Familie Davidsohn

 Steine Familie Davidsohn klein

In der heutigen Kampstraße 9 in Salzhemmendorf wohnte die Familie Davidsohn und wir haben Stolpersteine für Robert Davidsohn, seine Frau Elfriede, ihren gemeinsamen Sohn Erich und dessen Cousine Juliane Guttmann, die mit im Haushalt lebte, verlegt.

Seit 1875 lebte die Familie Davidsohn in diesem Haus, in dem früher auch die Synagoge war. Schon die Eltern von Robert lebten und arbeiteten hier. Robert war einer von fünf Söhnen. Seine Brüder hießen Max, Siegfried, Friedrich und Wilhelm. Alle Söhne dienten im Ersten Weltkrieg als Soldaten, zwei von ihnen fielen.

Robert, der mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde, blieb als einziger der Söhne in Salzhemmendorf und übernahm die Schlachterei und den Viehhandel seines Vaters.

1921 heiratete er Elfriede, 1922 wurde ihr Sohn Erich geboren. Seit 1927 lebte außerdem eine Tochter von Elfriedes Schwester, Juliane Guttmann mit im Haushalt.

Diskriminierung und Boykotte ließen die Familie Davidsohn bereits 1935 beginnen, ihre Auswanderung zu planen. 1938 wurde Robert Davidsohns Geschäft von den NS-Behörden endgültig geschlossen.

In der Pogromnacht 1938 wurden die Fenster des Synagogenraums eingeworfen und die Inneneinrichtung zertrümmert. Am darauffolgenden Tag wurden Robert und Erich erst ins Gefängnis nach Hameln und von dort ins Konzentrationslager Buchenwald verschleppt.

Elfriede wurde während ihrer Abwesenheit gezwungen, das Haus hier in der Kampstraße zu verkaufen. Sie floh mit Juliane zu einer Schwester nach Hannover.

Erich durfte nach knapp vier Wochen das Lager Buchenwald verlassen, sein Vater folgte etwa eine Woche später. Von Hannover aus bemühte sich die Familie verstärkt um die Auswanderung.

Um ihr Überleben zu sichern, musste die Familie sich allerdings trennen.

Erich durfte im Februar 1939, kurz vor seinem 17. Geburtstag, mit einem Kindertransport das Land in Richtung England verlassen.

Robert, Elfriede und Juliane konnten im Juni dann auch endlich das Land verlassen. Sie fuhren per Schiff nach Argentinien.

Robert Davidsohn starb 1964 ohne seinen Sohn noch einmal getroffen zu haben.

Erich blieb in England, heiratete und bekam drei Kinder. Er starb am 17. April 1998.

 

Familie Heilbronn

Steine Familie Heilbronn klein

In der heutigen Haupstraße 2 in Salzhemmendorf lebte die Familie Heilbronn. Wir haben Stolpersteine für Moritz Heilbronn und seine Frau Gertrud verlegt. Die Familie Heilbronn kam ursprünglich aus Wallensen. Moritz Heilbronn war 23 Jahre alt, als er hier nach Salzhemmendorf zog und dieses Wohn- und Geschäftshaus baute.

Moritz und Gertrud heirateten 1932.

Das Geschäft der Heilbronns galt den Bürgern in Salzhemmendorf als „fein“ und beschäftigte mehrere Angestellte. Nach 1933 verbot das NS-Regime jüdischen Geschäftsleuten die Anstellung nicht jüdischer Angestellter. Im März 1933 musste Moritz Heilbronn darum einen jüdischen Geschäftsführer einstellen.

Ab 1935 wurde das Geschäft boykottiert. Moritz Heilbronn fuhr daraufhin mit dem Auto über Land, um mit dortigen Verkäufen die Umsatzeinbußen zu kompensieren.

Im Oktober 1935 starb Moritz Heilbronn. Herztod hieß die Diagnose. Viele meinten, er habe die Sorgen und Nöte durch die Verfolgung der damaligen Regierung nicht überstanden.

Seine Witwe Gertrud versuchte mithilfe des jüdischen Geschäftsführers das Geschäft nach dem Tod ihres Mannes weiter zu führen. Es wurde jedoch am 1. Juni 1936 offiziell geschlossen.

Gertrud Heilbronn zog nach Clausthal-Zellerfeld. Ihr Haus wurde zwangsversteigert.

In Clausthal-Zellerfeld führte sie das Geschäft ihrer Mutter weiter und musste dort erleben, wie am 9. November 1938 Nationalsozialisten Ladeneinrichtung, Schaufenster und Schaukästen zerstörten.

1941 gelang ihr schließlich die Ausreise zuerst nach Lissabon und von dort schließlich nach New York.

1942 wurde ihre Mutter ins Warschauer Ghetto deportiert – das blieb ihr selbst zum Glück erspart.

 

Familie Plaut

Steine Familie Plaut klein

In der heutigen Alte Heerstraße 49 in Hemmendorf wohnte Familie Plaut. Wir haben Stolpersteine für Karoline Plaut und ihre Tochter Klara verlegt.

Die Familie Plaut lebte seit 1889 in Hemmendorf. Adolf Plaut und seine Frau Karoline hatten zwei Töchter: Klara und Frieda.

Nach Adolfs Tod im Jahr 1925 führten seine Frau und die unverheiratete Tochter Klara das kleine Textilgeschäft weiter.

Frieda lebte mit ihrem Mann in Barsinghausen und starb bereits 1926.

In der Pogromnacht des 9. November 1938 wurde das Geschäft der Familie Plaut Ziel von Anschlägen. Nach der Pogromnacht drängten die Behörden mehr denn je auf Auswanderung. Juden durften keine Läden mehr führen und mussten Haus- und Grundbesitz verkaufen.

Seit Oktober 1941 rollten Deportationszüge aus dem deutschen Reich in den eroberten Osten.

Karoline Plaut starb am 25. Januar 1942 im Alter von 83 Jahren eines natürlichen Todes und entging so der Deportation.

Ihre Tochter Klara wurde am 28. März 1942 abgeholt. Ein Lastwagen brachte sie und andere Juden zuerst nach Hameln und dann ins Sammellager der Gestapo nach Hannover. Am 31. März schließlich brachte sie ein Zug in das völlig überfüllte Warschauer Ghetto. Wer dort die ersten Monate überlebte, wurde seit Sommer 1942 in das Vernichtungslager Treblinka deportiert.

 

Familie Catzenstein

Steine Familie Catzenstein klein

In der heutigen Alte Heerstraße 17 in Hemmendorf wohnte die Familie Catzenstein.Wir haben Steine für Emilie Catzenstein und ihre Töchter Aenny, Margarete und Elsa verlegt.

Die Familie Catzenstein lebte seit 1867 in Hemmendorf, dieses Haus war 65 Jahre in ihrem Besitz.

Emilie Catzenstein war mit Max Catzenstein, einem Textilhändler, verheiratet und hatte vier Kinder: Arthur, Elsa, Margarete, Aenny.

Nach dem Tod ihres Mannes verpachtete Emilie den Laden und musste das Haus schließlich 1938 unter dem Druck der Nationalsozialisten verkaufen.

Arthur Catzenstein, der 1926 geheiratet hatte, war bereits 1933 mit seiner Frau nach Belgien ausgewandert. Er lebte in Brüssel und arbeitete als Textilkaufmann.

Elsa war eine der Töchter, die sich viel um ihre Mutter in Hemmendorf kümmerte. Sie heiratete einen Waldemar Franz Nonne und bekam einen Sohn namens Michael, der noch die erste und zweite Klasse der Schule in Hemmendorf besuchte. 1933 zog die Familie schließlich nach Frankfurt, Elsas Besuche bei der Mutter wurden seltener.

Margarete zog bereits 1931 nach Berlin und später zu ihrer Schwester Elsa nach Frankfurt.

Aenny, die jüngste, war gelernte Röntgenassistentin, durfte jedoch ab 1936 ihren Beruf nicht mehr ausüben. Auf der Suche nach einem festen Arbeitsplatz lebte sie an rasch wechselnden Orten, ehe sie 1939 Deutschland verließ und ebenfalls nach Brüssel ging.

Emilie gelang ebenfalls die Flucht nach Belgien zu ihrem Sohn Arthur. Emilie, Arthur und Aenny überlebten den Krieg. Emilie starb 1941 im Alter von 80 Jahren eines natürlichen Todes. Arthur und Aenny blieben bis zu ihrem Tod mit ihren jeweiligen Familien in Belgien.

Am 18. März 1942 – unmittelbar vor dem Termin ihrer Deportation – nahm sich Margarete das Leben.

Elsa nahm sich im Mai 1944 das Leben. Es ist wahrscheinlich, dass auch sie damit einer bevorstehenden Deportation entgehen wollte.

 

Familie Zeckendorf

Steine Familie Zeckendorf klein

In der heutigen Alte Heerstraße 8 in Hemmendorf lebte die Familie Zeckendorf. Wir haben Steine für Karl Zeckendorf, seine Frau Frieda und ihre gemeinsame Tochter Hannelore, sowie für Karls Schwestern Margarete, Thekla und Selma verlegt.

Die Familie Zeckendorf lebte über fünf Generationen in Hemmendorf. Schon Karls Eltern Abraham und Laura Zeckendorf betrieben im Ort ein Geschäft mit Textil- und Kolonialwaren. Das fünfte ihrer Kinder, der jüngste Sohn Julius, starb bereits 1916 an Kriegsverletzungen in einem Lazarett.

Karl übernahm das Geschäft der Eltern, heiratete Frieda und 1925 wurde ihre Tochter Hannelore geboren.

Auch die unverheirateten Schwestern Margarete und Thekla lebten mit in diesem Haus.

Selma heiratete Max Grüneberg, den Bruder ihrer Schwägerin Frieda, und lebte mit ihm in Köln.

In der Pogromnacht wurde auch das Geschäft der Familie Zeckendorf Ziel von Anschlägen. Fensterscheiben wurden eingeworfen, Stoffballen sollen auf die Straße geflogen sein.

Bald darauf wurde Karl Zeckendorf festgenommen, in das Amtsgericht Hameln eingeliefert und am nächsten Tag in das Konzentrationslager Buchenwald geschafft. Nur elf Tage nach seiner Einlieferung starb Karl Zeckendorf am 21. November 1938 im KZ Buchenwald.

Das Mädchen Hannelore hatte unter dem NS-Regime viel zu leiden. Nachdem sie auch von anderen Kindern und Bürgern in Hemmendorf drangsaliert worden war, schickte ihre Mutter sie zur Tante Selma nach Köln, in der Hoffnung, dass sie dort zur Schule gehen könne, ohne von Mitschülern beschimpft zu werden.

Frieda Zeckendorf musste ihr Haus 1939 verkaufen. Im April 1941 zog sie schließlich nach Göttingen, wohin dann auch Hannelore kam. Sie wurden dort im „Judenhaus“ untergebracht.

In Hemmendorf zurück geblieben waren Margarete und Thekla Zeckendorf. Beide wurden am 28. März 1942 deportiert und kamen mit dem Transport, zu dem auch Klara Plaut gehörte, über Hameln und Hannover nach Warschau ins Ghetto.

Nach ihrem Abtransport wurde ihr Hausrat in Hemmendorf öffentlich versteigert.

Frieda Zeckendorf und ihre Tochter Hannelore wurden 1942 auch aus Göttingen deportiert – mit demselben Transport wie die Hemmendorfer Juden. Sie dürften sich im Sammellager in Hannover oder spätestens im Warschauer Ghetto wiedergetroffen haben.

Selma Zeckendorf, verheiratete Grüneberg wurde bereits im Oktober 1941 aus Köln in das Ghetto Lodz deportiert. Ihr Tod ist für den 4. Mai 1942 bezeugt.

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Monatsspruch Oktober 2019

Wie es dir möglich ist: Aus dem Vollen schöpfend - gib davon Almosen! Wenn dir wenig möglich ist, fürchte dich nicht, aus dem Wenigen Almosen zu geben!
(Tob 4,8)
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