3-Minuten-Kirche am 02. Mai 2021
 
 
20 Quadratmeter - soviel Fläche schreiben die Vorgaben des Landkreises aktuell für jeden Gottesdienstbesucher vor. Unter normalen Umständen sind unsere Kirchen ja groß genug für die durchschnittliche Besucherzahl eines Sonntagsgottesdienstes. Und auch die seit Corona geltenden Abstandsregeln lassen sich gut umsetzen, ohne dass wir GottesdienstbesucherInnen an der Kirchentür abweisen müssen.
Aber 20 Quadratmeter pro Person ist zu viel - Um unter diesen Vorgaben mit einer angemessenen Besucherzahl Gottesdienste feiern zu können, dazu sind unsere Kirchen dann eben doch zu klein.
 
Diese verschärften Vorgaben haben mich an eine Erzählung von Tolstoi erinnert - sie heißt „Wie viel Erde braucht der Mensch?“. Es geht um einen Bauern, der getrieben ist vom Zwang, immer mehr Land zu besitzen. Obwohl er mehr hat, als er zum Leben braucht, kommt er nicht zur Ruhe. Er zieht umher auf der Suche nach dem günstigsten Land.
Die Geschichte endet tragisch: Weil er zu viel will, bricht er schließlich vor Erschöpfung zusammen und stirbt. Sein Zwang, immer mehr haben zu wollen, hat ihn sein Leben gekostet. Tolstois Bauer ist ein Symbol dafür, dass wir Menschen dazu neigen, über unsere wirklichen Bedürfnisse hinaus besitzen und uns für die ungewisse Zukunft absichern zu wollen.
 
In diesem Sinn erzählt auch Jesus ein Gleichnis von einem reichen Bauern, der immer mehr größere Vorräte anlegt in der Hoffnung, sich so Seelenfrieden zu verschaffen. Auch in dieser Geschichte erweist es sich als Trugschluss, über die Anhäufung materieller Dinge wahres Glück finden zu wollen.
Dem gegenüber lautet die Einsicht des 73. Psalms „Gott nahe zu sein ist mein Glück.“
Das mag zunächst nach nicht viel klingen: Gott nahe zu sein. Wie soll das glücklich machen? Das lässt sich natürlich mit Worten nur unzureichend erklären denn die Erfahrung des Glaubens liegt jenseits der reinen Vernunft, bzw. ist höher als alle Vernunft, wie am Ende einer Predigt oft gesagt wird.
 
Ich würde es so sagen: Gott nahe zu sein, bedeutet Glück und Erfüllung, weil in der Begegnung mit Gott etwas von seiner Liebe und seinem Frieden auf uns übergeht - so wie die Wärme der Sonne auf alles übergeht, auf das die Strahlen fallen.
 
Und das Schöne ist:
Anders als die Sonne geht Gottes Liebe und seine Frieden niemals unter, sondern stehen immer über uns.
 
Ihr/ euer Pastor 
                          
 

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