3-Minuten-Kirche am 29. März 2020
 
 
 
Am 9. April jährt sich zum 75. Mal der Todestag von Dietrich Bonhoeffer. Am berühmtesten dürfte wohl sein Gedicht „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ sein. Dietrich Bonhoeffer hat den Text in Gefangenschaft geschrieben. Seine Worte bringen ein tief empfundenes Vertrauen zum Ausdruck. Ein Vertrauen, das auch durch die äußeren Umstände nicht zunichte gemacht werden kann. Ein Vertrauen, das Kraft und Zuversicht gibt. Ein Vertrauen, das wir alle in diesen Tagen gut gebrauchen können.
 
Angesichts der Corona-Krise muss ich aber auch besonders an einen anderen Text von Bonhoeffer denken. Nämlich sein Glaubensbekenntnis. Das beginnt so: „Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will.“
 
Dieser Satz drückt ein unglaublich großes Vertrauen zu Gott und zum Leben aus; ein Vertrauen, das sich eben gerade nicht auf die äußeren Umstände stützt. Ich höre aus diesen Worten ein Vertrauen darauf, dass sich am Ende das Gute, die Liebe und das Leben durchsetzen werden; auch wenn es in der jeweiligen Situation alles andere als „gut aussieht“.
 
Momentan sieht es weltweit ja auch eher besorgniserregend als hoffnungsvoll aus. Und es ist auch überhaupt nichts Gutes am Corona-Virus zu finden. Es bringt unzählig viel Leid und Tod über die gesamte Welt. Ohne Frage wird das Virus die Welt verändern. Und auch wenn es für sehr viele Menschen negative Folgen haben wird, bin ich zuversichtlich, dass dennoch auch etwas Gutes daraus entstehen kann.
 
Vielleicht bleiben ja das Gefühl der Solidarität und die Nachbarschaftshilfe, die momentan in unserem Land in ungeahntem Ausmaß zu beobachten sind. Vielleicht bleiben ein verändertes Bewusstsein und eine Dankbarkeit dafür, wie gut es uns in Deutschland geht. Vielleicht nehmen wir nach den Entbehrungen, der Ungewissheit und den Sorgen zukünftig unseren Alltag und unsere wiedergewonnenen Freiheiten mit einer größeren Wertschätzung wahr.
Vor allem aber hoffe ich, dass dieses Ereignis uns zu einem neuen Bewusstsein darüber führt, dass wir Menschen eine Einheit sind. Wir Menschen sind wie ein Körper, der aus vielen Organen besteht.
Diese Bild hat auch schon Paulus genutzt, um die Zusammengehörigkeit unter den Menschen zu verdeutlichen.
Und die Corona-Krise führt uns das auf dramatische Weise vor Augen: Wenn ein Teil der Welt krank ist und leidet, hat das am Ende Auswirkungen, die alle betreffen.
 
Dass wir Menschen aus dieser Situation für die Zukunft die passenden Maßnahmen ergreifen, ist meine Hoffnung. Trotz allem hoffe ich - ja glaube ich, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will.
Und ich glaube Corona ist da keine Ausnahme.
 
Ihr Pastor   
 
 
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Monatsspruch Juni 2020

Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder.
(1. Kön 8, 39)
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