3-Minuten-Kirche am 13. Mai 2020
 
 
Wie sieht Ihre Maske aus? Haben Sie schon eine bunte Mischung zuhause, die es Ihnen erlaubt, die Maske farblich passend zum Outfit zu wählen? Masken werden unseren Alltag sicher noch eine ganze Weile begleiten. Und obwohl auch ich mich nur zögernd an das Maske-Tragen gewöhne, wundere ich mich doch, wie schwer es uns allen fällt. Dabei sind wir das Tragen von Masken durchaus gewöhnt.
 
Wir alle tragen jeden Tag Masken unsichtbar vor uns her. Wir geben uns glücklich, während in uns drinnen ein tiefer Schmerz brennt. Wir tun alles, um kompetent, sicher und souverän zu wirken und fühlen uns doch oft überfordert. Nach außen wirkt alles in bester Ordnung, nur das Gewissen erinnert uns ständig an unsere Fehler und Versäumnisse. Wir sind so geübt darin, uns hinter Masken zu verstecken, dass es uns manchmal schwerfällt, uns selbst auf die Spur zu kommen.
Wer bin ich? Was macht mich und mein Leben aus? Wie sehen mich die anderen? Was denken die von mir? Wer weiß überhaupt etwas von mir und wie es wirklich in mir aussieht?
 
Dietrich Bonhoeffer, Theologe und Teil des Widerstands gegen das Nationalsozialistische Regime, ist dieser Frage in einem Gedicht nachgegangen, das er in Gefangenschaft geschrieben hat. „Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen? Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß? (...) Wer bin ich? Der oder jener? Bin ich denn heute dieser und morgen ein andrer? Bin ich beides zugleich?“
Bonhoeffer findet keine Antwort – zumindest keine irdische. „Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!“ Mit diesem Satz endet sein Gedicht. Gewissheit, Identität und Ruhe findet Bonhoeffer bei Gott.
 
Gott sieht uns so wie wir wirklich sind, mit all unseren Widersprüchen, mit unserem guten Willen und unserem Scheitern, mit unserer Sehnsucht, mit unseren Hoffnungen und Ängsten, mit allem, was uns bewegt und belastet.
 
Das hat rund 3000 Jahre vorher schon König David erkannt. Er schrieb in einem Liedtext darüber, den wir heute im 139. Psalm nachlesen können. „Herr, du erforschst mich und kennst mich. Du verstehst meine Gedanken von ferne und siehst alle meine Wege. Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.“
Gott sieht durch all unsere Masken hindurch. Er kennt und versteht uns, auch wenn wir uns selbst ein Rätsel bleiben. Gott sieht unsere Stärken und freut sich. Gott sieht unsere Schwächen und leidet mit uns. Er sieht unsere Fehler, vergibt und verändert uns. Gott schaut uns voller Liebe an. Das tut unendlich gut! Vergessen wir nicht, zurückzulächeln – trotz Maske!
 
Bleiben Sie behütet! 
 
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Monatsspruch Juni 2020

Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder.
(1. Kön 8, 39)
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