3-Minuten-Kirche am 07. Oktober 2020
 
 
„Ich wünsche ihm die Krätze an den Hintern und so kurze Arme, dass er sich nicht kratzen kann“ ist wohl die charmanteste Verwünschung, die ich bisher gehört habe.
 
Ich würde sagen: Den Drang, jemanden verwünschen zu wollen, ist natürlich. Und witzigerweise scheint er nicht nur uns Menschen eigen zu sein. Auch Gott scheint dieses Gefühl gut zu kennen. Zum Beispiel mit seinem erwählten Volk Israel, als es auf dem Weg ins gelobte Land durch die Wüste ziehen muss. Da ist ja der Vorfall mit dem goldenen Kalb, das die Israeliten sich bauen und anbeten. Da gerät Gott richtig in Rage und sagt zu Mose: „Und nun lass mich, dass mein Zorn über sie entbrenne und sie vertilge.“ (2. Mose 32,10) Gott ist also not amused!
 
Es gibt Menschen, die auch mich auf die Palme bringen können. Das kann verschiedene Gründe haben. Meistens merkt man diesen Umstand im Gespräch. Besonders dann, wenn man überhaupt nicht einer Meinung ist.
Und ja: Es gibt Personen des öffentlichen Lebens, die auch mich immer wieder fassungslos machen. Bei einem von ihnen ist der Corona-Test jetzt positiv ausgefallen. Als das bekannt wurde, musste ich sofort an Aussagen mancher Personen denken, die mir begegnet sind: „Der müsste sich mal infizieren und einen schweren Covid-Verlauf erleben. Vielleicht wäre er dann endlich weg.“
 
Wow! Manche Menschen sind so voller Zorn über eine Person, dass sie dieser mehr als nur die Krätze wünschen.
Wie gesagt: Den Drang zur Verwünschung scheint auch Gott zu kennen. Und da ich mir gerne Vorbilder nehme, um mein Handeln zu rechtfertigen, gucke ich mal, was Gott so macht. Der lässt sich auf ein Gespräch mit Mose ein und überdenkt dann seinen Wunsch: „Da gereute den HERRN das Unheil, das er seinem Volk zugedacht hatte.“ (2. Mose 32, 14)
Statt alle platt zu machen, erbarmt er sich und offenbart den Israeliten ein wichtiges Gebot, an das auch Jesus später erinnert: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (3. Mose 19,18)
 
Wie würden Sie entscheiden?
 
Herzliche Grüße, Ihr Vikar Jan Edelstein
 
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Monatsspruch Oktober 2020

Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum HERRN; denn wenn's ihr wohlgeht, so geht's euch auch wohl.
(Jer 29,7 )
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