3-Minuten-Kirche am 25. November 2020
 
 
Am letzten Sonntag haben wir in den Gottesdiensten unserer Verstorbenen seit dem Totensonntag 2019 gedacht. Am Sonntag davor war Volkstrauertag mit dem Gedenken an Opfer von Krieg und Gewalt im Umfeld der zwei Weltkriege in Europa und bis heute in aller Welt. Zwischendrin dann auch noch Buß-und Bettag und die Friedensdekade mit ihren Andachten.
Immer wieder ein ungeschminkter Blick in die raue und gewaltvolle Wirklichkeit unserer Welt, in der permanent breit ausgefahrene Ellbogen und eine „Hoppla jetzt komm ich  - ganz egal, was das kostet…“ Attitude in der größten Demokratie dieser Erde gerade ganz knapp von der der höchsten Position abgewählt worden sind.
So ist die Welt auch mitten unter uns – leider – immer wieder aufs Neue.
 
Sich mit dem allen zu beschäftigen passt auf der einen Seite gut in diese düstere Novemberzeit. Aber das macht das Leben gerade in Coronazeiten nicht unbedingt schöner und einfacher. Die Welt ist ein bisschen so, wie der Blick in unseren spätherbstlichen Garten, alles abgestorben, farblos und düster.
Aber da mitten drin, da ist sie aufgeblüht. Eine letzte wunderschöne weiße Rose, die mitten in all dem Vergehen Zeugnis gibt von der Kraft und Schönheit des Lebens. Wie ein Wink in düsterer Zeit.
Ich freue mich an ihr und mir fällt die Liedstrophe ein:                           
Freunde, dass der Mandelzweig wieder blüht und treibt, ist das nicht ein Fingerzeig, dass die Liebe bleibt? Dass das Leben nicht verging, soviel Blut auch schreit, achtet diese nicht gering in der trübsten Zeit. Tausende zerstampft der Krieg, eine Welt vergeht. Doch des Lebens Blütensieg leicht im Winde weht. Freunde, dass der Mandelzweig, sich in Blüten wiegt, bleibe uns ein Fingerzeig, dass das Leben siegt.
 
Die Liebe und das Leben werden siegen trotz allem, weil Gott wirkt, der durch den Propheten Jesaja verheißt: 
Gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige! Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht? (Jes. 43,18f.)
 
Im Vertrauen auf das liebe- und machtvolle Wirken des Vaters im Himmel trotz allem und durch alles Dunkel hindurch haben wir ihm unsere Verstorben, uns selbst und auch Gewalt und Dunkel dieser Welt anbefohlen. (Übrigens: Die letzte Rose in unserem Garten, die vom Leben und der Liebe mitten in allem Vergehen spricht, blüht ausgerechnet und einfach so über dem Grab unseres langjährigen treuen Familienhundes…)
 
Herzlich grüßt Ihr Pastor
                                           
 
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3-Minuten-Kirche am 22.November 2020

 

 

Am Ewigkeitssonntag erinnern wir uns in Gottesdiensten an jene Menschen, die im zurückliegenden Jahr gestorben sind. Wir gedenken noch einmal ihres Lebens und Sterbens.

So ruft der Ewigkeitssonntag uns die Vergänglichkeit des Lebens ins Bewusstsein. Er erinnert uns daran, dass auch wir sterben werden. Das ist ein Gedanke, den viele Menschen lieber zur Seite schieben als sich ihm bewusst zu stellen weil er ihnen Angst macht oder Unruhe in ihnen auslöst.

Ich bin jedoch der Auffassung, dass eine offene Auseinandersetzung mit der Endlichkeit etwas Heilsames sein kann. Und auch der 90. Psalm sieht etwas Gutes darin, sich die eigene Sterblichkeit bewusst zu machen. So heißt es: „Gott, Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ (Ps. 90,12)

Der brasilianische Schriftsteller Mário Raúl de Morais Andrade formuliert diesen Gedanken mit den folgenden Worten:

„Wir alle haben zwei Leben: das zweite beginnt, sobald wir realisieren, dass wir nur eins haben“

Was hat es mit diesem zweiten Leben auf sich? Was heißt „klug“ zu werden?

Für mich bedeutet es, das Leben nicht als eine Selbstverständlichkeit hinzunehmen, weder das eigene Leben noch das von den Menschen, die mir wichtig sind.

Wer den Gedanken an die Unausweichlichkeit des Todes verdrängt, nimmt letztlich das Leben als Selbstverständlichkeit hin weil er oder sie das Ende ausblendet - und was selbstverständlich scheint, ist nichts wert. Doch das Leben ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit.

Das zweite Leben, von dem der Dichter redet und was der 90. Psalm „klug“ nennt, bedeutet für mich, das Leben von Neuem wertzuschätzen; mein eigenes, wie das von denen, die mir wichtig sind.

Und schließlich müssen wir als Christen ja auch den Gedanken an den Tod nicht fürchten, denn auch wenn es für die, die zurückbleiben, aussieht wie ein Ende, ist es doch für den, der geht, ein neuer Anfang.

Doch bis es soweit ist, und wir ein wirklich zweites und ewiges Leben erhalten, sollten wir klug sein, und das kostbare Geschenk Leben in Dankbarkeit und mit Freude genießen.

Ihr / euer Pastor

                                

 

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3-Minuten-Kirche am 18. November 2020

 

 

 

„Mir fällt ein Stein vom Herzen:“ Dieses Sprichwort drückt aus, dass etwas gut ausgegangen ist, was mich belastet hat. Die gute Nachricht des Arztes nach einer bangen Zeit des Wartens auf die Diagnose. Ein Streit, der belastet hat, und geschlichtet werden konnte. Die Sorge um die Zukunft, die aufgelöst werden konnte.

Es gibt viele solcher Steine, die uns auf der Seele liegen können und dann das Leben und atmen schwer machen, sprichwörtlich auf die Brust drücken.  Ein unbedachtes Wort, das mich trifft, alte Konflikte, die immer wieder aufflammen und nicht gelöst werden können. Auch wenn ich merke, dass ich jemand anderen verletzt habe, mit dem, was ich gesagt oder getan habe, belastet mich das. Und da, wo sich das klärt und auflöst, fällt die Last von mir ab, da fällt mir ein Stein vom Herzen. Da wird das Leben wieder leichter.

Der Buß- und Bettag ist eine Gelegenheit einmal darüber nachzudenken, was mich bedrückt und belastet. Wo ich auch andere belastet oder verletzt habe. Es ist Gelegenheit, die Steine beim Namen zu nennen, die mich bedrücken und die ich anderen in den Weg gelegt habe.

Am Buß- und Bettag werden wir eingeladen, diese Steine bei dem abzulegen, der gesagt hat: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ (Matthäus 11, 28) Anders gesagt: Ihr dürft mit all Euren Sorgen, mit allem, was Euch drückt und belastet, zu mir kommen und die Sorgen bei mir abladen. Ich will sie Euch abnehmen und wieder neue Kraft zum Leben schenken. Diese Worte Jesu begleiten mich schon lange. Sie stehen im Altarraum einer Kirche, in der ich sechs Jahre lang Dienst getan und Gottesdienst gefeiert habe. In diesem Altarraum sind symbolisch viele Steine abgelegt worden, die auf Herz und Seele gedrückt haben.

Denn letztlich ist ja jeder Gottesdienst eine Einladung, im Gebet all das vor Gott zu bringen, was mich bedrückt und belastet, genauso übrigens wie das, was mich glücklich macht und für das ich dankbar bin. Bei vielen Menschen mag im Moment die Sorge überwiegen, was die Corona-Pandemie und die nächsten Monate noch mit sich bringen werden. Wir werden wohl noch lange mit den Einschränkungen leben müssen. Unser bisher gewohntes Leben wird durcheinandergewirbelt. Nicht scheint mehr so, wie es war. An vielen Stellen haben sich neue Wege eröffnet, kreative Ideen sind entstanden. Wir können alle nicht mehr so weiter wie bisher. Die Steine, die uns da belasten, mögen unterschiedlich groß sein. Aber ich vertraue darauf, dass sie uns vom Herzen fallen und sich neue Wege zeigen. Vielleicht nicht heute oder morgen, aber doch in absehbarer Zeit.

 

Ihre Pastorin 

                              

 

Das Bild ist lizenzfrei und entnommen von: https://pixabay.com/de/photos/urlaub-steine-landschaft-strand-4088735/

 

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3-Minuten-Kirche am 15. November 2020

 

 

„Nie wieder Krieg!“

So lautet der Mahnruf des Volkstrauertags. Aber ist es überhaupt möglich, dass die Menschheit eines Tages in Frieden lebt?
Ein Blick in die Vergangenheit stimmt pessimistisch: Menschen haben sich schon immer umgebracht. Auch im Tierreich gibt es tödliche Gewalt. Menschliche Gewalt ist ein Erbe von den frühen Primaten, von denen der Mensch abstammt. Der Hang zur Gewalt ist dem Menschen in gewissem Maße angeboren. Dieser Befund scheint die Vermutung noch zu bestärken, dass Menschen sich immer bekämpfen werden.

Doch es gibt auch Hoffnungsvolles zu beobachten: Der Grat an Gewalt schwankt im Laufe der Weltgeschichte. Wie sehr es zu Gewalt und Krieg kommt, hängt von der jeweiligen Gesellschaftsform ab.

Ich glaube, dass Gesellschaften, die der Gewalt nahe stehen, immer schon den Samen ihres eigenen Niedergangs in sich tragen. Ich bin überzeugt, dass solche Gesellschaften nicht auf Dauer bestehen können. Weil sie nämlich dem Leben entgegen stehen, werden sie zwangsläufig zugrunde gehen. In Anlehnung an das Gleichnis vom vierfachen Acker (Markus 4,1-20) glaube ich, dass eine Gesellschaft nur dann wachsen kann, wenn sie auf einem guten Grund steht. Und Kampf und Krieg ist eben kein guter Grund.

Ich sehe aber auch, dass die Menschheit noch einen langen Weg vor sich hat, bis es keine Kriege mehr gibt. Ich denke, zunächst muss ein Umdenken stattfinden in die Richtung, dass die Menschheit sich als ein großes Ganzes begreift; dass nicht mehr in Völkern und Staaten gedacht wird, sondern von der Menschheit als Ganzes. So schlimm Corona ist, führt es uns doch vor Augen, dass die Weltbevölkerung eine einzige große Gesellschaft ist.

Wir alle sind gleichermaßen von Corona betroffen - hoffentlich lernen wir irgendwann einmal, genau so auch an einem Strang zu ziehen und füreinander da zu sein.

Das jedenfalls ist das Ziel, das Gott für uns Menschen hat - und ich kann einfach nicht glauben, dass wir ihm in die Quere kommen können.

Ihr/ euer Pastor

                               

 

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3-Minuten-Kirche am 11. November 2020
 

Heute, am Mittwoch, den 11.11. um 11.11 Uhr beginnt die närrische Zeit. Leider wird das mit dem ausgelassenen Feiern doch eher schwierig in diesem „Coronajahr“ und unbeschwerte „Döniken“ sind  auch nicht jedermanns Ding in solcher Zeit.
 
Anderswo in der Welt, jenseits des Atlantiks, zeichnet sich das Ende einer im schlechten Sinne närrischen Zeit ab. Geprägt war sie von Unwahrhaftigkeit, Sexismus, Sprunghaftig- und Beliebigkeit, manchmal fast Bosheit, von Narzissmus im Großen wie im Kleinen. Die ganze Welt, bis auf die Schar der Verehrer und der Mächte, denen die dadurch verursachte Schwäche Amerikas hilfreich war, ist erleichtert, hofft auf Besserung, atmet befreit auf.
 
Hier in Deutschland gibt es leider auch solch im schlechten Sinne närrisches Treiben. Wie sagt der Bayer, wenn er etwas völlig verrückt findet: „Sei Ihr denn narrisch worden?“
Die Bilder aus Leipzig lassen jeden vernünftig Denkenden und Handelnden in diese Frage einstimmen. Was tut ihr da? Seid Ihr völlig verrückt geworden, könnte man auf hochdeutsch übersetzen. Mehr noch: der Missbrauch von Ängsten vor Einschränkung der Freiheit und wirtschaftlichem Niedergang durch rechte Gruppierungen ist mindestens ebenso menschenverachtend,  boshaft und niederträchtig, wie das, was in den letzten Jahren leider so manches Mal aus Washington zu hören war.
Und auch bei uns gibt es Menschen, die trotzdem begeistert mitlaufen. Die vor lauter Drehen um sich selbst und ihre persönlichen Interessen – welche Parallele zu: I… und America first - die Gefahr nicht sehen, die sie damit für sich und andere heraufbeschwören, ja zwangsläufig herbeiführen. „Seid Ihr narrisch worden?“
 
In Washington hat der (üble) Spuk wohl bald ein Ende. Geb´s Gott unter uns auch….
Man kann und soll über den richtig Weg diskutieren, aber bitte vernünftig und sachlich, und einander achtend, schützend und wertschätzend. Aber das tut weder der besagte Herr in Washington noch tun es „die in Leipzig“. Hoffen wir, dass auch dieser Spuk bald zu Ende geht.
 
Übrigens: Wirkliche Narren waren immer Menschen, die den herrschenden Machthabern oder Strukturen, konsequent, humorvoll und irritierend einen Spiegel vorhielten, die die Wahrheit offen legten, damit sich Zustände und Herrscher bessern konnten. Ihr Mut, ihr Humor machte es  möglich, dass sie es wagen konnten, öffentlich für die Wahrheit einzutreten, wo sie unerwünscht war, Lügengespinste zu zerreißen und auf geistvolle Weise zum Besseren zu rufen.
 
Solche Narren im guten Sinne brauchen wir an vielen Stellen, nicht nur in der närrischen Zeit. Wollen wir die reinlasse?
Bitte ja!  Solche Menschen, die der Stadt Bestes suchen (Jer. 29,7) brauchen wir um unseret-, ja um der ganzen Welt willen.  
 
Ihr Pastor      
 
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3-Minuten-Kirche am 08. November 2020
 
Die weißen Tauben sind müde,
sie fliegen lange schon nicht mehr.
Sie haben viel zu schwere Flügel
und ihre Schnäbel sind längst leer.
Jedoch die Falken fliegen weiter.
Sie sind so stark wie nie vorher
und ihre Flügel werden breiter
und täglich kommen immer mehr.
Nur weiße Tauben fliegen nicht mehr.
 
So sang Hans Harz schon 1982 und er scheint recht zu behalten. Alle Friedensbemühungen wirken klein und kraftlos, betrachtet man das Geschehen um uns herum. Haben Sie das Gefühl, dass Frieden herrscht? In ihrer Familie? In unserem Land? In der Welt?
 
Ich finde, diese Frage lässt sich gar nicht so einfach beantworten. Betrachten wir die ganze Welt, herrscht immer irgendwo Krieg. In unserem Land aber haben wir seit 75 Jahren keinen Krieg. Aber heißt keinen Krieg zu haben automatisch: Es ist Frieden? Es kommt nicht zu Gewalt? Es gibt keinen Streit?
 
Dann wäre auch das eisige Schweigen, das in manchen Familien herrscht, schon Frieden, das sich aus dem Weg gehen und nicht grüßen in der Nachbarschaft ein friedliches Miteinander?
Frieden ist mehr. Und die Sehnsucht danach, so alt wie die Menschheit. Und doch scheint nichts uns Menschen schwerer zu fallen, als miteinander Frieden zu halten.
 
„Umkehr zum Frieden“ - unter diesem Motto steht die diesjährige Friedensdekade, die heute beginnt. Sie findet regelmäßig im November während der zehn Tage vor dem Buß- und Bettag statt. Auch das Plakatmotiv scheint Hans Harz recht zu geben. Die weiße Taube ist heute schon vielmehr eine schwarze Taube. Statt zu fliegen klebt sie fest.
 
Doch das Bild macht mir auch Mut: Die Taube wendet sich. Löst sich. Macht sich frei. Die weiße Taube kommt, mit dem Ölzweig im Schnabel. Zeichen der Hoffnung. Das Versprechen: Neues Leben in Frieden wird wachsen.
 
„Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen“, sagt Jesus. Dieser Vers aus dem Matthäusevangelium steht über der kommenden Woche.
 
Lassen wir uns ermutigen! Nehmen wir uns ein Beispiel! Kehren wir um – hin zum Frieden!
 
Ihre und eure Diakonin
                                        
 
 
Übrigens: Wir feiern Friedensandachten! 
 
09.-13.11. täglich - 18.00 Wallensen - 19.00 Salzhemmendorf

Mo. 9.11. 8.30 Oldendorf + Fr. 13.11. 17.00 Oldendorf
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3-Minuten-Kirche am 4. November 2020

 

 

Dieses Bild habe ich im Sommer im Urlaub in Dänemark auf der Hauswand einer Schule entdeckt. Es hat mich angesprochen, weil das Porträt des Menschen allein aus Worten besteht. Die Worte wiederholen sich auf dem bunten Streifen daneben. Hier finden sich Worte wie Respekt, Toleranz, Empathie, Optimismus, Kommunikation, Beharrlichkeit und einiges mehr.
 
Im Blick auf die Ereignisse der letzten Wochen und Tage finde ich diese Worte, die für mich Werte sind, wichtiger denn je. Die Enthauptung des französischen Lehrers Samuel Paty, die Anschläge in Dresden, Nizza und Wien erschüttern unsere Gesellschaft und zielen auf unsere Meinungsfreiheit. Respekt und Toleranz anderen gegenüber zählen für die Attentäter nicht mehr, obwohl sie mit diesen Werten aufgewachsen sind.
In den USA werden bei der Präsidentschaftswahl gerade noch die Stimmen ausgezählt, es ist ein dichtes Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den beiden Kandidaten. Im Wahlkampf und auch in den Reaktionen jetzt ist zu spüren, dass auch dort an vielen Stellen Respekt und Toleranz gegenüber anderen verloren gegangen ist.
Ein Virus, der mindestens genauso gefährlich ist, wie das Corona-Virus.
 
Dagegen können Kommunikation und Empathie helfen. Das Gespräch suchen, miteinander reden und zuhören. Das ist nicht einfach umzusetzen und braucht sicher eine große Portion Optimismus und Beharrlichkeit. Jesus hat es in der Bergpredigt einem Satz gesagt: „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch!“
Ich möchte nicht aufhören zu hoffen, dass sich diese einfache Regel wieder durchsetzt und Respekt und Toleranz zum Frieden untereinander beitragen.
 
Ihre Pastorin 

                       

 

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3-Minuten-Kirche am 01. November 2020

 

Nebel hängt wie Rauch ums Haus,

drängt die Welt nach innen;

ohne Not geht niemand aus;

alles fällt in Sinnen.

(Christian Morgenstern)

 
Dieses Gedicht heißt „Novembertag“. Und es passt in diesem November besonders. Denn die neuen Vorgaben drängen die Menschen nach innen - ohne Not sollte niemand unter Menschen gehen.
 
Morgenstern hatte natürlich keine Corona-Schutzmaßnahmen vor Augen als er diese Zeilen schrieb. Er fasste vielmehr in Worte, was den November schon immer ausgezeichnet hat; dass er ein Monat des Stillstands und der Besinnung ist. Der November ist der Trauermonat. So gibt es mit Allerseelen, Ewigkeitssonntag und Volkstrauertag gleich drei Tage, an denen des Todes und des Leids gedacht wird. Kurz vor Ende des Jahres besinnt man sich auf die dunklen Seiten und die Endlichkeit des Lebens. Dem November ist etwas Schweres eigen.
 
Damit steht er im krassen Gegensatz zu seinem Nachfolger, dem Dezember.
Kaum ein Monat ist so voll gepackt mit schönen Dingen wie Festen, Süßwaren und Familienzusammenkünften.
 
So sind November und Dezember geradezu Symbole für die beiden Pole zwischen denen sich das Leben abspielt; Dunkelheit, Trauer und Tod auf der einen Seite - Freude, Unbeschwertheit, helles Licht auf der anderen Seite.
 
Wir gehen jetzt in den November - ganz konkret. Aber auch grundsätzlich stehen uns (weiterhin) schwere Zeiten bevor, in denen es weniger unbeschwert und fröhlich zugeht als sonst.
So wenig wir uns wünschen, was uns bevorsteht, müssen wir da durch.
 
Dabei sollten wir immer die Hoffnung im Blick behalten, dass auch diese Phase ein Ende haben wird. Der November dauert nicht ewig! Und dann folgt ganz gewiss der Dezember. Auf die Zeit der Trauer und der Schwere folgt die Zeit der Freude und der Leichtigkeit. Diese Erfahrung machen wir zum Ende eines jeden Jahres aufs Neue - und so verspricht es uns auch Gott. Der Monatsspruch für den November lautet passenderweise:
„Gott spricht: Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten.“ (Jer. 31,9 )
 
In diesem Sinne wünsche ich uns allen einen guten November in dem wir das Vertrauen haben, dass auch wieder andere, bessere Zeiten kommen.
 
Ihr/ euer Pastor 
 
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3-Minuten-Kirche am 28. Oktober 2020
 
 

Verändern Sie sich gerne?

Hat sich etwas gut eingespielt, ist es uns vertraut, war es gefühlt immer ganz gut so, dann ändern wir zumeist ungern etwas daran. Veränderung bedeutet immer auch Risiko. Wer weiß, was da alles passiert. Und Arbeit bedeutet Veränderung natürlich auch. Laufen lassen, wie es ist, erscheint da oft deutlich einfacher, angenehmer. Und doch, manchmal geht es nicht ohne Veränderung!

Im Letzten Jahr vor dem Reformationstag, an der Kasse einer Tankstelle: Da fragt ein Kunde: „Warum habt Ihr nächste Woche, am 31., eigentlich die Waschanlage zu?“  „Na, weil da Reformationstag ist“, lautet die Antwort von der Kasse. „Ach ja dieser katholische Feiertag!“

Unsere katholischen Mitchristen werden sich jetzt bedanken. Reformationstag, ein katholischer Feiertag, darauf wären sie vermutlich eher nicht gekommen. Die Reformation war für die katholische Kirche besonders in Deutschland eine umstürzende, zutiefst verun-sichernde Erfahrung und der Beginn deutlicher Veränderung. Erst seit einigen Jahren fangen beide Konfessionen an, den Reformationstag bewusst gemeinsam zu begehen. Immer noch schmerzlich für die einen – Kirchentrennung – aber auch kein Grund zum Jubel für die anderen. Beide großen Kirchen haben derzeit ähnliche Probleme. Denn, hinter dem Reformationstag einen katholischen Feiertag zu vermuten, ist ein deutliches Indiz dafür, wie weit für viele Menschen kirchliche Tradition und Wirklichkeit - egal ob evangelisch oder katholisch - weg ist von ihrem Lebensalltag.

Veränderung braucht oft den Leidensdruck von innen oder von außen. Einen Druck, der deutlich macht, es kann, es wird nicht bleiben können, wie es war und ist. Wir spüren diesen Druck derzeit in vielen Bereichen u.a. in den Folgen der Klimaveränderung sowohl in der Natur und als auch im Miteinander. Das eine wird immer heißer, das andere immer aufgeregter und kälter. Wir werden uns verändern müssen, wenn es eine Zukunft geben soll. Werden uns als Gesell-schaft, als Kirchen, als Menschheit den aktuellen Fragen und Problemen stellen müssen.

Aber das, was vor gut 500 Jahren, die Reformation angetrieben hat: Die Wiederentdeckung, dass Gott uns in Jesus Christus zugewandt und nahe ist, und das jenseits aller menschlichen Organisationsformen und Regelungen; dass da ein liebender Gott und Vater ist, der trotz aller menschlichen Verfehlungen, neuen Anfang und Leben schenken will, ist heute so wichtig wie damals, gerade jetzt. Sein Geleit brauchen wir als Kirchen beider Konfession, als Gesellschaft, als Einzelne, wie als Weltgemeinschaft um getrost, zuversichtlich und aktiv in die unabdingbaren und nötigen Veränderungen hineinzugehen, um gemeinsam eine Zukunft zu gestalten, die lebenswert ist. Und Christen - egal ob katholisch oder evangelisch - vertrauen gerade in solchen Zeiten wie jetzt auf den Gott, der in Christus nahe ist. Und wenn auch vieles bedrohlich erscheint, sich verändern mag und muss - Er bleibt uns in all dem nahe und in Liebe zugewandt. Daran lasse ich mich am Reformationstag gerne erinnern.

Eine behütete und gesegnete Zeit wünscht Ihnen Ihr Pastor Thomas Müller

Ihr Pastor 
 
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3-Minuten-Kirche am 25. Oktober 2020
 
 
Haben Sie daran gedacht, die Uhr eine Stunde zurückzustellen? Ab heute leben wir in der Winterzeit. Ich mag sie nicht besonders. Dieses Gefühl, dass schon ab Spätnachmittag die Dunkelheit in meinen Tag kriecht, macht mich oft müde und antriebslos.
 
Aber etwas Gutes hat diese Zeit doch. Ich mag es, im Dunkeln an erleuchteten Fenstern vorbeizukommen und mir vorzustellen, was für Menschen dahinter leben, was sie gerade tun. Manchmal kann man die Menschen in den Zimmern sehen, beim gemeinsamen Essen sitzend oder vor dem Fernseher. Manchmal ist ein Raum nur schummrig beleuchtet und wirkt einladend gemütlich. Manchmal entdecke ich eine schöne Pflanze oder eine hübsche Dekoration. Manchmal schaut eine Katze zu mir heraus.
 
Gerade habe ich eine tolle Aktion entdeckt, die meine Aussicht auf Herbstabend-Fenster noch schöner machen könnte. „Laternen Fenster“ heißt sie.
 
In den meisten Orten wird es in diesem Jahr keine Laternenumzüge geben, ist der St. Martinstag keine gute Gelegenheit, fröhlich singend durch die Straßen zu ziehen. Darum werden stattdessen alle eingeladen, eine oder mehrere Laternen in die Fenster zu stellen und sie mit Kerzen oder Lichterketten zum Leuchten zu bringen. Von Kindern selbstgebastelte Laternen erfahren so Wertschätzung und große und kleine abendliche Spaziergänger haben die Möglichkeit, die leuchtenden Laternen zu bestaunen. So teilen wir ein bisschen Hoffnung in dieser schwierigen Zeit und Licht in der Dunkelheit – ganz im Sinne des heiligen Martin von Tours, dessen Todestag wir am 11. November begehen. Der Legende nach hat Martin als junger Soldat einmal seinen Mantel mit dem Schwert durchtrennt und einem frierenden Bettler eine Hälfte geschenkt. Seither nehmen wir uns ein Beispiel an seiner praktizierten Nächstenliebe.
 
Dieses Jahr, indem wir unsere Fenster für andere hell machen. Bei „Laternen Fenster“ kann jede*r überall mitmachen. Und ich freue mich schon jetzt auf bunte, helle, fröhliche Laternen, die meine Wintermüdigkeit vertreiben.
 
Ihre und eure Diakonin 
 
HIER gibt es eine Bastelanleitung für die Aktionslaterne
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