3-Minuten-Kirche am 18. März 2020

 

 

Bleiben Sie gesund!

Diesen Wunsch höre ich häufig in den letzten Tagen – und auch ich gebe ihn vielen mit auf den Weg, persönlich oder elektronisch.

Es ist etwas, das uns alle verbindet, in dieser Zeit, die alles bisher Gewohnte aus den Fugen geraten lässt. Das Leben vieler Menschen ist gefährdet und wir alle können und müssen unseren Teil dazu beitragen, die Ausbreitung der Pandemie zu verlangsamen. Es fordert viel Geduld und Besonnenheit, um angesichts der Meldungen und der Hamsterkäufe nicht in Panik zu geraten. Es kostet Kraft, sich auf die neue Situation einzustellen.

Da braucht es Kraftquellen, um neue Kraft zu schöpfen. Der Gottesdienst ist für viele Menschen eine solche Kraftquelle. Auch wenn zur Zeit keine Gottesdienste stattfinden können, gibt es verschiedene Möglichkeiten, Gottes Wort als Kraftquelle zu nutzen. Nicht nur Fernsehgottesdienste und Radioandachten oder hier unsere „3-Minuten-Kirche“. 

Viele Menschen verabreden sich zu bestimmten Zeiten zum gemeinsamen Gebet oder zur Andacht. Auch wenn wir allein zu Hause sind, können wir uns im Gebet mit vielen anderen verbunden wissen.

Eine Kraftquelle kann auch ein Bibelwort sein, das durch das Leben begleitet. Das kann der Tauf-, Konfirmations- oder Trauspruch sein, aber auch ein ganz anderer. Ich wurde vor einiger Zeit einmal nach meinem Lieblingsspruch aus der Bibel gefragt. Spontan fiel mir als erstes ein Vers aus Psalm 139 ein: „Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.“ Ein Vers, der für mich viel über die Nähe Gottes auch in schwierigen Zeiten sagt.

Egal was kommt, kann ich mich bei Gott sicher geborgen wissen. Er hält mich in seiner Hand, im Leben und im Sterben. Ein Vers, der mir auch in dieser Zeit immer wieder Kraft gibt.

Wir brauchen in schwierigen Zeiten Worte und Taten, die uns Mut machen. Und der Wunsch „Bleiben Sie gesund!“ gehört für mich dazu. Dieser Wunsch ist wie ein Segenswunsch, der sagt: „Bleiben Sie von Gott behütet!“

Ich bin mir sicher, dass Gott uns durch diese Zeit trägt und uns nicht verlässt, egal, was kommt.

In diesem Sinne: Bleiben Sie gesund und von Gott behütet!

Ihre Pastorin 

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3-Minuten-Kirche am 25. März 2020

 

 

Ich mag Comic-Verfilmungen. Ich bewundere die Helden. Eben waren sie noch ganz alltägliche Typen. Dann wächst eine neue – oft außerirdische – Kraft in ihnen. Und die Geschichten folgen immer dem gleichen Schema: Gut kämpft gegen Böse. Und Gut gewinnt. Happy End garantiert.

Dieser Tage fühle ich mich auch manchmal wie in einem Marvel-Film. Der Alltag ist gehörig auf den Kopf gestellt und die ganze Welt kämpft gegen eine neue, fremdartige Bedrohung. Die Verbreitung des Corona-Virus und die Bilder gesellschaftlichen Folgen werden sicher irgendwann als Hollywood-Blockbuster über die dann wieder geöffneten Kinoleinwände flimmern. Und wahrscheinlich wird es auch in den Verfilmungen eine Reihe von Helden geben und natürlich ein Happy End.

Doch derzeit scheint das Happy End noch weit entfernt. Und wo sind eigentlich die gerade jetzt so dringen nötigen Helden für unsere Geschichte?

Ich sehe sie – in den Nachrichten, die von Testzentren, aus Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen berichten. Da arbeiten sie Tag für Tag für die Erkrankten und gegen die Hilflosigkeit.

Ich treffe sie – beim Einkaufen.  Da haben sie neben ihrem eigenen auch den Einkaufszettel der gefährdeten Nachbarn im Blick und sorgen für andere.

Ich lese von ihnen – in der Zeitung und im Internet. Da wird berichtet von den vielen Menschen, die weiterarbeiten, nach Lösungen suchen und sich einsetzen – egal, ob in der Medizin, der Wirtschaft, den sozialen Berufen, ...

Ich spreche mit ihnen – den Eltern, die versuchen, ihren Kindern die Angst zu nehmen. Den Alleinlebenden, die Sorge vor der Einsamkeit umtreibt. Die Kleingewerbetreibenden, die um ihre geschäftliche Existenz bangen.

Die Liste der Ängste und Sorgen ist lang, ein Happy End nicht in Sicht. Und doch sind sie alle meine Helden. Denn allen gemein ist der Wille, die Krise zu bewältigen. Und die meisten von ihnen denken dabei nicht nur an sich, sondern versuchen darüber hinaus, Solidarität zu üben und auch für andere da zu sein. Ich bewundere sie für die Kraft, mit der sie jeden neuen Tag und jede neue Herausforderung angehen. Auch in mir spüre ich manchmal diese ungeahnte Kraft, die mich nicht verzweifeln lässt. Ich danke Gott dafür!

Ihre Diakonin 

 

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3-Minuten-Kirche am 29. März 2020
 
 
 
Am 9. April jährt sich zum 75. Mal der Todestag von Dietrich Bonhoeffer. Am berühmtesten dürfte wohl sein Gedicht „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ sein. Dietrich Bonhoeffer hat den Text in Gefangenschaft geschrieben. Seine Worte bringen ein tief empfundenes Vertrauen zum Ausdruck. Ein Vertrauen, das auch durch die äußeren Umstände nicht zunichte gemacht werden kann. Ein Vertrauen, das Kraft und Zuversicht gibt. Ein Vertrauen, das wir alle in diesen Tagen gut gebrauchen können.
 
Angesichts der Corona-Krise muss ich aber auch besonders an einen anderen Text von Bonhoeffer denken. Nämlich sein Glaubensbekenntnis. Das beginnt so: „Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will.“
 
Dieser Satz drückt ein unglaublich großes Vertrauen zu Gott und zum Leben aus; ein Vertrauen, das sich eben gerade nicht auf die äußeren Umstände stützt. Ich höre aus diesen Worten ein Vertrauen darauf, dass sich am Ende das Gute, die Liebe und das Leben durchsetzen werden; auch wenn es in der jeweiligen Situation alles andere als „gut aussieht“.
 
Momentan sieht es weltweit ja auch eher besorgniserregend als hoffnungsvoll aus. Und es ist auch überhaupt nichts Gutes am Corona-Virus zu finden. Es bringt unzählig viel Leid und Tod über die gesamte Welt. Ohne Frage wird das Virus die Welt verändern. Und auch wenn es für sehr viele Menschen negative Folgen haben wird, bin ich zuversichtlich, dass dennoch auch etwas Gutes daraus entstehen kann.
 
Vielleicht bleiben ja das Gefühl der Solidarität und die Nachbarschaftshilfe, die momentan in unserem Land in ungeahntem Ausmaß zu beobachten sind. Vielleicht bleiben ein verändertes Bewusstsein und eine Dankbarkeit dafür, wie gut es uns in Deutschland geht. Vielleicht nehmen wir nach den Entbehrungen, der Ungewissheit und den Sorgen zukünftig unseren Alltag und unsere wiedergewonnenen Freiheiten mit einer größeren Wertschätzung wahr.
Vor allem aber hoffe ich, dass dieses Ereignis uns zu einem neuen Bewusstsein darüber führt, dass wir Menschen eine Einheit sind. Wir Menschen sind wie ein Körper, der aus vielen Organen besteht.
Diese Bild hat auch schon Paulus genutzt, um die Zusammengehörigkeit unter den Menschen zu verdeutlichen.
Und die Corona-Krise führt uns das auf dramatische Weise vor Augen: Wenn ein Teil der Welt krank ist und leidet, hat das am Ende Auswirkungen, die alle betreffen.
 
Dass wir Menschen aus dieser Situation für die Zukunft die passenden Maßnahmen ergreifen, ist meine Hoffnung. Trotz allem hoffe ich - ja glaube ich, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will.
Und ich glaube Corona ist da keine Ausnahme.
 
Ihr Pastor   
 
 
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3-Minuten-Kirche am 01. April 2020

 

 
Die Sonne scheint. Die Forsythien blühen. Ich schneide die Rosen im Vorgarten. Mein Gärtner-Wissen ist eher rudimentär. Vieles mache ich aus dem Bauch heraus, anderes lese nach. Immerhin weiß ich, dass man Rosen schneidet, wenn die Forsythien blühen.
Die Bodendeckerrosen habe ich lange wachsen lassen. Sie sind groß geworden und derart wild verzweigt, dass ich ihnen nur mit dicken Lederhandschuhen zu Leibe rücke. Ich arbeite mich von unten nach oben und schneide alle Triebe rigoros zurück.
Währenddessen gehen meine Gedanken auf Wanderschaft.
 
Pflanzen müssen regelmäßig geschnitten werden. Es gibt den Erziehungsschnitt, den Verjüngungsschnitt oder auch den Wachstumsschnitt. So hält man die Pflanze gesund, in Form und blühfreudig.
 
Auch wir werden gerade beschnitten. Unser Leben, unser Alltag, unser Miteinander ist massiv verknappt. Dient das unserer Erziehung, Verjüngung oder dem Wachstum? Kann es sein, dass wir am Ende der Krise aufgeräumt, blühend und gesund dastehen?
 
Ein Geruch steigt mir in die Nase. Es dauert, bis ich erkenne, was es ist. Im letzten Jahr waren unsere Rosen stark befallen. Nachdem alle ökologisch wertvollen Mittel nicht geholfen haben, wurden sie mit einem Fungizid besprüht. Das ist der Geruch. Monate später steigt er mir nun in die Nase. Wie gut, dass ich einen Großteil der Triebe wegschneide und die Reste des Giftes damit entsorge. Die Rosen können jetzt neu und giftfrei ausschlagen.
 
Welches Gift wird uns gerade ausgetrieben? Wie lange wird es dauern, bis unser Leben wieder ausschlägt, neue Triebe ermöglicht und befreit von Altlasten zu neuer Schönheit aufblüht? Und wird es uns gelingen, das Gift in Zukunft wegzulassen?
 
Während ich weiter die dornigen Triebe schneide, ertappe ich mich bei dem Gedanken, ob ich den Rosen mit dem Radikalschnitt vielleicht doch schade?
 
Könnte die momentane Situation unserem Leben irreparable Schäden zufügen?
 
Ich glaube, wir werden - den Rosen gleich - zu neuem Leben gedeihen.
Gott will das Leben. Ich vertraue darauf.
 
Ihre Diakonin    
 
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Monatsspruch Februar 2021

Freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind!
(Lk 10, 20)
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