3-Minuten-Kirche am 01. November 2020

 

Nebel hängt wie Rauch ums Haus,

drängt die Welt nach innen;

ohne Not geht niemand aus;

alles fällt in Sinnen.

(Christian Morgenstern)

 
Dieses Gedicht heißt „Novembertag“. Und es passt in diesem November besonders. Denn die neuen Vorgaben drängen die Menschen nach innen - ohne Not sollte niemand unter Menschen gehen.
 
Morgenstern hatte natürlich keine Corona-Schutzmaßnahmen vor Augen als er diese Zeilen schrieb. Er fasste vielmehr in Worte, was den November schon immer ausgezeichnet hat; dass er ein Monat des Stillstands und der Besinnung ist. Der November ist der Trauermonat. So gibt es mit Allerseelen, Ewigkeitssonntag und Volkstrauertag gleich drei Tage, an denen des Todes und des Leids gedacht wird. Kurz vor Ende des Jahres besinnt man sich auf die dunklen Seiten und die Endlichkeit des Lebens. Dem November ist etwas Schweres eigen.
 
Damit steht er im krassen Gegensatz zu seinem Nachfolger, dem Dezember.
Kaum ein Monat ist so voll gepackt mit schönen Dingen wie Festen, Süßwaren und Familienzusammenkünften.
 
So sind November und Dezember geradezu Symbole für die beiden Pole zwischen denen sich das Leben abspielt; Dunkelheit, Trauer und Tod auf der einen Seite - Freude, Unbeschwertheit, helles Licht auf der anderen Seite.
 
Wir gehen jetzt in den November - ganz konkret. Aber auch grundsätzlich stehen uns (weiterhin) schwere Zeiten bevor, in denen es weniger unbeschwert und fröhlich zugeht als sonst.
So wenig wir uns wünschen, was uns bevorsteht, müssen wir da durch.
 
Dabei sollten wir immer die Hoffnung im Blick behalten, dass auch diese Phase ein Ende haben wird. Der November dauert nicht ewig! Und dann folgt ganz gewiss der Dezember. Auf die Zeit der Trauer und der Schwere folgt die Zeit der Freude und der Leichtigkeit. Diese Erfahrung machen wir zum Ende eines jeden Jahres aufs Neue - und so verspricht es uns auch Gott. Der Monatsspruch für den November lautet passenderweise:
„Gott spricht: Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten.“ (Jer. 31,9 )
 
In diesem Sinne wünsche ich uns allen einen guten November in dem wir das Vertrauen haben, dass auch wieder andere, bessere Zeiten kommen.
 
Ihr/ euer Pastor 
 
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