3-Minuten-Kirche am 25. März 2020

 

 

Ich mag Comic-Verfilmungen. Ich bewundere die Helden. Eben waren sie noch ganz alltägliche Typen. Dann wächst eine neue – oft außerirdische – Kraft in ihnen. Und die Geschichten folgen immer dem gleichen Schema: Gut kämpft gegen Böse. Und Gut gewinnt. Happy End garantiert.

Dieser Tage fühle ich mich auch manchmal wie in einem Marvel-Film. Der Alltag ist gehörig auf den Kopf gestellt und die ganze Welt kämpft gegen eine neue, fremdartige Bedrohung. Die Verbreitung des Corona-Virus und die Bilder gesellschaftlichen Folgen werden sicher irgendwann als Hollywood-Blockbuster über die dann wieder geöffneten Kinoleinwände flimmern. Und wahrscheinlich wird es auch in den Verfilmungen eine Reihe von Helden geben und natürlich ein Happy End.

Doch derzeit scheint das Happy End noch weit entfernt. Und wo sind eigentlich die gerade jetzt so dringen nötigen Helden für unsere Geschichte?

Ich sehe sie – in den Nachrichten, die von Testzentren, aus Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen berichten. Da arbeiten sie Tag für Tag für die Erkrankten und gegen die Hilflosigkeit.

Ich treffe sie – beim Einkaufen.  Da haben sie neben ihrem eigenen auch den Einkaufszettel der gefährdeten Nachbarn im Blick und sorgen für andere.

Ich lese von ihnen – in der Zeitung und im Internet. Da wird berichtet von den vielen Menschen, die weiterarbeiten, nach Lösungen suchen und sich einsetzen – egal, ob in der Medizin, der Wirtschaft, den sozialen Berufen, ...

Ich spreche mit ihnen – den Eltern, die versuchen, ihren Kindern die Angst zu nehmen. Den Alleinlebenden, die Sorge vor der Einsamkeit umtreibt. Die Kleingewerbetreibenden, die um ihre geschäftliche Existenz bangen.

Die Liste der Ängste und Sorgen ist lang, ein Happy End nicht in Sicht. Und doch sind sie alle meine Helden. Denn allen gemein ist der Wille, die Krise zu bewältigen. Und die meisten von ihnen denken dabei nicht nur an sich, sondern versuchen darüber hinaus, Solidarität zu üben und auch für andere da zu sein. Ich bewundere sie für die Kraft, mit der sie jeden neuen Tag und jede neue Herausforderung angehen. Auch in mir spüre ich manchmal diese ungeahnte Kraft, die mich nicht verzweifeln lässt. Ich danke Gott dafür!

Ihre Diakonin 

 

______________________________________________________________

Monatsspruch Juni 2020

Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder.
(1. Kön 8, 39)
© 2008 Kirche im Saaletal | Joomla 1.5 Templates by vonfio.de