3-Minuten-Kirche am 2. August 2020

 

 

„Zwei Menschen sind miteinander unterwegs, beide gehen in schnellem Schritt nebeneinander her. Da macht der eine ganz unvermittelt eine Pause, setzt sich einfach nur hin und sagt auch nichts dazu. Der andere versteht das nicht und drängelt, weiter zu gehen. Da sagt der erste: Ich muss erst meine Seele nachkommen lassen.“
 
Diese kleine Geschichte habe ich vor 10 Jahren bei meiner Einführung hier im Gemeindeverband erzählt. Gerade umgezogen und voller neuer Eindrücke musste ich erst einmal ankommen, und das mit Leib UND Seele.
Nun bin ich längst richtig angekommen und habe auch schon die ein oder andere zarte Wurzel geschlagen. Trotzdem begleitet mich in den letzten Wochen schon wieder das Gefühl, dass ich meine Seele nachkommen lassen muss. Woran liegt das? Im letzten halben Jahr hat sich vieles in einer rasanten Geschwindigkeit verändert.
Zuerst der komplette Lockdown, der so vorher nicht vorstellbar gewesen wäre. Dann die schrittweisen Lockerungen, die fast wöchentlich neue Regeln mit sich brachten. Das alles immer begleitet von den Überlegungen, was das jetzt für die Arbeit in der Gemeinde, für Gottesdienste, Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und Konfirmand*innen heißt. Jetzt sind Ideen da, Konzepte und Terminpläne fertig und niemand weiß, angesichts der wieder steigenden Infektionszahlen, ob das alles realisierbar wird. Diese permanente Unsicherheit und die immer neuen Veränderungen hinterlassen in mir das Gefühl, dass meine Seele bei all dem nicht hinterherkommt.
 
Auf der Suche nach einem Ruhepunkt ist mir ein Bibelvers begegnet, der mich schon so manches Mal in meinem Leben begleitet hat. Da sagt Jesus: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.“ (Mt 11, 28+29) Da ist jemand bei dem ich meine Sorgen und Nöte lassen kann und der mir die nötige Kraft und Ruhe gibt für das, was auf mich wartet. Der lässt auch meine Seele nachkommen.
 
Einen solchen Ruhepol in diesem Sommer wünscht Ihnen Ihre Pastorin

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Monatsspruch August 2020

Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.
(Ps 139,14 )
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