3-Minuten-Kirche am 26. Mai 2021
 
 
Wir haben die Lufthoheit in unserem Garten verloren. Neulich, als ich rausging, wäre mir ein Vogel fast vor die Stirn geklatscht. Spatzen, Kohl- und Blaumeisen, Dompfaffen, Rotschwänzchen, Grün- und Buntspechte, Finken, Rotkehlchen, Elstern, Drosseln, ja sogar einige Turmfalken bedienen sich an dem reichhaltigen Futterangebot in unserem Garten und bevölkern den Luftraum ringsumher. Manchmal sitze ich einfach nur da und schaue ihnen beim Fliegen, Hopsen, Picken, Baden, Singen und Fressen zu.
 
In letzter Zeit kommen auch einige Tauben öfter mal vorbei. Zuerst sitzen sie auf dem Dachfirst. Wenn sie von dort losfliegen kann man ihre Flügel aneinander klatschen hören und weiß, dass sie da sind. Auch ihr Flugmuster ist sehr eigen. Es sieht immer so aus, als würden sie sich mit einem Köpper vom Fünfmeterturm stürzen. Im Sturzflug fangen sie sich ab und fliegen, Brust voraus und mit klatschenden Flügeln, zurück in die Höhe. Ein stetiges Auf und Ab ist ihre Flugbahn. Eine der Tauben sitzt jetzt auch oft im Garten, trippelt über den Rasen oder durchs Beet unter dem Futterhaus und sammelt auf, was immer ihr dort gefällt. So genau hatte ich Tauben zuvor noch nie beobachtet.
 
Tauben sind in der Bibel und unseren Kirchen immer das Symbol für den Heiligen Geist, dessen Anwesenheit und Wirken wir gerade erst an Pfingsten gefeiert haben. Daran muss ich denken und in mir steigt die Frage auf: Ist das der Heilige Geist, da draußen im Garten?
 
Natürlich nicht – antworte ich mir selbst sofort. Und frage mich gleich darauf: Warum denn nicht? Warum fällt es uns so schwer, die Anwesenheit Gottes in unserem Leben wahrzunehmen, uns vorzustellen, anzuerkennen? Wie müsste Gott denn aussehen, damit wir ihn zweifelsfrei erkennen? Und was müsste in unserem Leben geschehen, damit wir es mit dem Heiligen Geist, dieser Kraft Gottes, in Verbindung bringen?
 
Ich denke, ich gehe wieder raus in den Garten und beobachte die Taube weiter.
Vielleicht verrät er*sie sich ja ...
 
Halten Sie die Augen offen. Ich bin sicher, Gott ist auch in ihrem Leben.
 
Ihre und eure Diakonin 
                                        
 

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