3-Minuten-Kirche am 13. Oktober 2021
 
 
„Humor ist der Bruder des Glaubens“, so hat es Martin Buber gesehen – und ich kann dem jüdischen Religionsphilosophen nur zustimmen.
 
Zum einen sind Glaube und Humor deshalb miteinander verwandt, weil beides guttut. Es dürfte wohl kaum einen Menschen geben, der nicht gerne lacht. Lachen tut gut, hellt die Stimmung auf und macht glücklich.
Und auch der Glaube trägt dazu bei, dass Menschen ihr Leben als glücklicher und erfreulicher wahrnehmen als ihre Zeitgenossen ohne Glauben. Zu diesem Ergebnis kommen jedenfalls Befragungen, die von französischen Forschern durchgeführt wurden.
 
Eine weitere Gemeinsamkeit zwischen Glauben und Humor besteht darin, dass beide uns einen neuen Blickwinkel geben. Die klassische Form des Humors ist der Witz: Eine kurze Geschichte mit einer Pointe am Ende. Ein Witz funktioniert nur dann, wenn am Ende eine Wendung steht, die man nicht erwartet hätte. Witze fordern uns heraus, das alltägliche Denken zu verlassen. Darin liegt ihr Reiz.
 
Und auch im Glauben sehen wir vieles mit anderen Augen. Wir hoffen, ja erwarten, mehr als die Augen sehen und der reine Verstand erklären kann: Dass der Tod nicht das Ende, sondern ein neuer Anfang ist - oder dass diese manchmal so böse und traurige Welt dennoch ihren Ursprung in Gott und ein gutes Ziel hat, auf das sie angelegt ist. Auch der Glaube lässt uns die Welt und unser Leben mit anderen Augen sehen.
 
Martin Buber hat schon in gewisser Weise recht, wenn er sagt, Humor sei der Bruder des Glaubens: Beides tut gut – beides übersteigt unsere Alltagserfahrung und Erwartungen.
Doch zugegeben: Unterschiede gibt es aber auch. Denn ein Witz funktioniert nur ein einziges Mal so richtig. Danach ist er alt und bekannt. Der Glaube hingegen wird nicht langweilig und nutzt sich nicht. Der Glaube kann ein Leben lang tragen.
 
Ihr/ euer Pastor
                             

3-Minuten-Kirche am 29. September 2021

 

 

Wir haben hier in Deutschland am Sonntag einen neuen Bundestag gewählt. Die Stimmen sind ausgezählt, es hat lange gedauert bis das Ergebnis feststand und welche Koalitionen sich nun bilden werden, bleibt abzuwarten. Ich bin sehr gespannt, vor allem darauf, ob dann in wichtigen Zukunftsfragen Weichen gestellt werden oder alles beim Alten bleibt.

Im Mai gab es in der Evangelischen Kirche in Deutschland die Aktion „Schick uns dein Lied“ für die ich an dieser Stelle auch geworben habe. Es soll ein neues Gesangbuch geben und die Aktion sollte allen, die wollten, die Möglichkeit geben, sich an der Auswahl zu beteiligen. Rund 10.000 Menschen haben bei der Abstimmung mitgemacht und auch hier sind jetzt die Ergebnisse bekannt gegeben worden. Das beliebteste Kirchenlied ist „Von guten Mächten“, dessen Text Dietrich Bonhoeffer voller Gottvertrauen zum Jahreswechsel 1944/45 in seiner Gefängniszelle geschrieben hat. Dieses Lied gehört auch zu meinen Lieblingsliedern. Ich kann also gut verstehen, dass es gewählt wurde. Die starken Worte Bonhoeffers haben auch heute Wirkung, selbst wenn man den Hintergrund der Entstehung nicht kennt. Aus ihnen spricht das Vertrauen darauf, dass Gott es gut mit uns meint, dass es trotz allem Leid in dieser Welt gute Mächte gibt, die uns Kraft geben, halten und trösten. Gerade in der Pandemie-Zeit war die Sehnsucht nach diesen guten Mächten groß. Für Bonhoeffer hieß dieses Vertrauen auf die guten Mächte aber auch, entsprechend zu handeln. Sich für Schwache einzusetzen, denen eine Stimme zu geben, die nicht gehört werden und menschenverachtendes Handeln auch als solches zu benennen und sich dagegen zu wenden. Sich im Vertrauen auf die guten Mächte eben gegen das zu stellen, was Leben verhindert. Bonhoeffer hat dafür mit seinem Leben bezahlt. Seine Worte wirken bis heute. Und wenn wir „Von guten Mächten“ singen, sollten wir auch daran denken für welche Werte Bonhoeffer einstand und in welcher Zeit er gelebt hat. Wenn wir nicht aufpassen steuern wir auf ähnliche Zeiten zu. Auch das hat die Bundestagswahl deutlich gezeigt. Deshalb hoffe ich, dass „Von guten Mächten“ nicht nur ein wichtiges Trostlied ist, sondern auch Ansporn, sich für eine Welt einzusetzen, in der wir einander respektieren und gut leben können.

Ihre Pastorin 

                          

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3-Minuten-Kirche am 06. Oktober 2021
 
 
 „Nicht gemeckert ist genug gelobt“, lautet eine oft zitierte Redensart. Manche mutmaßen, es läge an der Unterkühltheit der Norddeutschen. Mein Eindruck ist eher, dass wir vergessen haben, unser Gegenüber wohlwollend zu betrachten. Dabei haben wir den*die andere*n durchaus im Blick. Wir schauen schon genau hin. Aber meist auf Fehlersuche.
 
Im Vorwort einer Zeitschrift forderte jüngst die Chefredakteurin „bedingungslose Grundwärme“. Dieser neue Begriff ließ mich aufhorchen, schmunzeln und dann nachdenklich zurück. Warum scheint es so schwer dem*der anderen freundlich zu begegnen. Woher kommt diese häufig zu beobachtende Manier, sich selbst durch die Abgrenzung von anderen zu definieren, vielleicht sogar aufzuwerten? Warum sehen wir beim Gegenüber blitzschnell vermeintliche Fehler und Mängel, statt die Stärken hervorzuheben?
 
„Lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken.“
 
Dieser Satz aus einem Brief von Paulus an die Hebräer, der Monatsspruch für den Oktober, fordert uns auf, ganz anders zu schauen und zu agieren. Das Wort achthaben beinhaltet doch automatisch, vorsichtig mit dem Gegenüber umzugehen, achtsam zu sein. Wir sollen nicht niedermachen und kleinhalten, sondern mit Wohlwollen schauen, was der*die andere kann. Dass er oder sie nicht eingeengt, sondern wertgeschätzt wird.
 
Mit diesem Satz macht Paulus deutlich, wie Gott die Menschen gemeint hat. Er wünscht sich uns aufmerksam und achtsam, sich selbst und anderen gegenüber liebevoll, eben mit einer bedingungslosen Grundwärme. Doch damit nicht genug. Nicht zu meckern ist nun einmal nicht genug gelobt!
 
Oder, um es mit einem himmlischen Witz zu verdeutlichen:
Am Himmelstor steht ein Mann und sagt: „Aber ich habe doch nichts getan.“
Petrus erwidert: „Eben! Darum kann ich dich nicht hineinlassen.“
 
Sich ermutigen, am Ball bleiben, aus Jesu Umgang mit den Menschen lernen, achtsam hinschauen, gemeinsam gute Werke vollbringen, die dann wiederum dem Einzelnen und der Gemeinschaft dienen – von solchen Menschen träumt Gott.
 
Lassen Sie es uns versuchen!
 
Ihre und eure Diakonin
                                       

3-Minuten-Kirche am 22. September 2021

 

 

Kennen Sie das Gefühl auch? Eigentlich wäre es gerade ganz gut, wenn alles bleibt, wie es ist, weil vertraut, gewohnt, lieb gewonnen…. Manchmal stöhnen wir aber auch, das müsste jetzt aber endlich mal anders werden. So kann es wahrlich nicht bleiben. Beides gehört zum Leben dazu. Es ist wie die beiden Pole Nord und Süd, wie warm und kalt, hell und dunkel. Bleiben bedeutet Ruhe. Veränderung macht alle mal mehr Mühe und Last, kostet mehr Kraft, hat aber auch den Reiz des Neuen, Anderen. Irgendwo dazwischen stecken wir täglich in unserem Leben.

Diese Tage sind wir auch gesellschaftlich, politisch gefragt. Was soll bleiben, was sich verändern? Welche Partei, welche/r KandidatIn steht für die Wege, die nach unserer persönlichen Überzeugung in eine lebensfreundliche Zukunft führen. Spannende Entscheidung, viele sind noch unsicher und auf der Suche nach der richtigen Wahl.

Dabei gilt es, bei allem Gewicht der Entscheidung, sich darüber nicht zu entzweien. Was immer als Ergebnis rauskommt, es wird wieder etwas im Vorübergang sein. Jetzt geht es „nur“ um möglichst gute Schritte ins Morgen, was übermorgen sein wird, was die heutigen Entscheidungen dann zur Folge haben werden? Keiner weiß es und kann es absehen. Ein Blick in die Geschichte zeigt, nichts blieb je dauerhaft so, wie es war, Reiche kamen und gingen. Was lange selbstverständlich so sicher schien, keiner weiß, was danach kommt.

Das Neue kann ebenso motivierend, befreiend sein, wie seine Unsicherheiten ängstigen. „Panta rhei“ – alles ist im Fluss, so hat schon der griechische Philosoph Plato festgestellt. Wenn alles fließt, muss uns dann auch alles zwischen den Händen zerrinnen? Vielleicht sogar unser Leben? Gibt es denn wirklich nichts, was dauerhaft bleibt in aller Veränderung?

Der Hebräerbrief bringt die menschliche Sehnsucht nach einer bleibenden Heimat so zum Ausdruck:„Wir haben hier keine bleibende Statt, aber die zukünftige suchen wir.“ Lesen wir den Hebräerbrief als ganzen, wird schnell klar, er ist überzeugt, dieses Bleibende ist schon lange da, ist uns geschenkt von Gott. In Jesus Christus können wir jetzt schon bei Gott zu Hause sein. In seinem Geist können wir jetzt das wirken, was der Liebe Gottes und damit dem Leben dient und entspricht. Und das bleibt, weil es von Gott aufgenommen wird in seine Ewigkeit. Ja, auch wir selbst sollen nach Gottes Willen in ihm ewige Heimat finden.

Geborgen in dieser Zuversicht können wir hier und jetzt das entscheiden und tun, was der umfassenden Wirklichkeit Gottes nach unserer Überzeugung am ehesten gerecht wird; können darauf vertrauen: wenn wir in die unbekannte Zukunft gehen, wird er dabei sein. Er bleibt, er ist da in allem Fließen als der liebende, barmherzige, uns zum Leben Rufende. Das ist eine gute und hilfreiche „Statt“ (Heimat) für jetzt, alle Zeit und Gottes Ewigkeit.

Übrigens sind wir persönlich mit Ruhestand und Wegzug auch gerade im Fluss. Täglich gilt es zu entscheiden, was mitgeht, was zurückbleiben muss. Manchmal ist es erleichternd loszulassen, manchmal stimmt es melancholisch, tut es weh, zurückzulassen. Auch darin ist es gut glauben, aus bisheriger Lebenserfahrung vertrauen zu können, wohin immer es geht, was immer kommt, er ist längst da. In diesem Vertrauen seien Sie behütet, Ihr Pastor  

                   

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Monatsspruch Oktober 2021

Lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken.
(Hebr 10,24)
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