3-Minuten-Kirche am 04. Juli 2021
 
 
Sommerzeit ist Reisezeit. Wer dieser Tage Meldungen und Bilder verfolgt, sieht, wie groß das Bedürfnis der Menschen ist, dem Alltag auf Zeit zu entkommen; in Coronazeiten vielleicht nur umso mehr. Aber ich will jetzt nicht über Corona reden, auch wenn die Bilder von überfüllten Stränden und viel zu vollen Stadien dazu animieren könnten. Nein, es soll um Sommer, um Reisezeit, um Urlaubszeit, einfach um „gut tuende“ Zeit gehen.
 
Mal raus aus dem üblichen Getriebe, mal was ganz anderes sehen und denken, mal wirklich frei sein oder auch, sich sportlich betätigen, je nach Vorliebe, alternativ eine Bildungsreise machen, sich mal ganz und gar einlassen auf eine andere Kultur und Lebensweise. Und dann nach all den Erfahrungen und Entdeckungen zurückkommen mit neuer Kraft, neuen Ideen, einem veränderten Blick auf die eigene Lebenswirklichkeit. Junge Menschen nutzten vor Corona die Zeit zwischen Schule und Beruf bzw. Ausbildung für solche Reisen und Erfahrungen. Das macht sich nicht nur gut im Lebenslauf, das ist bereichernd für die persönliche Entwicklung, die eigene Person. Schade, dass das alles so schwierig geworden ist in diesen Zeiten.
 
Wobei, ein Reiseanbieter, der Begegnungen mit einer fremden Wirklichkeit anbietet, ist von alledem überhaupt nicht betroffen. Christen buchen bei ihrer Taufe eine Lebensreise in eine andere, mehr noch mitten hinein in eine andere Wirklichkeit. Sie haben von Gott her eine lebenslange Freifahrkarte in seine, mit seiner Wirklichkeit, seinem Reich. Stichworte gefällig? Liebe, Frieden, Gerechtigkeit, Geborgenheit und vieles mehr. Schon was anderes als sonst im Alltag. Ein solches Angebot habe ich auch noch in keinem Katalog für Wellnessreisen gefunden. Dazu, diese Reise können wir antreten in jedem Moment unseres Alltags, nicht nur im Sommer und in Ferienzeiten.
Wie sagt Jesus: Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen. Es ist egal, ob wir bei der Arbeit, im Urlaub, im Kindergarten, im Wartezimmer beim Arzt, im Krankenhaus, im Seniorenheim, bei der fröhlichen Geburtstagsfeier oder gar einer Beerdigung, ob wir auf einer herrlichen Hotelterrasse oder in einer Zweizimmerwohnung sitzen. Überall ist seine Wirklichkeit nur ein Gebet, eine Begegnung mit Gottes Wort, ein innerliches Einlassen auf seine Nähe, seine Wirklichkeit oder ein Handeln in seiner Liebe entfernt. Und solche Begegnung mit ihm ändert das Leben, schenkt einen neuen Blick darauf, weckt Hoffnung, neue Gedanken und Lebenskraft, lässt die Seele gesunden und dadurch dann manchmal auch den Leib.
 
Mönche und Nonnen haben sich ganz dieser Lebensreise mit Gott verschrieben und sich deshalb aus der Alltagswelt zurückgezogen. Und das nicht, um sich zu kasteien, sondern um bei und mit ihm das Leben zu finden. Zurückziehen, das muss man aber gar nicht. Die Lebensreise mit Gott geht genau so gut mitten im Alltag, überall da, wo wir uns mitten im „normalen Leben“ mit dem nahen Reich Gottes, mit Gott auf die Reise begeben, uns von seiner Wirklichkeit berühren und bewegen lassen.
 
In diesem Sinne eine erholsame und Neues sprießen lassende Zeit, egal ob im Urlaub oder zu Hause, aber immer auf der Lebensreise mit Liebe, Gerechtigkeit, Frieden, Barmherzigkeit, Geborgenheit, Leben, also genauer gesagt mit Gott.
 
Herzlich grüßt, und wünscht Gottes Geleit, Ihr Pastor 
                                                                                       
 

Monatsspruch August 2021

Neige, HERR, dein Ohr und höre! Öffne, HERR, deine Augen und sieh her!
(2 Könige 19,16)
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