3-Minuten-Kirche am 06. Oktober 2021
 
 
 „Nicht gemeckert ist genug gelobt“, lautet eine oft zitierte Redensart. Manche mutmaßen, es läge an der Unterkühltheit der Norddeutschen. Mein Eindruck ist eher, dass wir vergessen haben, unser Gegenüber wohlwollend zu betrachten. Dabei haben wir den*die andere*n durchaus im Blick. Wir schauen schon genau hin. Aber meist auf Fehlersuche.
 
Im Vorwort einer Zeitschrift forderte jüngst die Chefredakteurin „bedingungslose Grundwärme“. Dieser neue Begriff ließ mich aufhorchen, schmunzeln und dann nachdenklich zurück. Warum scheint es so schwer dem*der anderen freundlich zu begegnen. Woher kommt diese häufig zu beobachtende Manier, sich selbst durch die Abgrenzung von anderen zu definieren, vielleicht sogar aufzuwerten? Warum sehen wir beim Gegenüber blitzschnell vermeintliche Fehler und Mängel, statt die Stärken hervorzuheben?
 
„Lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken.“
 
Dieser Satz aus einem Brief von Paulus an die Hebräer, der Monatsspruch für den Oktober, fordert uns auf, ganz anders zu schauen und zu agieren. Das Wort achthaben beinhaltet doch automatisch, vorsichtig mit dem Gegenüber umzugehen, achtsam zu sein. Wir sollen nicht niedermachen und kleinhalten, sondern mit Wohlwollen schauen, was der*die andere kann. Dass er oder sie nicht eingeengt, sondern wertgeschätzt wird.
 
Mit diesem Satz macht Paulus deutlich, wie Gott die Menschen gemeint hat. Er wünscht sich uns aufmerksam und achtsam, sich selbst und anderen gegenüber liebevoll, eben mit einer bedingungslosen Grundwärme. Doch damit nicht genug. Nicht zu meckern ist nun einmal nicht genug gelobt!
 
Oder, um es mit einem himmlischen Witz zu verdeutlichen:
Am Himmelstor steht ein Mann und sagt: „Aber ich habe doch nichts getan.“
Petrus erwidert: „Eben! Darum kann ich dich nicht hineinlassen.“
 
Sich ermutigen, am Ball bleiben, aus Jesu Umgang mit den Menschen lernen, achtsam hinschauen, gemeinsam gute Werke vollbringen, die dann wiederum dem Einzelnen und der Gemeinschaft dienen – von solchen Menschen träumt Gott.
 
Lassen Sie es uns versuchen!
 
Ihre und eure Diakonin
                                       

Monatsspruch Oktober 2021

Lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken.
(Hebr 10,24)
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