3-Minuten-Kirche am 31. März 2021

 

 

Gründonnerstag - das letzte gemeinsame Essen von Jesus mit seinen Jüngern.

Die Darstellung von diesem Ereignis aus der Hand von Leonardo da Vinci ist wohl das berühmteste Bild der christlichen Kunstgeschichte.

Im Jahr 2021 scheint es fremdartig, wie Jesus mit den Anderen am Tisch zusammen kommt; wie sie dicht an dicht sitzen, keine Masken auf haben und sich auch noch das Essen reichen! Gut vorstellbar, dass sie sich am Ende zum Abschied auch noch die Hand gereicht oder gar umarmt haben.

Corona ist schuld, dass wir dieses Jahr an Gründonnerstag nicht so zusammen kommen können. Doch auch damals war die Stimmung nicht ungetrübt - auch damals gab es einen Störenfried, der die Gemeinschaft aufzulösen drohte.

Judas, der Jesus verraten hatte. Er war der Fremdkörper in dieser Runde. Für den eigenen Vorteil nahm er den Tod Jesu billigend in Kauf. Jesus wusste um den Verrat. Wie ein gut geschultes Immunsystem konnte er Feind und Freund unterscheiden. Doch wie reagiert Jesus? Eben nicht wie ein Immunsystem! Er reagiert nicht mit Abwehr oder Bekämpfung. Jesus lässt den Menschen, der letztlich sein Leben auf dem Gewissen hat, an seiner Seite sitzen. Die Kränkung, die das Verhalten von Judas eigentlich bedeutet, wirkt sich nicht auf Jesus aus. Er lässt Judas ein Teil der Gemeinschaft sein. Er nimmt ihn weiterhin an.

Für mich war das schon immer eine der ganz zentralen Stellen der Jesus-Erzählungen; dass Jesus „ja“ sagt zu dem, dessen Verrat ihm sein Leben kosten wird. „Ja“ zu sagen, zu dem, der einem feindlich eingestellt ist, ist die höchste Form von Liebe. Und das gilt nicht nur gegenüber Menschen, sondern auch gegenüber den Umständen, die uns das Leben schwer machen. Dieses Jahr ist das natürlich das Corona-Virus. Wobei es selbstverständlich wünschenswert ist, dass unser Immunsystem bei einer Infektion auf das Virus mit einer Abwehr reagiert.

Aber was die ganzen Einschränkungen und Erschwernisse angeht, die mit dem Virus verbunden sind, sollten wir doch versuchen, es wie Jesus handzuhaben - und ja zu sagen. Nicht weil wir es gut finden, dass es so ist sondern weil wir es als Teil unseres Lebens annehmen wollen.

Abwehr und Ablehnung des Unliebsamen ist eine verständliche Reaktion - sie ist gerade zu menschlich. Aber Abwehr und Ablehnung bringen keinen Frieden. Das friedliche Beisammensein der Jünger Jesu am Tisch ist ein Sinnbild für diese Einsicht: Ablehnung, Verwerfung oder gar Bekämpfung stiften keinen Frieden.

Frieden kommt aus einem Ja. Dem Ja zum Leben.

 

Ihr/ euer Pastor

                                 

 

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Monatsspruch September 2021

Ihr sät viel und bringt wenig ein; ihr esst und werdet doch nicht satt; ihr trinkt und bleibt doch durstig; ihr kleidet euch, und keinem wird warm; und wer Geld verdient, der legt's in einen löchrigen Beutel.
(Hag 1,6)
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