3-Minuten-Kirche am 24. Februar 2021

 

 

Was ist eigentlich Glück? Auf diese Frage gibt es bestimmt so viele verschiedene Antworten, wie es Menschen gibt. Jeder Mensch braucht etwas anderes, um glücklich zu sein. Für den einen ist es Glück, Zeit mit der Familie zu verbringen, für die andere der Spaziergang am Meer. Das kann einfach die Tasse Kaffee am Morgen oder ein Spieleabend mit Freund*innen sein. Oft wird das Glück aber auch mit dem Sechser im Lotto oder der intakten Gesundheit beschrieben. Oder es ist die warme Mahlzeit am Tag und die Möglichkeit, zur Schule gehen zu können. „Glück ist wenn die Katastrophe eine Pause macht.“ Diesen Spruch habe ich vor einigen Jahren bei einem kurzen Urlaub gefunden. Er passte zu dem Zeitpunkt perfekt in meine Lebenssituation. Da war es ein großes Glück einmal aus allem raus zu sein und die Katastrophen des Lebens kurz vergessen zu können.

Die Katastrophen bleiben ja, die großen und auch die kleinen. Corona, Klimawandel, die Situation der Flüchtlinge am Mittelmeer, ein nicht enden wollender Lockdown, Kontaktbeschränkungen, Abschied von geliebten Menschen… Die Reihe lässt sich leicht fortsetzen. In all dem ist das Glück oft nur schwer zu finden.

„Gott nahe zu sein ist mein Glück.“, heißt es im Psalm 73. Aus diesem Vers spricht für mich die Erfahrung, dass Gott nahe bei mir ist und mich auf meinem Lebensweg begleitet, ganz egal, welche Katastrophen mir begegnen. Gott verhindert sie nicht, aber er hilft mir, sie durchzustehen und nach vorne zu blicken. Er hilft mir auch, die Dinge mit anderen Augen zu sehen, zu akzeptieren, was ich nicht ändern kann und da zu handeln, wo ich etwas tun und verändern kann. Welch ein Glück!

Viele glückliche Momente in der nächsten Zeit wünscht Ihnen und Euch Pastorin

                                                                                                                                 

 

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3-Minuten-Kirche am 21. Februar 2021
 
 
Seit Mittwoch dieser Woche gibt es die 3-Minuten-Kirche auch als Telefonandacht.
Unter der Nummer 05153 8000 139 kann ab sofort die jeweils aktuelle 3-Minuten-Kirche abgehört werden. Bitte geben Sie diese Nummer weiter, wenn Sie Menschen kennen, für die dieses Angebot interessant sein könnte!
 
Das Telefon feiert dieses Jahr seinen 160. Geburtstag. Ein faszinierendes Gerät! Wir haben uns wohl schon zu sehr daran gewöhnt, als dass uns noch so richtig bewusst ist, was für eine fantastische Erfindung das ist.
Mit einem Telefon kann ich mit nahezu jedem Mensch auf dieser Erde innerhalb weniger Sekunden ein Gespräch führen, eine Verbindung aufbauen, in Beziehung treten. Es gibt so gut wie keinen Menschen, den ich mit einem Telefon nicht erreichen kann - und das ganz ohne Aufwand.
Einfach so: Nummer wählen und Telefon ans Ohr.
 
Damit ist ein Telefon ein schönes Bild für Gott. So steht Gott mit ausnahmslos jedem Menschen in Kontakt. Ja, es besteht eine regelrechte Dauerleitung zwischen ihm und uns, denn sein Geist ist uns allen gegeben. So erzählt die Bibel mit dem Mythos über die Erschaffung des Menschen, dass Gott dem Menschen seinen Geist eingehaucht hat.
 
Wir alle sind durch diesen Geist mit ihm verbunden; durch ihn stehen wir in Kontakt mit, in Beziehung zu Gott. So kann es zu einem Austausch mit Gott kommen, der tiefer geht als es über ein Telefon möglich ist. Denn Gott bleibt uns nicht äußerlich wie ein Telefon, das ich mir nur ans Ohr halte, das ich aber auch weglegen oder gar verlieren kann. Nein, Gott ist in uns - wohin wir auch gehen. Es gibt kein Funkloch, in das wir uns begeben könnten, und wo wir dann Gott nicht mehr erreichen könnten. Nein, wir haben einen ganz unmittelbaren Draht zu ihm.
Und das Schöne ist: Gott hat weder einen Anrufbeantworter noch ist bei ihm jemals besetzt.
 
Gott ist 24 Stunden am Tag zu erreichen - er ist nie weiter als ein Gebet entfernt. „Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, dass ihr euch fürchten müsstet; sondern ihr habt einen Geist der Kindschaft empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater!“ (Römer 8:15)
 
Ihr Pastor 
                  
 
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3-Minuten-Kirche am 17. Februar 2021
 
 
Ja, ich gebe es zu: Ich mag keinen Schnee. Im Gegenteil. Ich finde ihn sogar richtig doof. Er ist weiß und kalt und nass und die Welt ist monochrom und trist, wenn Schnee liegt.
Wann immer ich das sage, entgegnen mir andere: „Aber wenn die Sonne scheint, ...“ 
 
Jaja, dann sieht es hinreißend aus draußen, so glitzernd, ich weiß. Ich mag ihn trotzdem nicht! Von mir aus kann er da liegen und glitzern, solange ich drinnen bin. Aber wenn ich rausgehe, dann hätte ich gern, dass dieses weiße, kalte, nasse Zeugs verschwunden ist. Ich hab’s nicht so mit Schlitten fahren, Snowboarden, Schneemänner bauen, Schneeballschlachten, ...
 
Dennoch hat mir der Schnee dieser Tage häufig ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Ich habe so viele Bilder und Videos von vergnügten Menschen gesehen, wie schon lange nicht mehr. Nicht nur für Kinder war das Rodeln und Toben im Schnee eine erlösende Abwechslung im angespannten Lockdown-Alltag. Engel mit seinem Körper in den Schnee zu malen, war die neueste Challenge – wahlweise bekleidet oder nur in Unterwäsche. Fotos von eindrucksvollen Schneeformationen, Winterwaldwegen und meterhoch aufgeschippten Schneebergen schwirrten durch die sozialen Medien.
 
Auch ich habe das Haus natürlich trotzdem verlassen und so manchen Winterspaziergang unternommen. Ich bin im Flockengestöber durch knietiefen Schnee gestapft, bei strahlendem Sonnenschein über geschobene Waldwege geschlendert und habe nicht wenige glitzernde Schneefotos geschossen. Denn was aus Schnee- und Eiskristallen für unvergleichliche Kunstwerke entstehen – das finde ich ehrlich imponierend! Jede Schneeflocke ist nämlich – so wie wir Menschen – einzigartig. Keine gleicht der anderen. Demzufolge liegt da draußen ein riesiger Schatz einmaliger Wunderwerke. 
 
„Wie zahlreich sind deine Werke, Herr. In Weisheit hat du sie alle gemacht. Die Erde ist voll von deinen Gütern.“ So preist schon der Beter des 104. Psalms den Reichtum der Schöpfung. Es mag mir nicht alles gefallen (Schnee, Spinnen, Schachtelhalm, ...), doch das Staunen habe ich nicht verlernt.
Nur wer staunen kann, wird Wunder entdecken. 
 
In diesem Sinne wünsche ich eine wundervolle Woche und grüße herzlich
 
Diakonin
               
 
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3-Minuten-Kirche am 14. Februar 2021
 
 
Mensch, tat das gut, die Sonne in diesen Tagen! Der Blick in die Zukunft ist durch Corona ziemlich eingetrübt. Und auch der Himmel über uns war lange düster und verhangen. Dazu der starke Schneefall, der den Bewegungs-spielraum zusätzlich weiter einschränkte. Und dann am Dienstag strahlend blauer Himmel und Sonne. Das ließ die strenge Kälte draußen glatt vergessen. Und auch das andere Dunkel trat zurück.
So ist das mit dem Licht in der Dunkelheit. Und viel mehr noch als beim Licht der Sonne - so die Verheißung - mit dem Licht in der Dunkelheit, von dem unser christlicher Glaube Zeugnis gibt, das da zu finden ist, wo Gottes Gegenwart zur Erfahrung wird.
Wie das geht?
 
Nun, wir alle kennen, wie sehr ein Mensch sich verändert, wenn er von Herzen in einen anderen verliebt ist, ihn von Herzen schätzt. Der/die frisch verliebte Jugendliche, die freudigen Eltern eines Babys. Das geliebte Gegenüber erfüllt das Leben. Es bewegt, beschwingt mehr noch, als es das Licht der Sonne kann. Das wirkt selbst in düsteren Tagen. Das kann man an Liebenden erleben. Die Beziehung zum geliebten Kind, Freund, Partner ist wie eine lichte wärmende Sonne in ihrem Leben.
Nun haben alle schönen menschlichen Beziehungen dennoch immer ihre Schattenseiten. Trennung, Enttäuschung, Sorge um die Beziehung, um den/die andere/n gehört unausweichlich dazu.
Es gibt aber die Liebesbeziehung, der all diese Schattenseiten fehlen. Eine Beziehung, die jeder Mensch von jung bis alt leben kann, in der alle willkommen sind, ja freudig erwartet werden. Und das ist die Beziehung zu Gott, der uns wie ein liebender Vater zugewandt ist. Gott, wie Jesus uns zu erkennen gegeben hat.
 
Im Buch Richter im Alten Testament steht, was mit denen passiert, die sich auf eine Beziehung zu Gott von Herzen einlassen und in ihr leben, aus ihr schöpfen: Die Gott den Herrn lieb haben, sollen sein, wie die Sonne aufgeht in ihrer Pracht (Richter 5, 31).
 
Zu werden wie die aufgehende Sonne, die Licht und Wärme bringt und Dunkelheit und Kälte vertreibt - welche Verheißung! Was die wärmende Sonne bewirkt, das haben wir gerade erlebt. Damit wir selbst wie eine aufgehende Sonne werden können, müssen wir erst einmal innerlich von Licht und Wärme erfüllt werden. Bei Liebenden passiert das. Bei Gott liebenden und sich von Gott geliebt Glaubenden passiert das auch nur ohne alle Schattenseiten sonstiger Liebe. Denn diese Beziehung ist von Gott her unverbrüchlich, dafür ist er sogar ans Kreuz und in den Tod gegangen. Ja, diese Beziehung übersteht sogar das Ende, den Tod, weil Gott, der uns in die Beziehung zu sich einlädt, das Leben selbst ist.
 
Wie man diese Beziehung entstehen, wachsen lässt?
Nun, wie jede andere Beziehung auch. Durch Wahrnehmen des Gegenübers mit Herz und Sinn, durch Zeit haben und nehmen für den anderen, durch Teilen dessen, was das Leben ausmacht, das im Gespräch sein, aneinander festhalten in dick und dünn. Wir alle wissen wie das geht. Nun nur nicht allein im Blick auf einen Menschen, sondern im Blick auf Gott.
Tolle Perspektive!
Die Sonne geht auf!
Licht und Wärme im Dunkel, in unserem Leben, in dieser Welt, in der Zukunft, die uns doch nur zu Gott führen kann und wird.
 
Herzlich grüßt Ihr Pastor
                                         
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3-Minuten-Kirche am 10. Februar 2021

 

 

 

„Lichtfenster“ heißt die Aktion, die Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vor einigen Wochen ins Leben gerufen hat und die von der EKD und unserer Landeskirche unterstützt wird. Die Aktion ruft dazu auf, an jedem Freitag bei Anbruch der Dunkelheit eine Kerze ins Fenster zu stellen. Damit soll all der Menschen gedacht werden, die an und mit Corona verstorben sind. Für sie alle plant er eine zentrale Gedenkfeier am 18. April.

Auch wir stellen jeden Freitag eine brennende Kerze ins Fenster. Andrea Gärtner hat letzte Woche an dieser Stelle den Instagram-Account @mehr_als_nur_eine_zahl vorgestellt, die den Verstorbenen Namen gibt und so an sie erinnert. Daneben finde ich die brennende Kerze als gemeinsames Zeichen der Erinnerung wichtig. Für mich ist es auch nicht nur ein Zeichen der Erinnerung, sondern auch der Hoffnung. Der Hoffnung darauf, dass auch diese dunklen Zeiten, die wir gerade erleben, ein Ende haben werden. Aber auch die Hoffnung darauf, dass mit dem Tod eben nicht alles vorbei ist.

Jesus sagt von sich: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ (Joh 8, 12) und „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt wird leben, auch wenn er stirbt; und wer lebt und an mich glaubt, wird niemals sterben – in Ewigkeit nicht.“ (Joh 11, 25) Wenn wir am Ewigkeitssonntag den Verstorbenen des Kirchenjahres gedenken, verlesen wir nicht nur ihre Namen, sondern zünden auch eine Kerze für sie an, als Zeichen genau dieser Hoffnung.

Für mich ist das jedes Mal wieder ein wichtiges Zeichen. Deshalb zünde ich freitags nun auch ein Hoffnungslicht an und stelle es ins Fenster. Unsere Tochter hat am Freitag gefragt, warum in den anderen Häusern in der Nachbarschaft keine Kerze brennt. Ich habe geantwortet, dass die Aktion vielleicht noch nicht so bekannt ist.

Vielleicht stellen Sie ja jetzt auch am Freitag als kleines Hoffnungszeichen eine Kerze in Ihr Fenster.

 

Ihre Pastorin 

                                  

 

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3-Minuten-Kirche am 07. Februar 2021
 
 
Seit der Absetzung der „Lindenstraße“ ist der „Tatort“ die letzte große Kultsendung im deutschen Fernsehen. Mit durchschnittlich 10 Millionen Zuschauern gehört die Sendung zu den Quoten-Bringern im öffentlich rechtlichen Fernsehen.
Der Tatort ist ein Märchen für Erwachsene. Auch wenn die Drehbuchautoren sich noch so viel Mühe geben, die Dramatik so interessant und unvorhersehbar wie möglich zu gestalten, weiß doch jeder schon bevor es losgeht, wie es ausgeht: Am Ende wird der Mörder überführt. Am Ende muss das Gute siegen. Das Böse muss überführt, entlarvt und gefangen genommen werden.
 
Der Tatort ist wie letztlich jeder Krimi ein modernes Märchen, das davon erzählt, dass das Böse auf der Strecke bleibt und das Gute sich behaupten kann. Wobei in Deutschland tatsächlich mehr als 90% aller Mordfälle aufgeklärt werden. 
Aber sonst? Es gibt vieles, was eigentlich nicht sein darf, was verboten gehört, was Leben zerstört, was man als böse bezeichnen kann: Unterdrückung, Misshandlung, Ausbeutung der Armen, Unrecht jeder Art, Schändung der Natur… die Liste ließe sich fortsetzen. Unsere Welt gleicht einem Krimi mit ungewissem Ausgang.
Nimmt das Ganze ein gutes Ende oder wird das Gute siegen? 
 
Ich glaube: Ja, am Ende wird sich das Gute und die Liebe durchsetzen. Mit meinem Optimismus bin ich nicht allein. Auch Paulus war zuversichtlich, dass das Gute stärker ist als das Böse. So schreibt er „Überwinde das Böse mit dem Guten!“ (Röm. 12,21b). Das Gute ist stärker als das Böse. Das ist die Überzeugung des Paulus. Und das ist mein Hoffnung für diese Welt. Es bleibt abzuwarten und auszuhalten, welche Finten das Böse legen wird und wie lange es sein Spiel noch treiben kann. Ich bin mir aber sicher: Was für einen Tatort gilt, gilt auch für die Geschichte von Gottes guter Schöpfung: „Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende“ (Oscar Wild)
 
Ihr/ euer Pastor 
                         
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3-Minuten-Kirche am 03. Februar 2021
 
 
Morgens schalte ich das Radio ein und höre als Erstes die aktuellen Corona-Nachrichten: die Zahl der Neuinfizierten, Informationen zum Impfdurcheinander, neue Überlegungen, der Pandemie beizukommen, ... Ich gestehe, oft lausche ich nur noch mit halbem Ohr. Ich mag es nicht mehr hören.
 
Abends im Fernsehen begegnen mir dann doch wieder Corona-Meldungen. In bunten Schaubildern werden die Zahlen des Tages dargestellt: Neuinfizierte, Menschen mit Covid-19 auf Intensivstationen, Verstorbene. Ich seufze und nehme die Zahlen wahr. Sie gehören mittlerweile zum Alltag. Würde ich zehn Minuten später danach gefragt – ich könnte sie nicht wiedergeben. Ich habe den Bezug zu den Zahlen verloren. 
 
Diese Erkenntnis hat mich erschreckt! Jeden Tag begegnen uns die neuesten Todeszahlen durch Covid-19. Sie sind so alltäglich geworden, dass wir sie zur Kenntnis nehmen, ohne von ihnen berührt zu werden. Aber hinter jeder dieser Zahlen stehen Menschen und ihre Angehörigen. Jede dieser Zahlen erzählt von einem Leben, einem Schicksal, einem furchtbaren Tod.
 
Von den Menschen hinter dieser Zahl erzählt seit Dezember vergangenen Jahres der Instagramaccount @mehr_als_nur_eine_zahl. Ein junger Vikar aus Hamburg gestaltet mit den Informationen, die er von Angehörigen bekommt, ein Gedenk-Blatt. Auf grauem Grund ist mit weißer Farbe ein Name geschrieben, eine Eigenschaft, eine besondere Erinnerung. Dazu zwei Polaroids, die nicht die Verstorbenen zeigen, aber zu ihrem Leben passen.
 
Ich war sehr berührt, als ich zufällig über diesen Account gestolpert bin. Hier wird auf liebevolle und wertschätzende Weise der Menschen gedacht, die hinter diesen Zahlen stehen, die für uns, die wir nicht persönlich betroffen sind, zum Hintergrundrauschen geworden sind. 
 
Ich möchte mich erinnern lassen, möchte die hohen Zahlen der Covid-19-Toten nicht klaglos hinnehmen und möchte vor allem die Trauernden nicht vergessen.
Mich tröstet, zu wissen, dass Gott um all diese Schicksale weiß. Bei ihm ist niemand vergessen. „Freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind!“ So steht es im Lukasevangelium. Darauf vertraue ich.
 
Gott befohlen! Ihre und eure Diakonin 
                                                              
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3-Minuten-Kirche am 31. Januar 2021
 
 
Natürlich können wir uns beklagen, dass das mit den Impfungen nicht schneller, besser geht, aber was ...
Natürlich können wir jetzt Schuldige suchen und diskutieren, was man alles hätte besser machen können (am besten geht das, wenn man die Fakten selber nicht so genau kennt) aber was ...
Natürlich sind die Einschränkungen unangenehm, für viele sogar beschwerlich für manche bedrohlich. Und wir können alle Miteinander jeder aus seiner persönlichen Sicht darüber klagen, aber was …
Natürlich können wir unsere Unzufriedenheit mit der Gesamtsituation in Zwiegesprächen, auf Demos oder in shitstürmen im Netz zum Ausdruck bringen und auch die da oben oder wen auch immer schimpfen, aber was ...
 
Da fällt mir ein, dass auch das Volk Israel in seiner Geschichte öfter mal verständlicher Weise mit der Gesamtsituation unzufrieden war. Und wie dann z.B. der Prophet Jesaja, als sie besiegt und verschleppt nach Babylonien, verständlicherweise muckten und murrten, sie alle zusammen dann im Auftrag Gottes ermahnte: Suchet der Stadt Bestes! Sprich; Nehmt an, was jetzt ist, auch, wenn es euch überhaupt nicht behagt, auch wenn Ihr lieber was ganz anderes möchtet. Und sucht mitten in dieser unschönen, fremden, beschwerlichen, ja bedrohlichen Situation, die euch vieles auferlegt, das bestmögliche für alle.
 
 
Das hilft! Wenn jeder und jede an seinem Platz das Beste für den Nächsten, für das Ganze und damit dann zwar nicht „erstlich“ aber letztlich für sich selbst sucht, das würde uns gemeinsam voranbringen. Nöte und Probleme selber lindern, da, wo wir das können. Es mittragen und unterstützen, wenn andere das versuchen. Nicht zu den Schwierigkeiten noch negative Stimmung verbreiten, sondern die nach Kräften unterstützen und für sie beten – allemal besser, als über sie zu meckern – die sich um hilfreiche Lösungen  bemühen, egal ob aus persönlicher Überzeugung oder weil es ihre Aufgabe von „Amts“ wegen ist. Sprich zum Guten Reden und Wirken, der Stadt bestes suchen.  
 
Krisen können eine Gesellschaft zerreißen oder gemeinsam angepackt und bewältigt, ganz neu zusammenführen. Die Entscheidung darüber liegt bei uns allen.
Jesajas Rat im Auftrag Gottes ist klar: Sucht gemeinsam der Stadt Bestes!   
                  
Herzlich grüßt Ihr Pastor
                                           
 
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3-Minuten-Kirche am 27. Januar 2021

 

 

 

Der 27. Januar ist in Deutschland seit 1996 ein bundesweiter, gesetzlich verankerter Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus. Dieser Gedenktag bezieht sich auf die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau und die beiden anderen Konzentrationslager Auschwitz durch die Rote Armee am 27. Januar 1945, also heute vor 76 Jahren. Der damalige Bundespräsident Roman Herzog sagte bei der Proklamation des Gedenktages: Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Es ist deshalb wichtig, nun eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt. Sie soll Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken.“

„Die Erinnerung darf nicht enden…“ Diese Worte möchte ich unterstreichen. Noch immer gibt es Überlebende, die ihre Geschichte erzählen, damit sich diese Geschichte nicht wiederholt. Sie werden von Jahr zu Jahr weniger. Und der Antisemitismus in Deutschland nimmt wieder zu. Das zeigt nicht nur der Anschlag auf die Synagoge in Halle im Herbst 2019. Umso wichtiger ist, dass die Geschichten der Opfer des Nationalsozialismus weiterhin erzählt werden, dass man sich weiter an sie erinnert. Eine Geschichte, die wir im Gemeindeverband in der Arbeit mit den Konfirmandinnen und Konfirmanden immer wieder erzählen, ist die Geschichte von Anne Frank. Ihre Familie ist zuerst aus Deutschland in die Niederlande geflüchtet und hat sich dann im Hinterhaus der Firma versteckt, die Annes Vater gehörte. Ihr Versteck wurde verraten. Auch die Familie Frank wurde nach Auschwitz deportiert. Anne und ihre Schwester Margot kamen später nach Bergen-Belsen, wo sie kurz vor Kriegsende an Typhus gestorben sind. Ihre Mutter ist in Auschwitz gestorben, einzig Annes Vater hat überlebt und später Annes Tagebuch veröffentlicht. In der Gedenkstätte in Bergen-Belsen erinnert ein Grabstein an Anne und ihre Schwester Margot, auch wenn man nicht weiß in welchem der Massengräber sie begraben sind. Der Besuch der Gedenkstätte und des Grabsteins ist Teil des Konfirmand*innen-Projektes. So wie Anne ist es Millionen anderer Menschen gegangen, weil sie jüdischen Glaubens waren, politische Gegner oder homosexuell. „Eine Leuchte des HERRN ist des Menschen Geist“ (Sprüche 20, 27) steht auf Annes Grabstein. Lassen wir uns gerade heute daran erinnern, dass alle Menschen gleich wertvoll sind, egal, wo sie herkommen, welche Meinung sie vertreten oder welcher Religion sie angehören.

Ihre Pastorin 

                        

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3-Minuten-Kirche am 24. Januar 2021
 
 
Um Weihnachten ging im Internet ein Video rum, in dem die Queen auf das vergangene Jahr zurückblickt. Am Ende des Videos führt sie einen Tanz auf, den sie extra für ihren Internetauftritt bei Tiktok einstudiert hat. Dazu tanzt sie schließlich sogar auf dem Tisch herum.
 
Das Video ist natürlich nicht echt - sieht aber täuschend echt aus. Computer machen es mittlerweile extrem leicht, solche gefälschten Videos herzustellen. Bereits in wenigen Jahren werden diese sogenannten Deepfakes für einen Menschen nicht mehr als „fake“ zu erkennen sein.
 
Dass nicht jedes Foto die Realität abbildet sondern überarbeitet und verfälscht worden sein kann, daran haben wir uns bereits gewöhnt. Der nächste logische Schritt sind Videos samt Ton. Wir gehen auf ein Zeitalter zu, in dem wir unseren Augen nicht mehr trauen können. Diese technische Entwicklung wird unsere Gesellschaft in eine neue, schwierige Situation bringen. Denn zukünftig wird die Frage, wem bzw. was man überhaupt noch glauben kann, nicht mehr mit dem Verweis auf Fakten, Beweise oder Dokumente zu begründen sein. Wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass in Zukunft alles eine perfekt Fälschung sein kann und wir insofern unser Urteil schlicht nicht mehr auf dem gründen können, was wir sehen und hören.
 
So problematisch diese Entwicklung sein kann, so sehr rückt sie zugleich auch den Glauben in ein neues Licht. Denn Glaube hatte immer damit zu kämpfen, dass er sich nicht beweisen ließ. So galt und gilt der religiöse Glaube vielen Menschen als albern oder abwegig, weil es keine Beweise für Gott gibt. Doch nun dreht sich der Spieß in gewisser Hinsicht um. Denn es wird sich die Einsicht durchsetzen, dass etwas Sicht- bzw. Hörbares durchaus kein Beweis dafür sein muss, dass etwas wahr ist.
 
Glaube hat sich nie auf Fakten gegründet - Glaube hat immer mit einer inneren Überzeugung ohne Beweise und einer persönlichen Erfahrung mit Gott zu tun. Insofern trifft Jesus den Kern des Glaubens wenn er zum ungläubigen Thomas sagt: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ Selig ist, wer in dieser Welt und den Menschen mehr sieht als dem äußeren Anschein nach zu sehen und zu erwarten ist.
 
Ihr/ euer Pastor 
                         
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Monatsspruch Februar 2021

Freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind!
(Lk 10, 20)
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