3-Minuten-Kirche am 06. Januar 2021
 
 
 
Schön wär´s, wenn alles wieder so schnell wie möglich normal würde und deshalb jetzt schon genug Impfstoff für alle, die bereit sind, vorhanden wäre.
 
Schön wär´s, wenn man nach den Wochen der Einschränkung rausfahren könnte und allein, als Paar, mit Familie wenigstens die Natur, Skifahren, Snowboard, Rodeln oder auch nur den Spaziergang im Schnee genießen könnte.
 
Schön wär´s, wenn die große Hoffnung der Aufklärung und Revolution sich erfüllen würde, und der Mensch befreit von allen Obrigkeiten und Bevormundungen, allein seiner Vernunft folgend, das Richtige und Hilfreiche tun würde.
 
Schön wär´s, aber so ist es leider nicht.
 
Es dauert bis genügend Impfstoff – nachdem seine Wirksamkeit und Unbedenklichkeit untersucht und festgestellt wurde - produziert und verimpft werden kann.
Viele, die nicht in der Verantwortung stehen, wissen jetzt ganz genau, was man alles hätte besser machen können. Manches davon stimmt aus jetziger Sicht sicher. Aber als die Entscheidungen fielen, hatte man die jetzige Sicht noch nicht. Und ich hätte das Geschrei hören mögen, wenn man gänzlich auf den erstverfügbaren Impfstoff gesetzt hätte und dieser sich dann als unwirksam oder problematisch erwiesen hätte.
 
Schön wär´s auch, wenn das mit der menschlichen Vernunft so funktionieren würde. Ein Blick in die Wintersportgebiete dieser Tage zeigt, wie weit die reicht. Ich verstehe gut, wenn Familien mit Kindern aus einer Mietwohnung in der Stadt endlich mal raus wollen und müssen. Deshalb hieße Vernunft jetzt Selbstbeschränkung. Hieße, denen den Vorrang lassen, die es am nötigsten brauchen. Skizirkus ist in diesem Jahr vernünftig nicht angesagt. Aber so wie es läuft, müsste man Bezugsscheine für die Nutzung der Wintersportgebiete ausgeben, weil die Vernunft vieler so versagt.
 
Offensichtlich reicht der gesunde Menschenverstand – wenn es den denn flächendeckend gibt – nicht aus. Es braucht leider mal wieder Bevormundung und Obrigkeit, die dann hoffentlich nach bestem Wissen und Gewissen agiert, um Schlimmeres zu verhüten.
 
Einer wusste das schon immer von seinen Menschen, nämlich, der, der sie bewusst frei erschaffen hat aber auch um ihre Versuchbarkeit und Fehlbarkeit weiß.
Im 5. Buch Mose Kap. 5 Vers 29 steht der fromme – weil gut gemeinte - Wunsch Gottes: Möge doch ihr Herz so bleiben, dass sie allezeit Ehrfurcht vor mir haben und meine Gebote halten, damit es ihnen und ihren Kindern gut geht für immer!
 
Auch die „Bevormundung“ durch Gottes Gebot meinte der Mensch mit dem Setzen auf seine Vernunft abschütteln zu können. Das Ergebnis ist vor Augen beim Blick in die Welt. Das Gebot Gottes zielt auf Selbstbeschränkung, die dem Leben aller Mitgeschöpfe dient. Es täte uns gut – nicht zuletzt im Blick auf die Klimaveränderung -, das neu zu entdecken und zu leben zum Wohle aller und damit auch unserem. Nun sind die Coronaregelungen und dringenden Bitten nicht in die Wintersportgebiete zu fahren, nicht Gottes Gebot.
Aber Selbstbeschränkung um der Nächstenliebe willen, das wäre auch hier zum Wohle aller.
 
Herzlich grüßt Ihr Pastor 
                                                                                    
 
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