3-Minuten-Kirche am 16. Mai 2021
 

„Mit einer optimistischen Perspektive hinaus in die Weite“ so will Anna-Nicole Heinrich die Kirche in die Zukunft führen. Heinrich wurde letzte Woche zur Präses der EKD, dem Zusammenschluss vieler evangelischer Landeskirchen, gewählt. Das Besondere: Sie ist jung - 25 Jahre ist die Philosophiestudentin gerade einmal. Sie wurde wohl auch deshalb gewählt, weil man sich von ihr aufgrund ihres Alters einen frischen Wind erhofft, der unsere Kirche zukunftsfähig macht.
Dabei weiß Heinrich, dass es kein leichter Weg wird: Sparmaßnahmen, Rückbau und Umbau werden der Kirche zwangsläufig bevorstehen, sagt sie. Diese Einschätzung hat mit den nicht abnehmenden Kirchenaustritten zu tun. Vermutlich wird sich die Zahl der Kirchenmitglieder in den kommenden 40 Jahren halbieren.
 
Unsere Kirche wird sich also auf jeden Fall verändern - zwangsläufig. Man kann die damit verbundenen Schwierigkeiten und den Bedeutungsverlust der Kirche bedauern und beklagen; ich halte es aber für sachdienlicher, sich dem Wandel zu stellen und ihn anzunehmen.
 
Denn ob eine Veränderung gewollt oder ungewollt eintritt: Grundsätzlich ist jeder Wandel doch immer eine Möglichkeit, ja ein Aufruf zur Veränderung und Anpassung. Das Leben ist eine Aneinanderreihung von Veränderungen - der ständige Wandel gehört zum Leben dazu und sollte bejaht und angenommen werden.
 
„Ecclesia semper reformanda“ so lautet ein Zitat, das fälschlicherweise Martin Luther zugeschrieben wird. Dennoch passt es zu Luther. Denn übersetzt bedeutet es „Die Kirche muss sich immer wieder reformieren - das heißt: anpassen, weiter entwickeln und vielleicht auch ein Stück weit neu erfinden“
 
Es gehört zu unserem Erbe der Reformation, nicht bloß aus Gewohnheit am Alten festzuhalten, sondern auch den Mut zu haben, wo geboten, alte Zöpfe abzuschneiden. Insofern freue ich mich, dass Anna-Nicole Heinrich in ihrer Führungsrolle dem Wandel, der unserer Kirche bevorsteht, scheinbar ähnlich optimistisch entgegengeht.
Ihre Einstellung dürfte auch Joachim Gauck aus dem Herzen sprechen. Der Pastor und ehemalige Bundespräsident sagte mal: „Es liegt an uns, Veränderungen nicht zu fürchten, sondern sie als Aufgabe anzunehmen.“
 
Ihr/ euer Pastor
                           
 

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