3-Minuten-Kirche am 28. April 2021
 
 
Sind Sie auch #mütend?
 
Dieser Begriff schwirrt derzeit durch soziale Netzwerke und beschreibt den Zustand zwischen müde und wütend. Geschaffen wurde er von der Ärztin Carola Holzner, die ihrem Ärger über Corona-Leugner, missglückte politische Maßnahmen und das Herumeiern von Lockdown zu Lockdown Luft gemacht hat. Seither haben viele Menschen dieses Wort genutzt, um ihre Gemütslage zu beschreiben.
Ich kann sie verstehen. Diese Pandemie, die nun schon über ein Jahr andauert, ist eine Belastung für jede*n Einzelne*n und eine Zerreißprobe für unsere Gesellschaft. 
 
Ich aber bin einfach nur müde. Ich habe keine Kraft mehr für Wut. Ich bin das ewige Streiten und Schimpfen leid. Überall wird geklagt: über die neueste Verordnung, die missglückte Impfkampagne, die Querdenker, die Gleichgeschalteten, die Medien, die Politiker, die verpassten Chancen, die falschen Zahlen, ... Und dabei habe ich das Gefühl, dass uns jede Diskussionsetikette abhandengekommen ist. Es gibt generell nur noch schwarz und weiß. Menschen, die versuchen, dazwischen zu sehen, werden genauso angegriffen wie jene, die nur eine Farbe sehen. Der Ton ist rau und hart, auf allen Seiten. 
 
Diese Wut überall macht mich müde. Oft gelingt es mir, dagegen an zu lächeln. Dem Tag etwas Schönes abzugewinnen. Das Gute zu entdecken, das in allem trotzdem steckt. Manchmal schaffe ich nicht mal das. 
 
Mir reicht’s, ich geh schaukeln – denke ich dann und tue genau das. Schaukeln habe ich als Kind schon geliebt und seit einigen Jahren hängt bei uns eine Schaukel im Garten. Das Schwingen, der Luftzug, das freudige Kindheitsgefühl zaubern mir bald wieder ein Lächeln ins Gesicht. Davon wird die Welt nicht besser, die Pandemie nicht gestoppt, das Diskussionsklima nicht heller. Aber meine Stimmung hebt sich. Und meine Kraft, der Situation entgegenzutreten, regeneriert. 
 
Für alle, die keine Schaukel im Garten haben: Singen hilft genauso! 
Manchmal tue ich sogar beides gleichzeitig. Dann singe ich beim Schaukeln laut vor mich hin:
Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht, Christus meine Zuversicht, auf dich vertrau ich und fürcht' mich nicht. 
Eine helle und schwungvolle Woche wünscht 
Diakonin
                 
 

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