3-Minuten-Kirche am 28. Oktober 2020
 
 

Verändern Sie sich gerne?

Hat sich etwas gut eingespielt, ist es uns vertraut, war es gefühlt immer ganz gut so, dann ändern wir zumeist ungern etwas daran. Veränderung bedeutet immer auch Risiko. Wer weiß, was da alles passiert. Und Arbeit bedeutet Veränderung natürlich auch. Laufen lassen, wie es ist, erscheint da oft deutlich einfacher, angenehmer. Und doch, manchmal geht es nicht ohne Veränderung!

Im Letzten Jahr vor dem Reformationstag, an der Kasse einer Tankstelle: Da fragt ein Kunde: „Warum habt Ihr nächste Woche, am 31., eigentlich die Waschanlage zu?“  „Na, weil da Reformationstag ist“, lautet die Antwort von der Kasse. „Ach ja dieser katholische Feiertag!“

Unsere katholischen Mitchristen werden sich jetzt bedanken. Reformationstag, ein katholischer Feiertag, darauf wären sie vermutlich eher nicht gekommen. Die Reformation war für die katholische Kirche besonders in Deutschland eine umstürzende, zutiefst verun-sichernde Erfahrung und der Beginn deutlicher Veränderung. Erst seit einigen Jahren fangen beide Konfessionen an, den Reformationstag bewusst gemeinsam zu begehen. Immer noch schmerzlich für die einen – Kirchentrennung – aber auch kein Grund zum Jubel für die anderen. Beide großen Kirchen haben derzeit ähnliche Probleme. Denn, hinter dem Reformationstag einen katholischen Feiertag zu vermuten, ist ein deutliches Indiz dafür, wie weit für viele Menschen kirchliche Tradition und Wirklichkeit - egal ob evangelisch oder katholisch - weg ist von ihrem Lebensalltag.

Veränderung braucht oft den Leidensdruck von innen oder von außen. Einen Druck, der deutlich macht, es kann, es wird nicht bleiben können, wie es war und ist. Wir spüren diesen Druck derzeit in vielen Bereichen u.a. in den Folgen der Klimaveränderung sowohl in der Natur und als auch im Miteinander. Das eine wird immer heißer, das andere immer aufgeregter und kälter. Wir werden uns verändern müssen, wenn es eine Zukunft geben soll. Werden uns als Gesell-schaft, als Kirchen, als Menschheit den aktuellen Fragen und Problemen stellen müssen.

Aber das, was vor gut 500 Jahren, die Reformation angetrieben hat: Die Wiederentdeckung, dass Gott uns in Jesus Christus zugewandt und nahe ist, und das jenseits aller menschlichen Organisationsformen und Regelungen; dass da ein liebender Gott und Vater ist, der trotz aller menschlichen Verfehlungen, neuen Anfang und Leben schenken will, ist heute so wichtig wie damals, gerade jetzt. Sein Geleit brauchen wir als Kirchen beider Konfession, als Gesellschaft, als Einzelne, wie als Weltgemeinschaft um getrost, zuversichtlich und aktiv in die unabdingbaren und nötigen Veränderungen hineinzugehen, um gemeinsam eine Zukunft zu gestalten, die lebenswert ist. Und Christen - egal ob katholisch oder evangelisch - vertrauen gerade in solchen Zeiten wie jetzt auf den Gott, der in Christus nahe ist. Und wenn auch vieles bedrohlich erscheint, sich verändern mag und muss - Er bleibt uns in all dem nahe und in Liebe zugewandt. Daran lasse ich mich am Reformationstag gerne erinnern.

Eine behütete und gesegnete Zeit wünscht Ihnen Ihr Pastor Thomas Müller

Ihr Pastor 
 
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