ich dran vorbei und erinnerte mich an die unzähligen Tipis und Hütten, die ich als Kind mit Freunden im Wald gebaut hatte. Abenteuer und verrückte Geschichten haben wir da gespielt und wundervolle Stunden erlebt.
 
Ja, meine Sommerpläne wurden durchkreuzt und Erlebnisse, auf die ich mich sehr gefreut hatte, muss ich bitter missen. Doch stattdessen begegnet mir anderes Schönes, werde ich mit Unerwartetem beschenkt.
 
Der Prophet Elia fällt mir ein. Enttäuscht und traurig zog der sich einmal in eine Höhle zurück. Als er auf Gottes Geheiß die Höhle wieder verließ, erlebte er drei heftige Naturereignisse: Ein Sturm, ein Erdbeben und ein Feuer brausten an ihm vorüber. Doch danach vernahm er ein stilles sanftes Sausen und spürte: Hier ist Gott! (1. Könige, Kapitel 19)
 
Während ich also auf meinen persönlichen großen Sturm im Sommer gehofft hatte, finde ich ihn nun in den kleinen Dingen, im leisen Windhauch, in den alltäglichen wundervollen Begegnungen, Erinnerungen und Erlebnissen.
 
„Es gibt kein Wunder für den, der sich nicht wundern kann“, sagte die Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach. Ich wünsche Ihnen und euch offene Herzen und Sinne, um den leisen Windhauch zu spüren und auch in diesem so anderen Sommer wundervolle Momente zu erkennen und zu genießen!
 
Ihre Diakonin 
 
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3-Minuten-Kirche am 9. August 2020
 
 
Waren Sie in diesem Sommer schon im Urlaub? Oder steht er noch bevor? Vielleicht bleiben Sie in diesem Jahr auch lieber zu Hause. Wer wegfährt muss Koffer packen. Da will es gut überlegt sein, was alles hinein kommt. Gerade wenn nur begrenzt Platz im Auto, Zug oder Flugzeug ist, muss das gut überlegt sein. Was brauche ich wirklich? Was ist wichtig? Was kann zu Hause bleiben und ist nur unnötiger Ballast? Es gibt Menschen, die das ganz leicht entscheiden können und andere, denen das wiederum sehr schwer fällt.
 
Ich finde es jedes Mal wieder eine Herausforderung zu überlegen, was unbedingt nötig ist. Andererseits ist das aber – nicht nur beim Koffer packen – eine ganz gute Übung, sich im Leben immer mal wieder zu fragen oder vor Augen zu führen, was eigentlich wirklich wichtig ist, was ich wirklich brauche. In der Fülle der Dinge, die wir besitzen, der Fülle der Informationen, die täglich auf uns einströmen oder der Fülle der Termine, die auf uns warten, ist es oft nicht so einfach, den Blick für das Wesentliche zu behalten.
 
Da ist es manchmal ganz gut, innerlich den Koffer zu packen und zu überlegen: was brauche ich jetzt? Was ist gerade dran und wichtig? Dann kann ich mich wieder neu sortieren und unnötigen Ballast abwerfen, den ich mit mir herumtrage. Es macht mir aber auch deutlich, dass ich mehr zum Leben habe als ich brauche. Das ist nicht selbstverständlich und ich bin dankbar dafür. Denn ich weiß, dass es viele Menschen gibt, die nicht das Nötigste zum Leben haben.
 
Innerlich meinen Koffer zu packen, mich zu sortieren und Ballast abzuwerfen, heißt für mich auch, loszuwerden, was mich beschäftigt und Energie verbraucht, die anderswo nötiger ist. Wie das gehen kann?
Im 1. Petrusbrief ist das anschaulich beschrieben: „All eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“ Bei Gott kann ich all das lassen, was mir zuviel wird, was mich belastet und mir das Leben schwer macht. Dann wird der Koffer des Lebens wieder leichter.
 
In diesem Sinne: fröhliches Koffer packen!
 
Ihre Pastorin  
 
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3-Minuten-Kirche am 5. August
 
 
Szene 1:
Es ist heiß. Die Sonne scheint auf eine Stadt. Einst ein strahlendes Königreich. Jetzt brennt die Sonne auf eingestürzte Mauern. Die Straßen sind voller Schutt. Kein Handel, keine Gespräche, keine Menschen mehr zu sehen. In dieser Stadt gab es einen Tempel; einst reich verziert mit goldenen Kostbarkeiten. Nun liegt er brach, geplündert, verlassen. Flammen züngeln in der Stadt hier und dort empor. Rauch steigt in langen Säulen in den Himmel. 
Hier und dort kann man Stimmen vernehmen: „Was soll ich essen? Wo soll ich leben? Was soll ich nur tun?“
In dieser Stadt sitzt jemand über einem Stück Papyrus und schreibt einen langen Text. Diese Person hat keine Angst. Im Gegenteil: Dieser bedrückenden Situation zum Trotz, ist diese Person voller Hoffnung. Sie erinnert sich an ein Versprechen, dass ihr gegeben wurde. Sie schreibt: „Am Tag, da ich rief, hast du dich genaht, du sprichst: Fürchte dich nicht!“ 
 
Szene 2: 
Das Haus und das Dorf in dem ich lebe sind unversehrt. Menschen gehen einkaufen, unterhalten sich in der Sonne, man hört Gelächter. Und doch habe ich häufig Angst: „Bin ich gesund?“ „Wie soll es weitergehen?“  „Kann mein Kind in einer sicheren Welt leben?“ „Ich fühle mich allein, ist da irgendjemand?“ Ich möchte am liebsten laut schreien und sofort eine Antwort bekommen.
In meiner Not recherchiere und lese ich. Auch in einem alten, dicken Buch. Darin finde ich einen Satz, wohl knapp 2600 Jahre alt: „Am Tag, da ich rief, hast du dich genaht, du sprichst: Fürchte dich nicht!“ (Klgl. 3, 57)
 
Ich lasse den Satz in mir wirken und merke plötzlich: Ich bin vielleicht gerade allein, aber nicht einsam. Meine Probleme sind noch ungelöst, doch ich habe den Mut und die Kraft gefunden, sie anzugehen. Weil ich an ein Versprechen erinnert wurde, das, wenn auch vor Jahrtausenden gegeben, auch mir, jetzt und heute gilt. Und ich beginne zu verstehen: An dem Tag, da ich rief, hat er sich genaht und spricht: „Fürchte dich nicht!“
 
Herzlich grüßt, Vikar Jan Edelstein
 
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 3-Minuten-Kirche am 2. August 2020

 

 

„Zwei Menschen sind miteinander unterwegs, beide gehen in schnellem Schritt nebeneinander her. Da macht der eine ganz unvermittelt eine Pause, setzt sich einfach nur hin und sagt auch nichts dazu. Der andere versteht das nicht und drängelt, weiter zu gehen. Da sagt der erste: Ich muss erst meine Seele nachkommen lassen.“
 
Diese kleine Geschichte habe ich vor 10 Jahren bei meiner Einführung hier im Gemeindeverband erzählt. Gerade umgezogen und voller neuer Eindrücke musste ich erst einmal ankommen, und das mit Leib UND Seele.
Nun bin ich längst richtig angekommen und habe auch schon die ein oder andere zarte Wurzel geschlagen. Trotzdem begleitet mich in den letzten Wochen schon wieder das Gefühl, dass ich meine Seele nachkommen lassen muss. Woran liegt das? Im letzten halben Jahr hat sich vieles in einer rasanten Geschwindigkeit verändert.
Zuerst der komplette Lockdown, der so vorher nicht vorstellbar gewesen wäre. Dann die schrittweisen Lockerungen, die fast wöchentlich neue Regeln mit sich brachten. Das alles immer begleitet von den Überlegungen, was das jetzt für die Arbeit in der Gemeinde, für Gottesdienste, Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und Konfirmand*innen heißt. Jetzt sind Ideen da, Konzepte und Terminpläne fertig und niemand weiß, angesichts der wieder steigenden Infektionszahlen, ob das alles realisierbar wird. Diese permanente Unsicherheit und die immer neuen Veränderungen hinterlassen in mir das Gefühl, dass meine Seele bei all dem nicht hinterherkommt.
 
Auf der Suche nach einem Ruhepunkt ist mir ein Bibelvers begegnet, der mich schon so manches Mal in meinem Leben begleitet hat. Da sagt Jesus: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.“ (Mt 11, 28+29) Da ist jemand bei dem ich meine Sorgen und Nöte lassen kann und der mir die nötige Kraft und Ruhe gibt für das, was auf mich wartet. Der lässt auch meine Seele nachkommen.
 
Einen solchen Ruhepol in diesem Sommer wünscht Ihnen Ihre Pastorin

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3-Minuten-Kirche am 29. Juli 2020
 
 
Haben Sie mal eine Minute?
Wie kurz ist doch eine Minute! Dabei ereignen sich unglaublich viele Dinge in 60 Sekunden: Weltweit werden knapp 150 Menschen geboren. Zeitgleich kommt die Erde auf ihrer Bahn um die Sonne ungefähr 1800 Kilometer voran. Und unser Körper produziert in einer Minute unfassbare 35.000.000 neue Körperzellen.
Die Beispiele zeigen, wieviel Leben sich in so einer unscheinbaren Minute abspielen kann.
 
Unscheinbar ist ein gutes Stichwort: Wir können die Zeit nicht sehen, anfassen oder schmecken - und doch ist sie wie die Farbe, mit der wir unser Lebensbild malen. Ohne sie, sind wir nicht. Als Christen müssen wir zwar keine Angst vor dem Tod haben, dennoch sollten wir die Zeit, die uns bis dahin gegeben ist, als etwas Kostbares wertschätzen und genießen. So heißt es im Buch Kohelet: „Ich bin zu der Erkenntnis gekommen: Das Beste, was der Mensch tun kann, ist, sich zu freuen und sein Leben zu genießen, solange er es hat.“ (Koh 3,12)
Ich glaube, viele Menschen führen sich allzu oft nicht vor Augen, wie wertvoll die Zeit ist. Ohne konkreten Anlass machen sich wohl nur die Wenigsten ernsthaft Gedanken über die Endlichkeit des eigenen Lebens. Doch das ist schade. Denn gerade das Bewusstsein, dass die Zeit begrenzt ist, kann uns eine viel größere Wertschätzung für den einzelnen Moment geben.
 
Jemand, der mit einer einzigen Flasche Wasser durch die Wüste zieht, weiß jeden Tropfen wertzuschätzen - Im Gegensatz zu jemandem, aus dessen Wasserhahn das Wasser ohne Ende zu kommen scheint. Nur weil die Zeit begrenzt ist, ist sie so wertvoll. Daher sollten wir jeden Moment auskosten und genießen.
 
Die Freude am Leben ist unter den momentanen Umständen zwar nicht ungetrübt, dennoch sollten wir auch jetzt versuchen, der Einsicht des Buches Kohelet zu folgen; nämlich das Leben zu genießen und Gott dafür zu danken.
 
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viele schöne, sommerliche Augenblicke!
 
Ihr / euer Pastor 
 
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3- Minuten-Kirche am 26. Juli
 
 
 
Neulich habe ich „Selma“ geschaut. Der Film spielt im Jahr 1965 im US Bundesstaat Alabama. Kurz zuvor hatte der Civil Rights Act die Rassentrennung aufgehoben. In vielen Staaten wurden Schwarze dennoch systematisch von Wahlen ausgeschlossen. Mit friedlichen Protestmärschen kämpften die Menschen gemeinsam mit Martin Luther King für ihre Rechte – und wurden mit Gewalt vertrieben. Erst ein dritter Marsch erreichte sein Ziel. Im März 1965 schließlich wurde der Voting Rights Act verabschiedet, ein Gesetz, das diskriminierende Wahltests für unzulässig erklärt.
Ein Film mit Happy End also?
 
Vor zwei Monaten starb der Afroamerikaner George Floyd durch eine gewaltsame Festnahme. Der Fall löste Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus aus – nicht nur in den USA. Auch hierzulande wurde unter dem Stichwort black lives matter gegen Rassismus und Diskriminierung demonstriert.
 
Seit Anfang Juli wird über eine Studie zu racial profiling innerhalb unserer Polizei diskutiert. Institutioneller Rassismus, auf Stereotypen beruhendes Handeln, Vorurteile und diskriminierende Gewohnheiten – wir alle sind davon betroffen. Kein Happy End also!
 
Das Problem des Rassismus oder der Diskriminierung von Menschen vermeintlich anderer Rassen, Ethnien, Religionen, sexueller Ausrichtungen, ... ist keineswegs gelöst.
 
Unsere Landeskirche hat die Aktion #stillerprotest ins Leben gerufen: ein grünes Armband, um Stellung zu beziehen. #stillerprotest bestreitet nicht den Sinn von Demonstrationen, sondern setzt auf die Kraft von gemeinsamen Zeichen und Gesten. #stillerprotest bedeutet für mich, Haltung zu zeigen, ganz nebenbei, ohne viele Worte. Insofern ist das Tragen dieses kleinen grünen Bändchens eine Ergänzung zum „lauten“ Protest. Und meine eigene kleine Erinnerung, mich in allem, was ich tue und sage, selbstkritisch zu hinterfragen.
 
„Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ Mt. 5, 9
 
Bei mir gibt es grüne Bändchen für alle, die eins wollen - einfach melden!
 
Herzlich grüßt Sie und euch Diakonin 
 
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3-Minuten-Kirche am 22. Juli 2020
 
 
Kennen Sie den gleichnamigen Film von Roberto Benigni?
Er erzählt die Geschichte eines Vaters, der während des dritten Reiches mit seinem Sohn in ein Konzentrations-lager kommt. Die Situation ist übel, ja beklemmend. Dem Vater aber ist klar: jammern, klagen, verbittern wird die Situation nicht verändern, sondern sein Leben - und noch viel wichtiger - das seines Sohnes nur umso mehr belasten. Deshalb versucht er für sich und für ihn das Allerbeste draus zu machen. Er sucht mit ihm und für ihn die guten Seiten des Lebens selbst noch unter solchen Bedingungen. Er genießt mit ihm all das, was an Gutem trotz allem möglich ist. Und er nimmt die Situation mit Humor, macht die bedrängenden Gegebenheiten zu einem Spiel, in dem es sich gemeinsam zu bewähren gilt. Über allem steht: Das Leben ist schön und soll auch schön bleiben – trotz allem.
 
Ich finde, das ist ein ausgesprochen hilfreicher Ansatz immer und erst recht in diesen speziellen Zeiten. Das Leben ist und bleibt schön, auch und gerade jetzt. Manchmal entdecken wir gerade dann, wenn etwas bedroht, nicht mehr selbstverständlich ist, wie wichtig, schön und lebenswert es ist, Begegnungen mit lieben Menschen etwa. Und das achtsam und ja, auch auf Abstand, gerade, weil sie uns lieb und wert sind und wir uns gegenseitig schützen wollen.
Ja, es ist wirklich schön, ein befreundete Paar nach langer Zeit wieder draußen auf der Terrasse sehen können. In nicht immer einfachen Zeiten spielerisch nach dem zu suchen, was alles geht, ohne einander zu gefährden, kreativ umgehen mit dem, was jetzt nötig ist – wie viele schöne Motive für Atemschutzmasken es inzwischen gibt, oder andere Formen der Begegnung suchen z.B. über Internet und  Telefon oder auch das Zuwinken und freundliche Zunicken über den Zaun, beim Einkauf. Das tut uns gut.  
 
Ja, das Leben ist und bleibt schön, wenn wir das Beste draus machen, spielerisch und kreativ mit dem Leben und der Situation umgehen, seiner Schönheit nachspüren und es gleichzeitig, soweit es in unserer Macht liegt, schützen, gerade weil es schön und lebenswert ist.
Und dazu ist es auch noch – so glauben wir als Christen - trotz aller Bedrohung von Gott bewahrt. Sagt Gott doch z.B. in Jesaja 43,1, einem beliebten Taufspruch und dem Wochenspruch dieser Woche zu: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!
 
Wenn das Vertrauen darauf keine gute Basis ist, das Leben so gelassen, spielerisch und zugleich verantwortlich wie nur möglich zu leben, wie der Vater im Film für sich und seinen Sohn?    
 
Herzlich grüßt sie, Ihr Pastor  
 
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3-Minuten-Kirche am 19. Juli
 
 
„Hey, Sie! Lassen sie alles stehen und liegen! Komm‘ se doch einfach mal mit!“
 
Wie schön, dass Sie hier her gekommen sind. Ich würde Sie gerne auf eine kleine Reise mitnehmen. Stellen Sie sich mal vor:
 
Sie sind handwerklich begabt und arbeiten schon seit vielen Jahren als Fischer. Der Lohn ist nicht allzu groß, aber sie kommen über die Runden und können damit Ihrer Familie helfen. Sie sitzen eines Tages mit Familienangehörigen zusammen bei dem kleinen Boot, das Ihnen gehört. Ihre Hände gehen ihrer gewohnten Tätigkeit nach und sie bearbeiten die raugewordenen Fischernetze. Da kommt ein fremder Mann vorbei, ohne sich vorzustellen, und ruft Ihnen nur zu, dass sie alles stehen und liegen lassen und mitkommen sollen.
Würden Sie das tun? Wenn es ein Notfall ist, dann bestimmt (hoffe ich zumindest). Aber was, wenn es kein Notfall ist? Was, wenn es einfach nur darum geht mit dieser Person mitzugehen und alles was Sie bisher kannten hinter sich zu lassen?
 
Das machen doch nur die ganz „durchgeknallten“, oder? Was passiert dann mit dem Hab und Gut? Wie soll man das Familie, Freunden und Bekannten erklären? Große Güte: Und dann die ganzen Verträge und Versicherungen, die man abgeschlossen hat. Und was ist mit dem Arbeitsplatz?
 
Zwei dieser durchgeknallten Typen sind uns namentlich bekannt: Jakobus (der Ältere) und sein Bruder Johannes. Von denen heißt es: „Und sie ließen auf der Stelle das Boot und ihren Vater zurück und folgten ihm.“ (Mt. 4, 22) Ich wette, Sie wissen bereits, wem die beiden dann folgten. Richtig: Jesus, unserem Herrn und Bruder.
 
„Ja, das ist ja auch eine Bibelgeschichte. Da geht das ja so einfach“ werden viele jetzt vielleicht denken. Stimmt! Aber ich glaube, diese Geschichte will uns etwas über Gott und unser Verhältnis zu ihm erklären: Gott tritt immer als ein Unbekannter in unser Leben und ruft nach uns.
Die Frage ist nur, sind wir bereit für Gott alles stehen und liegen zu lassen?
 
Herzlich grüßt Ihr Vikar Jan Edelstein
 
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3-Minuten-Kirche am 15. Juli 2020

Haben Sie auch die Bilder der vorwiegend jungen Leute auf Mallorca gesehen?
Dicht bei dicht, Arm in Arm und ohne Maske. Endlich raus aus dem Alltag, aus allem, was sonst bedrängt und einschränkt. Weite, das macht für viele den Reiz von Urlaub aus auch auf Mallorca, und für manche insbesondere der Ballermann. Und raus aus dem bedrängenden Alltag, das heißt für viele jetzt auch: Ich will raus aus Corona und den damit verbundenen Einschränkungen.           
                                                 
Wer möchte das nicht gerne? Also ehrlich, ich bin es auch Leid Freunde und Familie nicht treffen zu können, immer vorsichtig sein zu müssen. Nicht wenige ziehen daraus die Konse-quenz, ich mag das so nicht mehr mitmachen und brechen aus, nicht nur auf dem Ballermann, sondern auch bei Geburtstagsfeiern oder Grillpartys im Land. Ist doch alles nicht mehr so schlimm, geht doch. Ist doch auch immer weniger verboten – also?
 
Verstehen kann man es schon – aber gut ist das nicht!
Schließlich ist die Lage nur so entspannt, weil wir alle oder fast alle uns strikt zurückgenommen  und die Hygieneregeln beachtet haben.  Die Lage kann sich schnell zum Schlechten verändern, wenn wir es nicht mehr gewissenhaft tun, wie es u.a. in Israel, Australien und anderen Ländern der Welt zu beobachten ist. Alle Entbehrung zuvor, alle leidvolle Kontaktunterbrechung, alle wirtschaft-lichen Nachteile wären dann vergeblich gewesen, wenn wir jetzt nicht vorsichtig bleiben und durchhalten. Eine neue Welle wäre gesundheitlich – und es betrifft eben nicht „nur die Alten“, wie mancher unsolidarisch meint, sondern mit bleibenden Schäden und Todesfällen ebenso auch die Jungen - und dazu auch wirtschaftlich äußerst übel. Und dürfen, dürften wir dann auch nichts mehr.
 
Die Frage zu einem verantwortlichen Umgang ist also nicht, was ist gerade wohl so noch erlaubt? Und auch nicht: Mag ich das noch, so zu leben? Das mag wohl keine/r mehr! Sondern die Frage ist: Wie kann ich mit meinem Verhalten, Tun und Lassen dem Leben, dem Wohl aller dienen. Dazu gehört manchmal auch ein Kontakt, etwa ein behutsamer Besuch im Pflegeheim, eine Begegnung mit Kindern. Oft aber auch das Zurückstellen eigener Interessen und Wünsche, um des Lebens und Wohles von uns allen willen.
 
In einer Lebenshaltung zu der schon der Prophet Jesaja auffordert: „Suchet der Stadt Bestes“.
 
Denn, was allen zu Gute kommt, tut letztlich dann auch Euch/Dir gut. Und Jesus fasst es bekannter Maßen so zusammen: „Du sollst Deinen Nächsten lieben, wie Dich selbst!“ Die Konsequenz lautet: Was kann es wird es für ihn und mich bedeuten, wenn ich mich so oder so verhalte? Was dient seinem, meinem, unserem gemeinsamen Wohl? Und auf einmal ist es nicht mehr Gebot und Verbot, die unser Leben bestimmen, sondern das Leben, das es zu bewahren gilt.
Dann knallt es vielleicht nicht so, wie auf dem Ballermann. Aber es wird unser aller Leben, Gesundheit und Gemeinschaft dauerhaft wohl tun.
 
Eine gesegnete und behütete Zeit wünscht Ihnen, Ihr Pastor  
 
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Monatsspruch April 2021

Christus ist Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung.
(Kolosser 1, 15)
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