3-Minuten-Kirche am 25. Oktober 2020
 
 
Haben Sie daran gedacht, die Uhr eine Stunde zurückzustellen? Ab heute leben wir in der Winterzeit. Ich mag sie nicht besonders. Dieses Gefühl, dass schon ab Spätnachmittag die Dunkelheit in meinen Tag kriecht, macht mich oft müde und antriebslos.
 
Aber etwas Gutes hat diese Zeit doch. Ich mag es, im Dunkeln an erleuchteten Fenstern vorbeizukommen und mir vorzustellen, was für Menschen dahinter leben, was sie gerade tun. Manchmal kann man die Menschen in den Zimmern sehen, beim gemeinsamen Essen sitzend oder vor dem Fernseher. Manchmal ist ein Raum nur schummrig beleuchtet und wirkt einladend gemütlich. Manchmal entdecke ich eine schöne Pflanze oder eine hübsche Dekoration. Manchmal schaut eine Katze zu mir heraus.
 
Gerade habe ich eine tolle Aktion entdeckt, die meine Aussicht auf Herbstabend-Fenster noch schöner machen könnte. „Laternen Fenster“ heißt sie.
 
In den meisten Orten wird es in diesem Jahr keine Laternenumzüge geben, ist der St. Martinstag keine gute Gelegenheit, fröhlich singend durch die Straßen zu ziehen. Darum werden stattdessen alle eingeladen, eine oder mehrere Laternen in die Fenster zu stellen und sie mit Kerzen oder Lichterketten zum Leuchten zu bringen. Von Kindern selbstgebastelte Laternen erfahren so Wertschätzung und große und kleine abendliche Spaziergänger haben die Möglichkeit, die leuchtenden Laternen zu bestaunen. So teilen wir ein bisschen Hoffnung in dieser schwierigen Zeit und Licht in der Dunkelheit – ganz im Sinne des heiligen Martin von Tours, dessen Todestag wir am 11. November begehen. Der Legende nach hat Martin als junger Soldat einmal seinen Mantel mit dem Schwert durchtrennt und einem frierenden Bettler eine Hälfte geschenkt. Seither nehmen wir uns ein Beispiel an seiner praktizierten Nächstenliebe.
 
Dieses Jahr, indem wir unsere Fenster für andere hell machen. Bei „Laternen Fenster“ kann jede*r überall mitmachen. Und ich freue mich schon jetzt auf bunte, helle, fröhliche Laternen, die meine Wintermüdigkeit vertreiben.
 
Ihre und eure Diakonin 
 
HIER gibt es eine Bastelanleitung für die Aktionslaterne
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3-Minuten-Kirche am 21. Oktober 2020
 
 
In der letzten Woche war ich mit meiner Tochter in der Lüneburger Heide wandern. Dort ist uns dieser Schriftzug auf der Straße begegnet. Den Jakobsweg gibt es nicht nur in Spanien. Der Abschnitt in Spanien ist der bekannteste, der durch Filme und Bücher in den letzten Jahrzehnten mehr Aufmerksamkeit bekommen hat. Jakobswege gibt es in ganz Europa, weil man früher aus allen Ländern nach Santiago de Compostela gepilgert ist. Und in diesem Jahr gehen tatsächlich mehr Menschen auf den Jakobswegen in Deutschland pilgern als sonst. Und ein Weg führt auch durch die Südheide, ein Weg, der seinen Ausgangspunkt in Skandinavien hat. 
 
„You’ll never walk alone“ – Du wirst niemals allein gehen. Eine bekannte Fußballhymne auf dem Jakobsweg? Im Fußball wird damit die Unterstützung des Lieblingsvereins ausgedrückt. Hier auf der Straße im Zusammenhang mit dem bekannten Pilgerweg hat das für mich eine andere Bedeutung. Wenn ich diesen Weg gehe, bin ich niemals allein, auch wenn ich ohne Begleitung unterwegs bin. Zum einen kann ich mich in der Gemeinschaft mit all denen wissen, die diesen Weg vor mir gegangen sind und auch mit denen, die diesen Weg noch gehen werden. Zum anderen kann ich mich von Gott begleitet wissen. 
 
Und diese Begleitung gilt nicht nur für einen Pilger – oder Wanderweg. Diese Begleitung gilt für mein ganzes Leben. Gott sagt zu Jakob: „Siehe ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst.“ (Gen 28, 15)
Diese Zusage gilt auch uns heute. Sie wird bekräftigt durch die Worte Jesu: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ (Mt 28,20)
 
Wir sind nicht allein auf dem Weg durch unser Leben, ganz egal, ob der Weg schwer, dunkel, steil und hügelig ist oder leicht, hell und eben. Im Moment habe ich oft das Gefühl, dass das Leben eine ständige Berg- und Talfahrt ist, bei der sich kaum abschätzen lässt, was als nächstes kommt. Was kann ich eigentlich noch planen und was nicht? Doch letztlich ist das Leben niemals planbar, es kommt oft anders, als ich es mir vorgestellt habe. Wie gut, dass ich dann sagen und darauf vertrauen kann: „Ich bin nicht allein.“
 
Bleiben Sie behütet! 
Ihre Pastorin 
 
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3-Minuten-Kirche am 18. Oktober 2020
 
 
„Ob das reicht?“
Diese Frage stellen sich gerade viele Menschen - vor allem Politiker und Entscheidungsträger: „Reichen die verhängten Maßnahmen gegen eine unkontrollierte Ausbreitung des Corona-Virus? Oder müssen wir mehr tun?“
 
„Mir reicht`s!“
Auf der anderen Seite gibt es auch Menschen, denen reicht es jetzt schon. Die haben genug von den Vorschriften und Einschränkungen. Sie halten die Vorgaben für übertrieben und unverhältnismäßig.
 
Bei der Frage, wie mit Corona umzugehen ist, prallen Welten aufeinander. Und hier zeigt sich deutlich wie selten, dass zwei grundverschiedene Positionen von Menschen mit felsenfester Überzeugung vertreten werden können.
Es liegt vor allem am Internet, dass heute auch noch für die abwegigsten Behauptungen aufgeschlossene Empfänger gefunden werden. Das Internet befeuert eine zutiefst menschliche Eigenschaft: Dass wir das, was wir für die Wirklichkeit halten, zum großen Teil selber konstruieren. Menschen glauben vor allem was sie glauben wollen.
 
Dass Corona-Leugner wissenschaftliche Erkenntnisse nicht gelten lassen, ist ein extremer Fall. Aber dass wir alle uns unsere Welt ein Stück weit selber kreieren, davon kann sich wohl keiner freisprechen.
 
Ich glaube, das ist der Balken bzw. Splitter im Auge, von dem Jesus in der Bergpredigt spricht: „Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht?„ Was wir für die Wirklichkeit halten, ist immer von uns Menschen konstruiert.
 
Die Bibel enthält viele Einsichten, die uns helfen können, ein lebensförderliches Weltbild zu entwickeln. Eine ist die, dass die menschliche Gemeinschaft einem Körper mit verschiedenen Organen gleicht: Dieses Bild ruft uns auf, auszuhalten, dass es Unterschiede gibt (auch wenn das manchmal nur schwer zu ertragen ist) - und dennoch kann es nur gehen, wenn alle Teile zusammenarbeiten und für einander da sind. Denn wenn ein Teil krank ist, hat das immer auch Folgen für den Rest.
 
Ihr und euer Pastor 
 
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3-Minuten-Kirche am 14. Oktober 2020
 
 
Kennen Sie IVAR? Oder haben Sie BILLY zuhause? Heute vor 46 Jahren hat die erste deutsche IKEA Filiale geöffnet. Seither haben sie Einzug gehalten, die Möbel mit den komischen Namen, die man selbst abholen und aufbauen muss.
In fast jedem Haushalt steht heute ein IKEA-Möbel und wer hat sich nicht schon einmal mit den Montageanleitungen von HEMNES, PAX oder MALM herumgeschlagen?
 
Die haben sich im Laufe der Jahre gewandelt - vom dicht beschriebenen Blatt Papier zum groß bebilderten mehrseitigen Heftchen. Brauchte man zu Beginn nur einen Imbusschlüssel und Schraubenzieher, enthält das Paket heute eine Vielzahl an Schrauben, Dübeln, Bolzen und anderen Verbindern. Es scheint komplizierter geworden zu sein, ein IKEA-Möbel aufzubauen. Dafür kommen die deutlich stabiler und hochwertiger daher, als früher.
 
Ich muss an die Zehn Gebote denken. Regeln, die Gott seinem Volk gibt, damit es ein gutes Leben führen kann.
Sie passen auf ein beschriebenes Blatt Papier.
Wir Menschen haben daraus einen ganzen Katalog von Regeln und Gesetzen gemacht. Unser Grundgesetz besteht aus 146 Artikeln, es gelten 1681 Bundesgesetze.
 
„Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus der Knechtschaft geführt hat.“ So beginnt das erste Gebot. Diesen Satz vergessen Viele, sie erinnern sich an: „Du sollst keine Götter haben neben mir!“. Doch das ist erst der zweite Satz. Ich finde den vorangestellten wichtiger, denn er beschreibt, warum es diese Regeln gibt. Nicht, um unseren Gehorsam zu trainieren, uns zu begrenzen oder zu kontrollieren. Sondern um uns aus der Knechtschaft zu führen. Um uns ein gelingendes Leben zu ermöglichen. Ein Leben in Freiheit, Frieden und Sicherheit.
 
Ich wünschte, wir alle würden uns besinnen auf das, was dem Leben dient – der Freiheit jedes Einzelnen, aber auch der Gesundheit und der Stabilität unserer Gesellschaft.
 
Grundsätzlich – und in Coronazeiten im Besonderen!
 
Ihre und eure Diakonin 
 
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3-Minuten-Kirche am 11. Oktober 2020
 
 
In einem Monat, am 11.11. um 11.11 Uhr beginnt - wie alle Jahre wieder - die närrische Zeit. Bei uns im Norden zumeist eher gebremst, dafür im Westen unseres Landes umso ausgelassener. Das Leben mal richtig genießen, ausleben, was sonst oft nicht geht, feiern, tanzen, Humor, Nähe, Döniken – Unbeschwertheit halt. All das noch einmal so richtig ausleben, bevor es dann carne vale – leb wohl Fleisch – heißt mit Beginn der Fastenzeit. Protestantisch geprägte Norddeutsche tun sich oft etwas schwer mit der rheinischen Fröhlichkeit in dieser Zeit, was aber auch daran liegt, dass sie die Fastenzeit in ihrer Tradition über Jahrhunderte nicht wirklich als solche begangen haben – hatte ja keine religiöse Bedeutung mehr.
 
Im Moment müssen sich alle ziemlich einschränken wegen der wieder zunehmenden Corona-pandemie. Nicht wenigen fällt das schwer. Einschränken, nicht ausleben können, was man gern möchte, macht eigentlich nie wirklich Spaß. Fasten also auch nicht. Es sei denn um eines größeren Ziels willen, dass die Einschränkung wert ist.
 
Im Religiösen gilt das Fasten als Weg das Leben zu gewinnen, indem man vieles von dem zurückstellt, was den Alltag sonst erfüllt. Heißt aus Routinen und Gewohnheiten auszubrechen und sich bewusst Zeit für die Beziehung zu Gott zu nehmen und dafür, neu zu entdecken, was wirklich wichtig ist und das Leben neu darauf hin zu justieren.
Später wurde das Fasten im Blick auf das Heilfasten neu entdeckt. Auch da gilt es Gewohnheiten, Routinen zu durchbrechen, die Lebensart zu überdenken und neu zu justieren um der Gesundheit willen. Wer das Fasten kennt und lebt, weiß auch das Leben da-nach umso mehr und bewusster zu genießen, weil er/sie wieder neu entdeckt hat, was das Leben wirklich erfüllt und freudig macht; weiß aber auch, wie sehr man sich umso mehr auf das freut, was neu wichtig geworden ist, wenn die Zeit der Selbstbeschränkung zu Ende geht.
 
Das Dumme im kommenden Karneval ist nun, dass wir gerade in dieser Fest- und Freudenzeit fasten müssen um der Gesundheit, um des Lebens willen. Die Coronazahlen steigen wieder massiv und auch die Zahl der im Krankenhaus liegenden und daran Verstorbenen nimmt wieder zu. Das zeigt erneut, wie wichtig das Fasten, die Selbstbeschränkung ist in diesen Zeiten, um gerade dadurch das Leben zu gewinnen. Karneval – Fleisch leb wohl – bekommt so einen ganz neuen Klang, weil es sich nicht nur auf das Essen bezieht, sondern auch auf die ersehnte körperliche Nähe zu Freunden und Verwandten. Zuneigung und Wertschätzung wird sich in den kommenden Wochen und Monaten wohl wieder mehr im Abstand und der Distanz als in der Nähe und Umarmung, also einem fürsorglichen Umgang miteinander ausdrücken müssen.
Aber es ist wie beim Fasten schon immer: Wir werden – gerade weil es derzeit nicht geht wie sonst – umso mehr entdecken, was und wer uns wirklich wichtig ist.
Und das dann, gebe es Gott, nach dem vorübergehenden Fasten um des Lebens willen, umso mehr feiern können, wenn die Pandemie vorbei ist.  Diesen Zeitpunkt wollen wir möglichst alle Miteinander erreichen.
Deshalb heißt es schon jetzt fasten,  Karneval – Fleisch leb wohl!   
 
Seien Sie behütet! Herzlich grüßt Ihr Pastor 
 
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3-Minuten-Kirche am 07. Oktober 2020
 
 
„Ich wünsche ihm die Krätze an den Hintern und so kurze Arme, dass er sich nicht kratzen kann“ ist wohl die charmanteste Verwünschung, die ich bisher gehört habe.
 
Ich würde sagen: Den Drang, jemanden verwünschen zu wollen, ist natürlich. Und witzigerweise scheint er nicht nur uns Menschen eigen zu sein. Auch Gott scheint dieses Gefühl gut zu kennen. Zum Beispiel mit seinem erwählten Volk Israel, als es auf dem Weg ins gelobte Land durch die Wüste ziehen muss. Da ist ja der Vorfall mit dem goldenen Kalb, das die Israeliten sich bauen und anbeten. Da gerät Gott richtig in Rage und sagt zu Mose: „Und nun lass mich, dass mein Zorn über sie entbrenne und sie vertilge.“ (2. Mose 32,10) Gott ist also not amused!
 
Es gibt Menschen, die auch mich auf die Palme bringen können. Das kann verschiedene Gründe haben. Meistens merkt man diesen Umstand im Gespräch. Besonders dann, wenn man überhaupt nicht einer Meinung ist.
Und ja: Es gibt Personen des öffentlichen Lebens, die auch mich immer wieder fassungslos machen. Bei einem von ihnen ist der Corona-Test jetzt positiv ausgefallen. Als das bekannt wurde, musste ich sofort an Aussagen mancher Personen denken, die mir begegnet sind: „Der müsste sich mal infizieren und einen schweren Covid-Verlauf erleben. Vielleicht wäre er dann endlich weg.“
 
Wow! Manche Menschen sind so voller Zorn über eine Person, dass sie dieser mehr als nur die Krätze wünschen.
Wie gesagt: Den Drang zur Verwünschung scheint auch Gott zu kennen. Und da ich mir gerne Vorbilder nehme, um mein Handeln zu rechtfertigen, gucke ich mal, was Gott so macht. Der lässt sich auf ein Gespräch mit Mose ein und überdenkt dann seinen Wunsch: „Da gereute den HERRN das Unheil, das er seinem Volk zugedacht hatte.“ (2. Mose 32, 14)
Statt alle platt zu machen, erbarmt er sich und offenbart den Israeliten ein wichtiges Gebot, an das auch Jesus später erinnert: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (3. Mose 19,18)
 
Wie würden Sie entscheiden?
 
Herzliche Grüße, Ihr Vikar Jan Edelstein
 
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3-Minuten-Kirche am 4. Oktober 2020

 

 

Wir feiern heute Erntedankfest. Erntedank ist eine gute Gelegenheit, einmal für all das zu danken, was ich zum Leben habe. Es ist nämlich nicht selbstverständlich, immer genug zu essen, Kleidung und ein Dach über dem Kopf zu haben. Auch in einem so reichen Land wie dem unseren ist das nicht selbstverständlich. Klar, die Lebensmittel gibt es alle zu jeder Jahreszeit im Supermarkt zu kaufen. Was es bei uns nicht gibt wird aus anderen Ländern zu uns geliefert. Ohne Landwirtschaft wäre das alles aber gar nicht möglich. Wir als Verbraucher merken aber überhaupt nicht mehr, ob in einem Jahr die Ernte gut oder schlecht ausgefallen ist, weil es ja weiterhin immer alles zu jeder Zeit gibt. Das ist nicht überall auf der Welt so. Oft reicht es nicht für alle zum Leben.

Deshalb ist in den letzten Jahren am Erntedankfest neben dem Aspekt des Dankens auch der Aspekt des Teilens hinzugekommen. Der Schwerpunkt dabei liegt auf der Frage, wie wir das, was wir haben, so teilen können, dass es für alle reicht? Die Aktion „5000 Brote-Konfis backen Brot für die Welt“ von „Brot für die Welt“ unterstützt entsprechende Projekte. In den letzten Jahren haben wir diese Aktion aktiv unterstützt, Konfirmand*innen haben in der Bäckerei Bohne Brote gebacken, die nach dem Erntedankgottesdienst verkauft wurden. In diesem Jahr ist es durch Corona nicht möglich. Trotzdem kann gespendet werden. Mit den Spenden erhalten Jugendliche eine Chance auf eine gute Zukunft. In Brasilien wird ökologische Landwirtschaft zu einer attraktiven Berufsperspektive. In Indien lernen Jugendliche für eine gerechte Gesellschaft zu kämpfen. In Äthiopien bekommen Jugendliche aus Flüchtlingsfamilien und Einheimische gemeinsam ein Auskommen mit Kleinbetrieben und Gemüsegärten. Mehr Informationen dazu finden Sie unter www.5000-brote.de.

 

Einen gesegneten Erntedanktag wünscht Ihnen Ihre Pastorin

                                                          

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3-Minuten-Kirche am 30. September 2020
 
 
Der September geht zu Ende, draußen färben sich die Blätter bunt, das letzte Quartal des Jahres beginnt. Seit über einem halben Jahr beschäftigt uns die Corona-Pandemie und das Ringen um die richtigen Maßnahmen. Bei steigenden Fallzahlen und sinkenden Temperaturen blicken wir nervös auf den kommenden Winter.
 
Nebenbei dreht die Welt sich weiter und außer Corona gibt es andere Themen, die mich beschäftigen. Derzeit geht mein Blick nach Palermo. Die italienischen Behörden haben das unter anderem von der Evangelischen Kirche unterstützte Schiff „Sea-Watch 4“ mit fadenscheinigen Begründungen im Hafen festgesetzt. Elf Stunden lang wurde nach Beanstandungen gesucht. Diese Inspektionen dienen allein dem Zweck, Seenotrettungsorganisationen an ihrem Einsatz zu hindern.
 
„Man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt.“ Ich war dabei, als Pastorin Sandra Bils diesen Satz sagte. Er stammt aus ihrer Predigt beim Abschlussgottesdienst des Kirchentages 2019 in Dortmund. Er führte zur Bildung des Bündnisses „UNITED4RESCUE“, das den Kauf und Einsatz der Sea-Watch 4 ermöglichte. Über 600 Bündnispartner (Kirchen, Schulen, Kultureinrichtungen, Unternehmen und ehrenamtliche Initiativen) stehen hinter der Sea-Watch 4 und fordern: „Lasst unser Schiff frei!“
 
#freeseawatch4
 
„Was ihr dem geringsten meiner Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan.“  (Mt. 25, 40)
Wenn ich das ernst nehme, dann ist Seenotrettung nichts Verwerfliches, sondern Christenpflicht. Dann suche und frage ich mich, welche Haltung und welche Handlungen dem Willen Gottes entsprechen. Nicht nur, wenn es um große Fragen wie die der Seenotrettung geht. Sondern auch im Alltag.
Wenn ich jemandem begegne, der meine Hilfe braucht.
Wenn ich bereit bin, von dem, was mir im Überfluss geschenkt ist, etwas abzugeben.
Wenn ich eine Mund-Nase-Maske trage, um niemanden zu gefährden.
Oder wenn ich versuche, meinen Alltag möglichst umweltfreundlich zu gestalten.
 
Ich möchte versuchen, meinen Glauben mit den Händen leben.
 
Ihre und eure Diakonin 
 
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3-Minuten-Kirche am 27. September 2020

 
Da sitzt Matthäus. Er wurde hierher gerufen, an diesen Ort. Sein Lehrer wollte es so. Nach und nach trudeln die anderen ein: Petrus, Andreas, Thomas…
Nicht lange her, da saß er mit den anderen und einem Pulk von Menschen draußen bei einem kleinen Berg. Und auf dem Berg stand sein Lehrer. Er lehrte, wie es seine Art war und sprach über viele Dinge. Vom Töten und Versöhnen, vom Ehebruch, vom Schwören, vom Vergelten, vom Almosengeben, vom Beten, Fasten, vom Gesetz.
 
Seinem Lehrer ist das Gesetz sehr wichtig. Er scheint auch wirklich über alle 613 Ge- und Verbote Bescheid zu wissen. Was gäbe Matthäus nicht alles, damit er so viel darüber wüsste, wie sein Lehrer. Denn eins ist sicher: Wenn man das alles im Kopf hat, es durchdenken und genau danach handeln kann, dann kommt auch das Reich, über das sein Lehrer so viel spricht. An und für sich ist es ja nicht schwer: Sich das Gesetz einprägen, haargenau so handeln, wie Gott es will. Für jede Lebenssituation das passende Verhalten, das ist wichtig! Dann sollte dem Königreich Gottes nix mehr im Wege stehen.
 
Aber natürlich sind Theorie und Praxis zwei unterschiedliche Dinge und genau deswegen wird es Matthäus auch flau im Magen: Das alles auf einmal im Blick? Das gesamte Gesetz? Und überhaupt, wie war das nochmal mit dem Umgang von Besitz? Und das mit dem richtigen Bitten und Empfangen?
 
Eins wird ihm schlagartig bewusst: Da steht noch eine ganze Menge Arbeit an! An sich selbst, an der Welt. Vieles muss noch gelernt werden; viele Entscheidungen, die richtig getroffen werden müssen. Denn so wie es gerade läuft, ist das Reich Gottes noch weit entfernt. Matthäus wird richtig nervös.
 
Da kommt sein Lehrer. Schlicht gekleidet, freundlicher Blick. Er guckt einmal in die Runde. Sein Blick ruht für einen Augenblick auf Matthäus. Da fängt sein Lehrer an zu lächeln und sagt: „Geht und verkündigt: Nahe gekommen ist das Himmelreich!“
 
Bleiben Sie entspannt!
Herzlich grüßt Ihr Vikar, Jan Edelstein
 
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3-Minuten-Kirche am 23. September 2020
 
 
Ach Du je…!
Da bin ich gerade mit dem Fahrrad losgefahren, den ersten Berg hoch und wieder runter auf der anderen Seite. Da blitzt in mir die Frage auf: „Hast Du eigentlich die Tür richtig zuge-macht?“. Ich könnte jetzt umdrehen und den Berg wieder hochfahren. Dazu habe ich eigentlich keine Lust. Oder ich könnte weiterfahren, hätte dann aber die ganze Zeit die Frage in mir: Hast Du wohl – oder steht da alles offen? Dazu die Sorge, dass irgendwer die Gelegenheit wahrnimmt und sei es nur die Katze, die ab und zu draußen was zu fressen bekommt. Also ich habe mich dann doch entschlossen den Berg wieder hoch und zurückzufahren.
 
Bestimmt kennen Sie das Wort von Jesus aus der Bergpredigt: Sorget nicht! Aber ist das nicht lebensfremd? Sorglosigkeit und Leichtsinnigkeit liegen dicht beieinander. Und die Folgen sehen wir z.B. auch an den wieder deutlich steigenden Zahlen von Erkrankten. Sorge ist eine vernünftige Lebenshaltung. Denn sie schließt ein, dass ich und auch andere Fehler machen können, dass wir nicht alles im Griff haben und auch nicht alles irgendwie gut gehen wird. Sorge ist also ein Zeichen von Realismus, Demut, Einsicht in die Wirklichkeit.
Vorsorge und Fürsorge sind wahrlich nichts Schlechtes, sondern oft sinnvoll und hilfreich, ja angebracht.
 
Der biblische Wochenspruch ist mir da erstmal näher, als das sorget nicht. "All Eure Sorge werft auf Gott, denn er sorgt für Euch." (1. Petrus 5,7).
Sprich: Sorge ist normal, entscheidend ist, wie ihr damit umgeht. Aber auch das Vertrauen auf Gott kann zur Sorglosigkeit führen, die leichtsinnig ist. So gab es am Anfang der Pandemie durchaus unter frommen Christen durchaus die Einstellung: Wir brauchen in Gottesdiensten keine Vorsorge. Wir können alles so machen wie gewohnt. Gott wird schon aufpassen. Naja, es gab dann ja auch die entsprechenden Ergebnisse solcher Sorglosigkeit. Also Vorsorge, Fürsorge auf jeden Fall ja. Aber das Vertrauen auf Gott bewirkt, dass diese Sorge nicht mehr so bedrängen muss, alles bestimmt.
 
Beispiel gefällig? Jakob, so erzählt die Bibel, hat große Sorge, ja genau genommen eine Heidenangst, dass sein Bruder Esau, den er vor langer Zeit über´s Ohr gehauen hat, sich fürchterlich an ihm rächen wird.  – Nicht unberechtigt! -
Er macht nun zweierlei. Er sorgt vor: Er teilt seine Angehörigen, seinen beträchtlichen Besitz in zwei Lager auf, damit, wenn der Bruder mit seiner Mannschaft über das eine herfällt, die anderen entkommen. Und er gibt ab von seinem Besitz, schickt von seinen Tiere Herden voraus, um sie den Bruder zu schenken, ihn zu versöhnen. Angst, Sorge, dass das ganze schief gehen könnte, hat er immer noch, zu Recht. Und deshalb ringt er im Gebet mit Gott und bittet ihn, dass die Versöhnung gelingen möge und die Familiengeschichte nicht in einer Tragödie endet. Die Bibel erzählt, dass Gott wirklich durch seine Engel auf den grimmigen Bruder einwirkt und die Begegnung im Guten verläuft.
 
Übrigens meint Jesus mit seinem: "Sorget nicht" genau das. Lasst die Sorge nicht Euer Leben beherrschen, denn ihr könnt es bei aller Sorge im Letzten nicht sichern. Also, so Jesus weiter: Seht doch die Blumen auf dem Felde, die sorgen sich nicht und gedeihen doch.                  
            
Deshalb auch im Blick auf diesen Herbst und die durchaus bedenklichen Zahlen: Vernünftige Vor- und Fürsorge Ja! Und dann, wie Jakob es tut: All Eure Sorge werfet auf Gott, denn der sorgt für Euch!
 
Erlebt hab ich selber das schon manchmal, was der Beter im 23. Psalm beschreibt: Der Herr ist mein Hirte….! Lesen Sie mal nach!
 
Seien Sie behütet! Herzlich grüßt Ihr Pastor 
 
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Monatsspruch April 2021

Christus ist Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung.
(Kolosser 1, 15)
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