3-Minuten-Kirche am 3. Juni 2020

 

 

„Du hast Quellen und Bäche hervorbrechen lassen.“ Dieser Vers aus Psalm 74 findet sich auf dem Gelände des „Musée du Désert“ in Mialet in Südfrankreich. Das „Museum der Wüste“ erinnert an die Geschichte der französischen Protestanten, den sogenannten Hugenotten. Die Zeit der Wüste war für die Hugenotten die Zeit, in der sie verfolgt wurden, weil sie einen anderen Glauben hatten, als den vom französischen König vorgeschriebenen. Gemeinsam Gottesdienst feiern in der Öffentlichkeit war nicht möglich, die Gemeinden trafen sich an versteckten Plätzen im Freien, um unentdeckt zu bleiben oder um schnell flüchten zu können. Auch das gemeinsame Bibelstudium zu Hause in den Familien war offiziell verboten. Diese Situation damals hat die Menschen erfinderisch gemacht und sie neue Wege gehen lassen. Es gab in den Häusern gute Verstecke für die Bibeln und die Kanzeln bei den Gottesdiensten draußen glichen Fässern, im Notfall konnte sich der Prediger darin verstecken. Es war Gottes Wort, das den Menschen immer neu Kraft gegeben hat, um diese Zeit zu überstehen. Gerade die Psalmen waren wichtig und wurden viel gesungen. Sie waren und sind bis heute für Menschen eine wichtige Glaubensquelle.
Wir sind heute nicht in der Situation wegen unseres Glaubens verfolgt zu werden. Aber wir befinden uns durch das neuartige Coronavirus noch immer in einer Ausnahmesituation und wissen nicht, wie lange das noch so sein wird. Die mit dieser Situation verbundenen Einschränkungen haben auch bei uns in der Kirche viele Menschen erfinderisch gemacht. Neues wurde ausprobiert, wo Gewohntes nicht mehr möglich war. Ich bin froh und dankbar, dass das so ist. Genauso dankbar bin ich, dass ich zu Pfingsten zum ersten Mal seit langer Zeit wieder mit meiner Gemeinde Gottesdienst feiern konnte, auch wenn die neuen Bedingungen noch ungewohnt sind. Ich hoffe, dass wir weiter aus der reichen Quelle unseres Glaubens schöpfen können, auf ganz unterschiedlichen Wegen miteinander ins Gespräch kommen und unseren Glauben miteinander teilen können. Ich vertraue darauf, dass Gott immer wieder neue Quellen hervorbrechen lässt und uns durch seinen Geist miteinander verbindet, auch in schwierigen Zeiten.
 
Eine sprudelnde Quelle in dieser Zeit wünscht Ihnen Ihre Pastorin
                                                                                                                    
 
 
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3-Minuten-Kirche am 31.05.2020

 

 
 
Liebe Mitchristen!
Pfingsten müsste man eigentlich zu einem Fest der Natur ummünzen. Seit Jahren fahren viele über das Pfingstwochenende weg, wandern, radeln, genießen die Natur, die jetzt im Frühsommer ja auch wirklich am Schönsten ist. Gut wäre diese Veränderung zu einem Fest der Natur auch, weil wir im Zeichen der schon spürbaren Klimakrise gut daran täten, unser Verhältnis zur Natur, unser Verhalten ihr gegenüber bewusster wahrzunehmen und zu gestalten.
Wir haben hier im Alten Pfarrgarten in Salzhemmendorf richtig Natur um uns. Vögel in Scharen in den Bäumen, auf der Wiese, am Teich in den zahlreichen Bäumen und Sträuchern. Da geht uns regelmäßig das Herz auf. Aber als ich gestern zum Gießen um das Haus ging, lag dort ein fast ausgewachsener Jungvogel tot auf dem Weg – wohl aus dem Nest gefallen oder gedrängt. Und gestern Abend ertönte lautes „Gehäcker“ und waren aggressive Flugattaken eines Starenpaares zu beobachten, das versuchte, sein Nest gegen ein Elsternpaar zu verteidigen. Nein, Natur ist nicht nur romantisch und schön. Sie ist auch hart und traurig. Sie ist nicht das Paradies. Wer die Natur schön färbt, kann das nur, weil er sich in seinen beheizten Häusern und durch die Künste der Medizin soweit als möglich von ihr abgeschottet hat. Auch Corona gehört zur Natur und wir merken gerade, wie es ist, wenn die Abschottungstrategie nicht funktioniert.
Manche sagen, ich finde meinen Gott in der Natur. Das kann ich nicht, da ist mir neben so viel Schönem viel zu viel Leid und Tod. Da halte ich es mehr mit Paulus, der im Römerbrief schreibt: Denn alles Geschaffene wartet sehnsüchtig (mit uns)…Denn es ist der Sinnlosigkeit ausgeliefert, versklavt an die Vergänglichkeit. Gott gab aber seinen Geschöpfen die Hoffnung, dass auch sie eines Tages von der Versklavung an die Vergänglichkeit befreit werden und teilhaben an der unvergänglichen Herrlichkeit, die Gott seinen Kindern schenkt.
Von Herzen freue ich mich an der Schöpfung an den Mitgeschöpfen, den Pflanzen und Vögeln und weiß mich als Teil von ihr. Man muss die Natur nicht vergöttern um sie zu schützen. Retten können und brauchen wir sie nicht. Aber wertschätzend, pfleglich, schonend und fürsorglich mit unseren Mitgeschöpfen umgehen, das können und sollten wir, letztlich um unserer selbst willen. So ist es gut die Natur, die Schöpfung zu genießen in diesen Tagen. Sie hat teil an dem Leben und der Fülle, die Gott schenkt. Und zugleich doch auch zu wissen, sie ist nicht die heile Welt. Sondern sie leidet mit uns und oft viel mehr noch als wir an der Vergänglichkeit, am Vergehen. Und sie wartet mit uns - als Geschöpfe - geschwisterlich verbunden auf das Leben, die Herrlichkeit, die Gott schenken wird. Und der Geist Gottes, den wir zu Pfingsten feiern, ist jetzt schon machtvolles Unterpfand der Herrlichkeit Gottes, der neuen Welt auf die wir alle gemeinsam hin leben.
 
Frohe Pfingsten, Ihr Pastor
                                             
 
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3-Minuten-Kirche vom 24. Mai 2020

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Ich sitze am Schreibtisch und schaue aus dem Fenster. Auf einmal färbt sich die Luft gelb, fast wie bei einem Sandsturm.
Ein heftiger Windstoß hat unsere Kiefer in Bewegung versetzt - die Pollen haben sich gelöst und auf die Reise gemacht.
Pollen sind Wunderwerke der Natur. So besitzen z.B. manche Pollenkörner winzig kleine Luftkammern, die wie ein Fallschirm dafür sorgen, dass sie langsamer zu Boden fallen und dementsprechend weiter getragen werden. So können Pollen Strecken von bis zu 100 Kilometer überwinden. Mit etwas Glück entsteht dann an diesem Ort ein neuer Baum.
Beim Ausstoß der Pollen muss ich an das Corona-Virus denken, das sich ja ebenfalls über die Luft verbreitet. Die Ausbreitung des Virus` hat für uns Menschen zwar schlimme Folgen, aber nichtsdestotrotz ist auch ein Virus eine faszinierende und geniale Erfindung der Natur. Aus der Sicht des Corona-Virus` ist seine Verbreitung rund um den Globus eine riesige Erfolgsgeschichte und ein Beweis für seine Optimierung.
Ich finde es faszinierend, dass im Laufe der Jahrmillionen so unterschiedliche Organismen entstanden sind wie Bäume, Viren oder wir Menschen. Und bei all der Verschiedenheit, gibt es doch auch die eine große Gemeinsamkeit: Jeder belebte Organismus ist geradezu darauf optimiert, am Leben teilzunehmen und es voranzutreiben.
In meinen Augen ist alles was lebt ein Beweis für die schöpferische Kraft des Lebens. Gott will das Leben - und er er will es ganz offensichtlich in dieser Vielfalt und Dynamik, die das Leben nun einmal ausmacht.
Zu dieser Dynamik gehört leider auch, dass sich manches mal ein Lebewesen auf Kosten eines anderen ausbreitet. Das gilt für das Corona-Virus. Für die Menschen ist das Virus eine Gefahr. Doch auch dieses Virus ist Teil des großen Ganzen, das wir Leben nennen.
Die Schöpfung Gottes umfasst soviel mehr als nur uns Menschen - Es dreht sich im Leben nicht nur um uns. Diese Einsicht kann entweder dazu führen, dass wir uns klein fühlen oder aber sie kann uns das Gefühl dafür geben, dass wir Teil eines großen Ganzen sind. Mich jedenfalls erfüllt es mit Ehrfurcht, mir bewusst zu machen, dass ich Teil der Geschichte Gottes mit der Welt bin, die vor Milliarden von Jahren begann.
Und wenn ich mir die Wunder anschaue, die die Natur dabei hervorgebracht habe, kann ich nur zustimmen zu dem, was der Beter im 139. Psalm sagt - und das nicht nur in Bezug auf den Menschen, sondern auf das Leben im Ganzen:
„Ich danke dir dafür, dass ich so wunderbar erschaffen bin, es erfüllt mich mit Ehrfurcht. Ja, das habe ich erkannt: Deine Werke sind wunderbar!“ (Psalm 139,14)
 
Ihr  
     
 
 
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3-Minuten-Kirche am 27. Mai 2020

 

 
 
„Le Penseur“ – „Der Denker“ ist eine der bekanntesten Skulpturen Rodins. Dieses Foto ist eine Erinnerung an einen Besuch im Rodin-Museum in Paris vor vielen Jahren. Mir gefällt dieser ruhige Denker, der erst einmal in Ruhe überlegt, abwartet, nicht vorschnell handelt. Solch eine Haltung wünsche ich mir gerade manchmal auch für mich selbst. Nach vielen Wochen der Krankheit bin ich wieder im Dienst und muss für mich vieles neu sortieren und strukturieren. Das muss an vielen Stellen gut überlegt sein, damit auch alles funktioniert.
Diese nachdenkliche Haltung wünsche ich mir im Moment aber nicht nur für mich selbst, sondern auch für das tägliche Zusammenleben. Etwas weniger Wettstreit unter den politisch Verantwortlichen, wer denn als erstes die meisten Maßnahmen lockert. Weniger Verschwörungstheorien, die laut in die Welt hinausposaunt werden.
Das Virus ist nicht verschwunden, das haben die Nachrichten in den letzten Tagen wieder deutlich gemacht. Wir werden noch lange damit leben müssen und somit auch mit Einschränkungen im täglichen Leben. Auch an Gottesdienste mit Mundschutz und ohne Gesang werden wir uns erst gewöhnen müssen. Ich denke, all das ist möglich, wenn wir weiterhin aufeinander Rücksicht nehmen und weiter vorsichtig im Umgang miteinander sind. Dabei vertraue ich auf das Wirken Gottes unter uns. Denn: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ (2. Tim. 1,7)
 
Ihre Pastorin
                      
 
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KU in Zeiten von Corona  

                                   

 

Seit Mitte März musste alles ausfallen: Schule, Urlaub, Sportverein, Freunde treffen, Großeltern besuchen – und auch der Konfirmandenunterricht. Auch wenn Schulunterricht nun stufenweise wieder stattfindet, ist die Wiederaufnahme der „Präsenz-Konfirmand*innenarbeit“ noch immer schwierig. Wir tragen Verantwortung für die Menschen in unseren Gemeinden. Das heißt auch, dass

wir weiterhin alles tun, um die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen. Niemand soll unter Druck geraten, weil Termine nicht stattgefunden haben oder KU- Punkte fehlen.

Aus diesem Grund geben wir bekannt, dass im Gemeindeverband Saaletal in diesem KU-Jahr (einschließlich Sommerferien) keine KU-Nachmittage und keine Projekte mehr und leider auch keine KU-Fahrt im Sommer stattfinden werden. Auch Gottesdienstpunkte werden nicht weiter gesammelt (ihr seid aber natürlich trotzdem herzlich eingeladen). Am Ende dieses KU-Jahres verzichten wir auf die Kontrolle der gesammelten Punkte, so dass niemand Sorge haben muss, zu wenig Punkte zu haben.

Der KU4-Unterricht wird nicht wie geplant starten. Mit den betroffenen Familien werden wir nach den Ferien direkt Kontakt aufnehmen. Auch alle geplanten El- ternabende im Juni/Juli für alle KU-Jahrgänge können auch nicht stattfinden. Wir werden uns erst nach den Sommerferien mit neuen Informationen melden, wie das dann neu beginnende KU-Jahr aussehen könnte. Alle betroffenen Familien werden persönlich angeschrieben und informiert werden.

 

Konfirmationsgottesdienste 2020?

 

Gerade erst beginnt ein vorsichtiges Herantasten an eine neue Form von Gottesdiensten. Aufgrund der Abstands- und Hygieneregeln sind nur sehr wenige Besucher*innen möglich. Vermutlich werden aber auch im Herbst noch keine "großen" Konfirmationsgottesdienste stattfinden können. Es ist zu überlegen, ob Gruppen geteilt und Teilnehmer*innenzahlen eingeschränkt werden sollen (können) - oder im nächsten Jahr eine Konfirmationsgottesdienst für alle Jugendlichen einer Gruppe gefeiert werden kann. In diese Überlegungen werden - frühestens nach den Sommerferien - auch die Jugendlichen und ihre Eltern mit einbezogen werden.

 

Wenn Ihr Konfirmand*innen oder Sie, als Eltern bis dahin Fragen haben, melden Sie sich gern bei uns. Wir versuchen, gemeinsam eine gute Lösung für alle zu finden. 

  

Bis dahin, bleiben Sie, bleibt ihr gesund und behütet!

 

 

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Monatsspruch Juni 2020

Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder.
(1. Kön 8, 39)
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