3-Minuten-Kirche am 31.05.2020

 

 
 
Liebe Mitchristen!
Pfingsten müsste man eigentlich zu einem Fest der Natur ummünzen. Seit Jahren fahren viele über das Pfingstwochenende weg, wandern, radeln, genießen die Natur, die jetzt im Frühsommer ja auch wirklich am Schönsten ist. Gut wäre diese Veränderung zu einem Fest der Natur auch, weil wir im Zeichen der schon spürbaren Klimakrise gut daran täten, unser Verhältnis zur Natur, unser Verhalten ihr gegenüber bewusster wahrzunehmen und zu gestalten.
Wir haben hier im Alten Pfarrgarten in Salzhemmendorf richtig Natur um uns. Vögel in Scharen in den Bäumen, auf der Wiese, am Teich in den zahlreichen Bäumen und Sträuchern. Da geht uns regelmäßig das Herz auf. Aber als ich gestern zum Gießen um das Haus ging, lag dort ein fast ausgewachsener Jungvogel tot auf dem Weg – wohl aus dem Nest gefallen oder gedrängt. Und gestern Abend ertönte lautes „Gehäcker“ und waren aggressive Flugattaken eines Starenpaares zu beobachten, das versuchte, sein Nest gegen ein Elsternpaar zu verteidigen. Nein, Natur ist nicht nur romantisch und schön. Sie ist auch hart und traurig. Sie ist nicht das Paradies. Wer die Natur schön färbt, kann das nur, weil er sich in seinen beheizten Häusern und durch die Künste der Medizin soweit als möglich von ihr abgeschottet hat. Auch Corona gehört zur Natur und wir merken gerade, wie es ist, wenn die Abschottungstrategie nicht funktioniert.
Manche sagen, ich finde meinen Gott in der Natur. Das kann ich nicht, da ist mir neben so viel Schönem viel zu viel Leid und Tod. Da halte ich es mehr mit Paulus, der im Römerbrief schreibt: Denn alles Geschaffene wartet sehnsüchtig (mit uns)…Denn es ist der Sinnlosigkeit ausgeliefert, versklavt an die Vergänglichkeit. Gott gab aber seinen Geschöpfen die Hoffnung, dass auch sie eines Tages von der Versklavung an die Vergänglichkeit befreit werden und teilhaben an der unvergänglichen Herrlichkeit, die Gott seinen Kindern schenkt.
Von Herzen freue ich mich an der Schöpfung an den Mitgeschöpfen, den Pflanzen und Vögeln und weiß mich als Teil von ihr. Man muss die Natur nicht vergöttern um sie zu schützen. Retten können und brauchen wir sie nicht. Aber wertschätzend, pfleglich, schonend und fürsorglich mit unseren Mitgeschöpfen umgehen, das können und sollten wir, letztlich um unserer selbst willen. So ist es gut die Natur, die Schöpfung zu genießen in diesen Tagen. Sie hat teil an dem Leben und der Fülle, die Gott schenkt. Und zugleich doch auch zu wissen, sie ist nicht die heile Welt. Sondern sie leidet mit uns und oft viel mehr noch als wir an der Vergänglichkeit, am Vergehen. Und sie wartet mit uns - als Geschöpfe - geschwisterlich verbunden auf das Leben, die Herrlichkeit, die Gott schenken wird. Und der Geist Gottes, den wir zu Pfingsten feiern, ist jetzt schon machtvolles Unterpfand der Herrlichkeit Gottes, der neuen Welt auf die wir alle gemeinsam hin leben.
 
Frohe Pfingsten, Ihr Pastor
                                             
 
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Monatsspruch Juli 2020

Der Engel des HERRN rührte Elia an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.
(1. Kön 19, 7 )
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