3-Minuten-Kirche am 13. Juni 2021

 

 

 

Seit Freitag läuft die Fußballeuropameisterschaft der Männer. In der kommenden Zeit schauen wieder Millionen Menschen dabei zu, wie 22 Männer versuchen, einen Ball hinter die gegnerische Torlinie zu befördern. Dass das Ganze so ein Massenphänomen ist, ist nüchtern betrachtet schon etwas absurd.

Aber noch absurder ist, dass nicht nur die beteiligten Mannschaften, sondern auch die Fans hochemotional dabei sind. Eine Niederlage führt nicht selten dazu, dass erwachsenen Männern die Tränen kommen.

Profi-Fußball ist für viele eine bierernste Sache. Dabei wohnt doch jedem Spiel definitionsgemäß eine Leichtigkeit inne. Denn ein Spiel ist Selbstzweck. Zumindest, wenn man der Definition von Johan Huizinga folgt. Der hat als Kulturhistoriker das Phänomen „Spiel“ untersucht. Ihm zufolge ist das Spielen etwas zutiefst Menschliches. Seiner Theorie nach haben sich alle unseren kulturellen Systeme wie z. B. Politik, Wissenschaft, Kunst, Religion, Recht und auch der Sport aus einem spielerischen Verhalten heraus gebildet.

Diese kulturellen Systeme haben sich im Laufe der Zeit durch Ritualisierung institutionell verfestigt – und aus der spielerischen Leichtigkeit wurde „heiliger Ernst“.

Es ist schön und spannend, mit der eigenen Mannschaft mitzufiebern - nur zu ernst sollte man das Ganze nicht nehmen, weder als Spieler noch als Zuschauer; denn im Kern ist es immer noch ein Spiel. Und ein Spiel im ursprünglichen Sinn zeichnet sich dadurch aus, dass es aus Spaß an der Freude gespielt wird.

Und so wie beim Fußball ein etwas distanzierter und nüchterner Blick hilft, dass man es nicht zu ernst nimmt, so kann es vielleicht auch helfen, das ganze Leben als Spiel zu begreifen. Denn Spielen bedeutet, etwas um seiner selbst willen zu tun, sich mit seinen Fähigkeiten einzubringen - und es zu genießen.

Der Philosoph Rudolf Kamp hat es mal so zusammengefasst „Wer das Spiel zu ernst nimmt, setzt den Spaß aufs Spiel.“

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen und euch viel Spaß beim „Spiel des Lebens“.

Ihr und euer Pastor 

                                  

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3-Minuten-Kirche am 9. Juni 2021

 

 

 

„Sei zufrieden, meine Seele! Denn der Herr tut dir Gutes!“ Diesen Vers aus Psalm 116 habe ich im Altarraum einer Wiesbadener Kirche quasi wiederentdeckt. Er hat mich in einer schwierigen Zeit während meines Studiums begleitet. Da fiel es mir schwer die guten Dinge in meinem Leben zu sehen, weil es vieles gab, das eben nicht rund lief. In einem Gottesdienst begegnete mir dieser Vers und ließ mich noch einmal neu auf mein Leben schauen.

Wir Menschen neigen ja oft dazu, vor allem das Negative zu sehen und laut darüber zu klagen: zu viel zu tun, immer im Stress, die vielen Verordnungen durch die niemand so richtig durchsteigt. So viele kranke und tote Menschen zu beklagen in den letzten 15 Monaten…

Bei mir war in den letzten Wochen auch eine Menge zu tun, ich hatte kaum Zeit zum Luft holen, für die Familie oder um einfach mal die Sonne zu genießen. Es wird gerade wieder etwas ruhiger und ich merke, was alles liegen geblieben ist und nun auch dringend getan werden muss. Bei all dem möchte ich nicht den Blick für die guten Dinge in meinem Leben verlieren. Ich habe eine ganze Menge geschafft und bin ganz zuversichtlich, dass der Rest jetzt diese Woche auch noch klappt. Dazu habe ich viele liebe Menschen um mich herum, die mich unterstützen und mir Kraft geben. Dietrich Bonhoeffer hat einmal gesagt, dass Gott uns immer gerade so viel Widerstandskraft gibt, wie wir brauchen. Auch darauf vertraue ich immer wieder und habe es schon oft selbst erfahren.  

„Sei zufrieden, meine Seele! Denn der Herr tut dir Gutes!“ Mit diesem Vers möchte ich mich immer wieder daran erinnern lassen, was in meinem Leben Gutes passiert und wofür ich dankbar sein kann. Und da gibt es Vieles.  

Vielleicht geht es Ihnen ja ähnlich.

 

Es grüßt Sie herzlich Pastorin 

                                                    

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3-Minuten-Kirche am 06.06.2021

 

Foto: Pixabay

 

Die Sonne scheint, Inzidenzzahlen sinken, auch die der Patienten auf den Intensivstationen und der an Corona Verstorbenen. 10 Personen können sich wieder privat treffen, die Schulen, Städte, Geschäfte öffnen unter Auflagen, das Leben kehrt ein ganzes Stück weit zurück.                                 

Zeit zum Aufatmen! Zeit nicht mehr wie gebannt auf die Pandemie zu blicken und ihre Dunkelheiten, sondern das Leben und das Schöne des Lebens wieder in den Blick zu nehmen. Das gibt dem Atem, der Seele Luft. Es tut gut, das Gute wieder zu entdecken. Da keimen Hoffnung und Freude.

Unsere Blickrichtung macht sehr viel aus. Ich kann am frühen Morgen in die Dunkelheit der weichenden Nacht sehen oder mich umdrehen und dem anbrechenden Morgen entgegen-blicken. Die gleiche Situation, die gleiche Vorfindlichkeit und doch ganz unterschiedliche Wahrnehmungen und Empfindungen. Bedrückende Dunkelheit hier, aufkeimendes Licht da.

Menschen, die Gott vertrauen, Christenmenschen, sind Menschen des Morgens. Sie blicken selbst mit der Dunkelheit im Rücken, dem Licht entgegen. Denn: Das Licht (Gottes) scheint in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht ergriffen. (Johannesevang. 1,5) Kann sie nämlich gar nicht, weil es Gottes Licht ist, dass alle Finsternis überwindet.

Im Schein dieses Lichtes, mit dem Blick in den anbrechenden Morgen, muss das Dunkel zurückweichen. Und da werden dann auch all die vielen anderen Dinge des Lebens wieder sichtbar, die Grund zur Freude sind und die zuvor vom Dunkel fast verschluckt waren. Wir können aufatmen und neu Freude finden. Zugleich wissen wir um das Dunkel im Hinter-grund, das bedrohlich bleibt. Müssen uns aber nicht wirklich sorgen. Es kann wenig anhaben, solange wir dem Licht zugewandt bleiben. Aber das Wissen um die Bedrohung lässt uns umso achtsamer mit den Dingen umgehen, an denen wir uns freuen können.

Im Vertrauen auf Gott, dem Licht in der Finsternis, wie in der Erleichterung über die bessere Situation können wir aufatmen, Luft holen. Zugleich sollten wir aber nicht vergessen, dass es wichtig bleibt, achtsam zu sein, damit die Dunkelheit nicht wieder stärker Raum greift. Was nützt es uns, aus der Sorge, das Leben zu verpassen, jetzt ohne große Vorsicht alles nachholen zu wollen. Und dann in 4-6 Wochen wieder alles dicht machen zu müssen. Das Leben schöpfen wir nicht aus dem Vielen, was wir haben und erleben, sondern letztlich aus dem Licht Gottes und dem, was wir in ihm entdecken. In seinem Licht können wir wertschät-zend, bewahrend, uns daran freuend mit der Schöpfung, dem Leben, mit den Schönheiten des Lebens umgehen. Nicht länger ist da die Masse an Leben wichtig. Vielmehr sind es die Intensität, Schönheit und bleibende Qualität, die zählen. Das hilft uns in der Pandemie, wie im Blick auf die Bedrohung der Schöpfung, die Klimaveränderung, aber auch im Blick auf uns selbst, unsere Lebensfreude, unseren Lebensmut. Also: Lasst uns ins Licht blicken und aufatmen!                                         

Herzlich grüßt, Ihr Pastor

                                                

 

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3-Minuten-Kirche am 2.6.2021

 

 

 

Am Pfingstsonntag ist Eric Carle, der Autor des bekannten Kinderbuches „Die kleine Raupe Nimmersatt“ gestorben. Dieses Buch hat nicht nur unsere Tochter, sondern viele Millionen Kinder auf der Welt durch ihre Kindheit begleitet. Die Geschichte von der kleinen Raupe, die sich jeden Tag mehr durch Obst und andere Leckereien futtert, bis sie einen Kokon spinnt und nach einer Weile zu einem wunderschönen Schmetterling wird, illustriert für mich nicht einfach nur einen natürlichen Vorgang. Denn es ist ja tatsächlich so, dass aus Raupen Schmetterlinge werden, wenn sie sich auch von anderen Dingen ernähren.

Ich finde, die Geschichte von der Raupe zeigt sehr schön, dass aus etwas Kleinem und Unscheinbaren etwas Wunderschönes entstehen kann. Es lohnt sich im Leben also, manchmal genauer hinzusehen, abzuwarten und nicht gleich aufzugeben. Das genauer hinsehen lohnt sich auch im zwischenmenschlichen Bereich. Andere Menschen nicht gleich auf den ersten Blick bewerten, in eine Schublade stecken und dort lassen, sondern genauer hinsehen, wo die schönen Seiten verborgen sind. Respektieren, dass jemand anders andere Ansichten hat, anders aussieht oder eine andere Sprache spricht. Ich habe gerade den Eindruck, dass dies in unserer Gesellschaft etwas verloren geht. Der Umgangston wird rauer und ich frage mich, wie es gelingen kann, da wieder einen anderen Weg einzuschlagen. Jesus hat gesagt: „So wie ihr von den Menschen behandelt werden möchtet, so behandelt sie auch.“ (Mt 7, 12) Diese sogenannte „Goldene Regel“ findet sich in allen Religionen. Ich denke es lohnt sich, sich diese einfache Regel ab und zu wieder in Erinnerung zu rufen.

Sie kann genauso wie das schöne Buch von Eric Carle helfen, die Schönheit auch im unscheinbaren wahrzunehmen, bei den Menschen wie in der Natur. Vor allem erinnert die Goldene Regel zusammen mit dem Gebot der Nächstenliebe daran, dass wir alle mit unseren Stärken und Schwächen Gottes geliebte Kinder sind und uns gegenseitig als solche respektieren sollten. Vielleicht entdecken wir dadurch bei anderen Menschen bisher unbekannte Seiten, die uns sonst verborgen geblieben wären.

Viele solcher neuen Entdeckungen wünscht Ihnen Pastorin 

                                                                                                

 

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3-Minuten-Kirche am 30. Mai 2021
 
 
„Sind wir bald da?“
Diese Frage ist ein Klassiker – jeder, der mit kleinen Kindern eine längere Autofahrt unternimmt, hat sie unzählige Male gehört.
Die Kleinen wollen am liebsten im Minutentakt darüber informiert werden, wie lange es noch dauert. Dank Navi können die Erwachsenen genau Auskunft geben, wann das Ziel erreicht wird.
 
Im Leben gibt es kein Navigationssystem, das uns immer eine neue Route raussucht, wenn ein Stau vor einem liegt. Nein, das Leben ist nicht wie die Fahrt auf einer Autobahn, wo wir Richtung und Geschwindigkeit vorgeben – zumindest ist es nicht immer so.
Oft ist das Leben wie ein Fluss, auf dem wir getrieben werden. Vieles im Leben widerfährt uns. Man kann darin göttliche Lenkung, Schicksal oder Zufall sehen, jedenfalls verläuft das Leben nicht immer so, wie wir das ausgesucht haben.
Manchmal werden wir auf andere Bahnen gesetzt, müssen Umwege in Kauf nehmen oder mit unvorhergesehenen Hindernissen umgehen.
 
John Lennon hat das so formuliert: „Leben ist das, was passiert, während du fleißig dabei bist, andere Pläne zu schmieden.“
Das Leben ist unvorhersehbar – und zu Teilen auch unplanbar, sodass wir  uns darauf einstellen müssen, dass unsere Pläne nicht Wirklichkeit werden. Gerade weil das so ist, finde ich es tröstlich und kraftspendend zu wissen, dass wir auf diesem Weg nicht allein sind. Die Bitte des Vaterunsers „Dein Wille geschehe“ ist Ausdruck einer Haltung, dass wir Menschen uns voll Zuversicht für das öffnen sollen, was das Leben für uns bereithält.
 
Denn in Jesu „Dein Wille geschehe“ steckt auch das große Vertrauen, dass Gott immer für uns da ist, um uns zu geben, was wir benötigen. Sei es Trost, Kraft, Zuversicht, Gelassenheit oder ein guter Gedanke.
Gott ist kein Navi – auch mit ihm müssen wir mit Staus rechnen und Umleitungen in Kauf nehmen. Für mich ist Gott eher wie ein Beifahrer, der mit uns im Auto sitzt und den Weg mitgeht und der jederzeit ansprechbar ist.
 
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und euch: Gute Fahrt!
                                                                                                               
3-Minuten-Kirche am 26. Mai 2021
 
 
Wir haben die Lufthoheit in unserem Garten verloren. Neulich, als ich rausging, wäre mir ein Vogel fast vor die Stirn geklatscht. Spatzen, Kohl- und Blaumeisen, Dompfaffen, Rotschwänzchen, Grün- und Buntspechte, Finken, Rotkehlchen, Elstern, Drosseln, ja sogar einige Turmfalken bedienen sich an dem reichhaltigen Futterangebot in unserem Garten und bevölkern den Luftraum ringsumher. Manchmal sitze ich einfach nur da und schaue ihnen beim Fliegen, Hopsen, Picken, Baden, Singen und Fressen zu.
 
In letzter Zeit kommen auch einige Tauben öfter mal vorbei. Zuerst sitzen sie auf dem Dachfirst. Wenn sie von dort losfliegen kann man ihre Flügel aneinander klatschen hören und weiß, dass sie da sind. Auch ihr Flugmuster ist sehr eigen. Es sieht immer so aus, als würden sie sich mit einem Köpper vom Fünfmeterturm stürzen. Im Sturzflug fangen sie sich ab und fliegen, Brust voraus und mit klatschenden Flügeln, zurück in die Höhe. Ein stetiges Auf und Ab ist ihre Flugbahn. Eine der Tauben sitzt jetzt auch oft im Garten, trippelt über den Rasen oder durchs Beet unter dem Futterhaus und sammelt auf, was immer ihr dort gefällt. So genau hatte ich Tauben zuvor noch nie beobachtet.
 
Tauben sind in der Bibel und unseren Kirchen immer das Symbol für den Heiligen Geist, dessen Anwesenheit und Wirken wir gerade erst an Pfingsten gefeiert haben. Daran muss ich denken und in mir steigt die Frage auf: Ist das der Heilige Geist, da draußen im Garten?
 
Natürlich nicht – antworte ich mir selbst sofort. Und frage mich gleich darauf: Warum denn nicht? Warum fällt es uns so schwer, die Anwesenheit Gottes in unserem Leben wahrzunehmen, uns vorzustellen, anzuerkennen? Wie müsste Gott denn aussehen, damit wir ihn zweifelsfrei erkennen? Und was müsste in unserem Leben geschehen, damit wir es mit dem Heiligen Geist, dieser Kraft Gottes, in Verbindung bringen?
 
Ich denke, ich gehe wieder raus in den Garten und beobachte die Taube weiter.
Vielleicht verrät er*sie sich ja ...
 
Halten Sie die Augen offen. Ich bin sicher, Gott ist auch in ihrem Leben.
 
Ihre und eure Diakonin 
                                        
 

3-Minuten-Kirche am 23. Mai 2021
 
Bild: pixabay
 
Wir feiern jetzt fast sonntäglich Konfirmationen. Da sind KonfirmandInnen, die im letzten Jahr wegen Corona nicht feiern konnten und da sind die von diesem Jahr. Und nun können alle aufgrund von Abstands- und Hygieneregeln nur in Kleingruppen konfirmiert werden. Oft besteht dann der verständliche Wunsch, dass die zu zweit oder dritt zusammen konfirmiert werden, die sich auch sonst gut verstehen.
 
Wie war das bei Ihrer Konfirmation? Früher ging es strikt nach Alphabet, wer mit wem vor dem Altar stand. Später haben wir überlegt, die Konfirmationen sollten für die KonfirmandInnen so entspannt wie möglich sein. Warum also nicht zwei Freunde, zwei Freundinnen vor dem Altar zusammen einsegnen? Die Gruppe war ja trotzdem komplett dabei.
Und dieses Jahr soll es unter den gegebenen Bedingungen erst recht so schön wie möglich sein. Mit dem Ergebnis, dass die beiden Freundinnen oder Freunde mit ihren Familien auf einmal ganz allein sind, weil mehr ja gar nicht kommen dürfen. Dazu wird das manchmal schwierig, weil KonfirmandInnen übrigbleiben, mit denen keiner der anderen viel Kontakt hat.
 
Bei allem Bestreben die Konfirmation so menschenfreundlich wie möglich zu gestalten, wenn es so kommt, dann stimmt etwas nicht. Die KonfirmandInnen heiraten ja nicht. Dann wäre die Wahl des richtigen Partners am Altar unabdingbar. Sondern sie sagen persönlich ja zu einem Leben mit Gott, im Vertrauen auf ihn, in der Suche nach seinem Willen, seiner Liebe und damit zugleich zu einem Leben als Kind Gottes, in seiner Gemeinde. Auch der/die andere, der/die mit konfirmiert wird, den/die sie vielleicht nicht so gut kennen, ja der/die ihnen nicht nur sympathisch ist, tut das, Ja sagen zu einem Leben mit Gott, als Kind Gottes. Und damit gehören nun beide, ob befreundet oder nicht, zur Gemeinschaft der Christen, sind sie beide auf dem Weg mit Gott Weggefährten, Bruder und Schwester in Christus – wie Christen das traditionell beschreiben.
 
Deshalb, so schön und harmonisch Konfirmationen im Freundeskreis auch sein mögen, es droht etwas Entscheidendes verloren zu gehen, was Konfirmation, Zugehörigkeit zur christlichen Gemeinde ausmacht.
 
Und das beschreibt der Kolosserbrief so: Gott hat euch als seine Heiligen (= zu Gott gehörigen) erwählt, denen er seine Liebe schenkt. Darum zieht nun an herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Freundlichkeit und Geduld. Ertragt euch gegenseitig und vergebt einander. Wie der Herr Euch vergeben hat, so vergebt auch ihr. Und über all das legt die Liebe (Gottes) an. Sie ist das Band, das alles vollendet und zusammenhält. (Kol. 3, 1 ff i.A.)
 
Das nämlich macht es aus, ein Kind Gottes zu sein. Und dafür haben die KonfirmandInnen sich entschieden. Dafür ist die gemeinsame Konfirmation mit jemand, der nicht Freund/in ist viel passender, weil so zum Ausdruck kommt, was Christsein ausmacht: Wir knien oder stehen hier im Segen zusammen, nicht, weil wir uns schon immer mochten, sondern weil wir beide zu Gott Ja sagen und seine Liebe uns in der Gemeinde zusammenführt.
 
Das, was Christsein ausmacht, tut uns nicht nur in der Gemeinde gut, sondern ist als Beitrag der Christen gerade in dieser Zeit gefragt. Deshalb hat der Bundespräsident gerade dazu aufgerufen, dass Kirchen/Christenmenschen einen versöhnenden und heilenden Beitrag leisten, für eine durch Corona in manchem zerrissene Gesellschaft.
 
Herzlich grüßt Ihr Pastor 
                                           
 

3-Minuten-Kirche am 19.05.2021

 

Foto: midi - Evangelische Arbeitsstelle für missionarische Kirchenentwicklung und diakonische Profilbildung

 

In diesen Wochen werden viele Jugendliche konfirmiert. Sie bekommen in ihrem Konfirmationsgottesdienst Gottes Segen zugesprochen. Ein Segenswort, das sie auf ihrem Weg begleiten und auch Kraft geben soll.

Segen ist eine Kraftquelle für unser Leben. In Segensworten spiegelt sich die tiefe Erfahrung, dass Gott uns Menschen liebevoll ansieht und das Gute in uns stärkt. Gerade in Zeiten wie diesen brauchen wir Momente zum Durchatmen, ein ermutigendes Wort und Kraftquellen aus denen wir schöpfen können. So gibt es wahrscheinlich viele Menschen, die gerade von sich sagen können: „Ich brauche Segen!“

„Ich brauche Segen“. So heißt eine deutschlandweite ökumenische Initiative, die an Pfingsten starten soll. Ziel ist es, mitten im Alltag „Segenstankstellen“ einzurichten. Das funktioniert so: Es gibt goldfarbene Aufkleber mit dem schlichten Satz „Ich brauche Segen“. Auf dem Aufkleber befindet sich auch ein QR-Code und die Internetadresse www.segen.jetzt. Wenn man den QR-Code einscannt kommt man zu verschiedenen Segensworten, die selbst gelesen werden können, man kann sie sich aber auch zusprechen lassen. Die Idee dazu hatte die rheinische Landespfarrerin Simone Enthöfer.

Da ein Segenswort nicht nur von Pastor*innen zugesprochen werden darf, sondern von jedem Menschen, darf sich auch jeder Mensch, der möchte, an der Aktion beteiligen. Das geht, in dem man in Absprache die Segens-Aufkleber auf Alltagswegen anbringt oder auch Sticker-Postkarten an andere Menschen verschickt, die gerade einen Segen gebrauchen können.

Wenn Sie bei der Aktion mitmachen möchten melden Sie sich für weitere Informationen gerne bei mir.

Ihre Pastorin

                        

 

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3-Minuten-Kirche am 16. Mai 2021
 

„Mit einer optimistischen Perspektive hinaus in die Weite“ so will Anna-Nicole Heinrich die Kirche in die Zukunft führen. Heinrich wurde letzte Woche zur Präses der EKD, dem Zusammenschluss vieler evangelischer Landeskirchen, gewählt. Das Besondere: Sie ist jung - 25 Jahre ist die Philosophiestudentin gerade einmal. Sie wurde wohl auch deshalb gewählt, weil man sich von ihr aufgrund ihres Alters einen frischen Wind erhofft, der unsere Kirche zukunftsfähig macht.
Dabei weiß Heinrich, dass es kein leichter Weg wird: Sparmaßnahmen, Rückbau und Umbau werden der Kirche zwangsläufig bevorstehen, sagt sie. Diese Einschätzung hat mit den nicht abnehmenden Kirchenaustritten zu tun. Vermutlich wird sich die Zahl der Kirchenmitglieder in den kommenden 40 Jahren halbieren.
 
Unsere Kirche wird sich also auf jeden Fall verändern - zwangsläufig. Man kann die damit verbundenen Schwierigkeiten und den Bedeutungsverlust der Kirche bedauern und beklagen; ich halte es aber für sachdienlicher, sich dem Wandel zu stellen und ihn anzunehmen.
 
Denn ob eine Veränderung gewollt oder ungewollt eintritt: Grundsätzlich ist jeder Wandel doch immer eine Möglichkeit, ja ein Aufruf zur Veränderung und Anpassung. Das Leben ist eine Aneinanderreihung von Veränderungen - der ständige Wandel gehört zum Leben dazu und sollte bejaht und angenommen werden.
 
„Ecclesia semper reformanda“ so lautet ein Zitat, das fälschlicherweise Martin Luther zugeschrieben wird. Dennoch passt es zu Luther. Denn übersetzt bedeutet es „Die Kirche muss sich immer wieder reformieren - das heißt: anpassen, weiter entwickeln und vielleicht auch ein Stück weit neu erfinden“
 
Es gehört zu unserem Erbe der Reformation, nicht bloß aus Gewohnheit am Alten festzuhalten, sondern auch den Mut zu haben, wo geboten, alte Zöpfe abzuschneiden. Insofern freue ich mich, dass Anna-Nicole Heinrich in ihrer Führungsrolle dem Wandel, der unserer Kirche bevorsteht, scheinbar ähnlich optimistisch entgegengeht.
Ihre Einstellung dürfte auch Joachim Gauck aus dem Herzen sprechen. Der Pastor und ehemalige Bundespräsident sagte mal: „Es liegt an uns, Veränderungen nicht zu fürchten, sondern sie als Aufgabe anzunehmen.“
 
Ihr/ euer Pastor
                           
 

3-Minuten-Kirche am 12. Mai 2021
 
 
Jesus predigt vor vielen Menschen. Als es Abend wird, kommen seine Jünger zu ihm und sagen: „Schau hin, es wird schon dunkel. Schick die Leute nach Hause, damit sie zu Abend essen können.“ Jesus findet Wegschicken keine gute Idee. Er überlegt sich etwas anderes und fordert seine Jünger auf, für Essen zu sorgen. „Wir haben nicht genug“, antworten die Jünger. „Schaut hin, seht nochmal genau nach, was wir haben“, erwidert Jesus. Die Jünger gehen und werden fündig. Fünf Brote und zwei Fische. Besser als nichts. Daraus kann man etwas machen. Jesus macht daraus mit Gottes Hilfe alle satt. So erzählt es die Geschichte der „Speisung der 5000“ (Markus 6, 34-42).
 
„schaut hin“ lautet das Leitwort des 3. Ökumenischen Kirchentages, der dieser Tage (13.-16. Mai) digital gefeiert wird.
 
„schaut hin“ - kleingeschrieben und ohne Satzzeichen – ist sowohl Imperativ wie Indikativ. Es ist ein Appell an uns, und die Verheißung, dass Gott hinschaut.
 
 „schaut hin“ – das bedeutet für mich, die Augen nicht zu verschließen. Nicht achtlos vorüberzugehen an dem, was nicht gut ist. Wir sind aufgefordert, Verantwortung zu übernehmen für uns und unser Miteinander.
 
„schaut hin“ heißt aber auch, nicht mutlos zu werden. Den Blick nicht immer nur auf die Defizite gerichtet zu halten. Wagen wir einen Perspektivwechsel und schauen auf das, was wir schon haben, was uns geschenkt ist, worauf wir aufbauen können.
 
Auch Gott „schaut hin“ – und Gott kann aus dem Mangel eine Fülle werden lassen.
 
„schaut hin“ – dieses Leitwort hat es in sich. Es fordert heraus, ermutigt, macht dankbar und ist Verheißung!
 
Schaut hin! – das rate ich auch allen während des Kirchentages. Denn trotz der außergewöhnlichen Umstände will der ökumenische Kirchentag ein Hoffnungszeichen setzen. Neben vielen digitalen Angeboten mit spannenden Gästen wird es auch Live-Übertragungen im Internet und Fernsehen geben. Bibelarbeiten mit Eckhardt von Hirschhausen, Diskussion von Angela Merkel und Luisa Neubauer, die digitale Uraufführung des Oratoriums EINS, Aktionen für zuhause und vieles mehr finden sich im Programm (Teilnahme kostenlos, Spenden erbeten).
Weitere Infos gibt es auf www.oekt.de
 
Schaut hin! Es lohnt sich!
 
Ihre und eure Diakonin
                                     
 

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