3-Minuten-Kirche am 25. Oktober 2020
 
 
Haben Sie daran gedacht, die Uhr eine Stunde zurückzustellen? Ab heute leben wir in der Winterzeit. Ich mag sie nicht besonders. Dieses Gefühl, dass schon ab Spätnachmittag die Dunkelheit in meinen Tag kriecht, macht mich oft müde und antriebslos.
 
Aber etwas Gutes hat diese Zeit doch. Ich mag es, im Dunkeln an erleuchteten Fenstern vorbeizukommen und mir vorzustellen, was für Menschen dahinter leben, was sie gerade tun. Manchmal kann man die Menschen in den Zimmern sehen, beim gemeinsamen Essen sitzend oder vor dem Fernseher. Manchmal ist ein Raum nur schummrig beleuchtet und wirkt einladend gemütlich. Manchmal entdecke ich eine schöne Pflanze oder eine hübsche Dekoration. Manchmal schaut eine Katze zu mir heraus.
 
Gerade habe ich eine tolle Aktion entdeckt, die meine Aussicht auf Herbstabend-Fenster noch schöner machen könnte. „Laternen Fenster“ heißt sie.
 
In den meisten Orten wird es in diesem Jahr keine Laternenumzüge geben, ist der St. Martinstag keine gute Gelegenheit, fröhlich singend durch die Straßen zu ziehen. Darum werden stattdessen alle eingeladen, eine oder mehrere Laternen in die Fenster zu stellen und sie mit Kerzen oder Lichterketten zum Leuchten zu bringen. Von Kindern selbstgebastelte Laternen erfahren so Wertschätzung und große und kleine abendliche Spaziergänger haben die Möglichkeit, die leuchtenden Laternen zu bestaunen. So teilen wir ein bisschen Hoffnung in dieser schwierigen Zeit und Licht in der Dunkelheit – ganz im Sinne des heiligen Martin von Tours, dessen Todestag wir am 11. November begehen. Der Legende nach hat Martin als junger Soldat einmal seinen Mantel mit dem Schwert durchtrennt und einem frierenden Bettler eine Hälfte geschenkt. Seither nehmen wir uns ein Beispiel an seiner praktizierten Nächstenliebe.
 
Dieses Jahr, indem wir unsere Fenster für andere hell machen. Bei „Laternen Fenster“ kann jede*r überall mitmachen. Und ich freue mich schon jetzt auf bunte, helle, fröhliche Laternen, die meine Wintermüdigkeit vertreiben.
 
Ihre und eure Diakonin 
 
HIER gibt es eine Bastelanleitung für die Aktionslaterne
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3-Minuten-Kirche am 21. Oktober 2020
 
 
In der letzten Woche war ich mit meiner Tochter in der Lüneburger Heide wandern. Dort ist uns dieser Schriftzug auf der Straße begegnet. Den Jakobsweg gibt es nicht nur in Spanien. Der Abschnitt in Spanien ist der bekannteste, der durch Filme und Bücher in den letzten Jahrzehnten mehr Aufmerksamkeit bekommen hat. Jakobswege gibt es in ganz Europa, weil man früher aus allen Ländern nach Santiago de Compostela gepilgert ist. Und in diesem Jahr gehen tatsächlich mehr Menschen auf den Jakobswegen in Deutschland pilgern als sonst. Und ein Weg führt auch durch die Südheide, ein Weg, der seinen Ausgangspunkt in Skandinavien hat. 
 
„You’ll never walk alone“ – Du wirst niemals allein gehen. Eine bekannte Fußballhymne auf dem Jakobsweg? Im Fußball wird damit die Unterstützung des Lieblingsvereins ausgedrückt. Hier auf der Straße im Zusammenhang mit dem bekannten Pilgerweg hat das für mich eine andere Bedeutung. Wenn ich diesen Weg gehe, bin ich niemals allein, auch wenn ich ohne Begleitung unterwegs bin. Zum einen kann ich mich in der Gemeinschaft mit all denen wissen, die diesen Weg vor mir gegangen sind und auch mit denen, die diesen Weg noch gehen werden. Zum anderen kann ich mich von Gott begleitet wissen. 
 
Und diese Begleitung gilt nicht nur für einen Pilger – oder Wanderweg. Diese Begleitung gilt für mein ganzes Leben. Gott sagt zu Jakob: „Siehe ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst.“ (Gen 28, 15)
Diese Zusage gilt auch uns heute. Sie wird bekräftigt durch die Worte Jesu: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ (Mt 28,20)
 
Wir sind nicht allein auf dem Weg durch unser Leben, ganz egal, ob der Weg schwer, dunkel, steil und hügelig ist oder leicht, hell und eben. Im Moment habe ich oft das Gefühl, dass das Leben eine ständige Berg- und Talfahrt ist, bei der sich kaum abschätzen lässt, was als nächstes kommt. Was kann ich eigentlich noch planen und was nicht? Doch letztlich ist das Leben niemals planbar, es kommt oft anders, als ich es mir vorgestellt habe. Wie gut, dass ich dann sagen und darauf vertrauen kann: „Ich bin nicht allein.“
 
Bleiben Sie behütet! 
Ihre Pastorin 
 
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3-Minuten-Kirche am 14. Oktober 2020
 
 
Kennen Sie IVAR? Oder haben Sie BILLY zuhause? Heute vor 46 Jahren hat die erste deutsche IKEA Filiale geöffnet. Seither haben sie Einzug gehalten, die Möbel mit den komischen Namen, die man selbst abholen und aufbauen muss.
In fast jedem Haushalt steht heute ein IKEA-Möbel und wer hat sich nicht schon einmal mit den Montageanleitungen von HEMNES, PAX oder MALM herumgeschlagen?
 
Die haben sich im Laufe der Jahre gewandelt - vom dicht beschriebenen Blatt Papier zum groß bebilderten mehrseitigen Heftchen. Brauchte man zu Beginn nur einen Imbusschlüssel und Schraubenzieher, enthält das Paket heute eine Vielzahl an Schrauben, Dübeln, Bolzen und anderen Verbindern. Es scheint komplizierter geworden zu sein, ein IKEA-Möbel aufzubauen. Dafür kommen die deutlich stabiler und hochwertiger daher, als früher.
 
Ich muss an die Zehn Gebote denken. Regeln, die Gott seinem Volk gibt, damit es ein gutes Leben führen kann.
Sie passen auf ein beschriebenes Blatt Papier.
Wir Menschen haben daraus einen ganzen Katalog von Regeln und Gesetzen gemacht. Unser Grundgesetz besteht aus 146 Artikeln, es gelten 1681 Bundesgesetze.
 
„Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus der Knechtschaft geführt hat.“ So beginnt das erste Gebot. Diesen Satz vergessen Viele, sie erinnern sich an: „Du sollst keine Götter haben neben mir!“. Doch das ist erst der zweite Satz. Ich finde den vorangestellten wichtiger, denn er beschreibt, warum es diese Regeln gibt. Nicht, um unseren Gehorsam zu trainieren, uns zu begrenzen oder zu kontrollieren. Sondern um uns aus der Knechtschaft zu führen. Um uns ein gelingendes Leben zu ermöglichen. Ein Leben in Freiheit, Frieden und Sicherheit.
 
Ich wünschte, wir alle würden uns besinnen auf das, was dem Leben dient – der Freiheit jedes Einzelnen, aber auch der Gesundheit und der Stabilität unserer Gesellschaft.
 
Grundsätzlich – und in Coronazeiten im Besonderen!
 
Ihre und eure Diakonin 
 
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3-Minuten-Kirche am 18. Oktober 2020
 
 
„Ob das reicht?“
Diese Frage stellen sich gerade viele Menschen - vor allem Politiker und Entscheidungsträger: „Reichen die verhängten Maßnahmen gegen eine unkontrollierte Ausbreitung des Corona-Virus? Oder müssen wir mehr tun?“
 
„Mir reicht`s!“
Auf der anderen Seite gibt es auch Menschen, denen reicht es jetzt schon. Die haben genug von den Vorschriften und Einschränkungen. Sie halten die Vorgaben für übertrieben und unverhältnismäßig.
 
Bei der Frage, wie mit Corona umzugehen ist, prallen Welten aufeinander. Und hier zeigt sich deutlich wie selten, dass zwei grundverschiedene Positionen von Menschen mit felsenfester Überzeugung vertreten werden können.
Es liegt vor allem am Internet, dass heute auch noch für die abwegigsten Behauptungen aufgeschlossene Empfänger gefunden werden. Das Internet befeuert eine zutiefst menschliche Eigenschaft: Dass wir das, was wir für die Wirklichkeit halten, zum großen Teil selber konstruieren. Menschen glauben vor allem was sie glauben wollen.
 
Dass Corona-Leugner wissenschaftliche Erkenntnisse nicht gelten lassen, ist ein extremer Fall. Aber dass wir alle uns unsere Welt ein Stück weit selber kreieren, davon kann sich wohl keiner freisprechen.
 
Ich glaube, das ist der Balken bzw. Splitter im Auge, von dem Jesus in der Bergpredigt spricht: „Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht?„ Was wir für die Wirklichkeit halten, ist immer von uns Menschen konstruiert.
 
Die Bibel enthält viele Einsichten, die uns helfen können, ein lebensförderliches Weltbild zu entwickeln. Eine ist die, dass die menschliche Gemeinschaft einem Körper mit verschiedenen Organen gleicht: Dieses Bild ruft uns auf, auszuhalten, dass es Unterschiede gibt (auch wenn das manchmal nur schwer zu ertragen ist) - und dennoch kann es nur gehen, wenn alle Teile zusammenarbeiten und für einander da sind. Denn wenn ein Teil krank ist, hat das immer auch Folgen für den Rest.
 
Ihr und euer Pastor 
 
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3-Minuten-Kirche am 11. Oktober 2020
 
 
In einem Monat, am 11.11. um 11.11 Uhr beginnt - wie alle Jahre wieder - die närrische Zeit. Bei uns im Norden zumeist eher gebremst, dafür im Westen unseres Landes umso ausgelassener. Das Leben mal richtig genießen, ausleben, was sonst oft nicht geht, feiern, tanzen, Humor, Nähe, Döniken – Unbeschwertheit halt. All das noch einmal so richtig ausleben, bevor es dann carne vale – leb wohl Fleisch – heißt mit Beginn der Fastenzeit. Protestantisch geprägte Norddeutsche tun sich oft etwas schwer mit der rheinischen Fröhlichkeit in dieser Zeit, was aber auch daran liegt, dass sie die Fastenzeit in ihrer Tradition über Jahrhunderte nicht wirklich als solche begangen haben – hatte ja keine religiöse Bedeutung mehr.
 
Im Moment müssen sich alle ziemlich einschränken wegen der wieder zunehmenden Corona-pandemie. Nicht wenigen fällt das schwer. Einschränken, nicht ausleben können, was man gern möchte, macht eigentlich nie wirklich Spaß. Fasten also auch nicht. Es sei denn um eines größeren Ziels willen, dass die Einschränkung wert ist.
 
Im Religiösen gilt das Fasten als Weg das Leben zu gewinnen, indem man vieles von dem zurückstellt, was den Alltag sonst erfüllt. Heißt aus Routinen und Gewohnheiten auszubrechen und sich bewusst Zeit für die Beziehung zu Gott zu nehmen und dafür, neu zu entdecken, was wirklich wichtig ist und das Leben neu darauf hin zu justieren.
Später wurde das Fasten im Blick auf das Heilfasten neu entdeckt. Auch da gilt es Gewohnheiten, Routinen zu durchbrechen, die Lebensart zu überdenken und neu zu justieren um der Gesundheit willen. Wer das Fasten kennt und lebt, weiß auch das Leben da-nach umso mehr und bewusster zu genießen, weil er/sie wieder neu entdeckt hat, was das Leben wirklich erfüllt und freudig macht; weiß aber auch, wie sehr man sich umso mehr auf das freut, was neu wichtig geworden ist, wenn die Zeit der Selbstbeschränkung zu Ende geht.
 
Das Dumme im kommenden Karneval ist nun, dass wir gerade in dieser Fest- und Freudenzeit fasten müssen um der Gesundheit, um des Lebens willen. Die Coronazahlen steigen wieder massiv und auch die Zahl der im Krankenhaus liegenden und daran Verstorbenen nimmt wieder zu. Das zeigt erneut, wie wichtig das Fasten, die Selbstbeschränkung ist in diesen Zeiten, um gerade dadurch das Leben zu gewinnen. Karneval – Fleisch leb wohl – bekommt so einen ganz neuen Klang, weil es sich nicht nur auf das Essen bezieht, sondern auch auf die ersehnte körperliche Nähe zu Freunden und Verwandten. Zuneigung und Wertschätzung wird sich in den kommenden Wochen und Monaten wohl wieder mehr im Abstand und der Distanz als in der Nähe und Umarmung, also einem fürsorglichen Umgang miteinander ausdrücken müssen.
Aber es ist wie beim Fasten schon immer: Wir werden – gerade weil es derzeit nicht geht wie sonst – umso mehr entdecken, was und wer uns wirklich wichtig ist.
Und das dann, gebe es Gott, nach dem vorübergehenden Fasten um des Lebens willen, umso mehr feiern können, wenn die Pandemie vorbei ist.  Diesen Zeitpunkt wollen wir möglichst alle Miteinander erreichen.
Deshalb heißt es schon jetzt fasten,  Karneval – Fleisch leb wohl!   
 
Seien Sie behütet! Herzlich grüßt Ihr Pastor 
 
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Monatsspruch Oktober 2020

Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum HERRN; denn wenn's ihr wohlgeht, so geht's euch auch wohl.
(Jer 29,7 )
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