3-Minuten-Kirche am 30. Dezember 2020
 
 
Jetzt ist das Jahr 2020 fast vorüber. Ein Jahr, in dem vieles anders war als gewohnt und geplant. Ein Jahr, das uns alle herausgefordert, aber auch viel Kreativität gefördert hat. Was ist alles möglich geworden, eben weil das bisher gewohnte nicht mehr möglich war.
 
Deshalb blicke ich durchaus mit gemischten Gefühlen auf das Jahr zurück. Nicht alles war schlecht und mühsam. Es gibt auch an vielen Stellen Grund, dankbar zu sein. Trotzdem hat uns Corona weiter fest im Griff, auch wenn es mit dem Impfstoff einen kleinen Hoffnungsschimmer am Horizont gibt.
 
Im Blick zurück und im Blick auf das kommende Jahr kommt mir mein Leben wie ein großes Puzzle vor. Wenn ich den Rahmen habe, die Zeit, die mir zur Verfügung steht, muss ich die weiteren Teile suchen und immer wieder neu schauen, wo etwas zusammenpasst. Mal braucht es mehrere Anläufe bis das richtige Teil an der richtigen Stelle ist und manchmal geht das ganz schnell. Einiges bleibt lange nur bruchstückhaft, an anderen Stellen entsteht langsam ein Bild.
 
Ich weiß, dass in diesem Jahr einiges liegen geblieben ist oder nicht so ging, wie es sollte. Ob das im nächsten Jahr gelingt, weiß ich nicht. Aber eins weiß ich ganz sicher: ich kann mich auch im nächsten Jahr in allem, was ich tue und erlebe, begleitet wissen von Gott. Ihm kann ich die Puzzleteile meines Lebens im Gebet hinlegen und um Hilfe bitten, wenn ich nicht weiter weiß. Und ich kann mich freuen und dankbar sein, wenn Dinge gelingen, Bilder entstehen, mit denen ich vorher gar nicht gerechnet habe. Gott ist auch in diesen merkwürdigen Zeiten da.
 
Diese Zuversicht drückt sich für mich immer wieder – und ganz besonders am Ende eines Jahres – in den Worten Dietrich Bonhoeffers aus:
 
Von guten Mächten wunderbar geborgen
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.      
 
Ein gesegnetes neues Jahr, bleiben Sie behütet!
Ihre Pastorin
                      
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3-Minuten-Kirche am 27. Dezember 2020
 
 
Dann musste es schnell gehen und am Ende kam es anders als geplant…
Angesichts der aktuellen Corona-Lage haben sich die Kirchenvorstände im Gemeindeverband Saaletal vor den Weihnachtsgottesdiensten kurzfristig beraten. So wurde z.T. noch am Morgen des 24. Dezembers beschlossen, geplante Gottesdienste an Heiligabend abzusagen. Es wurde abgewogen: „Mit wie vielen Menschen ist zu rechnen? Können wir darauf vertrauen, dass die getroffenen Hygiene-Maßnahmen ein Höchstmaß an Schutz sicherstellen? Wie hoch schätzen wir das Restrisiko ein?“
So haben sich am Ende einige Kirchenvorstände schweren Herzens dazu entschieden, Gottesdienste abzusagen.
 
Dann musste es schnell gehen und am Ende kam es anders als geplant…
So könnte auch das Motto des ersten Heiligabend gelautet haben. Vorstellbar ist jedenfalls, dass die Geburt von Jesus Maria und Josef überraschte. Vielleicht kam Jesus ein paar Wochen zu früh zur Welt? Hätten die beiden sich sonst auf diesen langen Weg gemacht, wenn seine Geburt so unmittelbar bevorstand? So oder so: Auch Maria und Josef mussten schnell umdisponieren und sich anpassen. Auch wenn sie sich die Umstände für die Geburt ihres Kindes anders ausgemalt hatten, mussten sie sich mit den aktuellen Gegebenheiten und Notwendigkeiten arrangieren. So kam Jesus in einem Stall zur Welt.
 
Immer wieder macht uns das Leben einen Strich durch die Rechnung, zwingt es uns Umwege zu gehen oder umzuplanen.
Das Leben hält sich an keinen Fahrplan, den wir uns im Kopf ausmalen.
Doch auch wenn das Leben nicht immer so verläuft, wie wir uns das wünschen, ist doch eins gewiss: Egal, welchen Weg uns das Leben zwingt zu gehen, egal, welche Steine uns dabei in den Weg gelegt werden: Gott geht mit uns.
Das ist ja die Botschaft von Weihnachten: Gott ist mit uns. Er ist kein ferner Gott, der sich das Spektakel hier auf Erden aus sicherer Entfernung anschaut. Nein, Gott ist mitten drin - er geht mit einem jeden von uns durch unser Leben.
 
In diesem Sinn wünsche ich uns allen viel Zuversicht für das kommende Jahr!
Ihr/ euer 
              
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3-Minuten-Kirche am 24. Dezember 2020
 

„Wir versammeln uns um Gottes Licht, Wort und Kreuz!“
So sprechen wir jedes Mal in unserer Andacht zu Beginn, wenn wir uns im Jugendmitarbeiterkreis treffen. Wir legen die Bibel offen vor uns, bereit auf Gottes Wort zu hören. Wir zünden eine Kerze an, um uns die Gegenwart von Jesus bewusst zu machen. Wir legen ein Kreuz dazu, als Zeichen der Hoffnung, dass Gott uns auch in den dunkelsten Stunden nicht allein lässt, sondern uns das ewige Leben schenken will.
 
Um Geschenke ging es im letzten JUMAK. Wir haben gewichtelt. Nicht wie sonst im Dezember, gemeinsam an einem Tisch, bei Keksen und Weihnachtsatmosphäre, sondern per Videokonferenz. Jede*r an einem anderen Ort, aber alle mit einem Überraschungspäckchen vor der Nase und Freude im Herzen. Gottes Licht, Wort und Kreuz waren auch dabei.
 
Es ist Weihnachten geworden, der Heilige Abend nimmt seinen Lauf. Ist Ihnen das schon bewusst geworden? Fühlen Sie sich schon weihnachtlich? Oder sind Sie noch gefangen in dem Gefühl der Trauer, weil wir Weihnachten dieses Jahr nicht so feiern können, wie wir gern würden?
 
Weihnachten hören wir auf die alte Geschichte von Jesu Geburt. Auf die Worte des Engels, der den Hirten – und uns – zuruft: „Fürchte dich nicht!“ Denn an Weihnachten schenkt Gott uns seinen Sohn. Er kommt als Licht in unsere Welt. In dem Wissen, dass Jesus den Tod überwunden hat, strahlt sein Licht als Hoffnungsschimmer selbst in unsere tiefste Dunkelheit hinein. Nehmen wir dieses Geschenk an, dann wird Weihnachten unsere Tage hell machen. Ganz egal, wie oder mit wem wir feiern. Gott ist dabei!
 
Gottes Licht, Wort, Kreuz und Geschenk – alles, was wir für Weihnachten brauchen, ist schon da. Vergessen wir nicht, dass wir Weihnachten nicht machen müssen, sondern das Weihnachten geschieht. Auch heute ...
 
Ich wünsche Ihnen helle und gesegnete Weihnachten, Augen für das Wunderbare, den Mut, Zeichen zu erkennen und das Vertrauen, ihnen zu folgen. So kommen wir bei Christus an, der uns Licht verheißt und Frieden und Gerechtigkeit auf die Erde bringt. Zu Weihnachten und darüber hinaus.
 
Ihre und eure Diakonin
                                      
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3-Minuten-Kirche am 23. Dezember 2020
 
 
Die heutige 3-Minuten-Kirche wird verschoben auf morgen – Heiligabend – 24. Dezember 2020
 
Zusätzlich gibt es (heute schon) einen Vorschlag für eine Andacht an Weihnachten daheim, alleine, zu zweit, in der Familie, verbunden mit anderen über Internet oder Telefon, ...
 
HIER steht diese Liturgie zum Download bereit.
 
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3-Minuten-Kirche am 20. Dezember 2020

 

 

 

#FürchteDichNicht. So heißt eine Aktion, die unsere Landeskirche in diesem Advent gestartet hat. Dazu gibt es einen Bastelbogen für einen Engel, den man sich im Internet herunterladen kann. Nun kann der Engel ausgeschnitten und ins Fenster gehängt oder auf ein Glas geklebt und beleuchtet ins Fenster gestellt werden. Zusammen mit meiner Tochter habe ich in diesem Advent viele Engel gebastelt und dann aufgehängt oder verschenkt.

„Fürchte dich nicht!“ Das ist zunächst einmal die Botschaft des Engels Gabriel an Maria, als er ihr die Nachricht überbringt, dass sie diejenige sein soll, die den Sohn Gottes zur Welt bringen soll. Nach anfänglichen Zweifeln lässt Maria es geschehen und vertraut darauf, dass Gott bei ihr ist und alles gut werden wird, auch wenn sie nicht weiß, was da alles auf sie zukommt. Die Schwangerschaft, die beschwerliche Reise nach Bethlehem kurz vor der Geburt des Kindes und dann die verzweifelte Suche nach einer Unterkunft.

In einem Stall kommt dann Gottes Sohn zur Welt. Und auch da sind es die Engel, die da sind und die frohe Botschaft weitererzählen. Und auch da steht am Anfang das „Fürchte dich nicht!“ Die Hirten hören die Botschaft als Erste und machen sich auf die Suche nach dem neugeborenen Kind, das ihnen wieder Hoffnung geben soll und wird.

Dieses Kind gibt aber nicht nur den Hirten neue Hoffnung, sondern allen Menschen.

An diese Hoffnung soll die Aktion mit den Engeln erinnern. Denn gerade in diesem Jahr, das unser aller Leben so grundlegend auf den Kopf gestellt hat, brauchen wir die Erinnerung daran, dass es jemanden gibt, der unser Leben heil und hell macht, trotz allen Dunkelheiten, trotz Viren, Pandemien, Klimakrise, Krieg, Leid und Tod.

An seine Geburt erinnern wir uns jedes Jahr zu Weihnachten und feiern dieses große Geschenk, das Gott uns damit gemacht hat. Deshalb heißt es auch im Wochenspruch für den 4. Advent: „Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe!“ Ja, das Weihnachtsfest ist nahe. Und auch wenn es in diesem Jahr anders wird als wir es gewohnt sind: Es wird Weihnachten!

Und es bringt in diesem Jahr ganz besonders die Botschaft mit: Fürchtet Euch nicht! Gott kommt zu Euch und lässt Euch nicht allein!

 

Einen gesegneten 4. Advent wünscht Ihnen Pastorin

                                                                                          

 

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3-Minuten-Kirche am 16. Dezember 2002
 
 
Liebe Mitchristen und Mitmenschen!
Im Laufe der Jahre bin ich in viele Wohnungen und Häuser gekommen. Natürlich geht es bei diesen Besuchen immer in erster Linie um die Menschen. Aber auch deren Zuhause nimmt man dabei wahr. Es ist so verschieden, wie die Menschen es sind. Eine Art der Einrichtung und der daraus folgenden Atmosphäre ist mir dabei besonders nachgegangen.
 
Es gibt Wohnungen, die wirklich schön gestaltet sind, wo die Einrichtung sehr geschmackvoll gewählt und angeordnet ist, die aber zugleich etwas von einer Wohnhöhle haben. Alles ist sehr gefüllt, der Raum zum Bewegen ist deutlich eingeschränkt, die Gardinen sind zu oder zumindest fast. Wenig Licht erfüllt den eigentlich gemütlichen Raum. Jede Pflanze, wenn sie nicht aus Kunststoff ist, würde hier zeitnah verkümmern. Der Blick nach draußen ist verstellt. Und mir geht es so, dass mir die Luft zum Atmen fehlt. Und wenn dann noch düsterer November ist ...
 
Das fiel mir ein, als ich den Wochenspruch dieser Woche bedachte:
Bereitet dem Herrn den Weg, denn siehe der Herr kommt gewaltig. (Jes. 40)
 
Ist unser Leben und wie wir es eingerichtet haben, vielleicht auch so ein vollgestelltes Schmuckkästlein, das zugleich unsere Bewegung einschränkt, wenig Licht und Luft hereinlässt? Alles da, alles schön, aber auch sehr abgeschlossen. Und wenn es dann draußen noch dunkel ist wie jetzt, dann droht das Leben zu verkümmern.
 
Ich höre den Wochenspruch so: Macht Euer Leben auf für Gott! Schafft Platz für ihn, reißt die Gardinen, die Fenster auf, damit Licht und Sonne in Euer Leben kann.  Das verkümmerte sich wieder entfalten kann.
Licht und frische Luft verändern die Atmosphäre völlig. Gottes Licht und Kraft kommt noch viel gewaltiger, wo man ihm den Weg bereitet. Nicht nur Gardinen und Fenster kann man öffnen, damit frischer Wind und Licht einkehren, sondern auch das Leben für Gott, indem wir unser Beten, Denken, Handeln auf sein Nahekommen ausrichten und nicht länger primär auf die Pflege unserer vielleicht schmucken aber sehr abgeschlossenen Wohnung. Das wird uns gut tun, gerade in dieser Zeit.
Denn mit Jochen Klepper:
Beglänzt von seinem Lichte hält uns kein Dunkel mehr, von Gottes Angesichte kommt uns die Rettung her.
 
Dazu passt dann - ja gerade auch in der Weihnachtszeit - das Bild vom durch Gottes Kraft aufgetanen offenen Grab, das Licht im Dunkel  und völlig neues Leben durch Gottes Kraft bedeutet.
 
Eine gesegnete und behütete Advents- und Weihnachtszeit und viel Freude am „Lüften“ und seinem Ergebnis!
Ihr Pastor
                
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3-Minuten-Kirche am 13. Dezember 2020
 
 
Ist die Geschichte von Jesu Geburt im Stall nur eine Erzählung über ein Ereignis, das vor 2000 Jahren stattgefunden haben soll - oder steckt mehr dahinter?
 
Carl Gustav Jung, Psychiater und Begründer der analytischen Psychologie, deutet die Weihnachtsgeschichte so: „Der Mensch soll immer wissen, dass er der Stall ist, in dem Gott geboren wird. Die Krippe ist in mir. Der Weg zur Krippe führt durch meinen Ärger, meine Angst, meine Depression, durch das Chaos der eigenen Gefühle.“ Jung sieht im Stall mehr als nur eine Notunterkunft, in der Jesus zur Welt gekommen sein soll. Für ihn ist der Stall ein Symbol für uns Menschen. Und in diesem Stall herrscht Chaos, Ärger, Angst, Depression, sagt er.
 
In einem echten Stall sieht es ja auch zumeist wüst und dreckig aus, und da kann es schon mal riechen. Denn dort leben nun einmal Tiere. Sie stehen für das Tierische in uns Menschen; für das Wilde, die Instinkte, die Triebe, die Begierden und Abneigungen. Diese sind es ja, die unser Leben immer wieder ins Chaos stürzen weil wir sie oft nicht bändigen können.
 
Doch genau hier, in unserem Innersten gibt es mehr, so sagt die Weihnachtsgeschichte. Hier steht die Krippe, in der Gott zur Welt kommt. Dass wir Gott in uns finden können, ist für mich die bleibende Bedeutung der Weihnachtsgeschichte, die nicht bloß Erinnerung an ein vergangenes Ereignis ist. Die Erzählung über die Geburt Jesu ist wie die Schilderung seiner Auferstehung mehr als nur Erinnerung an Vergangenes.
 
Beides spricht uns auf unser Leben an.
 
Weihnachten bedeutet nicht, dass Gott nur einmalig vor 2000 Jahren in die Welt gekommen ist. Weihnachten bedeutet, dass Gott in jedem Menschen zur Welt kommen will. Insofern ist Gerhard Tersteegens Lied „Gott ist gegenwärtig“ regelrecht ein Weihnachtslied. Denn da heißt es:
 
Ich in dir, du in mir.
Lass mich ganz verschwinden,
dich nur sehn und finden.
Gott ist gegenwärtig. Lasset uns anbeten
und in Ehrfurcht vor ihn treten.
Gott ist in der Mitte.
 
Ihr/ euer Pastor
                            
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3-Minuten-Kirche am 09. Dezember 2012
 
 
Was wäre eigentlich, wenn ...
... ein Engel vor der Tür stünde und er sähe aus wie ein Paketbote?
 
Es klingelt an der Tür. Ich seufze, meine Hände stecken im Brotteig. Während ich hastig versuche, die Finger zu säubern, klingelt es erneut. Ich schnappe ein Handtuch und eile zur Tür. Noch immer Teig von den Händen wischend, öffne ich mit dem Ellbogen die Haustür. 
 
Davor steht ein junges Mädchen in der üblichen schwarz-gelben Postklamotte und lächelt mich strahlend an. Dieses herzliche Leuchten ihrer Augen lässt meine Mundwinkel unwillkürlich nach oben zucken. Schweigend und lächelnd stehen wir uns gegenüber.
 
Bis ich stutze. „Ja, bitte?" Ich schaue mich um. „Haben Sie ein Paket für mich?" Ich sehe keins, weder in ihren Händen noch zu ihren Füßen oder auf der Bank neben der Tür. Ich runzele die Stirn, mein Lächeln schrumpft etwas. 
„Nein", sagt sie und strahlt weiter. Ich reibe meine Hände nervös am Handtuch. „Was wollen Sie dann?" Misstrauen schwingt in meiner Stimme. Ihr Lächeln weicht keinen Millimeter.
„Ich habe eine Nachricht für Sie", sagt sie und hält mir ihre Hände entgegen. Spontan strecken sich meine Hände ihr zu. Gerade rechtzeitig bemerke ich, dass ihre Hände leer sind. Ich trete einen Schritt zurück, wickele das Handtuch um die Finger.
„Eine Nachricht?" Langsam werde ich ungeduldig. Was soll das alles? Will die mich auf den Arm nehmen? Der Brotteig fällt mir ein. „Entschuldigung, ich habe keine Zeit!", sage ich schnippisch.
Sie strahlt unvermindert weiter, tritt zu mir und ergreift meine Hände.
 
Erstarrt stehe ich da. Ich spüre ihre Wärme durch das Handtuch. Ihr Blick hält meinen gefangen. Mein Kopf ist leergefegt, ich sehe nur ihr Strahlen.
„Mach dich bereit", sagt sie sanft und drückt meine Hände. „Dein König kommt."
 
Sie lächelt mich noch einen Moment an, dreht sich um und geht. Ratlos bleibe ich in der offenen Tür stehen. Erst als ich im Augenwinkel eine Bewegung wahrnehme, erwache ich aus meiner Starre. Eine Feder segelt neben mir zu Boden. Ich hebe sie auf und sehe der Botin nach, die mir - immer noch strahlend - zuwinkt, ehe sie um die Ecke verschwindet.
 
Eine gesegnete Adventszeit voller wohltuender Boten und Botschaften
wünscht Ihnen und euch Diakonin
                                                   
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3-Minuten-Kirche am 06. Dezember 2020
 
 
Ja, die Lage ist ernst! Und die Lage bleibt wohl bis auf weiteres auch so, sagen die Experten. Auch wenn die Impfungen nach und nach voraussichtlich Besserung bringen werden.
Aber irgendwann hält man das nicht mehr aus, dieses: Die Lage ist ernst. Das tut der Seele nicht gut, immer nur ins Dunkle oder nach unten zu blicken, wenig Hoffnung auf Licht, auf Besserung zu haben.
Oh man! Gibt es denn nichts anderes als Corona und die unsichtbare Gefahr?
 
Natürlich gibt es anderes! Es gibt die aufgehende Sonne – wenn im November auch oft hinter Wolken und Nebel versteckt. Es gibt die nahen Menschen, denen wir verbunden sind und die für uns jetzt oft noch wichtiger geworden sind. Es gibt die Umarmung des Partners, das Umhertollen der Kinder, das verbindende Telefonat mit Freunden. Es gibt den treuen Familienhund, der uns schwanzwedelnd und freudig begrüßt. Es gibt - wenn für manche auch eine relative – wirtschaftliche Sicherheit. Wir haben ein Dach über dem Kopf und genug zu Essen. Nein, es gibt nicht nur Corona, auch wenn sich in diesen Tagen so viel darum dreht. Es gibt so vieles andere. Es gibt so viel Schönes auch jetzt.
 
Aber so insgesamt? Ist das Vorzeichen allen Lebens im Moment nicht doch ein Minus. Und steht damit nicht alles unter diesem Vorzeichen?
 
Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich Eure Erlösung naht!
 
Dieses Wort aus dem Lukasevangelium steht über dem 2. Advent und der folgenden Woche. Es steht am Ende einer Rede von Jesus, in der er kommende Dunkelheiten und Bedrohungen des Lebens, dieser Welt beschreibt, um seine Jünger darauf vorzubereiten. Wenn das alles geschieht, blickt nicht gebannt auf die Bedrohung, das Dunkel, sondern darauf, dass Gott in seiner Liebe in Ewigkeit Erlösung, Befreiung, Leben schenkt; darauf, dass er Euch nicht allein lässt. Dieser Blickwechsel lässt das Bedrohliche nicht einfach verschwinden, aber er verändert das Vorzeichen. Über allem steht nun statt des Minuszeichens das große Plus der Liebe Gottes, die unüberwindlich ist, von der uns nichts im Himmel und auf Erden trennen kann – so Paulus.
 
Das gibt den Dingen ein anderes Gesicht. Das Dunkel kann den Sieg nicht behalten, das Bedrohliche nicht im Letzten vernichten. Seine Macht ist – Gott sei Dank - beschränkt. Das Gute kann wieder in die Mitte rücken, dankbar und intensiv gelebt und erlebt werden, ohne dabei die Vorsicht gegenüber dem Bedrohlichen zu vergessen. Aber es kann die Seele nicht mehr verdunkeln, denn es muss, es wird gut werden, weil Gottes Liebe das Leben liebt und sucht.
Deshalb wird er doch Weihnachten auch Mensch!
 
Ich wünsche Ihnen eine gesegnete, getroste und auch frohe Adventszeit
Ihr Pastor
                               
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3-Minuten-Kirche am 02. Dezember 2020
 
 
Seit dem 1. Advent hängt wieder der Stern in unserem Wohnzimmer. In vielen Fenstern sieht man jetzt Sterne leuchten, auch die Straßen sind oft mit leuchtenden Sternen dekoriert. Der Stern hat in der Advents- und Weihnachtszeit eine besondere Bedeutung.
 
In den Geschichten, die uns von Jesu Geburt erzählen, wird von einem besonderen Stern berichtet: Es gab ihn vorher nicht und er leuchtete genau dort, wo Jesus zur Welt gekommen ist. Er zeigte an, dass etwas Besonderes passiert ist und hat Menschen den Weg dorthin gezeigt. Die Drei Weisen aus dem Morgenland haben sich auf den Weg gemacht, weil sie ihn gesehen haben. Einen langen, beschwerlichen Weg haben sie in Kauf genommen, weil sie diesem Stern vertrauten, der ihnen von einem neu geborenen König erzählte. Und sie haben ihn auch gefunden, den neu geborenen König: in einem Stall in Bethlehem.
 
Das Licht des Weihnachtssternes erinnert uns an das Licht, das in die Welt gekommen ist, damit es nie wieder ganz dunkel wird. Das Licht des Weihnachtssternes steht für jene Kraft, mit der Gott jeden und jede von uns erreichen und heilen will, egal wie weit unser Weg zu ihm ist.
 
Gerade in diesem Jahr ist der Stern wichtig, um uns daran zu erinnern, was damals in Bethlehem für uns und diese Welt geschehen ist. Gottes Licht leuchtet für uns, trotz allem, darauf können wir vertrauen.
Der Weg zu ihm beginnt im Advent, wir müssen uns nur auf den Weg machen.
 
Es grüßt Sie herzlich Ihre Pastorin 
                                                        
 
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Monatsspruch April 2021

Christus ist Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung.
(Kolosser 1, 15)
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