3-Minuten-Kirche am 03. Februar 2021
 
 
Morgens schalte ich das Radio ein und höre als Erstes die aktuellen Corona-Nachrichten: die Zahl der Neuinfizierten, Informationen zum Impfdurcheinander, neue Überlegungen, der Pandemie beizukommen, ... Ich gestehe, oft lausche ich nur noch mit halbem Ohr. Ich mag es nicht mehr hören.
 
Abends im Fernsehen begegnen mir dann doch wieder Corona-Meldungen. In bunten Schaubildern werden die Zahlen des Tages dargestellt: Neuinfizierte, Menschen mit Covid-19 auf Intensivstationen, Verstorbene. Ich seufze und nehme die Zahlen wahr. Sie gehören mittlerweile zum Alltag. Würde ich zehn Minuten später danach gefragt – ich könnte sie nicht wiedergeben. Ich habe den Bezug zu den Zahlen verloren. 
 
Diese Erkenntnis hat mich erschreckt! Jeden Tag begegnen uns die neuesten Todeszahlen durch Covid-19. Sie sind so alltäglich geworden, dass wir sie zur Kenntnis nehmen, ohne von ihnen berührt zu werden. Aber hinter jeder dieser Zahlen stehen Menschen und ihre Angehörigen. Jede dieser Zahlen erzählt von einem Leben, einem Schicksal, einem furchtbaren Tod.
 
Von den Menschen hinter dieser Zahl erzählt seit Dezember vergangenen Jahres der Instagramaccount @mehr_als_nur_eine_zahl. Ein junger Vikar aus Hamburg gestaltet mit den Informationen, die er von Angehörigen bekommt, ein Gedenk-Blatt. Auf grauem Grund ist mit weißer Farbe ein Name geschrieben, eine Eigenschaft, eine besondere Erinnerung. Dazu zwei Polaroids, die nicht die Verstorbenen zeigen, aber zu ihrem Leben passen.
 
Ich war sehr berührt, als ich zufällig über diesen Account gestolpert bin. Hier wird auf liebevolle und wertschätzende Weise der Menschen gedacht, die hinter diesen Zahlen stehen, die für uns, die wir nicht persönlich betroffen sind, zum Hintergrundrauschen geworden sind. 
 
Ich möchte mich erinnern lassen, möchte die hohen Zahlen der Covid-19-Toten nicht klaglos hinnehmen und möchte vor allem die Trauernden nicht vergessen.
Mich tröstet, zu wissen, dass Gott um all diese Schicksale weiß. Bei ihm ist niemand vergessen. „Freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind!“ So steht es im Lukasevangelium. Darauf vertraue ich.
 
Gott befohlen! Ihre und eure Diakonin 
                                                              
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Monatsspruch Februar 2021

Freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind!
(Lk 10, 20)
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