3-Minuten-Kirche am 03. Februar 2021
 
 
Morgens schalte ich das Radio ein und höre als Erstes die aktuellen Corona-Nachrichten: die Zahl der Neuinfizierten, Informationen zum Impfdurcheinander, neue Überlegungen, der Pandemie beizukommen, ... Ich gestehe, oft lausche ich nur noch mit halbem Ohr. Ich mag es nicht mehr hören.
 
Abends im Fernsehen begegnen mir dann doch wieder Corona-Meldungen. In bunten Schaubildern werden die Zahlen des Tages dargestellt: Neuinfizierte, Menschen mit Covid-19 auf Intensivstationen, Verstorbene. Ich seufze und nehme die Zahlen wahr. Sie gehören mittlerweile zum Alltag. Würde ich zehn Minuten später danach gefragt – ich könnte sie nicht wiedergeben. Ich habe den Bezug zu den Zahlen verloren. 
 
Diese Erkenntnis hat mich erschreckt! Jeden Tag begegnen uns die neuesten Todeszahlen durch Covid-19. Sie sind so alltäglich geworden, dass wir sie zur Kenntnis nehmen, ohne von ihnen berührt zu werden. Aber hinter jeder dieser Zahlen stehen Menschen und ihre Angehörigen. Jede dieser Zahlen erzählt von einem Leben, einem Schicksal, einem furchtbaren Tod.
 
Von den Menschen hinter dieser Zahl erzählt seit Dezember vergangenen Jahres der Instagramaccount @mehr_als_nur_eine_zahl. Ein junger Vikar aus Hamburg gestaltet mit den Informationen, die er von Angehörigen bekommt, ein Gedenk-Blatt. Auf grauem Grund ist mit weißer Farbe ein Name geschrieben, eine Eigenschaft, eine besondere Erinnerung. Dazu zwei Polaroids, die nicht die Verstorbenen zeigen, aber zu ihrem Leben passen.
 
Ich war sehr berührt, als ich zufällig über diesen Account gestolpert bin. Hier wird auf liebevolle und wertschätzende Weise der Menschen gedacht, die hinter diesen Zahlen stehen, die für uns, die wir nicht persönlich betroffen sind, zum Hintergrundrauschen geworden sind. 
 
Ich möchte mich erinnern lassen, möchte die hohen Zahlen der Covid-19-Toten nicht klaglos hinnehmen und möchte vor allem die Trauernden nicht vergessen.
Mich tröstet, zu wissen, dass Gott um all diese Schicksale weiß. Bei ihm ist niemand vergessen. „Freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind!“ So steht es im Lukasevangelium. Darauf vertraue ich.
 
Gott befohlen! Ihre und eure Diakonin 
                                                              
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3-Minuten-Kirche am 31. Januar 2021
 
 
Natürlich können wir uns beklagen, dass das mit den Impfungen nicht schneller, besser geht, aber was ...
Natürlich können wir jetzt Schuldige suchen und diskutieren, was man alles hätte besser machen können (am besten geht das, wenn man die Fakten selber nicht so genau kennt) aber was ...
Natürlich sind die Einschränkungen unangenehm, für viele sogar beschwerlich für manche bedrohlich. Und wir können alle Miteinander jeder aus seiner persönlichen Sicht darüber klagen, aber was …
Natürlich können wir unsere Unzufriedenheit mit der Gesamtsituation in Zwiegesprächen, auf Demos oder in shitstürmen im Netz zum Ausdruck bringen und auch die da oben oder wen auch immer schimpfen, aber was ...
 
Da fällt mir ein, dass auch das Volk Israel in seiner Geschichte öfter mal verständlicher Weise mit der Gesamtsituation unzufrieden war. Und wie dann z.B. der Prophet Jesaja, als sie besiegt und verschleppt nach Babylonien, verständlicherweise muckten und murrten, sie alle zusammen dann im Auftrag Gottes ermahnte: Suchet der Stadt Bestes! Sprich; Nehmt an, was jetzt ist, auch, wenn es euch überhaupt nicht behagt, auch wenn Ihr lieber was ganz anderes möchtet. Und sucht mitten in dieser unschönen, fremden, beschwerlichen, ja bedrohlichen Situation, die euch vieles auferlegt, das bestmögliche für alle.
 
 
Das hilft! Wenn jeder und jede an seinem Platz das Beste für den Nächsten, für das Ganze und damit dann zwar nicht „erstlich“ aber letztlich für sich selbst sucht, das würde uns gemeinsam voranbringen. Nöte und Probleme selber lindern, da, wo wir das können. Es mittragen und unterstützen, wenn andere das versuchen. Nicht zu den Schwierigkeiten noch negative Stimmung verbreiten, sondern die nach Kräften unterstützen und für sie beten – allemal besser, als über sie zu meckern – die sich um hilfreiche Lösungen  bemühen, egal ob aus persönlicher Überzeugung oder weil es ihre Aufgabe von „Amts“ wegen ist. Sprich zum Guten Reden und Wirken, der Stadt bestes suchen.  
 
Krisen können eine Gesellschaft zerreißen oder gemeinsam angepackt und bewältigt, ganz neu zusammenführen. Die Entscheidung darüber liegt bei uns allen.
Jesajas Rat im Auftrag Gottes ist klar: Sucht gemeinsam der Stadt Bestes!   
                  
Herzlich grüßt Ihr Pastor
                                           
 
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3-Minuten-Kirche am 27. Januar 2021

 

 

 

Der 27. Januar ist in Deutschland seit 1996 ein bundesweiter, gesetzlich verankerter Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus. Dieser Gedenktag bezieht sich auf die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau und die beiden anderen Konzentrationslager Auschwitz durch die Rote Armee am 27. Januar 1945, also heute vor 76 Jahren. Der damalige Bundespräsident Roman Herzog sagte bei der Proklamation des Gedenktages: Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Es ist deshalb wichtig, nun eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt. Sie soll Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken.“

„Die Erinnerung darf nicht enden…“ Diese Worte möchte ich unterstreichen. Noch immer gibt es Überlebende, die ihre Geschichte erzählen, damit sich diese Geschichte nicht wiederholt. Sie werden von Jahr zu Jahr weniger. Und der Antisemitismus in Deutschland nimmt wieder zu. Das zeigt nicht nur der Anschlag auf die Synagoge in Halle im Herbst 2019. Umso wichtiger ist, dass die Geschichten der Opfer des Nationalsozialismus weiterhin erzählt werden, dass man sich weiter an sie erinnert. Eine Geschichte, die wir im Gemeindeverband in der Arbeit mit den Konfirmandinnen und Konfirmanden immer wieder erzählen, ist die Geschichte von Anne Frank. Ihre Familie ist zuerst aus Deutschland in die Niederlande geflüchtet und hat sich dann im Hinterhaus der Firma versteckt, die Annes Vater gehörte. Ihr Versteck wurde verraten. Auch die Familie Frank wurde nach Auschwitz deportiert. Anne und ihre Schwester Margot kamen später nach Bergen-Belsen, wo sie kurz vor Kriegsende an Typhus gestorben sind. Ihre Mutter ist in Auschwitz gestorben, einzig Annes Vater hat überlebt und später Annes Tagebuch veröffentlicht. In der Gedenkstätte in Bergen-Belsen erinnert ein Grabstein an Anne und ihre Schwester Margot, auch wenn man nicht weiß in welchem der Massengräber sie begraben sind. Der Besuch der Gedenkstätte und des Grabsteins ist Teil des Konfirmand*innen-Projektes. So wie Anne ist es Millionen anderer Menschen gegangen, weil sie jüdischen Glaubens waren, politische Gegner oder homosexuell. „Eine Leuchte des HERRN ist des Menschen Geist“ (Sprüche 20, 27) steht auf Annes Grabstein. Lassen wir uns gerade heute daran erinnern, dass alle Menschen gleich wertvoll sind, egal, wo sie herkommen, welche Meinung sie vertreten oder welcher Religion sie angehören.

Ihre Pastorin 

                        

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3-Minuten-Kirche am 24. Januar 2021
 
 
Um Weihnachten ging im Internet ein Video rum, in dem die Queen auf das vergangene Jahr zurückblickt. Am Ende des Videos führt sie einen Tanz auf, den sie extra für ihren Internetauftritt bei Tiktok einstudiert hat. Dazu tanzt sie schließlich sogar auf dem Tisch herum.
 
Das Video ist natürlich nicht echt - sieht aber täuschend echt aus. Computer machen es mittlerweile extrem leicht, solche gefälschten Videos herzustellen. Bereits in wenigen Jahren werden diese sogenannten Deepfakes für einen Menschen nicht mehr als „fake“ zu erkennen sein.
 
Dass nicht jedes Foto die Realität abbildet sondern überarbeitet und verfälscht worden sein kann, daran haben wir uns bereits gewöhnt. Der nächste logische Schritt sind Videos samt Ton. Wir gehen auf ein Zeitalter zu, in dem wir unseren Augen nicht mehr trauen können. Diese technische Entwicklung wird unsere Gesellschaft in eine neue, schwierige Situation bringen. Denn zukünftig wird die Frage, wem bzw. was man überhaupt noch glauben kann, nicht mehr mit dem Verweis auf Fakten, Beweise oder Dokumente zu begründen sein. Wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass in Zukunft alles eine perfekt Fälschung sein kann und wir insofern unser Urteil schlicht nicht mehr auf dem gründen können, was wir sehen und hören.
 
So problematisch diese Entwicklung sein kann, so sehr rückt sie zugleich auch den Glauben in ein neues Licht. Denn Glaube hatte immer damit zu kämpfen, dass er sich nicht beweisen ließ. So galt und gilt der religiöse Glaube vielen Menschen als albern oder abwegig, weil es keine Beweise für Gott gibt. Doch nun dreht sich der Spieß in gewisser Hinsicht um. Denn es wird sich die Einsicht durchsetzen, dass etwas Sicht- bzw. Hörbares durchaus kein Beweis dafür sein muss, dass etwas wahr ist.
 
Glaube hat sich nie auf Fakten gegründet - Glaube hat immer mit einer inneren Überzeugung ohne Beweise und einer persönlichen Erfahrung mit Gott zu tun. Insofern trifft Jesus den Kern des Glaubens wenn er zum ungläubigen Thomas sagt: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ Selig ist, wer in dieser Welt und den Menschen mehr sieht als dem äußeren Anschein nach zu sehen und zu erwarten ist.
 
Ihr/ euer Pastor 
                         
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3-Minuten-Kirche am 20. Januar 2021
 
 
„Zu sagen ‚Hier herrscht Freiheit‘ ist immer Irrtum oder Lüge. Freiheit herrscht nicht.“
Dieses Zitat von Erich Fried steht auf einer Wand in meinem Büro. Freiheit ist mir mein ganzes Leben lang geschenkt. Ich kenne keine Unfreiheit. Dennoch nehme ich sie nicht als selbstverständlich hin. Sie ist ein kostbares Gut, das es zu bewahren gilt.
 
Viele schlaue Köpfe haben sich an Definitionen von Freiheit versucht (Unabhängigkeit, Autonomie, ...). Alle greifen mir zu kurz. Dem Satz von Erich Fried aber stimme ich uneingeschränkt zu. Meine Freiheit kann niemals auf Kosten anderer sein! Sie bedarf immer auch der Freiheit des Anderen!
 
Gleiches gilt für die Redefreiheit, die heute oft und vehement in Anspruch genommen wird. „Redefreiheit bedeutet, sagen zu können, was man will. Was man dabei nicht darf, ist lügen. Und erwarten, nicht dafür zur Verantwortung gezogen zu werden. Die Ansichten über etwas sind nicht immer gleich. Aber über das Meiste lässt sich nicht streiten. Die Sklaverei hat es gegeben. Die Erde ist rund. Die Polkappen schmelzen. Und Elvis ist tot.“ Dieses Zitat stammt aus dem Film „Verleugnung“. Eine Professorin der Holocaust-Forschung bezichtigt einen Holocaust-Leugner der Lüge, woraufhin der sie wegen Verleumdung verklagt. Vier Jahre lang – von 1996 bis 2000 – dauerte der tatsächliche Prozess, bei dem die Angeklagte nach britischem Strafrecht verpflichtet war, ihre Sicht der Dinge unter Beweis zu stellen.
 
Die Redefreiheit ist ein teures Gut. Aber auch sie ist nicht mit Herrschaft vereinbar. Verschiedene Meinungen müssen nebeneinander bestehen dürfen. Dennoch sie sind keine Fakten. Unwahrheiten zu verbreiten oder Tatsachen zu leugnen beeinträchtigt die Freiheit des Anderen.
 
In der Bibel wird viel von Freiheit geredet. Das Volk Israel wird von Gott aus der Sklaverei befreit. Das ist die Grundlage unserer 10 Gebote, die uns zu einem freien Leben verhelfen wollen. Freiheit lebt stets in der Beziehung von und zu etwas, in der Bibel zu Gott.
„Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.“ (2. Kor. 3, 17)
 
Lassen wir uns von Gottes Geist lenken und die eigene und die Freiheit des anderen bewahren.
Ihre und eure Diakonin
                                       
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3-Minuten-Kirche am 17. Januar 2021
 
 
Wenn alles gut ist, ist alles normal. Also: normal ist, wenn alles gut ist? Das ist eine häufige Lebenseinstellung.
Das Gute, das zu unserem Leben gehört, ist dann vermeintlich allzu normal und damit auch kein Anlass und Grund für besondere Gedanken, Wertschätzung, für Freude und Dankbarkeit. Steht uns das Gute nicht eigentlich sogar zu? Grund für Gefühlswallungen (nur keine positiven) sind dann allein noch die Dinge, die nicht optimal sind. Weniger als gut geht gar nicht, gut ist normal, anzustreben ist optimal.
Ein Beispiel? Der gar nicht so seltene Versuch, von vorne bis hinten durchgeplante „Traumhochzeiten“ zu veranstalten, ist ein beredtes Zeugnis für diese weit verbreitete Lebenshaltung. Aber selbst, wenn eine solche „Traumhochzeit“ unter viel Mühen gelingen würde, ob das gemeinsam Leben hinterher dann deshalb auch immer optimal, sprich traumhaft verläuft?
 
Eigentlich toll, wenn es uns in der Regel so gut geht, dass gut der Normalzustand ist. Für viele Menschen in der weiten Welt, für etliche in Deutschland, gilt das so nicht. Umso mehr: Schade eigentlich, dass wir uns da, wo es uns gut geht, nicht von Herzen dran erfreuen können, weil es eben nur selbstverständlich erscheint. Uns aber eher bereitwillig aufreiben an dem, was noch nicht so ist, wie wir es uns wünschen.
 
„Das Leben ist kein Ponyhof“, sagt ein mir bekannter Kollege regelmäßig, wenn Wunsch und Wirklichkeit mal wieder nicht zusammengehen. Und er sagt damit auch, das: „kein Ponyhof“, das ist eigentlich das Normale. Umso mehr wäre es Grund zur Freude, wenn es gerade richtig gut ist. Grund und Anlass, das Gute immer wieder zwischen alle dem anderen bewusst zu suchen,  zu entdecken und sich daran zu freuen.
 
Das ist die Geschichte mit dem Halbvollen und dem Halbleerem Glas. Die Frage ist, worauf man blickt. Natürlich kann man daran leiden und meckern, was noch fehlt zum vermeintlichen Glück/ Optimum. Oder aber, man freut sich an dem, was einem gegeben ist. Wann es einem wohl besser geht?
 
Oder gibt es das doch, das volle Glas? Der Beter des 23. Psalms sagt: „Du, Gott, salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein“. Das heißt: Du schenkst mir Würde wie einem König (Salbung) und alles, was ich im Letzten zum Leben brauche, bekomme ich in Fülle von Dir (der volle Becher). Und er sagt das, nachdem er über Angst, Dunkel, Bedrohung in seinem Leben gesprochen hat. Denn selbst die waren, da wo er Gott vertraute, für ihn immer um-fangen von  der Erfahrung des Geleits und  Gegenwart Gottes. Deshalb kann  er mitten in allen Widrigkeiten – auch sein Leben ist kein Ponyhof-, am Anfang seines Gebets trotz alles Beschwerlichen nur bekennen: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln, was ich zum Leben im Letzten brauche. Und am Ende seine Zuversicht bekennen: Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar!
 
Solche Freude und Dankbarkeit über das Gute in Ihrem Leben, solche Erfahrung des Getragen-seins in dunklen Tagen und solche Zuversicht im Blick auf das Ganze, wie auf das Ende in der Barmherzigkeit Gottes. wünsche ich uns allen. 
Herzlich grüßt Ihr Pastor 
                                             
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3-Minuten-Kirche am 13. Januar 2021

 

Foto: F. Siegemund/privat

 

In der Kathedrale Saint-Lazare in der Stadt Autun in Frankreich finden sich an den Pilastern im Kirchenschiff Darstellungen unterschiedlicher biblischer Geschichten. Eins dieser Kapitelle, das mich immer wieder begleitet, ist die Darstellung oben auf dem Foto. Es sind die drei Weisen, die Sterndeuter, die nach Bethlehem gekommen sind, um den neugeborenen König, Jesus, anzubeten. Auf ihrer Suche nach dem neugeborenen Kind kommen sie zuerst nach Jerusalem, zum König Herodes, der über die Nachricht eines neugeborenen Königs gar nicht erfreut ist. Er schickt die Sterndeuter quasi als Kundschafter voraus, damit sie ihm genau Bericht erstatten, wenn sie denn das Kind gefunden haben. So befindet sich Jesus nicht lange nach seiner Geburt schon in großer Gefahr, denn Herodes duldet neben sich keinen anderen König. Das wissen die Sterndeuter aber nicht, die sich so über die Geburt des neuen Königs freuen. Es ist ein Engel, der ihnen im Traum erscheint und ihnen sagt, dass sie nicht zu Herodes zurückgehen sollen. Hier auf dem Relief ist es eine zarte Berührung des Engels. Mit dem Zeigefinger der rechten Hand berührt er sanft die Hand des einen Weisen, der die Augen offen hat. Hat ihn die Berührung geweckt? Oder lag er schon wach, weil er nach den aufregenden Erlebnissen nicht schlafen konnte? Mit der anderen Hand zeigt der Engel auf den Stern: Geht nicht zurück zu Herodes, nehmt einen anderen Weg, lasst Euch auch hier wieder vom Stern Gottes leiten.

Die drei haben einen langen, beschwerlichen Weg auf sich genommen, weil sie den Stern gesehen und eine große Hoffnung mit ihm verbunden haben. Diese Hoffnung hat sich für sie erfüllt. Das Licht dieses Sterns gibt uns bis heute Hoffnung in dunklen Zeiten. Er leuchtet auch jetzt noch. Von diesem Licht der Hoffnung fühle ich mich oft getragen, gerade in dieser Zeit. Und manchmal berührt mich auch sanft ein Engel, in einem Gespräch, einer Mail oder einem Brief und macht mir Mut für den Weg, der vor mir liegt. Auch wenn ich nicht weiß wohin mich dieser Weg führt, vertraue ich darauf, dass ich begleitet bin und geleitet werde, durch alle Dunkelheiten hindurch.

Solch ein Hoffnungslicht und eine Berührung des Engels in dunklen Zeiten wünscht Ihnen Pastorin

                                                                                                                                                                 

 

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3-Minuten-Kirche am 10. Januar 2021
 

In den letzten Tagen hat es immer mal ein wenig geschneit. Jetzt gerade ist aber alles schon wieder weggeschmolzen.
 
Ich finde Schnee interessant. Denn Schnee ist Wasser zum Anfassen. Und dann gibt es da ja auch noch Wasser in Gasform, nämlich als Dampf. Je nach Temperatur ist das Wassermolekül fest, flüssig oder geradezu unsichtbar.
 
Man kann im Wasser geradezu ein Symbol für die Trinität sehen: Gott ist wie das Wasser-Molekül und je nachdem, welchen Aspekt man an seinem Wesen betonen will, redet man vom Vater, Sohn oder Geist. Aber gemeint ist immer das Selbe: Gott - so wie ja auch immer das selbe Molekül das Wasser, den Schnee bzw. Dampf bildet.
 
Dass die Natur in vielerlei Hinsicht ein Sinnbild für Gott sein kann, haben Menschen schon immer empfunden. So finden sich auch in der Bibel Bilder und Begriffe für Gott, die aus der Natur stammen. So wird Gott beispielsweise als Sonne, Fels oder Quelle bezeichnet. Dass die Welt in mancherlei Hinsicht als Sinnbild für Gott begriffen werden kann, liegt für mich darin begründet, dass die Schöpfung ein Ausdruck der Liebe Gottes ist. Daher gibt es in meinen Augen auch keine Trennung zwischen Gott und seiner Schöpfung sondern Gott ist andauernd in allem gegenwärtig.
 
„Die Welt ist Gottes so voll. Aus allen Poren quillt er uns gleichsam entgegen" Diese Worte stammen vom Jesuiten-Pater Alfred Delp - starke Worte. Sie sind Ausdruck einer tief empfundenen Gottverbundenheit. Dabei befindet sich Delp in Gefangenschaft, als er sie aufschreibt. Er wurde ähnlich wie Dietrich Bonhoeffer vom Naziregime wegen Hoch- und Landesverrat angeklagt. Dennoch fühlt er sich auch noch in seiner Gefängniszelle mit Gott untrennbar verbunden. Der Glaube hat Alfred Delp mehr sehen lassen, als die Augen zu erkennen vermögen: Dass Gott ausnahmslos immer und überall gegenwärtig ist.
Oder um es mit den Worten des Lukas zu sagen: „In ihm (d.h. Gott) leben wir, bewegen wir uns und sind wir.“ (Apg. 17,28)
 
Ihr/ euer Pastor 
                          
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3-Minuten-Kirche am 06. Januar 2021
 
 
 
Schön wär´s, wenn alles wieder so schnell wie möglich normal würde und deshalb jetzt schon genug Impfstoff für alle, die bereit sind, vorhanden wäre.
 
Schön wär´s, wenn man nach den Wochen der Einschränkung rausfahren könnte und allein, als Paar, mit Familie wenigstens die Natur, Skifahren, Snowboard, Rodeln oder auch nur den Spaziergang im Schnee genießen könnte.
 
Schön wär´s, wenn die große Hoffnung der Aufklärung und Revolution sich erfüllen würde, und der Mensch befreit von allen Obrigkeiten und Bevormundungen, allein seiner Vernunft folgend, das Richtige und Hilfreiche tun würde.
 
Schön wär´s, aber so ist es leider nicht.
 
Es dauert bis genügend Impfstoff – nachdem seine Wirksamkeit und Unbedenklichkeit untersucht und festgestellt wurde - produziert und verimpft werden kann.
Viele, die nicht in der Verantwortung stehen, wissen jetzt ganz genau, was man alles hätte besser machen können. Manches davon stimmt aus jetziger Sicht sicher. Aber als die Entscheidungen fielen, hatte man die jetzige Sicht noch nicht. Und ich hätte das Geschrei hören mögen, wenn man gänzlich auf den erstverfügbaren Impfstoff gesetzt hätte und dieser sich dann als unwirksam oder problematisch erwiesen hätte.
 
Schön wär´s auch, wenn das mit der menschlichen Vernunft so funktionieren würde. Ein Blick in die Wintersportgebiete dieser Tage zeigt, wie weit die reicht. Ich verstehe gut, wenn Familien mit Kindern aus einer Mietwohnung in der Stadt endlich mal raus wollen und müssen. Deshalb hieße Vernunft jetzt Selbstbeschränkung. Hieße, denen den Vorrang lassen, die es am nötigsten brauchen. Skizirkus ist in diesem Jahr vernünftig nicht angesagt. Aber so wie es läuft, müsste man Bezugsscheine für die Nutzung der Wintersportgebiete ausgeben, weil die Vernunft vieler so versagt.
 
Offensichtlich reicht der gesunde Menschenverstand – wenn es den denn flächendeckend gibt – nicht aus. Es braucht leider mal wieder Bevormundung und Obrigkeit, die dann hoffentlich nach bestem Wissen und Gewissen agiert, um Schlimmeres zu verhüten.
 
Einer wusste das schon immer von seinen Menschen, nämlich, der, der sie bewusst frei erschaffen hat aber auch um ihre Versuchbarkeit und Fehlbarkeit weiß.
Im 5. Buch Mose Kap. 5 Vers 29 steht der fromme – weil gut gemeinte - Wunsch Gottes: Möge doch ihr Herz so bleiben, dass sie allezeit Ehrfurcht vor mir haben und meine Gebote halten, damit es ihnen und ihren Kindern gut geht für immer!
 
Auch die „Bevormundung“ durch Gottes Gebot meinte der Mensch mit dem Setzen auf seine Vernunft abschütteln zu können. Das Ergebnis ist vor Augen beim Blick in die Welt. Das Gebot Gottes zielt auf Selbstbeschränkung, die dem Leben aller Mitgeschöpfe dient. Es täte uns gut – nicht zuletzt im Blick auf die Klimaveränderung -, das neu zu entdecken und zu leben zum Wohle aller und damit auch unserem. Nun sind die Coronaregelungen und dringenden Bitten nicht in die Wintersportgebiete zu fahren, nicht Gottes Gebot.
Aber Selbstbeschränkung um der Nächstenliebe willen, das wäre auch hier zum Wohle aller.
 
Herzlich grüßt Ihr Pastor 
                                                                                    
 
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3-Minuten-Kirche am 03. Januar 2021
 
 
Da ist es nun – das neue Jahr 2021. Haben Sie sich etwas vorgenommen? Gute Vorsätze beschlossen? Mit dem Rauchen aufzuhören, mehr Sport zu treiben, weniger Alkohol oder Süßes zu konsumieren, ...? Oder wünschen Sie sich einfach nur, dass 2021 eben besser werden soll?! Und was helfen da schon meine guten Vorsätze?
 
Ich habe mir etwas vorgenommen! Ich möchte geduldiger sein. Mit mir, aber auch mit anderen. Und ich möchte milder sein, in meinem Urteil, damit ich gerecht bleibe. Ich möchte mich nicht von Angst leiten lassen, die mich in mein Schneckenhaus treibt, sondern mit offenen Augen und weitem Herz auf andere schauen und in Gemeinschaft leben. Klingt ganz einfach, oder?
 
Wenn wir aber auf das vergangene Jahr schauen, scheinen diese Vorhaben doch sehr schwer umzusetzen zu sein. „Wir werden einander viel zu vergeben haben“, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn schon ziemlich zu Beginn der Corona-Pandemie. Recht hat er. Oder haben Sie sich noch nicht dabei erwischt, wie sie schimpfend über „den da“ gezetert haben, weil er in ihren Augen unverantwortlich handelt? Oder wie Sie über „die da“ den Kopf geschüttelt haben, weil sie Argumente nennt, die in Ihren Augen keine sind? Oder wie Sie „die Politiker“ verurteilt haben, weil die nichts richtig hinbekommen?
 
„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“ (Lk 6, 36) So lautet die Jahreslosung für 2021. Wie wollen wir leben? – das könnte die Überschrift der Predigt Jesu sein, aus der sie stammt. „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird auch euch vergeben. Gebt, so wird euch gegeben.“
 
Jesu Worte sind die Gegenrede zu Egoismus und Vorverurteilungen. Gleichzeitig erinnert er uns daran, dass wir alle immer wieder Barmherzigkeit und Gnade erfahren haben. Durch Gottes Liebe.
Wenn die Welt sich diese Worte zu Herzen nähme und sie nachahmen würde ...
 
Ein gesegnetes Jahr 2021 wünscht Ihnen und euch
Diakonin
                 
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Monatsspruch April 2021

Christus ist Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung.
(Kolosser 1, 15)
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