3-Minuten-Kirche am 17. Januar 2021
 
 
Wenn alles gut ist, ist alles normal. Also: normal ist, wenn alles gut ist? Das ist eine häufige Lebenseinstellung.
Das Gute, das zu unserem Leben gehört, ist dann vermeintlich allzu normal und damit auch kein Anlass und Grund für besondere Gedanken, Wertschätzung, für Freude und Dankbarkeit. Steht uns das Gute nicht eigentlich sogar zu? Grund für Gefühlswallungen (nur keine positiven) sind dann allein noch die Dinge, die nicht optimal sind. Weniger als gut geht gar nicht, gut ist normal, anzustreben ist optimal.
Ein Beispiel? Der gar nicht so seltene Versuch, von vorne bis hinten durchgeplante „Traumhochzeiten“ zu veranstalten, ist ein beredtes Zeugnis für diese weit verbreitete Lebenshaltung. Aber selbst, wenn eine solche „Traumhochzeit“ unter viel Mühen gelingen würde, ob das gemeinsam Leben hinterher dann deshalb auch immer optimal, sprich traumhaft verläuft?
 
Eigentlich toll, wenn es uns in der Regel so gut geht, dass gut der Normalzustand ist. Für viele Menschen in der weiten Welt, für etliche in Deutschland, gilt das so nicht. Umso mehr: Schade eigentlich, dass wir uns da, wo es uns gut geht, nicht von Herzen dran erfreuen können, weil es eben nur selbstverständlich erscheint. Uns aber eher bereitwillig aufreiben an dem, was noch nicht so ist, wie wir es uns wünschen.
 
„Das Leben ist kein Ponyhof“, sagt ein mir bekannter Kollege regelmäßig, wenn Wunsch und Wirklichkeit mal wieder nicht zusammengehen. Und er sagt damit auch, das: „kein Ponyhof“, das ist eigentlich das Normale. Umso mehr wäre es Grund zur Freude, wenn es gerade richtig gut ist. Grund und Anlass, das Gute immer wieder zwischen alle dem anderen bewusst zu suchen,  zu entdecken und sich daran zu freuen.
 
Das ist die Geschichte mit dem Halbvollen und dem Halbleerem Glas. Die Frage ist, worauf man blickt. Natürlich kann man daran leiden und meckern, was noch fehlt zum vermeintlichen Glück/ Optimum. Oder aber, man freut sich an dem, was einem gegeben ist. Wann es einem wohl besser geht?
 
Oder gibt es das doch, das volle Glas? Der Beter des 23. Psalms sagt: „Du, Gott, salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein“. Das heißt: Du schenkst mir Würde wie einem König (Salbung) und alles, was ich im Letzten zum Leben brauche, bekomme ich in Fülle von Dir (der volle Becher). Und er sagt das, nachdem er über Angst, Dunkel, Bedrohung in seinem Leben gesprochen hat. Denn selbst die waren, da wo er Gott vertraute, für ihn immer um-fangen von  der Erfahrung des Geleits und  Gegenwart Gottes. Deshalb kann  er mitten in allen Widrigkeiten – auch sein Leben ist kein Ponyhof-, am Anfang seines Gebets trotz alles Beschwerlichen nur bekennen: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln, was ich zum Leben im Letzten brauche. Und am Ende seine Zuversicht bekennen: Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar!
 
Solche Freude und Dankbarkeit über das Gute in Ihrem Leben, solche Erfahrung des Getragen-seins in dunklen Tagen und solche Zuversicht im Blick auf das Ganze, wie auf das Ende in der Barmherzigkeit Gottes. wünsche ich uns allen. 
Herzlich grüßt Ihr Pastor 
                                             
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Monatsspruch Februar 2021

Freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind!
(Lk 10, 20)
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