3-Minuten-Kirche am 14. April 2021
 
 
Wie Du glaubst, so hast Du!
Das hat Martin Luther so gesagt. Kann man als Verheißung hören. Kann aber auch gefährlich sein. Offensichtlich aber trifft diese Aussage die Lebenswirklichkeit ziemlich genau.
 
Wenn eine/r glaubt, er/sie sei der/die Beste prägt das das ganze Verhalten. Meistens sind das für ihre Umwelt eher unangenehme und wenig hilfreiche Menschen. Und richtig schwierig wird es dann, wenn so jemand im Scheitern, im Versagen erlebt, wie sehr der überzogene Glaube an sich selbst daneben liegt. Entweder wird dann ein umfangreiches Lügengebilde aufgebaut, mit dem er/sie sich selbst was vormacht, und das wird dann häufig fanatisch, ja mit Gewalt vertreten. Oder ein solcher Mensch wird sich, wenn es gut geht, völlig neu sortieren müssen. Wie sagt der Volksmund: Hochmut kommt vor den Fall.
 
Und wenn eine/r glaubt die Pandemie sei nicht real, sondern eine düstere Machenschaft oder gar freie Erfindung, dann läuft man eben mit Aluhüten durch die Gegend, aus Angst gleichgeschaltet zu werden oder man läuft maskenlos herum und gefährdet sich selbst und andere.
 
Schon eigenartig, für den Gottesglauben halten die Menschen sich für zu aufgeklärt.Und dann glauben sie an alle möglichen Verschwörungstheorien, an die Überlegenheit einer Rasse, einer Weltanschauung, eines Wirtschaftssystems, einer Partei oder ihrer selbst. Der Publizist Henryk M. Broder sagt dazu: „Seit die Menschen nicht mehr an Gott glauben, glauben sie allen möglichen Unsinn.“ Ja, und sie werden leider - wenn überhaupt - erst dann klüger, wenn sie – wie es kommen wird und muss – damit heftig auf die Nase fallen, wie beim Zusammenbruch des dritten Reiches, der Apartheit, des Kommunismus oder einem persönlichen.
 
Der vermeintlich überwundene Gottesglaube – und den meinte Luther ursprünglich – ist eine Medizin gegen all solche Verblendung. Er gibt dem Menschen die Freiheit in der vertrauens-vollen Beziehung zu Gott, entspannt seinen angemessenen Platz zu finden und zu leben. Er muss nicht länger selbst Gott spielen, muss nicht unfehlbar sein, muss sich nicht länger über andere erheben, muss nicht die alleinige Wahrheit für sich pachten und daraufhin fanatische Systeme und Vorstellungen entwickeln und muss und kann auch nicht die Welt retten.
 
Vielmehr ist er/sie befreit dazu, im Vertrauen auf Gottes Ja und sein Geleit die eigene Fehlbarkeit und Begrenztheit anzunehmen und immer wieder neu nach dem bestmöglichen Weg für das sich stets verändernde Leben und seine Anforderungen zu suchen. Wie Du glaubst so hast Du: Entweder ein Leben in Selbstüberschätzung und zwangsläufiger Selbstüberforderung, das das Miteinander zur Hölle macht und zerstört.
Oder eben ein Leben als befreites Kind Gottes, im Glauben mit ihm verbunden, das sich in allem was geschehen mag, auch dem eigenen Scheitern, von Gottes Liebe umfangen weiß und darin auch anderen zum Segen werden kann.    
 
Und woran glauben wir so im Alltag?
 
Herzlich grüßt, Ihr Pastor
                                           

3-Minuten-Kirche am 11. April 2021
 
 
Ein Holzfäller und seine Frau leben in einer Hütte im Wald. Sie sind arm. Während der Holzfäller arbeiten geht, bleibt seine Frau allein zuhause und sehnt sich nach einem Kind. Doch sie bekommen keins. Also lenkt sie ihre Sehnsucht jetzt auf die Züge, die regelmäßig auf den Schienen durch den Wald fahren – nach Osten hin. Güterzüge sollen es sein, hat ihr Mann erklärt. Und die Holzfällersfrau, arm, unglücklich und kinderlos wünscht sich nun, irgendeines dieser Güter, welche die Züge transportieren, möge herausfallen.
 
In einem dieser Züge sitzt eine junge Familie. Eingepfercht mit vielen anderen werden der Vater, die Mutter und die neugeborenen Zwillinge in eines der Konzentrationslager im Osten deportiert. Weil die Mutter zu entkräftet und ihr Körper zu ausgezehrt ist, um zwei Kinder am Leben zu erhalten, entschließt sich der junge Vater schweren Herzens, eines der Kinder aus dem Zug zu werfen.
Es landet vor den Füßen der Holzfällersfrau. Sie hebt es auf, trägt es nach Hause und hütet von nun an dieses kostbarste aller Güter – ihren Schatz.
 
Welche Bilder haben Sie im Kopf, wenn Sie das Wort „Schatz“ hören? Eine Truhe voller Gold und Diamanten? Eine kostbare Perlenkette – von Oma geerbt? Die Villa, das dicke Auto, die Segelyacht?
Oder sind Ihre Lieben Ihr Schatz – so wie das Kind in dem Märchen „Das kostbarste aller Güter“ von Jean-Claude Grumberg? Die Menschen, die Ihnen lieb und teuer sind?
 
„Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz“, sagt Jesus in seiner Bergpredigt (Mt. 6, 21). Und er mahnt, wir sollen die richtigen Schätze sammeln. Nämlich nicht irdischen Reichtum, sondern an himmlische Schätze sollen wir unser Herz hängen. Damit ist nicht gesagt, dass wir keine materiellen Güter besitzen und keine lieben Menschen um uns haben dürfen. Aber verglichen mit Gott und seinem Reich sind sie genau genommen kein Schatz, denn sie sind vergänglich und damit längst nicht so wertvoll.
 
Hängen wir unser Herz an Gott, richten wir unser Leben auf sein Reich aus – so sammeln wir Schätze, im Himmel und auf Erden.
 
 
Herzlich grüßt
Ihre und eure Diakonin
                                      
 

3-Minuten-Kirche am 4. April 2021

 

 

Ostern - Die Erzählung über die Auferstehung Jesu.
 

Die Osterbotschaft lautet: Der leibliche Tod ist nicht nur ein Ende sondern zugleich auch der Beginn von einem neuen Leben. Die Botschaft der Ostergeschichte lautet: Auf den Tod folgt neues Leben.

Und für mich gilt das nicht nur in Bezug auf den leiblichen Tod. Die Osterverheißung „Auf den Tod folgt neues Leben“ lässt mich zuversichtlich sein, dass sich ganz grundsätzlich das Leben, das Gute und die Liebe durchsetzen werden.

Denn das Leben hat seinen Ursprung in Gottes Liebe. Die gesamte Schöpfung, alles was ist, ist ein Ausdruck der Liebe Gottes. Ich sehe in der Liebe Gottes die Kraft, die hinter allem steckt, und die in allem wirkt, was ist.

Deshalb glaube ich, dass es in der Schöpfung angelegt ist, dass sich immer wieder das Leben, das Gute und die Liebe durchsetzen werden. Doch das schließt nicht aus, dass es vieles auf der Welt gibt, was dem Leben entgegen steht, weil es schlimm und grausam ist. Davon handelt ja Karfreitag - Karfreitag führt uns die Schattenseiten des Lebens vor Augen.

Aber Karfreitag ist eben nicht das Ende, Karfreitag ist nur eine Zwischenstation. Auf den Tod an Karfreitag folgt neues Leben an Ostern: Für Jesus, aber auch für seine Freunde, die so sehr trauerten. Auch für sie beginnt mit Ostern ein neues Leben. Sie sammeln sich, finden zurück ins Leben und machen weiter.

Karfreitag und Ostern widersprechen sich nicht, sie gehören zusammen denn sie ergänzen sich. Während Karfreitag uns zu einem realistischen und nüchternen Blick auf das Leben zwingt gibt Ostern uns einen hoffnungsvollen Blick, der über unser kleines persönliches Leben hinaus geht. Und dieser Blick, den Ostern uns schenkt, lässt uns zuversichtlich sein: „Auf den Tod folgt neues Leben“ - Am Ende steht das Leben, das Gute und die Liebe. Das ist das Osterversprechen, das über das Leben gesprochen ist.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und euch frohe Ostern!

Ihr/ euer Pastor:

                             

 

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3-Minuten-Kirche am 7. April 2021

 

 

„Schade, dass Ostern schon wieder vorbei ist“, sagte meine Tochter gestern morgen. Ja, die Osterfeiertage sind wieder schnell vorbei gegangen. Wieder so anders als gewohnt, aber nicht weniger fröhlich, nicht weniger hoffnungsvoll. Und auch wenn die Osterfeiertage wieder vorbei sind, ist die Osterzeit im Kirchenjahr noch lange nicht vorbei, die fängt jetzt erst richtig an. 40 Tage sind es bis Himmelfahrt und die biblischen Geschichten erzählen davon, dass Jesus den Frauen und auch seinen Jüngern nicht nur am Tag der Auferstehung erschienen ist, sondern dass sie ihm noch oft begegnet sind, in ganz unterschiedlichen Situationen. Und immer wieder spüren sie: Ja, er ist noch da, aber anders als vorher. Wir können uns darauf verlassen, dass er weiter bei uns ist und uns begleitet, auch wenn er wirklich nicht mehr sichtbar unter uns ist. Wir können spüren, dass er da ist. Die Osterbotschaft bleibt auch über die Ostertage hinaus wichtig und zentral: Gott lässt uns nicht allein, egal, was passiert. Nach Karfreitag kennt er Leid und Schmerz und ist bei uns, wenn wir Leid und Schmerz erfahren, wenn wir Sorgen haben, die uns das Leben schwer machen. Mit Ostern ist das alles nicht weg, aber es wird leichter. Ostern zeigt, dass Leid und Schmerz einmal ein Ende haben und dass das Leben über den Tod siegt. So können neben den Steinen, die auf mir und meiner Seele lasten, Blumen blühen und Neues entstehen lassen.   

Gott ist nicht dafür zuständig, dass es mir in meinem Leben immer gut geht. Aber ich weiß, dass er mich durch alle Höhen und Tiefen des Lebens begleitet, auch wenn ich das manchmal erst im Rückblick erkenne. Ostern zeigt neue Wege, lässt Neues in mir aufblühen und mich spüren: ich bin nicht allein auf meinem Weg. Das macht mich fröhlich und gibt mir immer wieder Hoffnung.

Eine fröhliche Osterzeit wünscht Pastorin 

                                                                      

 

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3-Minuten-Kirche am 31. März 2021

 

 

Gründonnerstag - das letzte gemeinsame Essen von Jesus mit seinen Jüngern.

Die Darstellung von diesem Ereignis aus der Hand von Leonardo da Vinci ist wohl das berühmteste Bild der christlichen Kunstgeschichte.

Im Jahr 2021 scheint es fremdartig, wie Jesus mit den Anderen am Tisch zusammen kommt; wie sie dicht an dicht sitzen, keine Masken auf haben und sich auch noch das Essen reichen! Gut vorstellbar, dass sie sich am Ende zum Abschied auch noch die Hand gereicht oder gar umarmt haben.

Corona ist schuld, dass wir dieses Jahr an Gründonnerstag nicht so zusammen kommen können. Doch auch damals war die Stimmung nicht ungetrübt - auch damals gab es einen Störenfried, der die Gemeinschaft aufzulösen drohte.

Judas, der Jesus verraten hatte. Er war der Fremdkörper in dieser Runde. Für den eigenen Vorteil nahm er den Tod Jesu billigend in Kauf. Jesus wusste um den Verrat. Wie ein gut geschultes Immunsystem konnte er Feind und Freund unterscheiden. Doch wie reagiert Jesus? Eben nicht wie ein Immunsystem! Er reagiert nicht mit Abwehr oder Bekämpfung. Jesus lässt den Menschen, der letztlich sein Leben auf dem Gewissen hat, an seiner Seite sitzen. Die Kränkung, die das Verhalten von Judas eigentlich bedeutet, wirkt sich nicht auf Jesus aus. Er lässt Judas ein Teil der Gemeinschaft sein. Er nimmt ihn weiterhin an.

Für mich war das schon immer eine der ganz zentralen Stellen der Jesus-Erzählungen; dass Jesus „ja“ sagt zu dem, dessen Verrat ihm sein Leben kosten wird. „Ja“ zu sagen, zu dem, der einem feindlich eingestellt ist, ist die höchste Form von Liebe. Und das gilt nicht nur gegenüber Menschen, sondern auch gegenüber den Umständen, die uns das Leben schwer machen. Dieses Jahr ist das natürlich das Corona-Virus. Wobei es selbstverständlich wünschenswert ist, dass unser Immunsystem bei einer Infektion auf das Virus mit einer Abwehr reagiert.

Aber was die ganzen Einschränkungen und Erschwernisse angeht, die mit dem Virus verbunden sind, sollten wir doch versuchen, es wie Jesus handzuhaben - und ja zu sagen. Nicht weil wir es gut finden, dass es so ist sondern weil wir es als Teil unseres Lebens annehmen wollen.

Abwehr und Ablehnung des Unliebsamen ist eine verständliche Reaktion - sie ist gerade zu menschlich. Aber Abwehr und Ablehnung bringen keinen Frieden. Das friedliche Beisammensein der Jünger Jesu am Tisch ist ein Sinnbild für diese Einsicht: Ablehnung, Verwerfung oder gar Bekämpfung stiften keinen Frieden.

Frieden kommt aus einem Ja. Dem Ja zum Leben.

 

Ihr/ euer Pastor

                                 

 

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Monatsspruch April 2021

Christus ist Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung.
(Kolosser 1, 15)
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