3-Minuten-Kirche am 09. Mai 2021
 
 
 
Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten. (Psalm 43,3)
Wahrheit ist immer schon und besonders in diesen Zeiten ein sehr umstrittener Begriff und Inhalt. Der Chef der römischen Besatzungsmacht, Pilatus, fragt Jesus im Prozess, in dem er ihn, den Unschuldigen, zum Tod verurteilen wird, was ist Wahrheit. Ist das die ernst gemeinte Frage eines Suchenden: „Was ist denn wirklich wahr?“ Oder doch nur die zynische Bemerkung eines Mächtigen. „Was ist schon Wahrheit, was ist schon wahr.“ Ich mach mir sowieso meine eigenen Wahrheiten, wie sie mir passen! 
 
Herrschende, Mächtige haben das immer wieder getan für ihre Zwecke. So wie der letzte amerikanische Präsident, der ganz offen von seinen alternativen Wahrheiten sprach. Aber auch „normale“ Menschen sind davon genau so wenig frei. Ist in sich schon ein Unding, „alternative Wahrheiten“. Denn wahr, wirklich wahr, der Wirklichkeit entsprechend, kann immer nur eins sein. Das ist doch der Anspruch von Wahrheit. Auch, wenn es immer die unterschiedlichen Schattierungen der Wirklichkeit und damit nebeneinanderstehende Wahrheiten zu differenzieren gilt. Es gibt oft nicht nur die eine Wahrheit.
 
So sind in der Pandemie gleichzeitig Gesundheit, wirtschaftliche Existenzen, soziales Miteinander bedroht. Das ist wahr! Alle daraus folgenden Erfordernisse gilt es immer wieder neu zu betrachten und abzuwägen. Deshalb habe ich auch kein Problem damit, wenn die Coronaregeln laufend diskutiert werden und sich regelmäßig verändern, ja, sogar regional verschieden sind. Denn alles das muss, mit sich verändernden Situationen, jeweils neu verantwortlich eingeschätzt und abgewogen werden. Die eine dauerhaft richtige Wahrheit, den einen richtigen Weg, den viele sich wünschen, gibt es nicht. Da machen es sich Coronaleugner und die Erzähler von Verschwörungstheorien unverantwortlich einfach. Auch sie schaffen sich „Alternative Wahrheiten“ wie ein Trump, lassen oft dazu gar nicht mehr über die Wirklichkeit mit sich reden. Und gefährden durch ihr Tun sich und andere.
 
Das ist nun nicht nur ein Problem in Pandemiezeiten, sondern im Leben überhaupt. Die Wirklichkeit erkennen und angemessen damit umgehen und darauf reagieren, das Gute für mich selbst, den Nächsten, das Leben, die Gemeinschaft daraus machen. Das geht nur, wenn wir die Wahrheit erkennen. Sonst tappen wir blind durch die Gegend. Deshalb ist die Bitte an Gott um seine Wahrheit, zugleich die Bitte um gelingendes, erfülltes und segens-reiches Leben. Zur Erkenntnis der Wahrheit über mich und die Welt, über das Leben, gehört für Christen auch die Erkenntnis der Wirklichkeit Gottes als des liebenden Vaters. Und auch, dass er uns in Jesus Christus in dieser Liebe nahe ist und bleibt im Leben und im Tod. Das verändert das Leben. In dem Maße, wie uns dieses Vertrauen auf Gott bestimmt, werden wir nicht länger von Ängsten, Sorgen und Begehrlichkeiten Umhergetriebene sein müssen. Vielmehr werden wir in der Beziehung zu Gott ruhend, vernünftige, abwägende Menschen sein können, die die Wahrheit und das dem Leben dienende suchen.
 
Und wenn dann unser Leben auch noch vom Licht der Gegenwart Gottes, vom Licht des Lebens durchleuchtet und durchstrahlt wird, vor dem alles Dunkel weichen muss: gesegnet der Mensch und ein Segen für seine Mitmenschen.
 
In diesem Sinne, seien Sie behütet!
Herzlich grüßt, Ihr Pastor
                                        
 

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