3-Minuten-Kirche am 10.11.2021

 

 

 

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“ Mit diesem Zitat begründet der Künstler Gunter Demnig sein Projekt „Stolpersteine“. Im Gemeindeverband Saaletal sind im Jahr 2016 Stolpersteine für die jüdischen Familien, die in Hemmendorf und Salzhemmendorf gewohnt haben, verlegt worden. Die Stolpersteine erinnern an die Familien und ihre Geschichten. In der letzten Woche haben wir mit Konfirmandinnen und Konfirmanden aus dem Gemeindeverband diese Stolpersteine wieder gereinigt und in Salzhemmendorf die Spuren des jüdischen Lebens im Ort gesucht. Dadurch sollen die Menschen und auch die Ereignisse der damaligen Zeit nicht in Vergessenheit geraten. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten in Deutschland viele Synagogen, jüdische Geschäfte und Betriebe wurden ausgeraubt und zerstört. Dies war der Auftakt für die systematische Verfolgung und Vernichtung der Jüdinnen und Juden in Deutschland. Auch in Salzhemmendorf gab es eine Synagoge. Sie befand sich in der Kampstraße im Haus der Familie Davidsohn, die dort auch eine Schlachterei hatte. Diese Synagoge brannte in dieser Nacht nicht. Der Bürgermeister hat es angeblich mit den Worten verhindert: „Es kommt keine Spritze raus.“ Sonst wäre die gesamte Kampstraße abgebrannt. Am Morgen des 10. November wurden die Fensterscheiben des Synagogenraums eingeworfen und die Inneneinrichtung zerstört. Robert Davidsohn und sein Sohn Erich wurden am nächsten Tag zunächst ins Gefängnis nach Hameln und dann in das Konzentrationslager Buchenwald gebracht. Beide wurden aus der sogenannten „Schutzhaft“ in Buchenwald wieder entlassen. Erich kam Anfang 1939 mit einem Kindertransport nach England, dem Rest der Familie gelang die Flucht nach Argentinien. Vielen anderen ist dies nicht gelungen.

Der 9. November ist ein Tag, der in Deutschland viele unterschiedliche Erinnerungen wachruft, negativ, aber auch positiv durch den Mauerfall 1989.

Ich finde es wichtig, dass wir uns an die Ereignisse von 1938 erinnern und denen gedenken, die damals verfolgt, verachtet und ermordet worden sind. Es ist wichtig, damit wir uns auch heute aktiv dafür einsetzen, dass dies in unserem Land nicht wieder passiert. Gerade die letzten Jahre haben gezeigt, dass dieses Erinnern und Gedenken noch heute wichtig und aktuell ist. Vielleicht wichtiger denn je.

 

Ihre Pastorin

                             

 

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